21.07.10 Erneuerbare Energie , Fonds / ETF

Ist der heiße Sommer 2010 ein Renditekiller für Biogasfonds? – ECOreporter.de sprach mit Marktakteuren

Es war rekordverdächtig heiß und trocken in Deutschland – für Wochen. Denkbar schlechte Bedingungen für Maisbauern, aber auch für Biogasanlagenbetreiber und Anleger in Biogasfonds. Denn Mais ist ein wichtiger Rohstoff für Biogasanlagen. ECOreporter.de fragte bei Fondsanbietern und Anlagebetreibern nach, inwiefern der lange Bilderbuchsommer Stromerträge und Renditen von Biogasfonds beeinträchtigt.

Biogasanlagen sind längst ein fester, wenn auch kleiner Bestandteil des Energiemixes in Deutschland. Nach Angaben des Fachverbandes Biogas versorgen aktuell rund 5000 Biogasanlagen 3,5 Millionen Haushalte mit Strom. Die wasserintensive Nutzpflanze Mais ist wegen ihrer energetischen Eigenschaften der meist genutzte „Treibstoff“ für Biogasanlagen. Während zahlreiche Landwirte in verschiedenen Regionen der Republik wegen Hitze und Trockenheit Alarm schlagen, sieht die Biogasbranche ihre Versorgungslage allerdings (noch) nicht gefährdet.

„Biogasanlagenbetreiber beziehen ihren Mais in der Regel über langfristige Verträge mit einem oder mehreren Landwirten“, erklärt Harald Felker, Geschäftsführer Bioenergie beim Fondsanbieter UDI.  Aus Betreiber- und Anlegersicht sei für Biogasanlagen entscheidend, wie die Vereinbarungen mit den Lieferanten ausgestaltet seien, so der UDI-Experte. „Problematisch wird es dann, wenn ein Betreiber zu sehr von einem einzelnen Lieferanten abhängig ist und dieser in Lieferschwierigkeiten kommt“, sagt Felker. „Wir haben bei allen Lieferanten-Verträgen darauf geachtet, keine zu großen Abhängigkeiten aufkommen zu lassen“, so der Biogasenergie-Fachmann weiter „Außerdem haben wir in unseren Verträgen Spielräume zwischen 80 und 120 Prozent für bessere und schlechtere Jahre. Wirklich problematisch würde es, wenn wir mehrere solcher Sommer hintereinander hätten.“

Insgesamt sieht Felker weder Stromerträge noch Renditen durch die anhaltende Hitze und Trockenheit gefährdet. „Man muss die Situation immer von Jahr zu Jahr betrachten und Landwirte kennen das Risiko, schlechte Erntejahre ausgleichen zu müssen“, erläutert er. UDI habe für Anlagen in den Portfolios laufender Fonds entweder Vorräte aus besseren Jahren oder finanzielle Rückstellungen gebildet, mit denen auch auf eventuellen Reparaturbedarf an den Anlagen reagiert werden könne.

Selbst einem möglichen kurzfristigen Engpass der Maisversorgung, sieht Felker gelassen entgegen. „Unsere Anlagen sind flexibel. Sie können innerhalb von vier Wochen von Maissillage auf andere Substrate wie Getreide, Zuckerrüben oder Gras umstellen.“ Diese seien energetisch nahezu gleichwertig im Vergleich zum allgemein bevorzugt Mais. Auch einen Anstieg der Maispreise im Zuge einer möglichen Knappheit könne die Bioenergie-Branche derzeit noch gut verkraften. „Das aktuelle Preisniveau ist noch weit unter dem von vor drei Jahren“, so Felker.

Das Geschäft mit Biogasanlagen ist auch für den börsennotierten Agrarkonzerns KTG Agrar AG eine tragende Säule. Sie nutzt bislang 4.000 ihrer 30.000 Hektar Anbauflächen für Mais zur Biogasproduktion. Es sei noch zu früh, um die Maisernte für 2010 zu beurteilen, stellt Unternehmenssprecher Fabian Lorenz gegenüber ECOreporter.de fest. „Aktuell betreiben wir Biogasanlagen mit einer Leistung von 11 Megawatt (MW) und bis zum Jahresende gehen wir davon aus, 14 MW am Stromnetz zu haben. Im Zuge dessen schätzen wir den Umsatz aus diesem Segment zum Jahresende auf 15 Millionen Euro“, bilanziert Lorenz. Er fürchtet keine negativen Auswirkungen der Hitze für die Biogasanlagen seines Unternehmens. Selbst wenn sich im September herausstellen sollte, dass die Ernte besonders schlecht ausfalle, wirke sich dies erst auf die Versorgungslage 2011 aus, erläutert er. Zudem seien die Ernten der vergangenen Jahre überdurchschnittlich gut ausgefallen, so dass der Konzern Vorräte habe anlegen können.

Dass andere Betreiber von Biogasanlagen Probleme bekommen können, schließt der Unternehmenssprecher aber nicht aus. „Für einzelne fondsbasierte Biogasanlagen, von denen viele anders als wir nicht über eigenes Land verfügen, kann die Versorgungslage schwieriger werden“, meint Lorenz. UDI- Experte Felkler hat einen Rat für Fondsanleger, die unsicher sind, wie die Betreiber „ihrer“ Biogasanlage in Sachen Rohstoffversorgung aufgestellt sind. Sie sollten sich im Zweifelsfall bei ihrem Anbieter erkundigen, meint er.
Bildhinweis: Biogasanlagen von Schmack. / Quelle: Unternehmen
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