04.01.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Solaraktien: massive Kursverluste und anrollende Pleitewelle

2011 war definitiv kein gutes Jahr für die Besitzer von Solaraktien. Deren Kurse verloren massiv an Wert. Einige Unternehmen schlitterten sogar in die Insolvenz. Sie können als erste Opfer einer Marktbereinigung gelten. Denn Ende 2011 wurden weltweit fast doppelt so viele Solarmodule produziert wie benötigt.

Wie das britische Marktforschungsunternehmen IMS research ermittelt hat, erreichten die Hersteller von Solarprodukten weltweit eine Fertigungskapazität von 50 Gigawatt (GW). Diese Jahreskapazität entspricht in etwa der bislang weltweit insgesamt installierten Solarstromleistung und der Leistung von 50 Atomkraftwerken. Dem steht eine in 2011 weltweit um 19 Prozent auf 23 GW angestiegen Nachfrage gegenüber. IMS research geht davon aus, das die Branche nun auf die Bremse treten wird. Denn auch 2012 werde die aufgebaute Produktionskapazität bei weitem nicht ausgelastet.

Vor allem die chinesischen Solarhersteller haben ihre Produktionskapazitäten stark ausgebaut. Dafür wurden sie mit großzügigen Krediten der staatlichen Banken ausgestattet. Schließlich verfolgt die Regierung der Volksrepublik, das Milliardenvolk im Bereich der Erneuerbaren Energien an die Spitze zu bringen. Auch weil die einheimische Nachfrage bislang äußerst gering ist, werden die produzierten Solarmodule fast ausschließlich exportiert. Etwa jedes zweite Solarmodul auf dem Weltmarkt wird mittlerweile in China gefertigt.

Diese in wenigen Jahren enorm gestiegene Konkurrenz aus Fernost setzte 2011 die etablierten Hersteller in Europa und auch im aufblühenden Solarmarkt der USA stark unter Druck. Sie beförderten die Überkapazitäten und verstärkte den anhaltenden Preisverfall bei Solarprodukten. So sanken die Preise westlicher Hersteller von Solarmodulen im Jahresverlauf um über 30 Prozent, die chinesischer Hersteller sogar mehr als 40 Prozent. Insgesamt haben sich Solarmodule im Weltmarkt damit innerhalb von zwei Jahren um über 70 Prozent verbilligt. Die Einnahmen der Hersteller gingen massiv zurück.

Hinzu kam, dass die Solarstromtarife in den wichtigen europäischen Solarmärkten stark gekürzt wurden. Das belastete insbesondere die Geschäfte von Solarprojektierern. Die profitierten in der Theorie zwar von den Preisrückgängen bei Solarkomponenten, mussten in der Praxis aber mitunter hohe Abschreibungen auf die Solarmodule in ihren Beständen vornehmen. Denn nicht wenige Solarprojekte verzögerten sich: weil die Investoren weiter Preisrückgänge bei Solarkomponenten abwarten und damit ihre Kosten verringern wollen, aber auch, weil die Eurokrise es zumindest vorübergehend erschwerte, Solarprojekte finanziert zu bekommen. Letzteres gilt  für Länder wie Italien, Spanien und vor allem Griechenland.

