21.07.11 Erneuerbare Energie

„Investoren haben Bulgarien als attraktiven Solarmarkt entdeckt.“ – Interview mit Mike Döhn, Solarfin GmbH



ECOreporter.de: Was ist das Geschäft von Solarfin und was ist Ihre Funktion im Unternehmen? Woher haben Sie Ihre Kenntnisse über den bulgarischen Solarmarkt?

Mike Döhn: Die Solarfin beschäftigt sich rein mit der Finanzierung von Photovoltaik-projekten und einem Fokus auf Großanlagen ab 3 MW in den Ländern Spanien, Italien, Deutschland und Bulgarien. Diese vier Länder bieten ein gutes Spektrum an unterschiedlichen Risiko/Rendite Profilen, um die differenzierten Investitionsziele der meist institutionellen Mandanten abbilden zu können. Ic Gründer und Geschäftsführer der Solarfin. Von Beginn an, hat sich die Solarfin, wie in jedem Markt, nur mit einem festen Partner in Bulgarien bewegt, der mit örtlichen Mitarbeitern und einem Büro präsent ist und mittlerweile ein Portfolio über 27 MW sein Eigen nennt.

ECOreporter.de: Wie hat sich der bulgarische Solarmarkt in den letzten Jahren entwickelt?

Döhn: Im Vergleich zu den etablierten westeuropäischen Solarmärkten und dem osteuropäischen Nachbarn Tschechien ist Bulgarien mit ca. 50 Megawatt (MW) installierter Leistung noch ein Zwerg. Die Zubaudynamik ist allerdings groß, wahrscheinlich sind 90% dieser Kapazität in 2010 und 2011 entstanden. Dies nicht nur durch die steigende Marktattraktivität Bulgariens, sondern weil andere Regionen durch Tarifunsicherheit oder durch sinkende Renditen verschreckten. Dass ließ Bulgarien zunehmend in den Fokus rücken.

ECOreporter.de: Welche Bedingungen bestimmen den bulgarischen Solarmarkt?

Döhn: Die Grundlage des bulgarischen Solarmarktes bildet ein Einspeisegesetz nach dem Vorbild des deutschen EEG. Die leichten Degressionen der letzten Jahre, die in festgesetzten Korridoren stattfanden, gaben Investoren sogar ein verlässlicheres Rahmenwerk als viele etablierte Solarmärkte. Erst im April dieses Jahres, nachdem der neue Tarif traditionsgemäß in der ersten Aprilwoche verkündet worden war, griff man ungeplant in den Tarif ein. Nach einem Rechtsvakuum von etwa zwei Monaten ist der neue Tarif nun am 1. Juli in Kraft getreten.
Basierend auf einer Absenkung zum Vorjahrestarif um ca. 30 Prozent speisen Freiflächen-Solarprojekte über 200 kWp seitdem zu 0,248 Euro/kWh ein. Gute natürliche Bedingungen vor allem in Südbulgarien, ein jährlicher Inflationsausgleich im Tarif und niedrige Körperschaftssteuern von 10 Prozent führen dazu, dass noch immer eine geldgewichtete Rendite (interner Zinssatz, Internal Rate of Return, IRR) von ca. 12,5 Prozent möglich ist. Damit dürfte Bulgarien auf einem IRR–Niveau wie Italien liegen. Mit dem Vorteil, dass wir in Bulgarien mit diesen Rahmenbedingungen bis Mitte 2012 planen und investieren können und nicht wie in Italien in Monatsrhythmen denken oder Budgetdeckelungen beobachten müssen.  

ECOreporter.de: Wie tragfähig ist die bulgarische Infrastruktur für Photovoltaik? Inwiefern gibt es bürokratische Hemmnisse oder sperren sich Energieversorger gegen einen Ausbau der Photovoltaik?

Döhn: Bisher hat sich das bulgarische Netz unbeeindruckt von den Zubauzahlen gezeigt. Die Dynamik ist allerdings auch nicht so stark wie dies beispielsweise Tschechien mit den resultierenden Netzproblemen erfahren musste. Sie wird auch nie so stark sein, weil die Flächenkontingente in Bulgarien begrenzt sind, die für eine Umwidmung in Photovoltaik in Frage kommen. Bürokratische Hemmnisse haben wir nicht mehr oder weniger ausgeprägt erfahren wie in Spanien oder Italien - im Gegenteil. Gleiches gilt für die sehr produktive Zusammenarbeit mit den Versorgern, wobei sich unser Erfahrungsschatz nur auf die österreichische EVN, als einer von drei Versorgern, bezieht. Die EVN deckt den sonnenreichen Südosten Bulgariens ab, auf den sich unser Engagement konzentriert.

ECOreporter.de: Wo liegen die besonderen Chancen und wo die besonderen Risiken bei Solarprojekten in Bulgarien?

