Mikrokredite werden vor allem an Frauen vergeben. Nicht zuletzt weil Mikrofinanzinstitute auf diese Weise die soziale Stellung von Frauen in armen Weltgegenden stärken. / Foto: SEK

15.01.16 Fonds / ETF

Hohe Nachfrage für die deutschen Mikrofinanzfonds

Die beiden deutschen Mikrofinanzfonds, in die Privatanleger direkt investieren können, haben 2015 stärker an Wert gewonnen als die meisten nachhaltigen Rentenfonds. Und beide verzeichneten 2015 einen starken Mittelzufluss. Das geht aus ihrer Jahresbilanz hervor. Nicht nur institutionelle Investoren wie etwa Stiftungen, auch immer mehr Privatanleger nutzen dieses Angebot, die Geldanlage mit einem sozialen Nutzen zu verbinden.

Der im Oktober 2011 aufgelegte IIV Mikrofinanzfonds der Invest in Visions GmbH aus Frankfurt hat kurz nach dem Jahreswechsel die Marke von 200 Millionen Euro Fondsvolumen überschritten. Dieses ist allein seit Dezember 2014 um mehr als 140 Prozent gewachsen. Dieser Mikrofinanzfonds hat damit nach etwas mehr als vier Jahren weitaus mehr Kapital angesammelt als die meisten Nachhaltigkeitsfonds, die überwiegend weitaus länger auf dem Markt sind. Viele Nachhaltigkeitsfonds liegen sogar deutlich unterhalb der Marke von 100 Millionen Euro Fondsvolumen. In den vergangenen zwölf Monaten verzeichnete der IIV Mikrofinanzfonds monatlich durchschnittlich rund 10 Millionen Euro Nettomittelzuflüsse, vornehmlich von Stiftungen, Vermögensverwaltern, Banken und kirchlichen Einrichtungen, wie Edda Schröder erläutert, Geschäftsführerin und Fondsmanagerin der Invest in Visions GmbH. Das Unternehmen verzeichnet nach ihren Angaben aber auch eine starke Nachfrage von Privatanlegern für ihren Mikrofinanzfonds. „Wir bekommen über unsere Kooperationspartner im Bankenbereich und freie Finanzberater viele Anfragen für ihre Privatanleger, die auch einen großen Wert auf die soziale Rendite legen“, so Schröder.

Mikrofinanzfonds finanzieren die Selbstbefreiung von Armut

Fonds wie der IIV Mikrofinanzfonds stellen Mikrofinanzinstituten in armen Weltgegenden Kapital zur Verfügung, meist über Schuldverschreibungen, für die sie dann Zinsen erhalten. Dieses Kapital nutzen die Mikrofinanzinstitute, um Kleinkredite an Menschen zu vergeben, diesen damit den Aufbau einer wirtschaftlichen Existenz zu finanzieren. Damit sich etwa eine Frau in Kambodscha eine Nähmaschine kaufen und eine Schneiderei aufmachen kann. Oder damit etwa ein Instrumentenbauer aus der Mongolei Holz und Werkzeug erwerben kann. Die Nachfrage nach solchen Mikrokrediten ist riesig, denn in vielen armen Weltgegenden haben die Menschen keinen Zugang zu Finanzdienstleistungen. Und wenn doch, so verfügen sie nicht über ausreichende Sicherheiten, um ein Darlehen von herkömmlichen Banken zu erhalten. Mikrofinanzinstitute füllen diese Lücke, und sie vergeben auch Kredite in dem geringen Umfang, den solche Kunden benötigen, oft nur wenige Hundert Dollar. Für herkömmliche Finanzinstitute lohnt sich das Geschäft mit derart geringen Krediten nicht und kommt es daher für sie nicht in Frage.

