06.01.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Bioenergieaktien: Schwierige Marktsituation – kräftige Kursgewinne

Trotz überwiegend sinkender Gewinne – die Aktien zahlreicher Bioenergieaktien legten im Jahr 2009 kräftig zu. Dabei zeigten sich große Unterschiede in der Entwicklung der Firmen aus den verschiedenen Sektoren. Im Unterschied zum Solar- oder Windenergiesektor wird das Thema Bioenergie durch drei Gruppen von Unternehmen geprägt, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Eine Gruppe umfasst die Hersteller von Biokraftstoffen sowie die Produzenten der entsprechenden großtechnischen Anlagen. Eine zweite kleinere Gruppe setzt sich aus Unternehmen zusammen, die sich mit Biogas beschäftigen; sie bauen, betreiben und entwickeln Kraftwerke zur Erzeugung und Nutzung von Biogas. Die dritte Gruppe schließlich hat es mit Wärme und Strom zu tun. Die Firmen errichten Biomassekraftwerke auf Basis der Kraftwärmekopplung.

Mit massiven Absatzrückgängen hatten 2009 die Biokraftstoffhersteller zu kämpfen. Obwohl die Branchenverbände BioEnergie (BBE) und Biogene und Regenerative Kraft- und Treibstoffe (BBK) nicht müde wurden, die Politik um Hilfe für die notleidende Branche anzugehen – die Resonanz blieb aus. Nachdem bereits in 2008 die Besteuerung von Biodiesel eingeführt worden war, entschied der Bundestag im April 2009, die Förderung für Bioethanol herunter zu fahren. Die ursprünglich geplante stufenweise Erhöhung des Anteils von Bioethanol an Benzin und Super geht nun langsamer vor sich.
Dennoch stieg der Bioethanolverbrauch in Deutschland im 1. Halbjahr um 61 Prozent auf 453.000 Tonnen. Laut Angaben des Berliner Bundesverband der deutschen Bioethanolwirtschaft (BDBe) ist die Produktionsmenge im gleichen Zeitraum um 48 Prozent auf 261.000 Tonnen gewachsen.


Kräftige Kursgewinne trotz schrumpfender Umsätze

Mit plus 190 Prozent im Jahresverlauf (Stichtag 30. Dezember; Börsenplatz Frankfurt) entwickelte sich die Aktie der Hamburger Verbio Vereinigte BioEnergie AG am besten. Die Umsatzerlöse des Unternehmens sanken in den ersten neuen Monaten von 490,6 Millionen Euro im Vergleichszeitraum des Vorjahres auf 380 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) betrug minus 10,4 Millionen Euro (2008: 15,1 Millionen Euro).

Die börsennotierte österreichische Spezialistin für Biokraftstoffanlagen, BDI BioDiesel International AG, musste in den ersten neun Monaten einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr hinnehmen. Das EBIT sank auf 0,7 Millionen Euro (2008: 3,8 Millionen Euro). Dennoch legte die Aktie im Jahresverlauf um 122 Prozent zu.

Ein Plus von 47 Prozent verbucht der Biodieselhersteller Biopetrol Industries AG in 2009. Das Unternehmen dessen Sitz in der Schweiz, operative Führung aber in Düsseldorf liegt, wurde Ende des Jahres durch den Schweizer Rohstoffhandelskonzern Glencore übernommen. Aus dem Bestand des bisherigen Großaktionärs der Firma kaufte Glencore demnach 50 Prozent und eine Aktie von Biopetrol. Großaktionär und Gründer von Biopetrol ist die Düsseldorfer Familie Klink (Lesen Sie dazu unseren Beitrag vom 21. November 2005 zum Börsengang von Biopetrol).
Obwohl deren Aktie nach einer drastischen Gewinnwarnung im Oktober stark eingebrochen ist, hat die Bioethanolproduzentin CropEnergies AG den Aktienkurs um knapp 40 Prozent gesteigert. Negativ entwickelten sich demgegenüber die Aktien der EOP Biodiesel AG (minus 36,7 Prozent) und Petrotec AG (minus 57,95 Prozent). Ende Dezember hat Petrotec einen Verlust in Höhe von mehr als der Hälfte des Grundkapitals bekannt gegeben.