In Deutschland war der Ausbau der Photovoltaikkapazitäten im ersten Halbjahr so gering, dass die zur Jahresmitte mögliche weitere Kürzung der Solarstromtarife ausfiel. Erst danach gewann die deutsche Nachfrage an Fahrt. Schätzungen zufolge belief sich der Zubau im Gesamtjahr auf rund fünf GW. Der lag damit deutlich unter dem Wert von mehr als sieben GW in 2010. Weil die Bundesregierung das Ziel verfolgt, den jährlichen Zubau auf rund 3,5 GW einzupendeln, wurden die Solarstromtarife zum  1.1.2012 um 15 Prozent gesenkt. Das im Sommer 2011 novellierte Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sieht weitere unterjährige Tarifkürzungen vor. Zudem drängen viele Politiker der Regierungskoalition auf weitere Einschnitte der Solarstromförderung. Somit schreite zwar in Deutschland der Ausbau der Photovoltaik voran. Aber es kann nicht davon die Rede sein, dass die Branche von der Energiewende stark profitiert, die von der Bundesregierung nach dem Atomunfall im japanischen Fukushima ausgerufen wurde. Vielmehr gehen Experten davon aus, das Deutschland den Status als stärkster Wachstumsmarkt der Solarbranche schon bald verlieren wird. Zunächst an das sonnenreiche Italien, dann an die USA und in absehbarer Zukunft gewiss an China, das sich für 2020 das ehrgeizige Ausbauziel von 15 GW Jahreskapazität gesetzt hat.

Manches börsennotierte Solarunternehmen dürfte dann nicht mehr am Markt sein. Eine Marktstudie der Bank Sarasin vom November 2011 sieht vor allem die Existenz von kleinen bis mittelgroßen Unternehmen mit eher bescheidenen Wachstumsaussichten gefährdet. Dazu zählt sie etwa die deutschen Solarhersteller Conergy, Q-Cells, Solar-Fabrik und Sunways. Letzteres Unternehmen steht nun vor einer möglichen Übernahme durch den chinesischen Solarkonzern LDK Solar. Zu den Gewinnern der Marktbereinigung zählt die Bank Sarasin beispielsweise die deutsche SolarWorld AG, First Solar und SunPower aus den USA und die asiatischen Hersteller Suntech Power, Trina Solar und Yingli Green Energy aus China. Diese Solarkonzerne seien finanzstark, international breit positioniert und vertikal integriert. Solche Unternehmen hätten besonders gute Chancen, gestärkt aus der Konsolidierungsphase hervorzugehen.

Als gefährdet schätzt die Studie aber auch Solarhersteller aus Asien ein, etwa China Sunergy, JA Solar, Solargiga und ReneSola aus China und E-Ton Solar Tech aus Taiwan. Nicht als aktuell gefährdet gelten den Autoren der Untersuchung die Hersteller LDK Solar, Canadian Solar, Hanwha, Gintech, Motech, JinkoSolar und die norwegische Renewable Energy Corporation, die allesamt in Fernost produzieren.

2011 sind bereits erste prominente Solarfirmen der Marktbereinigung zum Opfer gefallen, die aufgrund der hohen Überkapazitäten im Markt überfällig war. Nachdem die anrollende Insolvenzwelle zuvor Unternehmen aus der zweiten und dritten Reihe erreicht hatte, erwischte sie im August die US-amerikanische Evergreen Solar. Das überschuldete Unternehmen scheiterte mit dem Versuch, seine Kosten durch die Produktionsverlagerung nach China entscheidend zu verringern, und musste Gläubigerschutz nach Chapter 11 des US-Konkursrechts beantragen. Nach eigener Darstellung war Evergreen an der wachsenden Hersteller-Konkurrenz aus Asien gescheitert.

Im Dezember musste mit der Berliner Solon SE dann auch ein deutscher Pionier der Solarbranche Insolvenz beantragen. Es war ebenfalls massiv überschuldet - angesichts des enormen Preisverfalls und des verstärkten Konkurrenzdrucks glaubten die Banken nicht mehr an eine Umkehr des Abwärtstrends und verweigerten die Verlängerung von Kreditlinien. Auch potenzielle Investoren konnten nicht von dem Erfolg der wohl zu spät eingeleiteten Restrukturierung überzeugt werden, für die mit Walter Bickel im Jahresverlauf ein Sanierungsexperte in den Vorstand berufen worden war. Die Trennung von Konzerntöchtern und -beteiligungen hatte offenbar ebenfalls nicht entscheidend weitergeholfen. Für die ersten neun Monate in 2011 hatte Solon beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) 208 Millionen Euro Verlust verbucht. Der Umsatz ging im Vergleich zum Vorjahr um elf Prozent auf 358,2 Millionen Euro zurück. Angesichts der schon lange schwachen Geschäftsentwicklung wirkte sich die Insolvenz nur wenig belastend auf den Aktienkurs von Solon aus. Die Aktie hatte zuvor schon stark an Wert verloren. Im Jahresverlauf gab der Aktienkurs um 84 Prozent nach. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg hat den Rechtsanwalt Rüdiger Wienberg zum Insolvenzverwalter bestellt. Der Geschäftsbetrieb der Solon-Gruppe soll zunächst uneingeschränkt weiterlaufen.

