Der Betriebswirt Felix Goedhart ist Vorstandsvorsitzender der Capital Stage AG. Das Unternehmen aus Hamburg betreibt Solar- und Windparks in Deutschland, Frankreich und Italien. / Foto: Unternehmen

21.01.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

„In Spanien bieten sich für Photovoltaik-Investoren vereinzelt sehr attraktive Chancen“ - Felix Goedhart, Capital Stage AG

Die Capital Stage AG aus Hamburg ist der größte unabhängige Betreiber von Solarparks in Deutschland. Im ECOreporter.de-Interview spricht Vorstandchef Felix Goedhart über den aktuellen Umbruch am Heimatmarkt in Deutschland und die Marktpotenziale in Europa. Außerdem nimmt er Stellung zur Strategie und zu den Zielen des Unternehmens für die nächste Zukunft.

ECOreporter.de: In Kürze sollen größere Photovoltaikprojekte in Deutschland  zunächst testweise über Ausschreibungen vergeben werden [Anm. d. Red: Näheres zu dem Gesetzentwurf lesen Sie   hier;  lesen Sie außerdem dieses  Experten-Interview und diesen Beitrag über weitere  Reaktionen] . Was ist von den Plänen zu halten?

Felix Goedhart:  Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist grundsätzlich nichts gegen ein intelligent entwickeltes Ausschreibungsmodell einzuwenden. Aktuell gibt es noch kein finales Modell. Ein erster Entwurf für Pilotausschreibungen des Bundeswirtschaftsministeriums ist jüngst erst bekannt geworden. Eine rasche Verabschiedung durch das Bundeskabinett wie zunächst geplant ist derzeit nicht wahrscheinlich. Damit bleiben Unsicherheiten und Unsicherheiten belasten die Marktentwicklung.


ECOreporter.de: Wo sehen Sie die wichtigsten Stärken und Schwächen des Ausschreibungsmodells, so wie es derzeit geplant ist?

Goedhart:  Derzeit gibt es noch kein finales Ausschreibungsmodell, es liegt lediglich ein erster Entwurf für Pilotausschreibungen zur Diskussion vor. Erfahrungen anderer Länder haben gezeigt, dass Ausschreibungsmodelle nicht das Allheilmittel für den kostengünstigen Ausbau regenerativer Energien sind. In einigen Ländern mit Ausschreibungsmodellen sanken die Kosten nicht, und auch die gesetzten Ausbauziele wurden nicht erreicht. Diese Erfahrungen sollten in das deutsche Ausschreibungsmodell einfließen. Die Ergebnisse der ersten Pilotausschreibungen sollten zudem sorgfältig analysiert und gegebenenfalls für eine Optimierung des Ausschreibungsmodells genutzt werden.

ECOreporter.de: Lohnen sich neue größere Solarparks in Deutschlands für Investoren mit der Umstellung noch, oder wird dieses Geschäftsfeld damit abgewürgt?

Goedhart:  In Deutschland haben sich die Marktbedingungen für den Betrieb neuer Solarparks in den vergangenen Jahren verschlechtert. Das Resultat: Die Zubauraten liegen unterhalb der Zielwerte, die von der Bundesregierung ausgegeben wurden. Geringere Vergütungssätze für neue inländische Solarparks gepaart mit den von der EU eingeführten Mindestpreisen für asiatische Solarmodule lähmen durch künstlich hochgehaltene Preise derzeit den Wettbewerb und die betriebswirtschaftliche Attraktivität von neuen Photovoltaikanlagen.
Bei unseren Investitionen konzentrieren wir uns daher nahezu ausschließlich auf Bestandsanlagen. Als Deutschlands größter unabhängiger Betreiber von Solarparks sind wir laufend am Markt aktiv, um entsprechende Solarparks zu akquirieren und in unser Portfolio aufzunehmen. Dabei profitieren wir von einem breiten Netzwerk innerhalb der Branche.  

Bild: Ein Solarpark der Capital Stage AG in Deutschland / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Welches sind die wichtigsten Kriterien, die ein Solarpark erfüllen muss, um als Kaufobjekt interessant zu werden?

