Die Aussichten für deutsche Solarhersteller haben sich in 2013 weiter verdüstert. So musste Centrosolar, bei der hier Solarmodule produziert werden, Gläubigerschutz beantragen. / Quelle: Unternehmen

02.01.14 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Solaraktien: Pleitefälle und Kursraketen

Im Verlauf des vergangenen Jahres ist der langjährige Abwärtstrend der Solarbranche weitgehend gestoppt worden. Der massive Preisverfall für Solarkomponenten verlangsamte sich, stoppte mitunter gar, und die Produktionskapazitäten der Solarhersteller wurden immer stärker ausgelastet. An den Börsen führte diese Entwicklung dazu, dass etliche Solaraktien zum Teil spektakuläre Kurszuwächse erreichten. Es gab in 2013 aber auch Verlierer. Denn so manchem Unternehmen ging das Geld aus, so dass es von der jahrelangen Marktbereinigung doch noch erfasst wurde, obwohl sich deren Ende abzuzeichnen begann. Und selbst manche Unternehmen, die zu den Gewinnern des abgelaufenen Jahres zählen,  können sich noch nicht in Sicherheit wiegen. Sofern sie noch immer unter einer hohen Schuldenlast ächzen und von der Geduld ihrer Gläubiger abhängen.

Die Gewinner unter den Solaraktienunternehmen des Jahres 2013 sitzen vor allem in Asien. Dieser Region hat sich zum absoluten Schwerpunkt des weltweiten Solarmarktes entwickelt. Eine Prognose von Navigant Research aus Boulder im US-Bundesstaat Colorado sagt voraus, dass sich der jährliche Photovoltaik-Zubau bis 2020 auf 73,4 Gigawatt (GW) erreicht mehr als verdoppeln wird. Die Nachfrage werde vor allem deshalb so stark wachsen, weil Solarkomponenten sich so stark verbilligt hätten und die Preise für Solarmodule in wachstumsträchtigen Märkten wie etwa in China und Indien weiter rückläufig seien. „Da Solarmodule günstiger werden, tun sich neue Märkte für die dezentrale Solarstrom-Erzeugung auf. Gleichzeitig verhilft das der Technologie in Märkten mit hohen Strompreisen rascher zur Netzparität“, erläutert Dexter Gauntlett, Analyst von Navigant Research. Er geht davon aus, dass die Region Asien-Pazifik in diesem Jahrzehnt zum weltweit größten Photovoltaik-Markt anwachsen wird, mit China an der Spitze. In der Volksrepublik würden bis 2020 voraussichtlich Photovoltaikprojekte mit insgesamt 100 GW entwickelt. China sei in 2013 mit neu installierten acht GW zum weltweit wachstumsstärksten Solarmarkt der Welt aufgestiegen. Nach einem globalen Zubau von 30 Gigawatt (GW) in 2012 seien in diesem Jahr insgesamt rund 35 GW neu ans Netz gegangen.

Deutsche Solarhersteller unter Druck

Damit dominiert China nicht mehr nur den Markt für Solarkomponenten, von denen über zwei Drittel weltweit von Unternehmen aus der Volksrepublik produziert werden. Das Land ist auch zum größten Absatzmarkt geworden, wovon wiederum seine Solarhersteller profitieren – auch weil ausländische Konkurrenten in China kaum zum Zuge kommen. In Japan ist es für Solarhersteller aus dem Westen ebenfalls deutlich schwieriger als für einheimische Unternehmen, an Aufträge zu kommen. Aber dort ist die Nachfrage für Solartechnik durch die Einführung fester Einspeisetarife ebenfalls massiv angestiegen, und zwar so sehr, dass die japanischen Anbieter die Nachfrage nicht bedienen können. Daher war 2013 auch für westliche Solarhersteller meist ein gutes Jahr, wenn sie gute Geschäftsbeziehungen nach Japan aufgebaut haben. Sie profitierten auch vom Solarboom in den USA, wo sie sich aber mit der harten Konkurrenz aus China auseinander setzen mussten. Der europäische Solarmarkt dagegen spielt international nur noch eine untergeordnete Rolle. Die starken Einschnitte bei der Solarförderung in ehemals wachstumsstarken Märkten wie Deutschland oder Italien haben die Nachfrage für Solarkomponenten abgebremst. Firmen, die weiterhin in großem Umfang vom Absatz in Europa anhängen, verloren daher in 2013 den Anschluss. Zwar hat die EU sich mit China auf Mindestpreise bei Solarmodulen verständigt, was zumindest vorübergehend verhindert, dass der Preisdruck auf europäische Solarhersteller weiter ansteigt. Doch weiterhin ist es für diese Unternehmen kaum möglich, ihre Produkte mit Gewinn zu verkaufen.

