11.04.11 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Hochzeit unter Solarausrüstern - Roth & Rau akzeptiert Übernahme durch Meyer Burger

Der schweizerische Solarausrüster Meyer Burger Technology AG will die ostdeutsche Roth & Rau AG übernehmen. Er hat den Aktionären des Unternehmens aus Hohenstein-Ernstthal ein freiwilliges öffentliches Angebot zur Komplettübernahmeunterbreitet. Für 22 Euro je Aktie will die in Baar ansässige Meyer Burger Technology AG sämtliche auf Inhaber lautenden Aktien von Roth & Rau übernehmen.

Dabei handelt es sich um eine freundliche Übernahme. Das betonten heute die Unternehmensschefs Peter Pauli von Meyer Burger und Dietmar Roth von Roth & Rau in einer Medienkonferenz. Demnach begrüßt und unterstützt die Roth & Rau das Angebot aus der Schweiz. Von den Gründern und Hauptaktionären Dietmar Roth, Silvia Roth und Bernd Rau habe die Meyer Burger AG gestern 11,3 Prozent der Anteile von Roth & Rau gekauft. Darüber hinaus hätten beide Unternehmen einen Vertrag über einen Unternehmenszusammenschluss (Business Combination Agreement) abgeschlossen. Für das Übernahmeangebot stehe allerdings noch die Zustimmung der zuständigen Kartellbehörden aus.

Die beiden Unternehmensschefs unterstrichen, dass es sich eher um eine Fusion der beiden Firmen handel als um eine Übernahme. So werde Dietmar Roth auch in den Verwaltungsrat der Meyer Burger Technology AG aufgenommen. Er werde sein Unternehmen nach der Eingliederung als Kern des neuen Technologie- und Kompetenzbereichs 'Zelle' der Meyer Burger Gruppe führen. Über einen möglichen Zusammenschluss sei man bereits seit Jahren seit Jahren in Gesprächen gewesen.

Die Einigung erfolgte laut Roth dann in der gestrigen Nacht. Der Vorstandsvorsitzende und Gründer der Roth & Rau AG erklärte dazu: „Wir sind der Überzeugung, dass Meyer Burger der ideale strategische Partner für eine nachhaltige dynamische Entwicklung unseres Unternehmens ist." So einen Partner kann der Solarausrüster aber derzeit auch gut gebrauchen. Laut den vor wenigen Tagen veröffentlichten testierten Zahlen verbuchte er 2010 27,3 Millionen Euro Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT). Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Einbruch um mehr als 70 Prozent.

Sebastian Zank, Analyst der West LB, beurteilt die kurzfristigen Ausssichten des Unternehmens skeptisch. Unter anderem habe Roth & Rau im ersten Quartal 2011 zum wiederholten Male Aufträge für Turnkey-Lösungen stornieren und Rückzahlungen leisten müssen – diesmal im Gesamtwert von 94 Millionen Euro. Insgesamt stehe zu befürchten, dass dem Unternehmen aufgrund seines limitierten Produktportfolios schwerere Zeiten am Markt bevorstünden. Zudem hängt eine Schadenersatzklage in dreistelliger Millionenhöhe durch die Conergy AG wie ein Damoklesschwert über der Roth & Rau AG eingereicht. Diese wirft dem Solarausrüster vor, eine Zellproduktionsline für das Conergy-Werk in Frankfurt an der Oder verspätet geliefert haben, die zudem nicht über die vereinbarten Eigenschaften verfügt haben soll. Gespräche über eine ausgerichtliche Einigung waren bislang ergebnislos geblieben.

Dagegen strotzt Meyer Burger vor Kraft. Der Schweizer Solarausrüster hat 2010 seinen Gewinn auf 127,9 Millionen Franken mehr als verdreifacht. Das Auftragsvolumen erreichte 2010 ein Volumen an neu erteilten Aufträgen von rund 1,33 Milliarden Franken und damit sieben Mal mehr als im Vorjahr. Per 31. Dezember 2010 belief sich der Auftragsbestand auf fast 1,5 Milliarden Franken. Im letzten Jahr war Meyer Burger, die ursprünglich vor allem Drahtsägen für die Verabreitung von Solarwafern lieferte, mit der Übernahme der 3S auch zum Ausrüster für Solarmodulproduzenten geworden. Nur der Bereich 'Solarzelle' war bislang "ein Loch in unserem Angebotsportfolio", wie Vorstandschef Pauli heute erklärte. Diese Lücke werde nun mit der Intergration der eben auf diesen Bereich spezialisierten Roth & Rau AG geschlossen. Zudem die Deutschen mit ihrer Technologie zur Prozessüberwachung noch ein weiteres Segment in der solaren Wertschöpfungskette abdecke. Das bereits von ihnen eingeleitete Kosten- und Strukturoptimierungsprogramm werde fortgeführt.

Drahtsäge von Meyer Burger. / Quelle: Unternehmen


Durch den geplante Zusammenschluss der beiden Unternehmen entsteht laut Roth ein umfassender Systemanbieter, "der alle wesentlichen Technologieschritte in der Wertschöpfungskette der Photovoltaik vom Solarsilizium bis zur fertigen Solaranlage, namentlich in den Bereichen Wafering, Solarzellen und Solarmodule abdeckt". Damit würden sich beide Unternehmen von ihrer Vergangenheit als "fragmentierter Einzelanlagen-Ausrüster verabschieden. Die Fusion eröffne beiden Unternehmen Synergien in vielen Bereichen, etwa in den Bereichen Vertrieb, Marketing, Forschung und Entwicklung. Beide Unternehmen verfügten über einen ähnlich hohen Marktanteil in ihren Kerntechnologien und seien überwiegend auf Kunden aus Asien ausgerichtet.

Meyer Burger will nach eigenen Angaben die Übernahme bis zum dritten Quartal 2011 abschließen. Sie finanziere das Übernahmeangebot aus bestehenden flüssigen Mitteln und durch die Aufnahme eines syndizierten Bankkredits. Die Annahmefrist für das Übernahmeangebot reiche bis Juni.

An der Frankfurter Börse legte die Roth & Rau-Aktie bis zum Mittag zweistellig auf über 22 Euro zu. Auf Monatssicht hat sich der Kurs damit um 40 Prozent verbessert. Vor einem Jahr notierte die Aktie allerdings noch 24 Prozent höher als heute. Die Aktie von Meyer Burger gab leicht nach, die Investition in Roth & Rau dürfte das Ergebnis des laufenden Geschäftsjahres belasten.

Ben Lynch, Analyst der Commerzbank, rät dazu, die Aktie der SChweizer beim aktuellen Kursniveau von rund 40 Franken bzw. 13 Euro zu halten. Die Einverleibung der Roth & Rau sei ein sinnvoller Schritt. Er weist zudem darauf hin, dass Spekulationen darüber jetzt vom Tisch seien, dass sich Roth & Rau mit dem Solarausrüster Manz zusammen tun könnte. Härtere Zeiten sieht er auf den bayrischen Solarausrüster Centrotherm zukommen. Der stehe nun in einem verstärktem Wettbewerb und müsse mehr in Forschung und Entwicklung investieren.

Roth & Rau AG: ISIN DE000A0JCZ51/ WKN A0JCZ5
Meyer Burger Technology AG: ISIN CH0108503795 / WKN A0YJZX

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