Die Bank für Kirche und Caritas in Paderborn. / Quelle: Unternehmen

21.05.13 Finanzdienstleister

Interview: „Wir vergeben Kredite an nachhaltige Projekte“

Die Bank für Kirche und Caritas, katholische Kirchenbank mit Sitz in Paderborn, setzt auf Nachhaltigkeit. Helge Wulsdorf leitet dort den Bereich Nachhaltige Geldanlagen. Im Interview mit ECOreporter erklärt er unter anderem, welche Rolle Nachhaltigkeit bei den Produkten und der Kreditvergabe der Bank für Kirche und Caritas spielt. Hier gelangen Sie zu dem ersten Teil des Interviews. Darin geht Wulsdorf auf die Nachhaltigkeitsstrategie der Kirchenbank ein und erläutert seine Tätigkeit Nachhaltigkeitsbeauftragter.

ECOreporter.de: Welche nachhaltigen Bankprodukte gibt es heute in der BKC?

Wulsdorf: Wir bieten die gesamte Palette nachhaltiger Geldanlagen von der festverzinslichen Geldanlage über nachhaltige Investmentfonds bis hin zu nachhaltigen Einzelinvestments. Um speziellen Kundenwünschen gerecht zu werden, haben wir 2008 unseren nachhaltigen Mischfonds BKC Treuhand Portfolio aufgelegt, den wir in diesem Jahr um den nachhaltigen Laufzeitfonds BKC Rendite Plus 2018 ergänzt haben. Alle hauseigenen Produkte erfüllen die strengen Kriterien unseres Nachhaltigkeitsfilters.

ECOreporter.de: Ist die Kreditvergabe auch nachhaltig?

Wulsdorf: Als Kirchenbank finanzieren wir insgesamt keine in punkto Nachhaltigkeit umstrittenen Projekte. Unsere institutionellen Kredite werden ausschließlich an Altenhilfeeinrichtungen, Krankenhäuser, Schulen, Kirchengemeinden und andere Einrichtungen in kirchlicher Trägerschaft vergeben. Bei der Kreditvergabe sind für uns energetische Fragen von zentraler Bedeutung, die wir im Kundengespräch einbringen. Entsprechend der Angebote der KfW-Bank und hauseigener Kreditprogramme erstellen wir dann ein individuelles Angebot, das  - dem Kundenwunsch folgend - ökologischen Anforderungen besonderes Gewicht verleiht.

ECOreporter.de: Sie waren eine der ersten Banken, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu "Fachberatern für nachhaltiges Investment" hat schulen lassen. Sie selbst sind auch "ECOanlageberater", heute allerdings sind Sie der Vorsitzende der Prüfungskommission dieses Fernlehrgangs. War es schwierig, Teilnehmer aus der Bank für den ersten Lehrgang zu finden?
 

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Helge Wulsdorf, Leiter Nachhaltige Geldanlagen der Bank für Kirche und Caritas. / Foto: ECOreporter.de

Wulsdorf: Bei uns ist die Qualifikation zum „ECOanlageberater“ ein freiwilliges Angebot, das von zahlreichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern insbesondere in der Vermögensberatung in Anspruch genommen wurde und sicher auch in Zukunft in Anspruch genommen werden wird. Für uns als auf Nachhaltigkeit spezialisierte Kirchenbank ist es wichtig, dass unsere Kundenbetreuerinnen und -betreuer hochqualifiziert beraten. Der „ECOanlageberater“ ist hierfür die richtige Fortbildung. Bislang haben mir alle Fachberaterinnen und Fachberater gespiegelt, dass ihnen die Weiterbildung nicht nur Spaß gemacht hat, sondern den Horizont für die gesamte Bandbreite nachhaltiger Geldanlagen deutlich erweitert hat. Selbstverständlich werden die „ECOanlageberater“ bei Spezialfragen durch mich unterstützt. Speziell im institutionellen Bereich ist es häufig so, dass wir unsere Kunden zu zweit besuchen, um mit ihnen die Vor- und Nachteile des nachhaltigen Investments intensiv zu diskutieren.

ECOreporter.de: Zum Schluss ein versuchter Blick in die Kristallkugel: Was meinen Sie, mit welchen Nachhaltigkeitsthemen sich
die Bank bis 2023 befassen könnte?


Wulsdorf: Baustellen wird es auch in den nächsten Jahren geben. Hausintern werden wir die Nachhaltigkeitsprozesse beständig optimieren müssen. Gegenüber unserer Ratingagentur werden wir auf Verbesserungen und Erweiterungen des Nachhaltigkeitsresearches hinwirken. Das Thema Engagement, beziehungsweise aktives Aktionärstum, steht ebenfalls oben auf unserer Agenda. Erste positive Entscheidungen sind hier bereits gefallen. Zudem werden wir wieder und wieder einiges an Überzeugungsarbeit leisten müssen, dass das nachhaltige Investment für die Glaubwürdigkeit von Kirche ein wichtiger Baustein ist. Nicht zuletzt lebt eine Bank von ihren Produkten und Dienstleistungen. Wir werden auch in Zukunft nachhaltige Finanzprodukte entwickeln, die den hohen Anforderungen unserer Kundschaft Rechnung tragen, und damit unsere Bank weiterhin erfolgreich auf dem Kurs der Nachhaltigkeit halten. Und dann schauen wir, welche Baustellen 2023 anstehen. Keine Angst, es wird welche geben.

ECOreporter.de: Dr. Wulsdorf, vielen Dank für das Gespräch!

Helge Wulsdorf ist Bankkaufmann, Diplomtheologe und promovierter Sozialethiker. Bevor er 2003 den Bereich Nachhaltige Geldanlagen bei der Bank für Kirche und Caritas eG übernommen hat, war er unter anderem persönlicher Referent des Paderborner Weihbischofs Prof. Dr. Reinhard Marx und hat über ein Jahr lang die Pressearbeit des Erzbistums Paderborn mitverantwortet. Er ist zudem seit 2004 Vorstandsmitglied beim Forum Nachhaltige Geldanlagen e. V. und als Hochschuldozent an der BiTS in Iserlohn tätig. Den Vorsitz der Prüfungskommission für den „ECOanlageberater“ hat er 2008 übernommen. Zahlreiche Fachpublikationen zur Nachhaltigkeit entstammen seiner Feder.

Die Bank für Kirche und Caritas wurde 1972 mit Sitz in Paderborn als katholische Kirchenbank in der Rechtsform der Genossenschaft gegründet. Sie ist als Direktbank organisiert und bietet ihren ausschließlich aus Kirche und Caritas stammenden privaten wie institutionellen Kunden das gesamte Spektrum an Finanzdienstleistungen an. Auf der Grundlage christlicher Werte hat sie vor gut einem Jahrzehnt damit begonnen, ihre ganzheitliche Nachhaltigkeitspolitik für alle Geschäftssparten des Bankbetriebs zu entwickeln. Für die Kirchenbanken hat die Bank für Kirche und Caritas damit eine Vorreiterrolle übernommen. Ihre rund 90 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben zum 30. Dezember 2012 eine Bilanzsumme von 4,0 Milliarden Euro erwirtschaftet.

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