Zu diesen Verlierern des vergangenen Jahres gehörte mit der SolarWorld AG auch das Flaggschiff der deutschen Solarbranche. Der Solarkonzern aus Bonn konnte nur mit Mühe die Pleite abwenden. Die Aktionäre mussten einen harten Kapitalschnitt akzeptieren und die Anleihegläubiger auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten, um die Zahlungsunfähigkeit der SolarWorld AG zu verhindern. Das Bonner Unternehmen hat im Dezember 2013 den Konzernabschluss des Geschäftsjahres 2012 überprüft und weitere Wertberichtigungen durchführen müssen. "Nach den bisherigen Ergebnissen der aktualisierten Werthaltigkeitstests erhöhen sich die Abschreibungen für das Geschäftsjahr 2012 gegenüber den am 30. April 2013 veröffentlichten vorläufigen und ungeprüften Zahlen voraussichtlich um rund 140 Millionen Euro auf 418 Millionen Euro", stellte der Solarkonzern fest. Der vorläufige Konzernverlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) für 2012 belief sich demnach auf rund 620 Millionen Euro, nachdem er bislang mit minus 492 Millionen Euro angegeben worden war. Der endgültige Konzernbericht für das Geschäftsjahr 2012 soll nun "voraussichtlich im Januar 2014" veröffentlicht werden. Das Geschäftsjahr 2013 weckt wenig Hoffnung auf Besserung: nach  den ersten drei Quartalen fiel das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) mit minus 107,2 Millionen Euro stark negativ aus. Es gelang der SolarWorld AG lediglich, das Minus des Vorjahreszeitraumes von 189,6 Millionen Euro deutlich zu verringern. Eine Rückkehr in die Gewinnzone scheint jedoch in weiter Ferne. Der Umsatz der SolarWorld AG hat sich in den ersten neun Monaten auf 345,6 Millionen Euro und damit um mehr als ein Viertel verringert. Diese Entwicklung und die trüben Aussichten spiegeln sich auch im Aktienkurs des Solarkonzerns wider. Der Anteilschein von SolarWorld verlor im Jahresverlauf 2013 rund 58 Prozent an Wert. Im April fiel er unter die Marke von einem Euro, zum Jahresabschluss wurde er nur noch mit 46 Eurocent gehandelt. Vor sechs Jahren kostete die Aktie von SolarWorld noch 46 Euro.

Schwierig gestaltete sich das vergangene Jahr auch für die Solar-Fabrik AG aus Freiburg. Sie hat in den ersten neun Monaten 2013 einen Einbruch beim Umsatz von 71,9 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 43,4 Millionen Euro erlitten. Beim EBIT fiel nach den ersten drei Quartalen ein Fehlbetrag von 4,6 Millionen Euro angefallen. Im Vorjahreszeitraum hatte die Solar-Fabrik AG erst ein Minus von einer Millionen Euro verzeichnet. Zudem hat sich das Eigenkapital des Unternehmens bis Ende September auf rund 25 Millionen Euro halbiert. Die liquiden Mittel beliefen sich Ende September auf knapp 32 Millionen Euro und hatten sich damit auf Jahressicht um etwa ein Fünftel verringert. Das Solarunternehmen erklärte den Einbruch mit den sinkenden Solarstromvergütungen in Deutschland und anderen EU-Staaten sowie auf den Preisverfall bei Solarkomponenten. Die Führung der Solar-Fabrik rechnet vorerst nicht mit einer Trendwende und geht davon aus, dass sowohl die Margen als auch die Erlöse des Unternehmens weiter sinken werden. Die Aktie der Freiburger verlor in 2013 rund 25 Prozent an Wert.

