08.07.09 Aktientipps

Hopp, stop und flopp – Analysten beurteilen deutsche und internationale Solaraktien

Auch wenn sie die Kurse zuletzt etwas erholt haben: Börsennotierte Solarunternehmen ringen weiter mit widrigen Marktbedingungen. Und sie sind dafür unterschiedlich gewappnet. Daher sollten sich Anleger vor dem Kauf von Solarwerten die Unternehmen genau anschauen und wählerisch sein. Das empfiehlt etwa der US-Analyst Vishal Sha von Barclays Capital. Er verweist darauf, dass der Preisverfall für Solarprodukte weiter anhält, was die Margen der Hersteller belaste und zu weiteren Abschreibungen auf Lagerbestände führen könne. Ferner seien die Auslieferungen im 2. Quartal meist geringer ausgefallen als erhofft, dass die Finanzkrise weiter die Finanzierung von Solarprojekten erschwert. Auch drohe aufgrund der weltweiten Wirtschaftskrise vermehrt der Ausfall von Kunden durch Insolvenz.

Sha senkt die Kursziele von US-Solaraktien wie First Solar und Energy Conversion Devices ab, nennt aber auch Solarwerte, die nach seiner Einschätzung derzeit unterbewertet sind. So die chinesischen Solarkonzerne Yingli Green Energy und JA Solar sowie die Waferproduzentin MEMC Electronic Materials aus St. Peters im US-Bundesstaat Missouri. Für deren Anteilsscheine lautet das Urteil des Analysten „Overweight“.

Die chinesische Solarwaferproduzentin LDK Solar hatte vor wenigen Tagen mitgeteilt, dass nach vorläufigen Zahlen ihr Umsatz vom 1. zum 2. Quartal von 283 Millionen auf 215 Millionen bis 225 Millionen Dollar geschrumpft ist (wir Opens external link in new windowberichteten). Edwin Mok, Analyst der US-amerikanischen Needham & Co., rechnet zudem damit, dass das Unternehmen seinen Kunden trotz langfristiger Verträge weitere Preisnachlässe gewähren muss. Zu stark seien die Preise für Wafer und Silizium, dem Rohstoff für die Waferproduktion, in den letzten Wochen gesunken. Das werde die Marge der Chinesen weiter belasten, die Silizium laut Mok derzeit zu höheren Kosten herstellen als das Material im Spotmarkt gehandelt wird. Schon jetzt muss LDK Wafer dem Analysten zufolge deutlich billiger anbieten als von dem Unternehmen im Mai prognostizierte, als es einen Preis von 1,10 bis 1,30 Dollar in Aussicht stellte. Mok rät, die LDK-Aktie zu verkaufen. Aktuell notiert sie in Frankfurt bei 6.60 Euro und damit zwei Drittel unter dem Vorjahreskurs.


Ein weiterer US-Analyst hat die Aktie der deutschen Q-Cells unter die Lupe genommen. Ben Lynch von Bryan, Garnier & Co. empfiehlt sie zum Kauf. Als Kursziel nennt er 30 Euro, der Anteilsschein des weltweit größten Herstellers von Solarzellen ist davon in Frankfurt mit einem aktuellen Kurs von 12,9 Euro noch weit entfernt. Lynch geht zwar davon aus, dass der Solarkonzern aus Thalheim auch für das 2. Quartal schwache Geschäftszahlen vorlegen wird, nachdem er für das 1. Quartal einen Konzernfehlbetrag in Höhe von 392 Millionen Euro ausweisen musste (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu unserem Bericht darüber). Doch schon das 3. Quartal werde eine erste Erholung bringen, und langfristig werde es sich auszahlen, dass Q-Cells Kompentenz in der Dünnschichttechnologie aufgebaut und eine kostengünstige Produktion in Malaysia vorbereitet habe. Nach seiner Einschätzung wird der Umsatz des Unternehmens im 2. Quartal auf 261 Millionen Euro schrumpfen und ein Minus von rund 2,1 Euro je Aktie anfallen. Auch sei mit Abschreibungen auf Lagerbestände im Umfang von 60 Millionen bis 80 Millionen Euro zu rechnen. Doch all dies sei im aktuell niedrigen Kurs bereits eingepreist.

Vorsichtiger beurteilt Michael Tappeiner von der zur UniCredit gehörenden HVB aus München die Aktie der Thalheimer. Zwar rechnet er ebenfalls mit einem Kursanstieg, als Kursziel nennt er 15 Euro. Seine Empfehlung lautet jedoch lediglich, das Papier zu halten. Er verweist darauf, dass Q-Cells den Ausbau der Kapazitäten durch eine neue Produktionslinie auf Malaysia aufgrund der gegenwärtigen Krise verschieben musste. Das stark wachsende Geschäft mit der Projektierung von Solarparks könne nur teilweise die Belastung durch den weiter starken Preisverfall bei den Solarprodukten auffangen. Immerhin sei es dem Unternehmen zuletzt gelungen, durch den Verkauf der REC-Beteiligung und die Ausgabe einer Wandelanleihe seine Finanzen zu stabilisieren.

Positiver schätzt der Experte der HVB die Aktie der Phoenix Solar AG ein. Das Photovoltaiksystemhaus aus dem bayrischen Sulzemoos hatte vor zwei Wochen mit einer Gewinnwarnung geschockt (wir Opens external link in new windowberichteten). Laut Tappeiner muss deren Management vor allem das Problem der hohen Abschreibungen auf die Lagerbestände infolge des Preisverfalls in Angriff nehmen. Doch das Unternehmen werde schon bald von dem Preisverfall bei Solarmodulen profitieren, da es dadurch attraktiver werde, in Solarparks zu investieren. Und mit dem Bau solcher Projekte erziele Phoenix Solar fast die Hälfte des Umsatzes. Zudem sei damit zu rechnen, dass es in absehbarer Zeit wieder leichter werde, Solarparks zu finanzieren, was ebenfalls dem Projektgeschäft der Bayern entgegen komme. Tappeiner empfiehlt die Aktie des Unternehmens mit Kursziel 39 Euro zu Kauf. Am Mittag notierte sie in Frankfurt bei 34,9 Euro.


Bildhinweis: Produktion von Solarzellen bei Q-Cells. / Quelle: Unternehmen
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