24.11.09 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Ist die Party bald vorbei? - warum der chinesische Windmarkt ins Stolpern kommen könnte


Westliche Hersteller von Windkraftanlagen müssen sich auf eine verstärkte Konkurrenz von chinesischen Produzenten einstellen. Davon hat Sunil Gupta gewarnt, Leiter der Cleantech-Abteilung von Morgan Stanley für den asiatischen Markt. Wie er gegenüber Bloomberg erläutert hat, bauen Hersteller wie Goldwind oder Sinovel verstärkt Überkapazitäten auf, weil der Ausbau des chinesischen Leitungsnetzes nicht Schritt hält mit der starken Installation von Windkraftkapazitäten.

Nachdem China seine Windkraftkapazitäten in den letzten drei Jahren jeweils verdoppelt hat, ist das Land zum viertgrößten Windmarkt der Welt aufgestiegen. Bis Ende 2011 sollen die Windkraftkapazitäten laut Regierungsangaben von etwa 12 Gigawatt Ende 2008 auf 30 Gigawatt ansteigen. Damit würde China weltweit die Spitzenposition einnehmen. Doch schon heute gibt es für jedes dritte der in China aufgestellten Windräder keinen Netzanschluss, wie die Cleantech-Experte von Jefferies International festgestellt haben (wir Opens external link in new windowberichteten im Oktober über deren Analyse des weltweiten Windmarktes und der Aussichten für einzelne Windaktien).

Laut Gupta steht im chinesischen Markt mit seiner Fülle von kleineren Windturbinenbauern eine Konsolidierung an. Doch in absehbarer Zeit werde dennoch weitaus mehr produziert, als vor Ort ans Netz gebracht werden kann. Ihm zufolge bietet der benachbarte Windmarkt Indiens, immerhin der fünftgrößte der Welt, den chinesischen Windturbinenbauern nur wenig Aussicht, dort ihre Überkapazitäten abstoßen zu können. Denn dort gebe es keine ausreichend große Nachfrage, aber mit Suzlon eine starke einheimische Konkurrenz. Er rechnet damit, dass in absehbarer Zeit billige Windräder aus China die nachfragestarken Märkte in Europa und den Vereinigten Staaten überschwemmen werden.

Dies hätte gravierende Folgen für viele Windkraftunternehmen, auch wenn sie nicht so stark ausfallen müssen wie in der Photovoltaikbranche. Dort leiden etwa die deutschen Hersteller von Solarprodukten stark unter der Konkurrenz aus China, die vor allem aufgrund von Währungseffekten und günstigeren Löhnen enorme Preisvorteile haben. Doch hier hat der Nachfrageeinbruch infolge der Finanzkrise diese Situation verschärft. Für die Windkraftbranche gehen Experten dagegen für die kommenden Jahre mit einer stark belebten Nachfrage aus (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem Bericht von ECOreporter.de darüber).

Doch Unternehmen wie Vestas, Gamesa oder Nordex haben in China massiv in die Produktion vor Ort investiert, in der Hoffnung auf eine anhaltend hohe Nachfrage. Und eine verstärkte Billigkonkurrenz aus China würde die Margen insbesondere der Windturbinenbauer beeinträchtigen, die wie die Chinesen vor allem auf kleiner Windräder setzen. Doch man muss berücksichtigen, dass Komponenten für Windkraftanlagen, insbesondere die oft riesigen Rotoren, nicht so einfach zu transportieren sind wie Solarprodukte. Das dürfte es den Chinesen stark erschweren, zu vertretbaren Kosten Windräder an westliche Kunden zu liefern. Investitionen in Produktionsstätten vor Ort wiederum würden die Nachfragesituation für sie erst langfristig entspannen und ihren Preisvorteil erheblich verringern.

Wenn der Experte von Morgan Stanley mit seiner Prognose Recht hat, müssten sich aber gewiss die Aktionäre der US-amerikanischen American Superconductor Corporation (AMSC) Sorgen machen. Die profitiert stark von ihrem Fokus auf den chinesischen Windmarkt, versorgt etwa den Windturbinenbauer Sinovel mit Windkrafttechnologie und erzielt allein aus dieser Geschäftsbeziehung 75 Prozent der Umsätze. Fünf der bislang 13 Kunden der Amerikaner aus der Windkraftbranche haben ihren Sitz in China. Nur aufgrund des dortigen Windkraftbooms hat sich AMSC in die Gewinnzone vorkämpfen und vor kurzem die Prognose für 2009 anheben können. Mit der Folge, dass sich der Aktienkurs des Unternehmens aus aus Devens im Bundesstaat Massachusetts in den letzten zwölf Monaten fast verdreifachte. Wenn sich aber in China die Windturbinenbauer aufgrund von Absatzproblemen verschnupfen, droht dem amerikanischen Windkraftzulieferer eine Lungenentzündung.

American Superconductor Corporation: WKN 889844 / ISIN US0301111086
Gamesa Corp. Tecnologica S.A.: ISIN ES0143416115 / WKN A0B5Z8
Nordex AG: ISIN DE000A0D6554 / WKN A0D655
Vestas Wind Systems A/S: WKN 913769 / ISIN DK0010268606
Bildhinweis: In China aufgestellte Windräder von Nordex und eine Produktionshalle des Unternehmens. / Quelle: Nordex
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