Indischer Solarpark mit Modulen von Canadian Solar: In welche Richtung steuert der junge Solarmarkt – und was bedeutet das für dort tätige Unternehmen? / Foto: Canadian Solar

22.08.17 Nachhaltige Aktien , Erneuerbare Energie , Meldungen

Ist Indien ein Eldorado für Solarunternehmen?

Indien wird als Markt für viele börsennotierte Solarunternehmen immer wichtiger. Aktuelle Zahlen über die Entwicklung dieses Solarmarktes scheinen das zu bestätigen. Aber dort tätige Unternehmen müssen sich auch auf neue Schwierigkeiten einstellen.


Nach China zeigt der indische Solarmarkt derzeit die größte Wachstumsdynamik. Noch vor drei Jahren spielte die Photovoltaik in dem riesigen Land so gut wie keine Rolle: Damals stützte sich der Ausbau der Erneuerbaren Energien in Indien fast nur auf neue Windparks.

Dies änderte sich erst nach einem Regierungswechsel. Der 2014 ins Amt gekommene Premierminister Narendra Modi will die Erzeugungskapazität von regenerativen Energien bis zum Jahr 2022 auf 175 Gigawatt (GW) verdreifachen. Davon sollen 100 GW auf Photovoltaik entfallen. Kurz nach der Amtsübernahme von Modi verfügte Indien erst über eine installierte Solarstromkapazität von insgesamt rund drei GW.

Enormes Solar-Potential wird durch Regierung befeuert

Seither hat sich in Indien vieles verändert. Aufgrund der Unterstützung durch die Politik begann das Land, sein enormes Photovoltaik-Potential zu erschließen. Es führte mehrere Solar-Auktionen mit großem Erfolg durch. In 2016 wurden bereits 4,3 GW an neuer Solarstromleistung neu installiert.

Nach Berechnungen des Marktforschungsunternehmens Mercom India Research dürften in 2017 sogar neue Solaranlagen mit zusammen etwa 10,5 GW neu errichtet werden. Allein im ersten Halbjahr sei ein Zubau von knapp 4,8 GW erreicht worden.

Zum Vergleich: in Deutschland gingen in den ersten sechs Monaten von 2017 neue Solaranlagen mit 0,9 GW ans Netz. Der indische Zubau war im ersten Halbjahr mehr als dreimal so groß als der, den Deutschland im Gesamtjahr 2016 erreicht hat.

Solarkonzerne aus China und Nordamerika sind in Indien bereits erfolgreich

Unternehmen, die sich bei indischen Solar-Auktionen durchgesetzt haben, wollen nun weitere Photovoltaik-Projekte mit zusammen über 12 GW umsetzen. Weitere Ausschreibungen von über 6 GW sind in Vorbereitung. Der indische Solarmarkt boomt also. Und Solarkonzerne aus dem Ausland mischen dabei kräftig mit.

Zum Beispiel JinkoSolar aus dem Nachbarland China. Das Unternehmen hat vor kurzem in Medak im indischen Bundesstaat Telangana einen Freiflächen-Solarpark mit Modulen ausgestattet. Das Solarkraftwerk hat eine Gesamtleistung von 65 Megawatt (MW). Canadian Solar, die vor allem in China Solarmodule fertigt, plant in Indien eigene Solarparks mit zusammen 108 MW. Weitere Photovoltaik-Projekte in dem Land hat der Konzern mit Modulen mit insgesamt rund 300 MW beliefert.

Auch Solarfirmen aus den USA wollen sich Marktanteile in Indien sichern. SunPower aus Kalifornien hat bisher erst nur seine Fühler ausgestreckt und in Indien lediglich Solarmodule mit 5 MW abgesetzt. Aber die Konzernführung will das Engagement in dem aufstrebenden Markt zügig intensivieren.

First Solar aus Arizona ist da schon weiter und hat in Indien bereits über 1.000 MW oder 1 GW abgesetzt. Dieser Konzern ist der weltweit größte Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen. Diese sind zwar nicht so leistungsstark wie herkömmliche Silizium-Module, dafür aber deutlich billiger.

Daher sind für First Solar die Rahmenbedingungen in Indien ideal, wo es sich lohnt, große Freiflächen-Solarparks zu bauen und dabei beim Einkauf der benötigten Module zu sparen. Denn die starke Sonneneinstrahlung garantiert auch mit Dünnschicht-Solarmodulen eine hohe Stromproduktion, so dass es nicht erforderlich ist, leistungsstarke aber deutlich teurere Module einzukaufen.

Nicht nur für SMA Solar könnten die Geschäfte in Indien schwieriger werden

Auch für Solarausrüster wird Indien ein wichtiger Markt, etwas für die deutsche SMA Solar Technology AG. Sie produziert Steuerungstechnik und Wechselrichter, die Solarstrom in netzfähigen Wechselstrom umwandeln. Die Deutschen haben zum Beispiel Ende 2016 einen Großauftrag aus Indien erhalten. Der indische Projektierer Greenko Energies bestellte bei ihnen Wechselrichtern für Photovoltaik-Kraftwerke mit zusammen 616 MW.

Aber nun droht der indische Solarmarkt ins Stolpern zu geraten: Nämlich aufgrund von Konflikten innerhalb der indischen Regierung bzw. zwischen einzelnen Ministerien. Es ist unklar, wie hoch die Waren- und Dienstleistungssteuer (GST) auf Solartechnik in Zukunft ausfallen wird. Zunächst wollte die Regierung sie durchweg auf 5 Prozent für alle Photovoltaik-Produkte festlegen. Doch das Finanzministerium drängt auf eine höhere Besteuerung von bis zu 28 Prozent, zumindest für einzelne Komponenten wie Wechselrichter oder Speichersysteme.

Das aber würde nicht nur sinkende Margen für die Hersteller bedeuten. Es droht sich auch die Umsetzung von Photovoltaik-Projekten in Indien erheblich zu verteuern. Vor allem aber verunsichert es Investoren, die nun nicht mehr wissen, womit sie kalkulieren können und daher zögern, sich bei weiteren Solar-Auktionen zu beteiligen.

Steuer-Konflikt bremst Wachstum und muss schnell gelöst werden

Im zweiten Quartal mussten in Indien Solar-Ausschreibungen über 1 Gigawatt deshalb abgesagt werden. Auch das Abschließen von neuen Stromabnahmeverträgen zwischen Solarprojektierern und Versorgungsunternehmen ist in Indien nahezu zum Erliegen gekommen.

Noch ist offen, ob sich das Ministerium für Neue und Erneuerbare Energie gegen das Finanzministerium durchsetzen wird und es durchweg beim Steuersatz von 5 Prozent bleibt. Nur wenn dieser Konflikt sehr bald gelöst wird, und dies mit dem Ergebnis einer nicht so starken Besteuerung, dürfte der indische Solarmarkt weiterhin ein starkes Wachstum zeigen.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x