25.08.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Holzinvestments: Eine Allianz fürs Leben


Anlagenotstand 2009: Aktien gelten immer noch als riskant, Termingelder und Anleihen bringen kaum Zinsen, Goldpreis eignet sich nur für Investoren mit Nerven wie Drahtseilen. Und über allem schwebt das Inflationsgespenst.

Also ein Umfeld wie geschaffen für Holz-Investments? Immer mehr Angebote für Privatanleger kommen auf den Markt. Die Initiatoren werben damit, dass ihre Investments ganz natürlich wachsen: Jahr für Jahr, Ring um Ring. Die Holzpreise steigen stetig, die Nachfrage ebenso, die Waldflächen schwinden. Die Anbieter der hölzernen Anlageprodukte schreiben die Entwicklung in ihren Prognosen fort und stellten entsprechend hohe Renditen in Aussicht. Die Bandbreite reicht von 4,5 bis 15 Prozent pro Jahr, über die gesamte Laufzeit gerechnet.

Im Vertrieb wird derzeit besonders gern darauf hingewiesen, dass die Investition in Sachwerte, wie Grund und Bäume, das Vermögen vor Inflation und Kaufkraftverlust schützt. Zwar lag die Inflationsrate in Deutschland im Sommer nahe Null. Doch die ausufernde Staatsverschuldung könnte die Geldentwertung in den kommenden Jahren durchaus wieder anheizen.

Hinzu kommen die ökologische und die soziale Rendite: Wald speichert CO2, bremst die Erosion fruchtbarer Böden und schafft im besten Fall Schutzzonen für Tiere und Pflanzen. Die Bewirtschaftung der Plantagen wiederum bringt Arbeit in die meist armen Regionen.

Doch für Anleger gibt es auch Nachteile. Die Finanzkrise hat gezeigt, dass die Holzpreise durchaus einmal nach unten gehen können, genauso wie die Nachfrage. Die langen Laufzeiten der Holz-Investments dürften das zwar wohl ausgleichen, aber sie sind ein schwer verdaulicher Brocken: Fließt das Geld beispielsweise in die Aufforstung von Brachflächen, darf der Anleger je nach gepflanzter Baumart frühestens nach acht bis elf Jahren erste Erträge erwarten. „Nach 11 bis 14 Jahren erfolgt auf unseren Plantagen die zweite Ausdünnung des Baumbesatzes. Und erst nach dieser Zeit haben die dann geernteten Bäume ein astfreies Volumen erreicht, das eine wirtschaftliche Verwertung erlaubt“, erklärt Ute Bahr von der Tlan Makàn GmbH, Hamburg. Das Unternehmen bietet seit kurzem ein Investment in Form eines partiarischen Darlehens an. Die Darlehensgeber finanzieren die Aufforstung von Flächen in Mexiko und erhalten dafür eine gewinnabhängige Verzinsung. Die Laufzeit bis zur Schlussernte beträgt 25 Jahre. Zu diesem Zeitpunkt ist die größte Ausschüttung und die Kapitalrückzahlung an die Darlehensgeber geplant.

Die Laufzeit ist durchaus nicht untypisch lang für Waldinvestments, zumindest wenn es um neue Plantagen geht. Während der langen Anlagedauer könnte einiges passieren: Die Betreiber der Plantagen und/oder die Initiatoren des Projekts könnten insolvent werden. Riskant kann es sein, wenn der Erfolg eines Projekts sehr stark mit dem Engagement eines einzelnen Initiators verknüpft ist, der z.B. vor Ort über besonders gute Kontakte verfügt. Was, wenn diese Person ernsthaft und dauernd krank wird?

Bei den Anlagegesellschaften handelt es sich häufig um Unternehmen im Ausland. Interessenten sollten vor dem Einstieg klären, welches Recht bei Streitigkeiten gelten wird. Harry Assenmacher, Geschäftsführer der Forest Finance Service GmbH in Bonn, betont deshalb, „dass wir unseren Kunden deutsches Recht bieten und insofern gegebenenfalls Ansprüche von Kunden innerhalb Deutschlands nach deutschem Recht zu verfolgen sind und nicht nach dem Recht von Nicht-EU-Staaten.“

Weitere Gefahren birgt die Natur. Die Bäume können von Schädlingen befallen werden, sie können durch Brand oder Sturm vernichtet werden. Bis auf Forest Finance verzichten fast alle Anbieter darauf, ihre Anlagen gegen Naturgewalten zu versichern – aus wirtschaftlichen Gründen, wie es zumeist heißt. „Die Historie zeigt, dass sich die Risiken von Waldinvestments durch Diversifikation und aktives, professionelles Management auch ohne teuren Versicherungsschutz kontrollieren lassen. Unter den großen Waldmanagern in den USA ist es daher nicht üblich, diese Flächen zu versichern“, erklärt etwa die KG Allgemeine Leasing GmbH & Co., Grünwald, warum sie die für ihren Waldfonds TimberClass 1 gemanagten Waldflächen nicht versichert.

