Modulproduktion bei JA Solar. / Quelle: Unternehmen

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Ist die Aktie von JA Solar ein Schnäppchen?

Nach starken Wertschwankungen in 2014 notiert die Aktie von JA Solar jetzt rund 14 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Jetzt hat der Solarkonzern starke Geschäftszahlen veröffentlicht. Eine Gelegenheit zum günstigen Einstieg?

Aktionäre von JA Solar brauchten in den letzten Jahren gute Nerven. Erst löste die Krise im weltweiten Markt für Solartechnik eine heftige Marktbereinigung aus, die das Unternehmen aus Shanghai aber sicher durchgestanden hat. Seine Marktposition hat sich durch den Ausfall vieler Großkonkurrenten, etwa der meisten deutschen Solarkonzerne, verbessert. JA profitierte dabei nicht zuletzt vom spektakulären Aufleben des chinesischen Absatzmarktes. Auf die Krise in den westlichen Absatzmärkten mit hohem Überangebot mit entsprechendem Preisverfall hatte die Regierung in Peking damit reagiert, dass sie eine umfassende Förderung von Photovoltaikinvestitionen in der Volksrepublik etabliert. Darauf explodierte die Nachfrage im chinesischen Solarmarkt und konnten Hersteller wie JA Solar ihre Produktion nicht nur auslasten, sondern wie der Konzern aus Shanghai sogar ausbauen. Das ist umso wichtiger, dass Solarhersteller Module je Stück umso billiger fertigen und somit günstiger anbieten können, je größer ihre Produktion ist. Solche so genannten Skaleneffekte entstehen unter anderem dadurch, dass man als man bei Zulieferern umso günstigere Preise aushandeln kann, je größere Bestellungen man für seine Produktion bei ihnen einreicht.

China ist in wenigen Jahren zum mit Abstand größten Absatzmarkt für Solartechnik aufgestiegen. Als erste Nation erreichte die Volksrepublik in 2013 beim Zubau der Photovoltaikkapazität die Marke zehn von zehn Gigawatt (GW). Zum Vergleich: Dieser Zubau innerhalb eines Jahres lag mehr als zwei GW über bisher von einem einzigen Markt erreichten Rekordwerten und entsprach fast einem Drittel der bis dahin in Deutschland, dem auch heute noch größten Solarmarkt der Welt, insgesamt aufgebauten Photovoltaikkapazität. Dabei hatte es in China bis 2010 so gut wie keine einheimische Nachfrage gegeben. Doch in 2014 geriet dieser Rekordzubau abrupt ins Stocken. Aufgrund ungünstiger Witterung, vor allem aber weil die von der Politik angestrebte Verlagerung des Förderschwerpunkts von großen Solarparks auf freier Fläche hin zu mehr Aufdachsolaranlagen fehlschlug. Aufgrund erheblicher Finanzierungsdefizite wurden weitaus weniger Photovoltaikprojekte auf den Dächern von Gebäuden umgesetzt als geplant. Deshalb waren in China bis Mitte 2014 nur rund drei GW neu installiert. Zwar sprangen in der zweiten Jahreshälfte große Privatinvestoren ein, stellten schnell große Mengen für Solarprojekte zur Verfügung und erreichte die Volksrepublik doch noch einen Zubau auf dem Niveau des Vorjahres. Das Ausbauziel von satten 14 GW aber wurde klar verfehlt.

Vertrauensverlust bei den Börsianern

Diese Entwicklung verminderte auch das Vertrauen der Börsianer in die Aktie von JA Solar. Denn das Unternehmen war stark auf den Absatz im Heimatmarkt ausgerichtet und litt offenbar bis zur Jahresmitte unter der überraschend geringen Nachfrage. Zudem wurde vielen Börsianern bewusst, welche Risiken mit Investments in chinesische Aktien einhergehen. Denn die Unternehmen aus der Volskrepublik sind nur bedingt transparent. Vor allem die finanziellen Verbindungen mit den kreditgebenden Banken, die fast immer in staatlicher Hand sind, lassen sich von außen schwer durchschauen. Das zeigte 2013 das Beispiel von Suntech aus Wuxi, dem bis dahin größten Solarhersteller der Welt. Der ging innerhalb weniger Monate pleite und wurde zerschlagen, während andere Konkurrenten aus China weiter die Unterstützung der Banken und zumindest halbstaatlichen Investoren hatten und am Leben gehalten wurden, obwohl auch sie unter hohen Schulden ächzten. Vieles spricht dafür, dass die Unternehmensführung von politischen Aktueren fallen gelassen wurde und man an Suntech ein Exempel statuierte.

