05.07.11 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

„Ich rechne mit einer erheblichen Zunahme der energetischen Sanierung von Gebäude“ - Interview Fabian Tacke, KlimaGut Immobilien AG



ECOreporter.de: Herr Tacke, wie beurteilen Sie das aktuelle Marktumfeld für nachhaltige Immobilien? Was ändert sich mit der beschlossenen Energiewende und im Hinblick auf die EU-Klimaziele für die nachhaltigen Immobilienwirtschaft?

Fabian Tacke: Der Entwicklung von nachhaltigen, grünen Immobilien wird in verschiedenen Studien für die Zukunft erhebliches Potential bescheinigt. Vor allem die energetische Sanierung des Gebäudebestandes spielt dabei eine Schlüsselrolle: fast 40 Prozent der Energie wird in Europa in Gebäuden verbraucht. Bislang sind die meisten Projekte allerdings im Neubau zu finden. Zudem ist es bislang nur eine kleine Gruppe von Akteuren, die das Thema aktiv angehen. Die Bundesregierung hat in ihrem Energiekonzept im September 2010 daher beschlossen, die jährliche Sanierungsrate von derzeit knapp 1 auf 2 Prozent des Gebäudebestandes zu verdoppeln und den Gebäudebestand bis 2050 nahezu klimaneutral zu gestalten. Dazu bedarf es natürlich einer Reihe von Maßnahmen. Ein erster Schritt ist nun getan worden: die energetische Sanierung von Wohngebäuden soll steuerlich begünstigt werden.

ECOreporter.de: Was konkret bedeuten die angekündigten Steuervergünstigungen?

Tacke: Der Gesetzesentwurf ist letzte Woche vom Bundestag beschlossen worden und muss nun noch vom Bundesrat bestätigt werden. Es werden Maßnahmen an vor 1995 gebauten Wohngebäuden gefördert, sofern damit ein Energiestandard erreicht wird, der 15 Prozent unter dem aktuellen Standard für Neubauten liegt. Das entspricht einem KfW-Effizienzhaus 85. Die Kosten für die Baumaßnahmen können dann zu 10 Prozent über 10 Jahre verteilt von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt sowohl für Vermieter als auch für Eigennutzer.

ECOreporter.de: Wo sehen Sie Schwachstellen oder Nachbesserungsbedarf?

Tacke: Der Gesetzesentwurf sieht leider vor, dass die Nutzung dieser Abschreibungsmöglichkeit nur alternativ, nicht zusätzlich zu der bestehenden Förderung durch die KfW möglich ist. Die Steuerabschreibung kann unter dem Strich zu einer höheren Förderung führen als die zinsvergünstigten Kredite und Zuschüsse der KfW. Allerdings können die Steuerabschreibungen nicht von allen Bauherren genutzt werden. Kommunale Wohnungsunternehmen und Genossenschaften zum Beispiel, eine Gruppe, die bislang sehr aktiv bei der energetischen Sanierung war, profitieren von den Steuerabschreibungen in der Regel wenig. Es wird sich also die Zielgruppe der Förderung verlagern. Dennoch rechne ich mit einer erheblichen Zunahme der Sanierungsaktivitäten. Bleibt zu hoffen, dass die Bundesregierung ihre Ankündigung hält und auch die KfW-Programme aufstockt.
Nachbesserungsbedarf besteht auch aus Sicht der Mieter: Eine Regelung, die die Umlage der Kosten von energetischen Maßnahmen auf die Mieter auf faire und rechtssichere Weise regelt, fehlt bislang. Trotz Intervention und Vorschlägen verschiedener Bundesländer und Parteien. Die Bundesregierung will das Thema in einer späteren Mietrechtsreform regeln.

ECOreporter.de: Welche Marktentwicklung ist für den Sektor in den kommenden zehn Jahren zu erwarten und was wird diese Entwicklung maßgeblich beeinflussen?

Tacke: Es gibt sehr unterschiedliche Szenarien dazu. Alle gehen jedoch davon aus, dass ein dynamisches Wachstum einsetzen wird. Dies wird natürlich Auswirkungen auf die Immobilien- und die Baupreise haben. Vielleicht wird das ein wenig vergleichbar, mit den steuerbegünstigten Sanierungsaktivitäten in den 1990iger Jahren in Ostdeutschland oder dem Aufschwung der Erneuerbaren Energien.
Neben den Förderaktivitäten der Bundesregierung wird natürlich die Entwicklung der Energiepreise zu einer Marktentwicklung führen, aber auch die sich drastisch ändernden Ansprüche der Nutzer.
Wir müssen allerdings gut aufpassen, dass sich diese Entwicklung nicht allein auf das Thema Energie reduziert. Auch Themen wie nachhaltige Stadtentwicklung, Gesamtbilanz von Baustoffen, fairer Umgang mit Mietern und den ausführenden Handwerkern müssen eine wichtige Rolle spielen. Sonst wird das auch für Investoren schnell zu einem Strohfeuer.

ECOreporter.de: Mit welcher Strategie will sich Ihr Unternehmen auf die künftige Entwicklung einstellen. Wie wollen Sie sich am Markt positionieren?

Tacke: Die KlimaGut Immobilien AG wurde 2009 als Entwickler für klimaneutrale Immobilien und Immobilienfonds gegründet. Unser Team ist teilweise schon seit 20 Jahren mit der energetischen, ökologischen, behutsamen Sanierung von Wohngebäuden in Berlin beschäftigt. Wir bieten Investoren unser Know-How zur Entwicklung ihres Immobilienbestandes an. Außerdem werden wir ab September einen Immobilienfonds für Privatanleger anbieten, der in die energetische Sanierung von Berliner Mietwohnhäusern investiert und damit wohl einer der Ersten sein wird, der die neuen steuerlichen Förderungen nutzt.

ECOreporter: Herzlichen Dank für das Gespräch, Herr Tacke!

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