Noch schlechter ließ es für die Centrosolar Group AG aus München. Sie hatte im Oktober ebenfalls für die ersten drei Quartale eine miserable Zwischenbilanz bekannt geben müssen. Darüber hinaus musste sie Gläubigerschutz beantragen. Die Tochtergesellschaften Centrosolar AG aus Hamburg und Centrosolar Sonnenstromfabrik GmbH aus Wismar haben inzwischen das Schutzschirmverfahren verlassen und die Einsetzung eines vorläufigen Insolvenzverwalters im Regelverfahren beantragt. In den ersten neun Monaten erreichte die Centrosolar Group AG nur noch einen Umsatz von 85 Millionen Euro nach 145 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) ergaben die vorläufigen Berechnungen für die ersten neun Monate ein Minus von 18,2 Millionen Euro. Es lag damit weit über dem Fehlbetrag von sieben Millionen Euro, den Centrosolar für den gleichen Zeitraum des Vorjahres ausgewiesen hatte. Die Aktie des Unternehmens verbilligte sich im Jahresverlauf um satte 93 Prozent.

Ganz arg traf es im vergangenen Jahr die Conergy AG aus Hamburg. Nachdem das Unternehmen über Jahre hinweg trotz anhaltender Verluste das Aus abwenden konnte, mussten die Verantwortlichen Anfang Juli 2013 am Hamburger Amtsgericht Insolvenz anmelden. Anschließend wurde es zerschlagen. Der US-Investor Kawa Capital Management aus Miami in Florida sicherte sich die wichtigsten Sparten, etwa das aussichtsreiche Projektgeschäft in Asien und in den USA. Die Solarproduktion von Conergy hat offenbar keine Zukunft mehr. Rund neun Jahre nach dem Börsendebüt des Solarkonzerns hat Insolvenzverwalter Dr. Sven-Holger Undritz zusammen mit dem Conergy-Vorstand im Dezember den Widerruf der Zulassung an der Frankfurter Börse beantragt. Gestartet war die Conergy-Aktie Mitte März 2005 mit einem Ausgabepreis von 54 Euro. Zu Spitzenzeiten im Jahr 2007 war sie mit über 110 Euro gehandelt worden. Zuletzt notierte die Aktie zwischen 4 und 5 Euro-Cent.

Doch nicht alle deutschen Solarhersteller haben die Aktionäre in 2013 enttäuscht. Die Aktie der auf Wechselrichter für Solaranlagen spezialisierten SMA Solar Technology AG legte über die letzten zwölf Monate hinweg 22 Prozent zu. Dabei hat diese in 2013 keinesfalls gute Geschäfte gemacht, im Gegenteil. Laut Unternehmensführung wird SMA das Gesamtjahr mit einem schweren Verlust von 80 bis 90 Millionen Euro beenden. Der Gesamtjahresumsatz könnte nach Einschätzung des Vorstandes erstmals seit 2009 wieder unter die Eine-Milliarde-Euro-Grenze fallen.  Aber für 2014 konnte er immerhin die Rückkehr in die Gewinnzone in Aussicht stellen und einen Umsatz deutlich über einer Milliarde Euro. Die Börsianer scheinen diese Zuversicht zu teilen. Das Unternehmen aus Niestetal bei Kassel ist weiterhin Weltmarktführer bei Wechselrichtern für Solaranlagen. Es leidet allerdings unter dem stark abgeschwächten Marktwachstum in Europa und dem starken Preisdruck in Märkten mit stärkerem Zuwachs. Hinzu kamen in 2013 Kosten für Restrukturierungsmaßnahmen.

Solarhersteller aus China und Nordamerika im Aufwind

Die US-amerikanischen Solarhersteller SunPower und First Solar profitierten dagegen in 2013 von einer starken Nachfrage aus ihrem Heimatmarkt. Im 3. Quartal sind in den USA neue Photovoltaikanlagen mit insgesamt 930 Megawatt (MW) ans Netz gegangen, also fast ein Gigawatt (GW). Das ist das zweitbeste Quartalsergebnis, das der US-amerikanische Solarverband Solar Energy Industries Association (SEIA) jemals ermittelt hat. Er sagte für das Gesamtjahr einen Zubau von 4,4 GW voraus, nach 3,3 GW in 2012. Bis 2016 werde der jährliche Zubau auf rund 9,2 GW weiter ansteigen. First Solar und SunPower sind zwar vor allem Solarhersteller, lasten ihre Produktion aber dadurch stark aus, dass sie ihre Module in großen Solarparks verbauen, die sie für Kunden umsetzen. Beide Solarkonzerne zählen zu den größten Solarprojektierern in den USA und errichten Solarparks auch in anderen Märkten, zuletzt verstärkt in Asien.