Friedrich Wilhelm Liffert gewichtet diese Risiken ebenfalls gering. Der Betriebswirt hat sich auf die Vermittlung von Waldinvestments spezialisiert, nachdem er 28 Jahre lang eine Generalvertretung der Allianz Versicherung geleitet hatte. „Wichtiger ist, wohin mein Geld fließt: Wird in Primärwald investiert oder in Plantagen?“, gibt Liffert zu bedenken. Primärwald sei in der Regel wenig gepflegt, es werde nicht regelmäßig ausgedünnt. Die Folge: Die Holzqualität ist gering. Bei Plantagen – zumindest wenn dort gut gearbeitet werde – sei die Holzqualität erheblich höher und der erzielbare Ertrag damit größer. Zu bevorzugen seien Projekte, die forstwissenschaftlich begleitet würden.

Auch die soziale Rendite von Plantagen fällt laut Liffert höher aus: „Die Aufforstungen geben Menschen Arbeit, die sonst meist als Selbstversorger von ihrem kleinen Stück Land leben. Bei bestehenden Wäldern hingegen ernten die Betreiber in der Regel einfach nur die besten Hölzer. Das sind manchmal 100 oder 150 Jahre alte Bäume. Wie soll das nachwachsen?“

Generell gilt für alle Holzinvestments, dass die Kosten- Strukturen nicht leicht zu durchschauen sind. Liffert rät, Anleger sollten aus Gründen der Risikostreuung nicht mehr als zehn Prozent ihres Vermögens in diesem Bereich investieren. „Wenn das trotzdem noch eine größere Summe ist, ist zu überlegen, das Geld auf verschiedene Wald-Investments zu verteilen. So mindert man geopolitische Risiken und kann vielleicht auf verschiedene Nutzungsarten der Hölzer setzen, z.B. Edelhölzer, Nutzholz und Biomasse.“

Fazit: Anleger sollten genau hinschauen, welche Personen hinter dem Waldinvestment stehen, wo investiert wird und wie nachhaltig gearbeitet wird. Einen Hinweis darauf gibt die Zertifizierung durch das allgemein anerkannte Forest Stewardship Council (FSC). Aus ökologischer wie ökonomischer Sicht erscheinen die Projekte grundsätzlich sinnvoll. Aber jedem Investor muss klar sein, dass die Laufzeiten lang sind. Wer hier einsteigt, begründet möglicherweise eine Allianz fürs Leben.



Weitere Möglichkeiten, in Holz zu investieren:
Über die Börse sind z.B. Aktien des Bambusproduzenten Asian Bamboo (ISIN: DE000A0M6M79) oder der Schweizer Precious Woods AG (ISIN: CH0013283368) zu kaufen. Die Traunsteiner Neue Vermögen AG hat ein nach eigenen Angaben insolvenzsicheres Zertifikat (ISIN: XS0410448459) auf den Offenen Waldfonds Focus Global Forests Fonds der Catella Real Estate, München, aufgelegt. Die Mindestanlage beträgt 5.000 Euro (zuzüglich drei Prozent Agio). Bis zum fünften Jahr kostet die Rückgabe eine Gebühr. Laut Fondsgesellschaft wird weltweit nur in FSC-zertifizierte Waldflächen investiert.
Die Lignum AG bietet eine Art Future, bei dem Anleger in eine bestimmte, noch zu produzierende Menge europäischer Edelhölzer investieren. Angebaut werden Robinie, Maulbeere, Schwarznuss und Kirsche ausschließlich in Bulgarien. Diese Edelhölzer könnten mit ihren Eigenschaften tropische Edelhölzer wie Teak komplett ersetzen, heißt es bei Lignum.
Die Forstinvest GmbH & Co. KG, Soltau, bietet Waldstücke in Ost-Paraguay zum Kauf oder zur Pacht an. Die Pflege bis zur Ernte in elf bis 20 Jahren ist inklusive. Aus dem Verkauf der Holzernte ergibt sich der Gewinn, der von Forstinvest mit „bis zu 13 Prozent“, beim Kauf zuzüglich der Steigerung des Bodenwertes prognostiziert wird.
Die global-wood-invest AG & Co.KG bietet Kommanditanteile an einer Waldfondsgesellschaft, die in Uganda und Paraguay Wälder bewirtschaftet. Die Laufzeit endet erst 2028.

Autor: Martin Volmer
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