Eine weitere Belastung für die Aktie von JA Solar war in den letzten Monaten der Beschluss neuer hoher Strafzölle, mit denen die USA Solarimporte aus China und Taiwan belegen. Hinzu kam das auch Kanada solche Strafzölle angekündigt hat. Diese Importzölle vermindern in Nordamerika die Konkurrenzfähigkeit von Solarherstellern aus Fernost. Hinzu kam der massive Verfall des Ölpreises. Der führt unter anderem dazu, dass sich auch Gas verbilligt und damit Gaskraftwerke in den USA günstiger Strom produzieren können. Damit aber wird es in den Vereinigten Staaten weniger lukrativ, in Solarkraftwerke zu investieren statt in Gaskraftwerke.

Westliche Märkte sind für JA Solar nur noch nebensächlich

Es gibt also viele Gründe dafür, dass die Aktie von JA Solar zuletzt wenig überzeugte. Doch der Konzern hat jetzt eine Jahresbilanz für 2014 veröffentlicht, die gute Argumente dafür bietet, jetzt den Einstieg zu wagen. So ist es dem Unternehmen offenbar gelungen, die Abhängigkeit vom Heimatmarkt zu vermindern. In 2013 waren noch 43 Prozent der Auslieferungen von JA Solar auf China entfallen, im Abschlussquartal jenes Jahres gar 53 Prozent. Laut der nun veröffentlichten Bilanz sanken diese Anteile auf 33 Prozent im Gesamtjahr und auf 41 Prozent im vierten Quartal 2014. Denn es ist dem Konzern im vergangenen Jahr gelungen, sich verstärkt auf andere Absatzmärkte in Asien auszurichten. Etwa auf Japan, wo derzeit weltweit die höchsten Solartarife gezahlt werden, und in andere aufstrebende Photovoltaikmärkte der Region. JA Solar erhöhte den Absatz in andere asiatische Märkte in 2014 gegenüber den Vorjahreswerten um über elf Prozent. Beim Gesamtabsatz ereichten sie einen Anteil von 45 Prozent. 2012 hatte sich der Anteil der asiatischen Märkte jenseits von China am Gesamtabsatz erst auf 15 Prozent belaufen.

Die Auslieferungen in westliche Märkte spielten für JA Solar im vergangenen Jahr nur eine untergeordnete Rolle. Die Auslieferungen nach Nordamerika beliefen sich 2014 wie schon im Vorjahr lediglich auf rund sechs Prozent. Daher erscheinen die Sorgen über Absatzhindernisse von JA Solar in Nordamerika unbegründet. Sie würden sich nur geringfügig auf den Gesamtabsatz des Konzerns auswirken. Der Absatz der Chinesen in Europa ist seit Jahren rückläufig, weil dort die Nachfrage schrumpft. Etwa die aus Deutschland, wo noch vor wenigen Jahren Solarprojekte mit zusammen über sieben GW pro Jahr neu errichtet wurden und dieser Zubau auf nur noch 2,4 GW in 2014 abgesunken ist. Im vergangenen Jahr hat JA Solar rund 13 Prozent seiner ausgelieferten Kapazität nach Europa verschifft, nach rund 15 Prozent in 2013.

Bildhinweis: Die Solarzellen für die Modulproduktion fertigt JA Solar zu einem großen Teil selbst. / Quelle: Unternehmen

Stark verbesserte Profitabilität

Bei der Verschiebung der Absatzmärkte von JA Solar ist zu berücksichtigen, dass der Konzern seine Auslieferungen in 2014 weiter stark erhöht hat. Dank der hohen Nachfrage aus Asien und der gesteigerten Produktion stiegen sie gegenüber dem Vorjahr in 2014 auf 3,1 GW. Zum Vergleich: die deutsche SolarWorld AG erreichte 0,850 GW, also fast nur ein Viertel der Kapazitäten des chinesischen Konkurrenten. JA Solar hat die Produktionskapazität im vergangenen Jahr so stark ausgebaut wie kein anderer der größten Solarhersteller der Welt. Das Unternehmen kletterte dadurch im Ranking der Marktführer auf den fünften Rang. Die gute Nachfrage und die erhöhte Produktion ermöglichten es dem chinesischen Konzern, seine Marge stark zu verbessern. Sie sprang von 10,6 Prozent in 2013 auf 15,6 Prozent.

