Als juwi renewable-IPP hatte die heutige 100% RE-IPP mit den Genussscheinen bei Anlegern unter anderem Kapital für Windkraftprojekte eingesammelt. / Foto: juwi Gruppe

12.11.15 Anleihen / AIF

Heute läuft die Frist ab: Was dafür spricht, die Genusscheine nicht an das Unternehmen "100% RE-IPP" zurückzugeben

Noch bis heute, den 13. November 2015 - so erklärte eine Angestellte für die 100% RE-IPP GmbH & Co. KG (ehemals juwi renewable IPP GmbH & Co. KG) - können Anleger auf das Angebot des Unternehmens eingehen, die Genusscheine zurückzugeben, die sie vor vier beziehungsweise fünf Jahren erworben haben (lesen Sie dazu auch den  ECOreporter.de-Bericht vom 10. November).

6 beziehungsweise 7 Prozent Zinsen erhalten die Anleger pro Jahr auf ihre eingezahlte Summe. Trotz der zwischenzeitlichen Schieflage der juwi AG aus Wörrstadt: Die Genusschein-Zinsen wurden bedient. Denn die 100% RE-IPP gehört zwar mehrheitlich den juwi-Gründern Matthias Willensbach und Fred Jung, aber es ist eine komplett getrennte Firma, die sich die Gothaer Versicherung als strategischen Partner an Bord geholt hat: In einer Pressemitteilung hieß es Anfang 2014, dass der Versicherer juwi IPP mit bis zu 150 Millionen Euro „eigenkapitalähnlichen Mitteln“ über eine Laufzeit von 20 Jahren unterstützen will. Doch nicht alles lief gut in der letzen Zeit: Im März dieses Jahres berichtete die Allgemeine Zeitung (Rhein Main Presse), dass sich juwi-IPP von seinen Geschäftsführern "überraschend" getrennt hätte. Manfred Jakobs, langjähriger Wegbegleiter von Matthias Willenbacher und Fred Jung, sowie Björn Meyer, der ebenfalls viele Jahre für juwi in verantwortungsvoller Position tätig gewesen sei, seien gegangen - „aufgrund differierender Vorstellungen über die Zusammenarbeit und die strategische Ausrichtung“.

Wie es der 100% RE-IPP derzeit wirtschaftlich geht, bleibt ungewiss. Hinter vorgehaltener Hand heißt es im Umkreis des Unternehmens jedoch: Es sieht nicht schlecht aus. ECOreporter.de hat Finanzfachleute befragt, einhellige Meinung: Für eine seriöse Prognose liegen zu wenig Fakten vor. Da aber auch keine negativen Fakten vorlägen, sollten Anleger, die im Extremfall einen Verlust verkraften können, investiert bleiben und weiter die überdurchschnittlich hohen Zinsen kassieren, so die Einschätzung (auf die sich aber niemand festnageln lassen will).

Ursprünglich galt das Rückkaufangebot nur bis zum 2. November. Von der Verlängerungsoption hat 100 % RE-IPP Gebrauch gemacht - was als Anzeichen dafür gedeutet wird, das nicht so viele Anleger wie erhofft die Genusscheine verkauft haben.

Fazit: Eine unglückliche Situation, Entscheidungen ohne genaue Faktenkenntnis treffen zu müssen. Wer jetzt verkauft, hat immerhin schon einige Male die recht hohen Zinsen eingestrichen.  Und ob es eine weitere Rückgabemöglichkeit geben wird, ist ungewiss. Wer nicht verkauft, setzt letztlich Vertrauen in die Tatsache, dass eine Gothaer Versicherung nicht einfach so 150 Millionen Euro investiert hat.
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