First Solar steigerte den Umsatz der ersten neun Monate 2013 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 10,7 Prozent auf 2,54 Milliarden Dollar. Für das erste Dreivierteljahr verbuchte das Unternehmen aus Tempe in Arizona 287,7 Millionen Dollar Nettogewinn nach 250,5 Millionen Dollar Nettoverlust im Vergleichszeitraum 2012. Die Prognose für das EBIT des Gesamtjahres hat First Solar im  November deutlich angehoben, von 406 bis 435 Millionen auf 470 bis 490 Millionen Dollar. Die Aktie verteuerte sich bis Ende Dezember um 80 Prozent.

SunPower gelang im vergangenen Jahr ebenfalls die Rückkehr in die Gewinnzone. Das Unternehmen aus San José in Kalifornien meldete Ende Oktober für die ersten neun Monate 2013 29,6 Millionen Dollar Nettogewinn. Im Vorjahreszeitraum hatte es noch 207,2 Millionen Dollar Nettoverlust ausgewiesen. Der Umsatz zwischen Januar und September 2013 belief sich auf 1,86 Milliarden Dollar. Im ersten Dreivierteljahr 2012 hatte die Tochtergesellschaft des französischen Ölkonzerns Total SA 1,73 Milliarden Dollar Umsatz erzielt. Der Aktienkurs des Solarkonzerns sprang im Jahresverlauf im Xetra um 437 Prozent. Damit nimmt SunPower einen Spitzenplatz in der aktuellen Jahresauswertung der Solaraktien ein.
    
Noch besser entwickelte sich der Anteilsschein der chinesisch-kanadischen Canadian Solar, der 750 Prozent an Wert gewann. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Guelph in der kanadischen Provinz Ontario, produziert aber vor allem in China. So ist es ideal dafür aufgestellt, vom Solarboom sowohl in Asien als auch in Nordamerika zu profitieren. Zudem agiert der Solarkonzern wie First Solar und SunPower sowohl als Solarhersteller als auch als Solarprojektierer. Er hat in den ersten drei Quartalen 1,13 Milliarden Dollar Umsatz und 21,5 Millionen Dollar Nettogewinn erwirtschaftet. Im Vorjahreszeitraum hatte Canadian Solar noch bei knapp einer Milliarde Dollar Umsatz 90,3 Millionen Dollar Nettoverlust verbucht.

Zu den großen Gewinnern des vergangenen Jahres gehören auch die Aktionäre von Trina Solar. Die Aktie des Solarkonzerns aus dem chinesischen Changzhou legte im Jahresverlauf 188 Prozent zu und gab damit die gute Entwicklung im Jahresverlauf und die Aussicht auf weiteres Wachstum wider. Nach einen schwachen ersten Halbjahr gelang Trina Solar die Trendwende im dritten Quartal. Hier betrug der Nettogewinn 9,9 Millionen Dollar nach einem Nettoverlust von 57,5 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum und einem Fehlbetrag von 33,7 Millionen Dollar im zweiten Quartal. Der Quartalsumsatz wurde um 84 Prozent auf 548,4 Millionen US-Dollar verbessert. Jedoch ist das Unternehmen ist extrem hoch verschuldet. Ende September summierten sich allein die kurzfristig fälligen Bankverbindlichkeiten des weltweit drittgrößten Solarkonzerns auf fast eine Milliarde Dollar.

Der chinesische Photovoltaik-Hersteller Yingli Green Energy hat das Vertrauen der Börsianer erobert, obwohl er in 2013 weiter rote Zahlen geschrieben hat.  So verbuchte das Unternehmen aus Baoding im dritten Quartal 2013 einen Nettoverlust in zweistelliger Millionenhöhe. Immerhin gelang es ihm, das Minus aus dem Vorjahresquartal in Höhe von 157,4 Millionen Dollar deutlich zu verringern, auch 38,6 Millionen Dollar. Aufgrund der stark wachsenden Nachfrage aus dem Heimatmarkt China und seiner zunehmender Kosteneffizienz dürfte dieser Solarkonzern nach Einschätzung der Börsianer wohl bald in die Erfolgsspur zurückfinden. Diesen Schluss legt zumindest der Kurszuwachs der Aktie von 95 Prozent im Jahresverlauf nahe. Dabei ist Yingli zwar der weltweit größte Solarhersteller, aber auch mit Verbindlichkeiten in Höhe von rund 2,8 Milliarden Dollar belastet.