Goedhart:  Grundsätzlich muss natürlich einmal die Lage des Solarparks stimmen - je mehr Sonnenstunden in der Region zu verzeichnen sind, umso besser. Darüber hinaus müssen die eingesetzten Solarmodule, Wechselrichter und sonstigen technischen Anlagen sowie auch die Bauleistung von guter Qualität sein, um Ausfälle in der Stromerzeugung oder größere Ersatzinvestitionen zu vermeiden.
Darüber hinaus gilt die alte Kaufmannsformel: Der Gewinn liegt im Einkauf: Den Einnahmen aus der festen Einspeisevergütung stehen im Wesentlichen Ausgaben aus dem laufenden operativen Betrieb der Anlage sowie Zins- und Tilgungsaufwendungen für das aufzunehmende Fremdkapital gegenüber. Gleichzeitig will der Käufer ebenfalls noch eine angemessen Rendite auf sein eigesetztes Kapital erzielen.

ECOreporter.de: Capital Stage ist bereits stark im europäischen Ausland aktiv. Werden Sie diese Strategie noch forcieren? Und welche Auslandsmärkte sind derzeit interessant?

Goedhart:  Aktuell sind wir in Deutschland, Frankreich und Italien aktiv. Aber wir prüfen laufend Akquisitionsmöglichkeiten in anderen interessanten Regionen wie beispielsweise Großbritannien, das aktuell über einen der dynamischsten Solarmärkte Europas verfügt und im Süden ebenso vielen Sonnenstunden hat wie Bayern. Auch in Spanien, das seine Erneuerbare-Energie-Investoren in den vergangenen Jahren alles andere als freundlich behandelt hat, bieten sich  vereinzelt sehr attraktive Chancen.

ECOreporter.de: Nach dem Einstieg der Gothaer Versicherung als Finanzpartner hat die Capital Stage AG ihr Anlagenportfolio in jüngster Zeit stark erweitert. Stehen in nächster Zukunft weitere Transaktionen an?

Goedhart:  Die Gothaer Versicherungen haben uns im Rahmen einer strategischen Partnerschaft Ende November 2014 Genussrechtskapital in Höhe von 150 Millionen Euro mit einer Laufzeit von 20 Jahren für Investitionen im PV-Bereich zur Verfügung gestellt.  Bereits gegen Ende 2014 konnten wir mit diesen Mitteln und mit unserem strategischen Partner zwei Akquisitionen in Italien und in Frankreich erfolgreich abschließen. Dabei war der Erwerb eines Solarparks im Süden Frankreichs mit einer Erzeugungskapazität von insgesamt 50,8 Megawatt peak (MWp) der bisher größte Erwerb in unserer Unternehmensgeschichte.  Die uns zur Verfügung stehenden Investitionsmittel werden wir auch im laufenden Jahr gezielt in weitere europäische Solarparks investieren. Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir die Mittel aus der strategischen Partnerschaft bereits bis zum Ende des Jahres 2015 voll investiert haben werden.

ECOreporter.de: Capital Stage betreibt auch Windparks. Welche Strategie wird das Unternehmen in diesem Bereich in nächster Zukunft verfolgen, gewinnt dieses Geschäftsfeld mit dem Marktwandel an Bedeutung?    

Goedhart:  Auch hier werden wir weitere Investitionsmöglichkeiten in Deutschland und auf europäischen Märkten prüfen. Grundsätzlich bleibt der Bereich Wind auf Grund höherer technischer Herausforderungen, höherer Materialbelastungen sowie größeren Schwankungen bei der Stromerzeugung risikoreicher als der Solarbereich. Der Bereich Wind spielt auch zukünftig als Ergänzung unseres Portfolios eine wichtige Rolle.

Bild: Ein Windpark von Capital Stage / Foto: Unternehmen


ECOreporter.de: Wird sich Capital Stage an Ausschreibungen für Erneuerbare-Energievorhaben in Deutschland beteiligen?

Goedhart:  Wir investieren in der Regel nur in Bestandsparks. Eine Beteiligung an Ausschreibungen für den Bau neuer Solar- und/oder Windparks gehört nicht zum Kern unseres Geschäftsmodells.
Capital Stage AG: ISIN DE0006095003 / WKN 609500
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