14.01.10 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Hiobsbotschaft für die Photovoltaikbranche? - starke Kürzung der französischen Solarstromvergütung angekündigt



Demnach wir der Tarif für Aufdach-Solaranlagen um satte 24 Prozent auf 0,42 Euro je Kilowattstunde gekürzt. Die Förderung war erst vor wenigen Monaten heraufgesetzt worden. Die neue Regelung ist bereits in Kraft. In Frankreich wurde vom Staat in den letzten Jahren vor allem die gebäudeintegrierten Photovoltaik (GIPV) gefördert und werden Anlagen auf Gebäuden vom Staat bevorzugt behandelt.

Etliche deutsche Solarunternehmen hoffen auf gute Geschäfte in Frankreich. So etwa die Phoenix Solar AG, die dort laut Vorstandschef Andreas Hänel bei der Projektierung von Solarkraftwerken besonders erfolgreich ist (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem Beitrag über die Auslandsstrategie des TecDax-Unternehmens aus dem bayrischen Sulzemoos). Die Freiburger S.A.G. Solarstrom AG hat nach eigenen Angaben sogar für Frankreich ein eigenes Konzept für dachintegrierte Photovoltaikanlagen entwickelt. Die Aktien beider Gesellschaften gerieten heute in Frankfurt unter Druck. Der Anteilsschein von Phoenix Solar verbilligte sich bis 11 Uhr um 3,4 Prozent, das Papier der S.A.G. um 1,3 Prozent.

Auch andere deutsche Akteure sind im französischen Solarmarkt aktiv. Unter anderem baut die Hamburger Colexon Energy AG dort für die tnp Mitteldeutsche Fonds Beteiligungs GmbH (tnp MFB GmbH) Solarkraftwerke mit 15 Megawatt (MW) Leistung. Die Frankfurter Sinosol AG hat in Südfrankreich ein Sonnenstromkraftwerk mit einem MW Leistung für die Malibu GmbH & Co. KG errichtet, einem Joint Venture von Schüco International KG und dem Energiekonzern E.on, der verstärkt in den französischen Solarmarkt investiert.

Der französische Solarmarkt hatte seit 2006 eine stürmische Entwicklung hingelegt, als von der Regierung in Paris erstmals finanzielle Anreize für die Photovoltaik eingeführt wurden. Das staatliche Umweltprogramm 'Grenelle de L’Environnement' sieht bis 2020 Investitionen von 440 Milliarden Euro vor, wovon 115 Milliarden Euro in Erneuerbare Energien fließen sollen. Im vergangenen Jahr wurde der Fördertarif für Solarstrom aus Freiland- und Dachanlagen fast verdoppelt, zudem erhalten private Haushalte eine Steuergutschrift in Höhe von 50 Prozent der Ausrüstungskosten.

Diese Bedingungen führten dazu, dass etwa die Bank Sarasin für Frankreich ein überdurchschnittliches Marktwachstum prognostiziert hat. Für 2007 bis 2012 rechnet die Schweizer Bank mit einem durchschnittlichen Anstieg der jährlich neu installierten Photovoltaikleistung in Frankreich um 58 Prozent, währen sie für Europa pro Jahr im Schnitt einen Zuwachs 14 Prozent annimmt (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu unserem Beitrag vom Dezember über die Marktprognose von Sarasin).

Andrew Kinross von Navigant Consulting sieht in der angekündigten Kürzung der Solarstromvergütung jedoch keinen Anlass zur Sorge, im Gegenteil. Er betont, dass sich die Kürzung nur auf Aufdachanlagen beschränkt. Hier habe Paris eine so üppige Vergütung eingeführt, dass sich eine Blase zu bilden drohte, meint der Experte. Die zuständigen Behörden seien mit Anträgen für die Bewilligung der Vergütung überschüttet worden. Es habe eine Entwicklung wie in Spanien gedroht, wo es zu einer Überförderung gekommen sei. Als dort die Regierung in Madrid die Notbremse zog, sei der spanische Solarmarkt nahezu zusammen gebrochen. In Paris dagegen wolle man jetzt einfach frühzeitig den Fuß vom Gas nehmen, um eine solche Vollbremsung zu vermeiden und ein nachhaltiges Marktwachstum zu ermöglichen. Die künftige Vergütung in Höhe von 0,42 Euro sei immer noch sehr lukrativ, meint Kinross. Der Experte von Navigant Consulting befürchtet daher nicht, dass Investoren abgeschreckt werden. Der französische Solarmarkt werde weiter kräftig wachsen, gibt er sich  zuversichtlich.

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