Bildhinweis: Module von Solon im Einsatz. / Quelle: Unternehmen

Ganz anders steht mit der SolarWorld AG aus Bonn ein deutscher Solarpionier da, der es fast zur gleichen Zeit wie Solon aufs Börsenparkett geschafft hatte. Zwar brachen in den ersten neuen Monaten auch dessen Erlöse und Gewinne ein, der Umsatz schrumpfte gegenüber dem Vorjahreszeitraum um fast 20 Prozent und das EBIT um ein Drittel. Die flüssigen Mittel sind jedoch stark angewachsen. Und als einer der größten Solarhersteller in den USA hat das Unternehmen Aussicht auf bessere Geschäfte in 2012. Dennoch ging es auch für die Aktie von SolarWorld im Jahresverlauf steil nach unten. Der Anteilsschein verbilligte sich um 56 Prozent und beendete das Börsenjahr 2011 bei 3,25 Euro.

Weiter unsicher erscheint die Zukunft der Hamburger Conergy AG. Deren Aktie notiert seit August unter einem Euro. Sie hat auf Jahressicht 92 Prozent an Wert verloren und notierte am letzen Handelstag des Jahres 2011 bei 0,31 Euro. Dabei war dem seit Jahren kriselndem Unternehmen im Sommer ein Neustart gelungen, mit neuem Aufsichtsrat, neuer Aktionärsstruktur und neuen Kreditlinien. Seither halten Finanzinvestoren über 60 Prozent der Anteile, und es ist weiter unsicher, welche Pläne sie mit dem Solarkonzern verfolgen, der massiv umstrukturiert wurde und sich im Jahresverlauf von etlichen Geschäften getrennt hat. Nur weil die Aktionäre einen starken Kapitalschnitt akzeptierten, hatte Conergy der Pleite entgehen können. Eine Trendwende zum Guten zeigte sich aber 2011 nicht. Nach neun Monaten verbuchte der Solarkonzern ein negatives EBIT in Höhe von 136,4 Millionen Euro und einen Umsatzrückgang um 14 Prozent auf 570,9 Millionen Euro. Die Führung wurde stark umbesetzt und dünnte weiter aus. Der frühere Vorstandschef Dieter Ammer, davor und danach Aufsichtsrat des Solarkonzerns, musste sogar seinen Hut nehmen, weil die Staatsanwaltschaft gegen ihn und andere Ex-Vorstände unter anderem wegen des Verdachts aus Bilanzfälschung und Insiderhandel ermittelt.