Mit den Darlehen von Mikrofinanzinstituten erhalten Menschen in armen Weltgegenden eine Chance, sich aus eigener Kraft aus der Armut empor zu arbeiten. Wenn sie einen Kleinkredit erfolgreich bedient haben, qualifizieren sie sich für einen weiteres, umfangreicheres Darlehen. Weil das für die Kunden oft eine einzigartige Chance ist, der Armut zu entfliehen, ist die Rückzahlungsquote bei Mikrokrediten extrem hoch. Entsprechend sicher ist das Investment in Mikrofinanzfonds, die diese Darlehen ja refinanzieren. Viele Mikrofinanzinstitute bieten ihren Kunden aber mehr als nur Kredite, ermöglichen auch Überweisungen, die Einlage von Ersparnissen und Weiteres. Vor allem aber prüfen die Mikrofinanzinstitute, ob die Geschäftsidee aussichtsreich ist. Der IIV Mikrofinanzfonds verlangt zudem von diesen Finanzdienstleistern, dass sie im Blick haben, ob die Geschäftsmodelle der Kunden auch einen Wert für die Region haben, etwa die Wirtschaft eines Dorfes oder Landkreises beleben. Damit nicht zum Beispiel jemand eine Hühnerfarm gründet, obwohl es schon viele Hühnerzüchter gibt. Stattdessen sollen die Mikrokredite dazu beitragen, in armen Weltregionen kleine Inseln funktionierender Wirtschaftseinheiten aufzubauen.

Die Invest in Visions GmbH beachtet wie viele andere Anbieter von Mikrofinanzfonds die UN "Principles for Investors in Inclusive Finance" (PIIF). Diese Prinzipien verpflichten dazu, nur in Mikrofinanzinstitutionen zu investieren, die mit sozialem Anspruch arbeiten, nicht die schnelle Rendite anstreben, sondern einen langfristigen finanziellen und sozialen Gewinn. Dennoch lohnt sich das Investment. Die Privatanlegertranche des IIV Mikrofinanzfonds hat in 2015 2,8 Prozent an Wert gewonnen und damit mehr als die meisten nachhaltigen Rentenfonds. Sie hätte es damit in die Top 10 der Jahresauswertung der nachhaltigen Rentenfonds geschafft, die Sie  hier (Link entfernt)  lesen können). Zudem erhalten die Investoren des IIV Mikrofinanzfonds auch für 2015 eine Dividende. Die Ausschüttung für 2015 beläuft sich für Privatanleger auf 2,10 Euro pro Anteil. Pro Jahr fällt bei diesem Fonds für Privatanleger eine Verwaltungsgebühr von 1,4 Prozent an. Die Gesamtkostenquote (englisch Total Expense Ratio, Abkürzung TER) beträgt 2,1 Prozent. Das Investment ist ab 100 Euro möglich, es fällt ein Ausgabeaufschlag von drei Prozent an.

Der IIV Mikrofinanzfonds war zum Jahresende in 19 Ländern investiert, zu rund 36 Prozent in Asien, zu rund 29 Prozent in Lateinamerika, zu rund zwölf Prozent im Kaukasus und zu über zwei Prozent in Afrika. Rund 20 Prozent des Fondsvolumens konnten noch nicht angelegt werden, vor allem weil der Mittelzufluss so stark ist und eine sorgfältige Prüfung geeigneter Mikrofinanzinstitute Zeit in Anspruch nimmt. „Wir haben unser Anlageuniversum um weitere Länder wie u.a. Usbekistan, Sri Lanka und Kenia ausgeweitet und vergeben mittlerweile Darlehen an 54 Mikrofinanzinstitute“, erläutert Edda Schröder. Darüber hinaus sei Anfang 2015 mit der Erweiterung des hauseigenen Investmentteams und einer engeren Kooperation mit dem Beratungshaus Incofin Investment Management das Research ausgebaut worden.

