23.08.11 Finanzdienstleister , Fonds / ETF

Immer mehr Großinvestoren setzen sich aktiv für mehr Nachhaltigkeit in Unternehmen ein



Insgesamt attestiert die Studie der Universität Stuttgart in Zusammenarbeit mit Union Investment den deutschen Großinvestoren, dass sie nachhaltigem Investment grundsätzlich positiv gegenüberstehen. Auffällig sei, dass diejenigen institutionellen Anleger, die auf Nachhaltigkeitskriterien setzen, dies auch stark als aktive Investoren gegenüber den Unternehmen und auf Hauptversammlungen vertreten, so Studienleiter Professor Henry Schäfer. Außerdem stufen diese Investoren die Nachhaltigkeitsperformance der Unternehmen in der Regel höher ein als andere Investmentkriterien.


Mittlerweile seien 42 Prozent der Großinvestoren, die Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, zugleich auch aktiv engagiert, um diesen Themen in Unternehmen größere Geltung zu verschaffen. Knapp zwei Drittel dieser aktiven Großinvestoren lassen ihr Mandat mit der Hilfe externer Anbieter ausüben. 51 Prozent wollen ihre Aktivitäten in diesem Bereich ausbauen und 74 Prozent gehen davon aus, dass der aktive Dialog mit den Unternehmen künftig stark an Bedeutung gewinnen wird.

Besonders Stiftungen legen großen Wert auf Nachhaltigkeitskriterien

Insgesamt gaben zwei Drittel der befragten Unternehmen, Stiftungen, Banken, Versicherungen und Pensionskassen an, bei ihren Investmententscheidungen Nachhaltigkeitskriterien zu berücksichtigen Bei Großunternehmen setze mittlerweile jeder zweite Konzern auf ethische, soziale oder ökologische Kriterien. Mit Abstand am stärksten verbreitet ist die Nutzung von Nachhaltigkeitskriterien bei Stiftungen. Hier gaben 73 Prozent der Befragten an, auf entsprechende Kriterien zu setzen. Weniger verbreitet ist der Nachhaltigkeitsgedanke bei deutschen Banken und Versicherungen. Während in Skandinavien, Großbritannien oder den Benelux-Staaten vor allem langfristig orientierte Anleger wie Pensionskassen, Treiber des Trends hin zu mehr Nachhaltigkeit am Finanzmarkt seien, hinkten deutsche Bankhäuser und Versicherer in diesem Punkt hinterher, erklärt Alexander Schindler, Vorstand der Union Investment.

Imagegewinn als Hauptmotiv

Die Mehrheit der Großinvestoren, die auf Nachhaltigkeitskriterien setzt, tut dies in der Hoffnung auf eine Imageverbesserung. Dies gaben 71 Prozent der Studienteilnehmer an. 59 Prozent erklärten, sie reagierten auf die gestiegene Nachfrage ihrer Kunden nach „grünen“ Geldanlageprodukten. 58 Prozent gaben an, auf Nachhaltigkeitskriterien zu setzen, um das Risiko-Ertragsprofil ihrer Geldanlagen zu verbessern. Nur 40 Prozent der institutionellen Anleger erklärten, sie setzen auf Nachhaltigkeitskriterien, um eine höhere Rendite zu erzielen. Denjenigen Befragten, die nicht auf soziale, ethische oder ökologische Kriterien setzen, tun dies mehrheitlich, weil sie sonst eine schlechtere Rendite fürchten. Dies gaben 74 Prozent an.


Die Studienmacher geben sich optimistisch, dass Nachhaltigkeit am deutschen Finanzmarkt für institutionelle Anleger zukünftig grundsätzlich eine größere Rolle spielen wird. „Auf Sicht von fünf Jahren rechnen alle befragten Investoren mit einer deutlich positiven Entwicklung am Markt für nachhaltige Geldanlagen“, so Schindler.


Für den ersten Stimmungsindex zur Nachhaltigen Kapitalanlagen unter deutschen institutionellen Anlegern hatte Union Investment 218 Großanleger, darunter Stiftungen Banken, Pensionskassen und Versicherungen befragt. Die Studienteilnehmer verwalten nach Angaben von Union Investment zusammen 1,03 Milliarden Euro Anlagekapital. Der Stimmungsindex wurde auf der Grundlage dieser Befragung vom Lehrstuhl für Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Finanzwirtschaft der Uni Stuttgart erstellt.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x