Ein weiteres Sorgenkind unter den deutschen Solarherstellern ist Q-Cells aus Bitterfeld. Sie ächzt unter hohen Verbindlichkeiten und leidet daher besonders unter dem Einbruch der Einnahmen infolge des Preisverfalls bei Solarprodukten. Es wird immer wahrscheinlicher, dass die im Februar 2012 fällig werdende Wandelanleihe im Umfang von 201,7 Millionen Euro gestundet werden muss. Seit Sanierungsexperte Nedim Cen Anfang 2010 das Ruder bei dem Solarkonzern übernahm, erfolgte zwar eine umfassende Restrukturierung des Unternehmens. Dennoch gelang auch im bislang nicht der Sprung zurück in die Gewinnzone.  Für das Gesamtjahr 2011 musste er einen EBIT-Verlust in dreistelliger Millionenhöhe ankündigen. Die liquiden Mittel gingen mit nur noch 300 Millionen Euro weiter zur Neige. Die Aktie von Q-Cells verlor im Jahresverlauf 79 Prozent und fiel unter die Ein-Euro Marke. Zum Jahresabschluss 2011 notierte sie bei 0,52 Euro.
Selbst die Aktienkurse von wesentlich besser aufgestellten Solarkonzernen sind 2011 ebenfalls stark eingebrochen. Das gilt etwa für den weltweit führenden Hersteller von Dünnschicht-Solarmodulen, First Solar aus dem US-Bundesstaat Arizona. Dessen Anteilsschein verlor 2011 fast drei Viertel seines Wertes. Er beendete das Börsenjahr im Xetra bei 24,57 Euro. Dabei profitiert das Unternehmen als Solarprojektierer stark vom Solarboom in den USA und hält mit seinen sehr preisgünstigen Produkten die Konkurrenz weiterhin auf Abstand. Aufgrund des enormen Preisverfalls bei herkömmlichen Siliziumprodukten musste er aber ebenfalls die Preise um etwa 30 Prozent reduzieren. Denn Dünnschicht-Solarmodule sind weniger leistungsstark als Siliziummodule und ihr Einkauf lohnt sich daher für Investoren nur dann, wenn sie diese deutlich günstiger erwerben. Ein starker Einbruch der Gewinnmarge von First Solar war die Folge. Gleich mehrmals musste First Solar im Jahresverlauf die Gewinnprognose senken. Damit verlor Konzernchef Robert Gilette an den Kapitalmärkten jede Glaubwürdigkeit. Da er zudem an seiner Strategie des kostenintensiven Ausbaus der Produktionskapazitäten festhalten wollte, wurde er im Herbst abgesetzt. Doch anders als das Gros der Solarhersteller schreibt First Solar schwarze Zahlen und dürfte dies dem Solarkonzern auch 2012 gelingen. Für 2011 rechnet First Solar mit bis zu sechs Dollar je Aktie, was einem EBIT von etwa 600 Millionen Euro entspricht.
Solch eine Bilanz kann nicht einmal der größte chinesische Solarkonzern vorweisen, Suntech aus Wuxi. Der häufte in den ersten neun Monaten 2011 dreistellige Millionenverluste an, trotz stark gestiegener Umsätze. Konkrete Umsatz- oder Gewinnprognosen gab das Unternehmen für das Gesamtjahr nicht ab. Wie andere chinesische Solarkonzerne kann er aber darauf hoffen, dass die Eroberung größerer Marktanteile sich mit der Zeit auch bei den Gewinnen positiv niederschlagen wird. Zudem das Unternehmen im auflebenden Heimatmarkt als einer der größten Solarprojektierer in China dort hervorragende Absatzchancen hat, während westliche Hersteller dort kaum zum Zug kommen dürften. Denn wie schon im Windmarkt werden ausländische Akteure dort stark daran gehindert, sich im Wettbewerb mit einheimischen Unternehmen zu behaupten. Doch solche langfristig guten Perspektiven beflügeln eine Aktie kaum. Viel stärker schlägt die kurzfristig Perspektive ins Gewicht. Und weil es in 2011 kaum möglich war, mit herkömmlichen Solarmodulen profitable Geschäfte zu machen, brach der Aktienkurs von Suntech in 2011 an der Deutschen Börse um mehr als 70 Prozent auf 1,61 Euro ein.  

Bildhinweis: Solarmodul made in China. / Quelle: Suntech

Angesichts der Überkapazitäten bei den Solarherstellern haben sich auf die Aussichten für deren Ausrüster und Zulieferer verdüstert. Die Wacker Chemie AG aus München zählt zu den größten Herstellern von Solar-Silizium, dem wichtigsten Rohstoff für die Produktion von herkömmlichen Solarmodulen. Dessen Absatz ist deutlich schwieriger geworden. Hinzu kamen 2011 deutlich gestiegene Rohstoffpreise. Das Unternehmen musste die Jahresprognose senken und konnte nur noch in Aussicht stellen, dass wie im Vorjahr ein Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von rund 1,2 Milliarden Euro erreicht wurde. Die Börsianer straften Wacker dafür ab, der Aktienkurs gab bis Ende des Jahres um über 50 Prozent nach. Am 30.12. schloss sie mit 42,40 Euro.

