20.04.12 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

Insolventer Windkraftzulieferer Siag darf sich in Eigenregie sanieren – eigener Ausschuss für Anleihe-Gläubiger

Der Windkraft-Zulieferer Siag Schaaf Industrie AG ist insolvent. Die Spezialistin für Stahlkonstruktionen - vor allem für Offshore-Windparks - wird das Insolvenzverfahren in Eigenregie  durchführen. Das zuständige Amtsgericht Montabaur hat einem entsprechenden Antrag, den die Siag Schaaf Industrie AG mit samt vier Tochtergesellschaften Mitte März gestellt hatte, stattgegeben. Als neuer Vorstandsvorsitzender werde der Rechtsanwalt Andrew Seidl die Restrukturierung der Siag Schaaf AG fortan verantworten, teilte das Unternehmen aus Dernbach im Westerwald mit.

Neu-Vorstandschef Seidl löst den vorläufigen Insolvenzverwalter Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner ab. Letzterer werde die Insolvenz als so genannter Sachwalter begleiten und überwachen. Weiterhin zum Vorstand gehören Professor Peter Görgen als Verantwortlicher für Restrukturierungsmaßnahmen,  der Finanzvorstand Willy Hartung sowie Spartenvorstand Tomas Marutz. 


Aufgabe des Vorstands sei es nun, ein Sanierungskonzept auszuarbeiten, dass den Fortbestand des gesamten Unternehmens zum Ziel habe. Derzeit läuft der Betrieb für alle 1.800 Beschäftigten an elf Standorten weiter. „Die Auftragslage ist positiv. Die Produktion ist in allen Werken gesichert. Der Fortführung der Geschäfte stht aus meiner Sicht nichts im Wege“, so Andrew Seidl. Ein kurzfristig gewährtes Darlehen der Deutschen Kreditbank DKB ermögliche die Aufrechterhaltung des Betriebes bis auf Weiteres.



Siag Schaaf hatte Ende Juni 2011 eine Anleihe begeben, die bis zu 50 Millionen Euro den Ausbau des Offshore-Geschäfts einwerben sollte (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete). Den Anlegern wurden neun Prozent jährliche Zinsen in Aussicht gestellt. Im Insolvenzfall werden die Interessen von Anleihe-Gläubigern gegenüber denen von Fremdkapitalgebern wie Banken nachrangig behandelt. Wie konkret dieser Teil der Gläubigerschaft in den Sanierungsplänen der Siag Schaaf AG berücksichtigt werden wird, ist noch offen.

„Das Sanierungskonzept steht noch nicht. Im Gläubigerausschuss der Siag Schaaf AG ist ein eigener Ausschuss für die Anleihe-Gläubiger integriert, der die Interessen dieser Gläubiger vertritt“, sagt Christian Adamczyk, Pressesprecher der Siag Schaaf Industries AG auf Nachfrage von ECOreporter.de. Weitere Informationen zu diesem Thema werde das Unternehmen so bald wie möglich bekannt geben. Dazu, wie viele Anleger die Anleihe in der Zeichnungsphase erworben haben und wie viel Geld die Siag AG über die Anleihe eingeworben hat, wollte sich der Pressesprecher nicht äußern. Derzeit wird die bis 2016 datierte Anleihe im Mittelstandssegment der Deutschen Börse zu 12,60 Euro gehandelt. Der Einstiegspreis der Anleihe in den Börsenhandel hatte bei 100 Euro gelegen.

 „Viele Anleger haben sich von der vermeintlichen Erfolgsstory als Windkraftanlagen-Zulieferer mit Aufträgen blenden lassen, ohne das Risiko der Bauverzögerungen zu sehen“, teilt Rechtsanwalt Jan-Henning Ahrens, Fachanwalt für Bank- und Kapitalmarktrecht sowie Partner der KWAG Kanzlei für Wirtschafts- und Anlagerecht in Hamburg und Bremen auf der Hompage der Kanzlei mit. Nach Durchsicht der Anleiheprospekte habe sich herausgestellt, dass diese nicht umfassend auf das Bauzeitrisiko hingewiesen hätten, heißt es da. Daher sei ein juristisches Vorgehen in dieser Richtung erfolversprechend.

Die Vermittlung der Inhaber-Schuldverschreibungen habe über die Geschäfts- und Onlinebanken stattgefunden. „Es könnten somit Ansprüche gegen die Banken aufgrund der Tätigkeit als Berater der Anleihen aus einem Beratungsvertrag bestehen“, erläutert Ahrens. Schließlich habe der Vermittler einer Kapitalanlage diese auf Plausibilität zu prüfen, bevor er diese Investoren anbiete.
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