„First Mover“ der Biogasanlagenbauer gibt auf

Bis vor wenigen Tagen gab es in Deutschland noch vier Hersteller von Biogaskraftwerken: die Biogas Nord AG, die EnviTec Biogas AG, die Schmack Biogas AG und die BKN biostrom AG. Das erste börsennotierte Biogasunternehmen in Deutschland, Schmack Biogas, wird nun abgewickelt. Die Viessmann-Gruppe wird wesentliche Teile des operativen Geschäfts übernehmen. Das Amtsgericht Amberg hat das Insolvenzverfahren über Schmack Biogas eröffnet. Die Schmack-Aktie hat im Jahresverlauf um 88 Prozent an Wert verloren. Während die Aktie der Konkurrentin EnviTec Biogas AG im Jahresverlauf 21 Prozent an Wert einbüßte, legten die Papiere der BKN biostrom AG um knapp fünf Prozent und die der Biogas Nord AG um 17 Prozent zu.


Wachsende Umsätze mit Strom und Wärme

Zwei Unternehmen befassen sich mit dem Bau von Anlagen zur Strom und Wärmeversorgung. Als Energieträger nutzen sie dabei Holz aber auch Bio- und Klärgas. Sowohl die 2G Bio-Energietechnik AG (2G) als auch die AGO AG Energie + Anlagen verbuchten im letzten Jahr wachsendes Interesse an ihren Produkten im In- und Ausland. Dies wirkte sich auch auf die Aktienkurse aus, 2G kletterten im Jahresverlauf um 124 Prozent, AGO legten um 27 Prozent zu.

Ein deutlich positives Ergebnis und erheblich höhere Umsätze als im Vorjahr prognostiziert die 2G für das Geschäftsjahr 2009. In den ersten neun Monaten erwirtschaftete das Unternehmen 14,8 Millionen Euro Umsatz. Vor dem Hintergrund eines Rekordauftragsbestands von insgesamt 47,7 Millionen Euro stehe somit bereits fest, dass der Umsatz des Geschäftsjahres 2008 von 21,2 Millionen Euro auf jeden Fall deutlich übertroffen werde, hieß es. Seit September arbeite man in der Produktion in zwei Schichten. Da Investoren sich langfristige Vergütungen des geltenden EEG sichern wollten, bestehe zurzeit besonders starker Nachfragedruck. Das Unternehmen erwartet ferner, dass die im Oktober in Kraft getretene Energieeinsparverordnung im Wohnungsbau die Absatzmöglichkeiten von Kraftwärmekopplungsanlagen weiter steigern wird. Mithilfe der amerikanischen Vertriebsgesellschaft Cenergy will 2G in 2010 Blockheizkraftwerke am US-amerikanischen Markt anbieten.

Auch AGO erwartet einen Umsatz deutlich über dem Vorjahresniveau und einen gesteigerten Ertrag. Das Unternehmen investiert verstärkt in die internationale Expansion, so beteiligte AGO sich mit über 50 Prozent an der norwegischen Ringdalskogen Fjernvarme AS. Diese halte die Konzession zur Wärmeversorgung des Industriegebietes Ringdalskogen südlich von Oslo. In Italien beteiligte AGO sich gemeinsam mit der STU S.r.l. an der Pellerei AGO Energia Società Agricola S.r.l. Diese verfüge über eine 74 Hektar große Kurzumtriebsplantage in der Region zwischen Mailand und Turin und eine Baugenehmigung für ein Biomasseheizkraftwerk mit Stromeinspeisevergütung, hieß es. Die Plantage solle als „Energiewald“ schnell wachsende Bäume als Brennstoff liefern. Die SWU Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm beauftragten AGO mit dem Bau eines Holzgasheizkraftwerks. Das Geschäft habe ein Volumen von 17 Millionen Euro, so AGO.


2G Bio-Energietechnik AG: ISIN DE000A0HL8N9 / WKN A0HL8N
AGO AG Energie + Anlagen : WKN A0LR41 / ISIN DE000A0LR415
BDI BioDiesel International AG: ISIN AT0000A02177 / WKN A0LAXT
Biogas Nord AG: ISIN DE000A0HHE20 / WKN A0HHE2
Biopetrol Industries AG: ISIN CH0023225938 / WKN A0HNQ5
BKN biostrom AG: ISIN DE000A0LD4M4 / WKN A0LD4M
CropEnergies AG: ISIN DE000A0LAUP1 / WKN A0LAUP
EnviTec Biogas AG: ISIN DE000A0MVLS8 / WKN A0MVLS
EOP Biodiesel AG: ISIN DE000A0DP374 / WKN A0DP37
Petrotec AG: WKN PET111 / ISIN DE000PET1111
Schmack Biogas AG: ISIN DE000SBGS111 / WKN SBGS11
Verbio Vereinigte BioEnergie AG: ISIN DE000A0JL9W6 / WKN A0JL9W
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