Döhn: Kurz zusammengefasst liegen die Risiken in den Unwägbarkeiten der kommenden Tarifrunde Mitte 2012. Bis dahin reicht unser Planungshorizont und der der meisten Investoren. Das mag in der kurzlebigen Solarindustrie für manchen Beteiligten aber schon als eine Ewigkeit gelten. Demgegenüber steht aber ein attraktives IRR und Planungssicherheit in der verbleibenden Zeit.

ECOreporter.de: Wer zählt zu den wichtigen Akteuren im bulgarischen Solarmarkt?

Döhn: Ausländische Entwickler und Investoren dominieren den bulgarischen Solarmarkt. Man findet die gleichen Akteure wieder, die schon in anderen Ländern aktiv waren und ihre Kapazitäten von diesen nach Bulgarien ausweiten wollen und/oder müssen. Darunter findet man auch den einen oder anderen chinesischen Modulhersteller, der seine vollen Lager durch eigene Projekte zu entlasten versucht. Prinzipiell muss man resümieren, dass das Land als attraktiver Solarmarkt bei den Entwicklern schneller angekommen ist als bei den Investoren, die erst jetzt verstärkt nachziehen. Dies bedingt auch dadurch, dass sich die Anforderungen an den landesspezifischen Rendite-Risiko-Mix verändert haben. Während man Bulgarien immer mit einem Risikoaufschlag bewertet haben dürfte, setzt sich die Erkenntnis vermehrt durch, dass gerade diese Komponente neu bewertet werden muss.

ECOreporter.de: Inwiefern ist es einfach oder schwierig, Solarprojekte in Bulgarien zu finanzieren?

Döhn: Während das Thema noch in 2010 als sehr steinig zu betrachten war, hat sich  der Kapitalmarkt in 2011 wesentlich verbessert. Die Finanzierungskonditionen liegen zwar nicht auf dem niedrigen Niveau Deutschlands und man sollte eher mit Eigenkapitalquoten von mindestens 30 Prozent kalkulieren. Aber das breiter werdende Bankenspektrum macht Finanzierungsgespräche zunehmend einfacher.

ECOreporter.de: Wie steht die Regierung zum Ausbau der Erneuerbaren Energien im Allgemeinen und der Photovoltaik im Besonderen? Welche Rolle spielen die von der EU vorgegebenen Klimaschutzziele Bulgariens für den Ausbau der Photovoltaik in dem Land?

Döhn: Vergleicht man die bisherigen Ziele, die einen Anteil der Erneuerbaren Energien von 16 Prozent in 2020 vorsahen, dann lag Bulgarien klar hinter den EU-Vorgaben von 20 Prozent. Wegen der drohenden Strafzahlungen wurde das alte dieses Ziel korrigiert. Die neue Zielvorgabe von 21 Prozent liegt sogar über den Vorgaben der EU. Aus dieser Neuausrichtung kann aber keine automatische Ausbaueuphorie für die Photovoltaik geschlossen werden. Diese hat mit Wind-, Wasser- und Biomasseenergie in Bulgarien starke Konkurrenten.

ECOreporter.de: Wie bewerten Sie das neue bulgarische Gesetz zur Einspeisetarifregelung? Wie attraktiv sind die Solarstromtarife und was bedeutet es, dass nun in jedem Sommer die Tarife neu festgelegt werden?

Döhn: Ich befürworte grundsätzlich moderate Tarife, die die tatsächliche Kostensituation widerspiegeln. Das schürt kein Sozialneid und setzt die politisch Verantwortlichen nicht unter Handlungsdruck. Kurzfristig haben alle auf der Wertschöpfungskette dieser Industrie fürstlich verdient. Zurückblickend hätte mehr Bescheidenheit der Industrie langfristig mehr geholfen. Bulgarien hat es richtig gemacht. Das jetzige IRR ist immer noch hervorragend, das Risiko-Rendite-Verhältnis mit das beste, welches ich in Europa sehe. Dass die Tarife jährlich abgesenkt werden ist für die Branche normal. Andere würden den Jahresrhythmus mit Blick auf Italien sogar als geradezu luxuriös planbar bezeichnen.

ECOreporter.de: Welche Auswirkungen werden die Tarifänderungen für den bulgarischen Solarmarkt haben?

Döhn: Bulgarien wird mit der jetzigen Ausrichtung ein Solarnischenmarkt bleiben, ohne hektische Zubauzahlen oder Tarifsprünge. Und gerade dies macht dieses Land so attraktiv in einer Phase, in der die Solarbranche die Planbarkeit ihrer Millionenprojekte als höheres Gut erkennen muss als Einstrahlungsdaten oder hohe Tarife. Der Solarmarkt Bulgarien befindet sich einer sehr gesunden Entwicklung, sonst hätten wir uns mit unserem Partner neben den bestehenden 27 MW nicht noch das Ziel einer weiteren Ausbaustufe auf 50 MW bis 2012 gesetzt.

ECOreporter.de: Herr Döhn, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Bildhinweis: Bulgarischer Solarpark der deutschen juwi Gruppe. / Quelle: Unternehmen
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