Der Jahresumsatz von JA Solar wuchs 2014 gegenüber dem Vorjahr von 1,2 Milliarden auf 1,8 Milliarden Dollar, also um die Hälfte. Die Chinesen erwirtschafteten trotz der Investitionen in die Produktion einen Nettogewinn von 72 Millionen Dollar, nachdem sie 2013 noch einen Nettoverlust von rund 69 Millionen Dollar erlitten hatten.

Aussicht auf gesundes Wachstum

Baofang Jin, Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von JA Solar, rechnet für 2015 mit weiterem Wachstum. Für das das laufende erste Quartal stellte er bei der Präsentation der Jahresbilanz Auslieferungen von 680 bis 750 Megawatt (MW) in Aussicht, also bis zu 0,750 GW. Im ersten Quartal 2014 hatte JA Solar 620 MW verschifft. Für das Gesamtjahr peilt der Konzernchef Auslieferungen von bis zu vier GW an. Das wäre ein Drittel mehr als in 2014, wo die Auslieferungen um satte 48 Prozent erhöht wurden. Somit sollen die Auslieferung nicht mehr so stark ansteigen wie im Vorjahr, aber immer noch beachtlich. Zumal eine noch höhere Erhöhung der Auslieferungen auch das Risiko steigern würde, nicht genügend Abnehmer zu finden und dann die Preise senken zu müssen, mit fatalen Auswirkungen auf den Gewinn. Erstmals will JA Solar einen nenneswerten Teil der Module in eigenen Solarparks verbauen. 200 bis 300 MW plant Baofang Jin dafür ein. Damit steigt der Konzern wie schon andere Konkurrenten in das margenträchtige Projektgeschäft ein und vermindert so seine Abhängigkeit von den schwankunsganfälligen Preisen für Solartechnik.

Guten Gewinchancen für Investoren stehen Anlagerisiken gegenüber

Die Aktie von JA Solar ist derzeit mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von acht bezogen auf 2014 sehr günstig bewertet. Sie notiert an der Nasdaq bei neun Dollar und in Frankfurt bei 8,4 Euro. Wer darauf setzen will, dass die Wachstumsstrategie des Unternehmens aufgeht, kann damit auf recht geringem Niveau einsteigen und auf deutlche Kursgewinne spekulieren. Vieles spricht dafür, dass die Strategie von JA Solar aufgeht, auf einen anhaltenden Solarboom in Asien und dabei auf verschiedene Einzelmärkte zu setzen, nicht mehr so stark auf den Heimatmarkt China, trotz dessen enormen Entwicklungspotentials. Und dass die Pläne von JA Solar im attraktiven Projektgeschäft auch mit Erfolg umgesetzt werden.

Verzögerungen und Verschiebungen sind bei großen Photovoltaikprojekten leicht möglich und können dazu führen, dass sich auch Einnahmen von Quartal zu Quartal verschieben. Kommt es dazu, sind Einnahmeeinbrüche in einzelnen Quartalen möglich und damit kurzfristige Abstürze des Aktienkurses. Wer jetzt in den Anteilsschein investiert, muss solche Phasen aussitzen können. Auch spiegelt der niedrige Kurs das vergleichsweise hohe Risiko bei Solaraktien im Allgemeinen, die grundsätzlich starke Kursschwankungen aufweisen, und von Aktien aus China im Besonderen wider. Wie oben ausgeführt bestehen bei Anteilsscheinen aus der Volksrepublik politische Risiken, die mangels Transparenz kaum eingeschätzt werden können. Hinzu kommt, dass die kurzfristigen Verbindlichkeiten des Solarkonzerns mit 367 Millionen Dollar in etwa so hoch sind wie die flüssigen Mittel. Die langfristigen Schuldverpflichtungen belaufen sich auf 310 Millionen Dollar. Sie sind im Vergleich zu anderen großen Solarkonzernen aus China und angesichts der ernomren Investitionen von JA Solar eher gering.

Aber den Risiken der Aktie von JA Solar stehen eben auch große Kurschancen gegenüber und das Unternehmen trägt dazu bei, dass die Erneuerbaren Energien in Asien weiter an Bedeutung gewinnen. Weil nirgends auf der Welt der Energiebedarf so schnell und so stark wächst wie in Asien ist das für die Bekämpfung des Klimawandels von entscheidender Bedeutung.

JA Solar Co. Ltd.: ISIN US4660902069 / WKN A1J87E
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