Die Aktie des hessischen Herstellers von Wechselrichtern, SMA Technology AG, verbilligte sich im vergangenen Jahr um knapp 38 Prozent auf 43,16 Euro. Noch bis in den Sommer hinein hatte sie sich stabil gehalten. Doch dann zeigte sich, dass die Krise der Solarbranche auch dieses an sich stabile Unternehmen erfasst hat. SMA Technology AG dominiert mit über 40 Prozent Marktanteil den weltweiten Markt für Wechselrichter. Diese wandeln den von Solaranlagen erzeugten Gleichstrom in netzfähigen Wechselstrom um. Je robuster und leistungsfähiger ein Wechselrichter ist, desto höher kann auch der Ertrag einer Solaranlage ausfallen – oder einbrechen, falls der Wechselrichter von minderer Qualität ist. Daher hatte SMA als Hersteller hoher Qualität bislang sehr gute Geschäfte machen können. Doch als das Unternehmen darauf hinwies, dass sich viele europäische Solarprojekte verzögern, weil sie infolge der Eurokrise schwerer zu finanzieren waren, ging die Aktie auf Talfahrt. In den ersten drei Quartalen 2011 fuhr SMA aber immer noch 178,3 Millionen Euro Gewinn vor Zinsen und Steuern ein. Jedoch lag dieses EBIT rund 135 Prozent unter dem Rekordwert des Vorjahreszeitraums. Zudem stellte die SMA-Führung für die nahe Zukunft nur noch ein moderates Wachstum in Aussicht, konnte selbst eine Stagnation nicht ausschließen.

Die deutschen Ausrüster und Zulieferer der Photovoltaikbranche haben 2011 im Durchschnitt wohl nur ein Umsatzwachstum von acht Prozent erzielt. Das geht aus Berechnungen des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hervor. Für 2012 sei sogar ein leichter Umsatzrückgang von acht Prozent zu erwarten. Das US-amerikanische Marktforschungsunternehmen Solarbuzz prognostiziert, dass die weltweiten Solarhersteller ihre Investitionen in Produktionsanlagen 2012 nahezu halbieren werden. Daher werde es bei den Solarausrüstern einen Umsatzeinbruch von 30 bis 70 Prozent geben. Da überrascht wes wenig, dass auch die Aktien der Solarausrüster 2011 stark unter Druck geraten sind. Zumal die bereits in 2011 eine sinkende Nachfrage ihrer Kunden verbuchten.
Die Manz AG, vormals Manz Automation AG, konnte zwar das Neunmonatsergebnis deutlich steigern, verbuchte 3,8 Millionen Euro EBIT. Dieses wurde aber bereits durch ein abgeschwächtes Solargeschäft getrübt. Aus diesem Grund kassierte der Vorstand auch die Prognose für das Gesamtjahr. Die Manz-Aktie verlor im Jahresverlauf  56 Prozent an Wert und schloss bei 21,80 Euro.
Die kriselnde Roth & Rau AG in Hohenstein-Ernstthal musste sich sogar unter das Dach eines Wettbewerbers flüchten. Ihr Vorstand stimmte der Übernahme durch den Schweizer Solarzulieferer Meyer Burger Technology AG zu. Für die ersten neun Monate des Geschäftsjahres 2011 war unter anderem infolge von Umstrukturierungskosten ein EBIT von minus 76 Millionen Euro angefallen. Meyer Burger erwarb die Mehrheit an Roth & Rau, angesichts der schwachen Geschäftsentwicklung wurde der angestrebte Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag noch nicht abgeschlossen. Die Schweizer halten aber an ihrem Plan fest, die Roth & Rau AG komplett zu übernehmen.