KCD-Mikrofinanzfonds III als Senkrechtstarter

Auf ein erfolgreiches Jahr kann auch die katholische Bank im Bistum Essen für ihren KCD-Mikrofinanzfonds III zurück blicken. Er wurde erst Ende Januar aufgelegt, hat aber bis Ende Dezember bislang bereits eine Rendite von 2,69 Prozent erreicht. Vor allem aber ist das Fondsvolumen stark gewachsen. Es kletterte bis zum Jahresende auf 36,3 Millionen Euro, nachdem der KCD-Mikrofinanzfonds III mit einem Volumen von 14 Millionen Euro gestartet war. Anleger können Bank im Bistum Essen Fondsanteile zeichnen. Das KCD im Namen dieses Mikrofinanzfonds steht für Kirche, Caritas und Diakonie. Die Bank im Bistum Essen investiert selbst seit Jahren in den Mikrofinanzsektor (über den Sie auf dieser  Sonderseite (Link entfernt)  von ECOreporter.de mehr erfahren). Die Kirchenbank ist auch für das Fondsmanagement des KCD-Mikrofinanzfonds III verantwortlich. Anleger können in den Fonds ab einer Mindestanlage von 1.000 Euro investieren. Die Bank im Bistum Essen erhebt einen Ausgabeaufschlag von drei Prozent. Die Managementvergütung beträgt pro Jahr bis zu 1,3 Prozent, die Gesamtkostenquote 2,4 Prozent. Anfallende Erträge werden an die Investoren ausgeschüttet.

Bildhinweis: Marktfrau in Asien. / Quelle: Fotolia

Der KCD-Mikrofinanzfonds III folgt ebenfalls den "Principles for Investors in Inclusive Finance". Auch sein Fondsvolumen ist zu rund 80 Prozent investiert, in 27 Mikrofinanzinstitute in 14 Ländern. Der Schwerpunkt liegt gegenwärtig auf Mikrofinanzinstituten in Asien mit rund 32 Prozent des Fondsvolumens. Mit über 28 Prozent folgen Mikrofinanzinstitute in osteuropäischen Ländern wie Armenien und Georgien. Auf Lateinamerika entfallen rund 19 Prozent.  

Trotz großer Nachfrage nur geringes Angebot an deutschen Mikrofinanzfonds

Diese beiden Fonds sind gegenwärtig die einzigen Mikrofinanzfonds, in die deutsche Privatanleger direkt investieren können. Zum Hintergrund: im Juli 2014 endete eine Übergangsfrist des im 2013 eingeführten Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB). Damit schloss sich für deutsche Privatanleger ein Schlupfloch, über das sie bis dahin in Mikrofinanzfonds investieren konnten. Schon nach dem alten Investmentgesetz mussten Mikrofinanzfonds hohe Auflagen erfüllen, um in Deutschland zum Vertrieb zugelassen zu werden. Deshalb verzichteten die Anbieter in der Regel auf die deutsche Vertriebszulassung und begnügten sich damit, darüber in anderen EU-Staaten zu verfügen, beispielsweise in Luxemburg. Mit einer solchen Vertriebszulassung durften Banken und Anlageberater zwar nicht von sich aus Anleger auf Mikrofinanzfonds ansprechen. „Aktiver Vertrieb“ war nicht erlaubt. Aber wenn ein privater Anleger selbst nach einem Mikrofinanzfonds fragte und außerdem Kunde bei der Bank oder dem Anlageberater war, dann durfte ihm so ein Produkt angeboten werden: Das galt eben nicht als „aktiver Vertrieb“, sondern als eine Form eines so genannten „Private Placements“, eines nicht öffentlichen Angebots.

Doch seit Juli 2014 unterscheidet der Gesetzgeber nur noch zwischen privaten, professionellen und semi-professionellen Anlegern. Für private Anlager kommen seither ausnahmslos nur noch Anlageprodukte mit deutscher Vertriebszulassung in Frage. Es lohnt sich aber für die Anbieter von bereits seit Jahren bestehenden Mikrofinanzfonds nicht, ihre auf die Anforderungen in anderen Ländern ausgerichteten Produkte für die deutschen Anforderungen umzustricken. Daher kommen für deutsche Privatanleger, die in Mirkofinanzfonds investieren wollen, derzeit nur der IIV-Mikrofinanzfonds der Invest In Visions GmbH und der KCD-Mikrofinanzfonds III in Frage.
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