Wacker Chemie AG ist einer der weltweit größten Hersteller von Silizium, dem wichtigsten Rohstoff für die Produktion von Solarmodulen. / Quelle: Unternehmen

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Hat die Aktie der Wacker Chemie AG weiteres Kurspotential?

Die Aktie des Münchener Solarzulieferers Wacker Chemie AG hat heute ihren Aufwärtstrend fortgesetzt. Sie kletterte im Xetra auf 62,8 Euro und hat sich damit auf Jahressicht um 13 Prozent verbessert. Das ist das Ergebnis der starken Wertentwicklung in den letzten drei Monaten, in denen der Anteilsschein mehr als 25 Prozent zulegte.

Anfang Mai hatte der der Anteilsschein von Wacker Chemie erst bei knapp 55 Euro notiert. Wir hatten damals über die Einschätzung von Christoph Schöndube berichtet, einem Analysten der WGZ-Bank. Er hatte damals Anzeichen für eine Kurserholung gesehen und als Kursziel 65 Euro genannt. Er sieht sich heute in dieser Einschätzung bestätigt und rär dazu, das Papier zu halten. Das Kursziel hebt er leicht auf 66 Euro an.

Wacker Chemie ist weltweit einer der größten Hersteller von Silizium, dem wichtigsten Rohstoff für Solarhersteller. Die brennen aus Silizium Ingots, schneiden sie in Wafer, aus denen Solarzellen gefertigt und zu Solarmodulen gebündelt werden. In Europa ist Wacker Chemie sogar der größte Produzent dieses Rohstoffs. Doch ein Großteil der Umsätze wird in Asien erwirtschaftet. Im vergangenen Jahr lag der Umsatzanteil des Asiengeschäfts von Wacker Chemie bei 40 Prozent, und Kunden aus China waren dabei die Hauptabnehmer.

Daher wirkt sich der Handelsstreit der EU mit China auch auf die des Münchener Konzerns aus. Denn China hat erbost darauf reagiert, dass die EU seit Juni Strafzölle auf Solartechnik aus der Volksrepublik erhebt, weil deren Hersteller Preise unterhalb der Produktionskosten verlangen und durch staatliche Institutionen finanziell unterstützt werden. China hat gedroht, im Gegenzug Strafzölle auf EU-Produkte zu erheben und dabei dies ausdrücklich auch auf die Einfuhr von Solarsilizium bezogen. Chinesische Siliziumproduzenten wie etwa GCL-Poly Energy Holdings und Daqo New Energy wiederum hatten einen Ausbau ihrer Produktion angekündigt.

Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums hat die chinesische Regierung nun im Rahmen der aktuellen Verhandlungen mit EU-Vertretern zugesichert, keine Strafzölle auf die Einfuhr von Polysilizium aus der EU zu erheben. Nach Ansicht von Schöndube entfällt damit ein wesentliches Risiko für das Investment in die Wacker-Aktie.

Der Analyst sieht aber dennoch keinen Grund, die Beteiligung zuzukaufen, sondern rät lediglich zum Halten. Schöndube verweist auf das weiterhin niedrige Preisniveau bei Solarsilizium. Hier waren allein die 2012 die Preise um 52 Prozent gefallen, da es hohe Überkapazitäten im Markt gibt. Dies wiederum ist eine Folge des großen weltweiten Überangebots an Solarmodulen, deren Preise daher stark gefallen sind. Aus diesem Grund ist die Siliziumnachfrage der Solarhersteller gering und können sie deutliche Preisnachlässe verlangen.

Ende April hatte Wacker Chemie bei der Bekanntgabe der Zwischenbilanz für das 1. Quartal angeführt, der niedrige Siliziumpreis habe Ergebniseinbußen hervorgerufen (auch darüber haben wir berichtet). Für das Gesamtjahr 2013 hat die Konzernspitze daher weniger Gewinn als noch 2012 angekündigt. Schöndube geht davon aus, dass der Gewinn je Aktie in 2013 gegenüber dem Vorjahr von 2,27 auf 2,11 Euro sinken wird. Für 2014 sagt er aber einen Gewinnsprung auf 2,75 Euro je Aktie voraus.

Wacker Chemie AG: ISIN DE000WCH8881 / WKN WCH888
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