20.11.09 Finanzdienstleister

imug Investment Research legt Positionspapier vor: Wie nachhaltig sind Rohstoffinvestments?

Ein Positionspapier zu ethischen Fragestellungen bei Rohstoffinvestments kommt von der Researchagentur imug Investment Research aus Hannover. Die systematische Nachhaltigkeitsbewertung im Bereich der Rohstoffinvestments sei schwieriger als in anderen Assetklassen, so imug. Anleger würden bei Rohstoffinvestments nicht direkt in physische Rohstoffe investieren, sondern in börsengehandelte Produkte. Damit bewegten sie sich direkt oder indirekt im Bereich der Terminkontrakte, deren Grundlage Rohstoffkontrakte an Warenterminbörsen seien. „Der Grat zwischen Investition und Spekulation ist an dieser Stelle sehr schmal“, heißt es im Positionspapier von imug. Der Kauf von Rohstoffterminkontrakten rege die Nachfrage an und könne zu einer extremen Volatilität der Preise führen, bis hin zu deutlich überhöhten Preisen und Spekulationsblasen.

Die Nachhaltigkeitsexperten aus Hannover unterscheiden drei Gruppen von Rohstoffen mit unterschiedlichen Problemstellungen:

a) Fossilen Energierohstoffen, wie beispielsweise Erdöl, Erdgas, Kohle oder Uran;
b) Edelmetallen, wie Gold, Silber, Kupfer, Zink oder Blei;
c) Nachwachsenden, natürlichen Rohstoffen, wie z.B. Holz, Baumwolle, Hanf, aber auch Mais, Soja, Raps, Getreide, Kakao.

Zur Gruppe „a“ bezieht imug klar Stellung: „Ein Investment in diese Energierohstoffe fördert eine umweltschädigende und nicht zukunftsfähige Wirtschaftsweise.“ Hinsichtlich der Gruppe „b“ sei durch den Druck vieler Nichtregierungsorganisationen eine hohe Sensibilisierung bezüglich der Abbaubedingungen zu verzeichnen, heißt es. Die Einflussnahme von Seiten der Investoren sei bei der dritten Kategorie, den nachwachsenden Rohstoffen, wahrscheinlich am ehesten möglich. Hier sei unter nachhaltig orientierten Investoren ein breiter Konsens festzustellen, der eine kritische Einschätzung zum Investment in Agrarrohstoffe beinhalte.

Um das Thema zu bearbeiten könne das Nachhaltigkeitsresearch an vier möglichen Untersuchungsfeldern ansetzen:

a) Unternehmen, die den Abbau von Rohstoffen direkt betreiben
b) Unternehmen, die Rohstoffe nutzen
c) Länder, in denen Rohstoffe abgebaut werden
d) Investmentprodukte für Rohstoffinvestments


Die Einstufung von Unternehmen, die den Abbau von Rohstoffen direkt betreiben, ist laut Einschätzung von imug durch das klassische Nachhaltigkeitsresearch abgedeckt.

Im Bereich der Firmen, die Rohstoffe nutzen, sei Entwicklungspotenzial vorhanden. Es müssten noch mehr Lieferanten von Rohstoffen und eine größere Vielfalt von Rohstoffen in den Blick genommen werden. Als Beispiel verweist imug auf die IT- oder die Solarbranche, diese habe einen „erheblichen Bedarf“ an speziellen, nicht-erneuerbaren Rohstoffen.

Der Abbau und Export von Rohstoffen wirke für viele Diktaturen systemstabilisierend, führt das imug weiter aus. Ungeklärt sei ferner die Frage, wo die Verantwortlichkeit für die Einhaltung gewisser Arbeitsstandard beim Rohstoffabbau liege, beim jeweiligen Staat oder bei den abbauenden Unternehmen?

Nachhaltigkeitsratings für Rohstoffinvestmentprodukte gebe es zurzeit noch gar nicht, berichtet imug. Der Schwerpunkt habe bisher auf den anderen Assetklassen gelegen.

Mit ihrem Positionspapier wollen die Analysten des imug den Angaben zufolge eine Diskussion in der „Community nachhaltig orientierter Investoren“ anstoßen und die eigene Researchmethodik weiterentwickeln. Folgende Fragen stellen sich aus Sicht des imug u.a.:

1. Anhand welcher Kriterien kann die Nachhaltigkeitsperformance von Rohstoffinvestments bewertet werden?
2. Welche Auswirkungen haben derartige Produkte auf die Volatilität der Märkte bzw. auf Preisentwicklungen?
3. Welchen Mehrwert erbringen Rohstoffinvestments? Welchen Beitrag zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise können sie leisten?
4. An welcher Stelle können Investoren überhaupt Einfluss nehmen?
5. Wie hoch ist das ethische Konfliktpotential unterschiedlicher Rohstoffe?
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