Meyer Burger selbst musste aufgrund sinkender Nachfrage seine Produktion von Drahtsägen zurückfahren. Das Unternehmen hielt aber an den Geschäftszielen für das Gesamtjahr fest, die durch die Liefervereinbarungen mit Kunden abgesichert seien, wie es hieß. Demnach erreichte der Solarausrüster eine EBITDA-Marge von rund 25 Prozent. Das EBIT war im ersten Halbjahr laut offiziellen Zahlen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 34 Prozent auf 125 Millionen Schweizer Franken (108 Millionen Euro) gestiegen und im Gesamtjahr voraussichtlich um 72 Prozent auf 216 Millionen Schweizer Franken (190 Millionen Euro). Experten rechnen für 2012 damit, dass die Schweizer ihre Marge zumindest stabil halten können. Dennoch hat der Aktienkurs von Meyer Burger im Jahresverlauf 2011 stark nachgegeben. Das Papier verbilligte sich um 49 Prozent auf 14,7 Schweizer Franken (CHF), was 12,10 Euro entsricht.

Doch auch jenseits der Photovoltaik wartete die Solarbranche für Anleger in 2011 mit schlechten Nachrichten auf. Der Aktienkurs der Solar Millennium AG aus Erlangen erreichte im Jahresverlauf immer neue Tiefen und verlor rund 95 Prozent an Wert. Das Unternehmen, spezialisiert auf solarthermische Großkraftwerke, verursachte das ganze Jahr über negative Schlagzeilen. Im Frühjahr scheiterte das Engagement von Utz Claasen als Vorstandssprecher auf spektakuläre Weise. Schon nach wenigen Wochen gab er den Posten auf, ohne den Schritt nachvollziehbar zu begründen. Thomas Mayer, der bisherige kaufmännische Leiter und Prokurist von Solar Millennium, wurde sein Nachfolger, um dann seinerseits im Herbst seinen Abschied zu nehmen. Zwischendurch war auch Unternehmensgründer und Aufsichtsratschef Hannes Kuhn zurückgetreten, der sich mit Claasen eine öffentliche Schlammschlacht geliefert hatte, die beide vor Gericht führte. Kuhn hatte sich erst zurück gezogen, nachdem die Staatsanwaltschaft Düsseldorf gegen ihn ein Verfahren wegen Betrug eingeleitet hatte.

Das Unternehmen selbst verhob sich bei dem Versuch, im auflebenden US-Markt Fuß zu fassen. Nach ersten in Südspanien erfolgreich umgesetzten Kraftwerken sollte dort der Sprung in neue Dimensionen gelingen. Doch erst kam es zu Terminverschiebungen, dann warf Solar Millennium die Planungen vollends um. Statt der finanziell und zeitlich aufwändigen solarthermischen Großkraftwerke wollte man nun Photovoltaikanlagen bauen. Die hätte die US-Tochter von Solar Millennium schneller und mit deutlich weniger Geld umsetzen können. Denn dass es an flüssigen Mitteln fehlte, wurde immer deutlicher. Wohl auch deshalb unternahmen die Erlanger dann den Versuch, die US-Projekte abzustoßen. Mit der solarhybrid AG aus Brilon war auch schnell ein Kaufinteressent gefunden, der eine erste Anzahlung leistete. Die vollständige Übernahme und damit die Einnahme flüssiger Mittel verzögerten sich jedoch, war zunächst für Ende Oktober anvisiert und musste dann in der Vorweihnachtswoche ins Jahr 2012 verschoben werden. Damit war das Scheitern offenbar. Noch am gleichen Tag beantragte Solar Millennium die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. Eine Nachricht, die nicht nur die Aktionäre schockierte, sondern auch Anleger, die mehrere hundert Millionen Euro in Anleihen und geschlossene Fonds des Unternehmens investiert haben.
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