Schwimmende Solaranlage von Phoenix Solar - wie es mit dem insolventen deutschen Photovoltaik-Systemhaus weitergeht, ist noch unklar. Vorerst laufen die Geschäfte weiter. / Foto: Unternehmen

19.12.17 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Insolvenzverwalter für Phoenix Solar - US-Tochter pleite

Nicht nur das deutsche Solarunternehmen Phoenix Solar AG ist insolvent. Auch das Management der Phoenix Solar Inc., der US-Tochter, wird Insolvenz beantragen. Das teilte die Muttergesellschaft nun mit.

Sämtliche laufenden Aufträge und Bauvereinbarungen durch die jeweiligen Kunden wurden gekündigt, hieß es in der Mitteilung. Daher habe sich das Management für die umgehende Einleitung eines Insolvenzverfahrens entschieden.

Insolvenzverwalter bestellt  

Das Amtsgericht München hat dem in der vergangenen Woche gestellten Antrag der Phoenix Solar AG auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens stattgegeben.  Es bestellte den Rechtsanwalt Dr. Michael Jaffé von der Kanzlei JAFFÉ Rechtsanwälte Insolvenzverwalter zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Sein Auftrag sei es nun, das vorhandene Vermögen im Interesse der Gläubiger zu sichern und die Möglichkeiten einer Fortführung bzw. einer Sanierung zu prüfen. Gleichzeitig wurde auch ein vorläufiger Gläubigerausschuss eingesetzt, dem Vertreter der wichtigsten Gläubigergruppen angehören.

Dr. Jaffé informierte im Rahmen einer Mitarbeiterversammlung am Standort Sulzemoos bei München bereits über die ersten Schritte. Die Mitarbeiter sollen demnach "schnellstmöglich" das ihnen zustehende Insolvenzgeld erhalten. Der Geschäftsbetrieb bei Phoenix Solar soll zunächst weitestgehend fortgeführt werden.

Projekte werden abgearbeitet

Mit eigenen Tochtergesellschaften in zehn Ländern auf drei Kontinenten und rund 120 festangestellten Mitarbeitern (Stand: 30.9.2017) hat das Unternehmen 2016 ein Umsatzvolumen von 139,3 Millionen Euro erzielt. Der Vorstand sei zusammen mit dem Insolvenzverwalter derzeit dabei, dafür zu sorgen, dass die laufenden Projekte - vorwiegend im asiatisch-pazifischen Raum - weiter wie geplant abgearbeitet werden können, hieß es.

"Unsere international anerkannte Kompetenz und Erfahrung bei der Realisierung von Photovoltaik-Großkraftwerken machen uns interessant für potenzielle Inves-toren. Einige Interessenten haben sich bereits gemeldet, wir sind auch aktuell schon in ersten Gesprächen", sagte Finanzvorstand Manfred Hochleitner gestern (18.12.) vor den Mitarbeitern am Standort Sulzemoos.

Es sei aber noch zu früh, eine Aussage über die Erfolgsaussichten abzugeben. "Wir müssen jetzt mit Hochdruck daran arbeiten, dass das Unternehmen weiter funktionsfähig bleibt", so Insolvenzverwalter Dr. Michael Jaffé in einer ersten Einschätzung.

Erstattungsansprüche lösten die Insolvenz aus

Nach der Ziehung von projektbezogenen Akkreditiven im Umfang von rund 8 Millionen US-Dollar durch einen großen Kunden der US-Tochter Phoenix Solar Inc. war die Muttergesellschaft mit Erstattungsansprüchen in gleicher Höhe konfrontiert.  Dies führte zur Zahlungsunfähigkeit und zwang den Vorstand, am 13. Dezember 2017 Insolvenz anzumelden. 

Versuche der Unternehmensführung, mit dem US-Kunden und dem Bankenkonsortium in Deutschland zu einer Lösung zu kommen, blieben erfolglos. Ende September 2017 verfügte Phoenix Solar nach eigenen Angaben noch über einen Finanzmittelbestand von 2,2 Millionen Euro.

In Spitzenzeiten 635,7 Millionen Euro Jahresumsatz

Für 2017 hatte das im Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse notierte Unternehmen nach einer Korrektur der Prognose aufgrund von Auftragsverschiebungen noch einen Umsatz von 90 bis 110 Millionen Euro mit einem operativen Verlust (EBIT) von 8 bis 10 Millionen Euro erwartet.

In Spitzenzeiten (2010) erreichte Phoenix Solar einen Jahresumsatz von 635,7 Millionen Euro, wobei zu diesem Zeitpunkt noch der wesentliche Anteil aus dem deutschen Handelsgeschäft erwirtschaftet wurde, das 2012 aufgrund der deutschen und europäischen Solarkrise komplett eingestellt wurde.

Phoenix Solar AG: ISIN DE000A0BVU93 / WKN A0BVU9
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