Wozu eine solche Schuldenlast führen kann, zeigte in 2013 das Beispiel von Suntech Power Holdings aus dem chinesischen Wuxi. Dieser noch in 2011 weltweit größte Solarhersteller ist mit der Strategie, auf Pump die größte Solarproduktion der Welt aufzubauen, spektakulär gescheitert. Er musste sich im Jahresverlauf unter Gläubigerschutz stellen und seine Produktion an Konkurrenten aus der zweiten Reihe verkaufen. Zuletzt standen dem mit mehreren Milliarden Dollar Schulden belasteten Konzern nur noch 4,3 Millionen Dollar an finanziellen Mitteln zur Verfügung.

Solarausrüster wittern Morgenluft

Dass ein Antrag auf Gläubigerschutz nicht das Aus bedeuten muss, zeigt das Beispiel des deutschen Solarausrüsters centrotherm photovoltaics AG. Das Unternehmen aus Blaubeuren litt unter einer schwachen Nachfrage infolge der langjährigen Krise bei den Solarherstellern. Im vergangenen Jahr gelang dem seit Juli 2012 insolventen Unternehmen  die Sanierung durch einen Schuldenschnitt und eine strategische Neuausrichtung. Der Umsatz schrumpfte, aber die Marge wurde verbessert. Der EBIT-Verlust reduzierte sich auf 29,7 Millionen Euro. Laut der im Oktober veröffentlichen Neunmonatsbilanz wurde der EBIT-Verlust auf 29,7 Millionen Euro verringert. Im Vergleichszeitraum des Vorjahres war er mit 375,8 Millionen Euro noch mehr als zehn Mal so hoch ausgefallen. Laut der Unternehmensführung braucht centrotherm photovoltaics allerdings eine deutliche Marktbelebung, um wieder schwarze Zahlen schreiben zu können.

Die lang anhaltende Auftragsflaute für Solarausrüster hat auch die Entwicklung der Meyer Burger Technology AG beeinträchtigt. Das Unternehmen aus dem Thun im schweizerischen Kanton Zug liefert unter anderem Drahtsägen für Hersteller von Solarwafern. Wenige Tage vor Weihnachten musste es eine Gewinnwarnung veröffentlichen. In der korrigierten Prognose geht Meyer Burger AG von 200 Millionen Schweizer Franken (CHF) Jahresumsatz (umgerechnet 163,4 Millionen Euro) und 170 bis 190 Millionen CHF Verlust auf Konzernebene aus (130,7 Millionen bis 155,2 Millionen Euro). Verglichen mit der Bilanz 2012 bedeutet dies, dass Meyer Burger in 2013 weniger als ein Drittel des Vorjahresumsatzes erzielt hat. Der Schätzung von bis zu 190 Millionen CHF Verlust auf Konzernebene für das laufende Jahr (155,2 Millionen Euro) steht ein Verlust von 110 Millionen CHF (89,8 Millionen Euro) für 2012 gegenüber. Immerhin belebte sich im zweiten Halbjahr der Auftragseingang der Schweizer, die für das Gesamtjahr mit einem Auftragsvolumen von 240 bis 260 Millionen CHF rechnen (196 Millionen bis 212,3 Millionen Euro). Viele Experten gehen davon aus, dass die Nachfrage für Solarausrüster im kommenden Jahr deutlich anziehen wird. Dafür sieht etwa das kalifornische Marktforschungsunternehmen IHS aus El Segundo bereits viele Anzeichen. Es prognostiziert, dass die Solarhersteller in 2014 ihre Investitionen in die Fertigung von Solarkomponenten deutlich erhöhen werden, um 42 Prozent auf insgesamt 3,3 Milliarden Dollar. In die Aktie von Meyer Burger Technology AG ist diese mögliche Entwicklung zum großen Teil bereits eingepreist. Trotz der jüngsten Gewinnwarnung legte sie im Jahresverlauf 84 Prozent zu.

Das Geschäft mit Solarprojekten ist schwierig geworden

Dass die Phoenix Solar AG aus Sulzemoos bei München zu den Gewinnern des Jahres 2013 unter den Solaraktien zählen würde, zeichnete sich in den ersten Monaten überhaupt nicht ab. Damals steckte das auf Photovoltaikprojekte spezialisierte Unternehmen aufgrund hoher Verluste in einer existenziellen Krise. Im Februar wurde dann jedoch eine strategische Neuausrichtung beschlossen, die unter anderem das Aus für das langjährige Kerngeschäft als Photovoltaiksystemanbieter und Projektierer am deutschen Heimatmarkt bedeutete, das sich aufgrund der starken Einschnitte bei den Solarstromtarifen nicht mehr rentierte. Der neue Fokus liegt seither auf den profitablen Auslandsgesellschaften in den USA und Asien. Insbesondere die von Singapur aus operierende Asien-Tochter hat prall gefüllte Auftragsbücher. Mit dem Strategiewechsel einher ging der Abschied von Gründungsvorstand Peter Hänel. Der bisherige Finanzvorstand Dr. Bernd Köhler übernahm von ihm die Leitung der Phoenix Solar AG. Mit dem neuen Kurs erlangte das Unternehmen wieder das Vertrauen seiner Gläubigerbanken, die dessen laufende Finanzierung nach Bekanntgabe des Strategiewechsels verlängert haben. Danach ist die Phoenix Solar AG zwar noch nicht in die Gewinnzone zurückgekehrt. Es gelang ihr jedoch, in den bereits bilanzierten ersten neun Monaten die Verluste stetig zu verringern. Den Zeitraum Januar bis September 2013 beendete die Phoenix Solar AG mit 116 Millionen Euro Umsatz und 1,6 Millionen Euro Verlust vor Zinsen und Steuern. Für die ersten neun Monate 2012 hatte die Gesellschaft noch rund 18,1 Millionen Euro EBIT-Verlust verbucht. Dass sie immer noch rote Zahlen schrieb, erklärte die Unternehmensführung mit den Aufwendungen für den Rückzug aus dem Projektgeschäft in Deutschland und die Verlagerung der Kerngeschäftstätigkeit auf Auslandsmärkte. Für das dritte Quartal verbuchte die Phoenix Solar AG neben einem Umsatzanstieg um 16,7 Prozent auf 47,6 Millionen Euro sogar erstmals seit langem einen Gewinn. Zwischen Juli und September 2013 erzielte sie 2,2 Millionen Euro EBIT nach vier Millionen Euro EBIT-Verlust im dritten Quartal 2012.Dennoch geht der Unternehmensvorstand für das Gesamtjahr von einem EBIT-Defizit zwischen sieben und zwei Millionen Euro aus. Die Börsianer erwarten offenbar, dass die Phoenix Solar AG im neuen Jahr wieder Profite erwirtschaften wird. Deren Aktie wurde so stark nachgefragt, dass sie im Jahresverlauf fast 350 Prozent an Wert gewann.

Umgekehrt verlief die Entwicklung bei der ebenfalls auf Photovoltaikprojekte spezialisierten S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg. Die hatte im Frühjahr für das Geschäftsjahr 2012 noch einen Gewinn ausgewiesen und eine Dividende an die Aktionäre ausgeschüttet. Im Dezember war das Unternehmen dann insolvent. Eine Reihe von Hiobsbotschaften hatten die S.A.G. Solarstrom AG innerhalb weniger Wochen in die Schieflage gebracht. Im November veröffentlichte es eine überraschend schwache Zwischenbilanz für das dritte Quartal und die ersten neun Monaten des laufenden Jahres. Es gab bekannt, dass von Januar bis September ein operativer Verlust in Höhe von 2,8 Millionen Euro entstanden war. Vorstandschef Kuhlmann erklärte dies vor allem mit Verzögerungen bei britischen Großprojekten, zeigte sich aber noch zuversichtlich, im Gesamtjahr ein positives operatives Ergebnis zu erreichen. Doch drei Wochen später musste er eine Gewinnwarnung veröffentlichen. Aufgrund weiterer Verzögerungen bei den Projekten in Großbritannien sei es nicht mehr möglich, wie angestrebt das Gesamtjahr in der Gewinnzone abzuschließen. Wenige Tage darauf gaben die Freiburger bekannt, dass die Verhandlungen mit dem potentiellen Großkunden über die Umsetzung der britischen Großprojektes gescheitert seien. Und sie stellten in Frage, ob ihr bisheriges Kerngeschäft Anlagenbau überhaupt noch eine Zukunft habe. Dieser Geschäftsbereich hat in den ersten drei Quartalen mit 56,0 Millionen Euro den Hauptanteil zum Gesamtumsatz von 74,5 Millionen Euro beigetragen. Im laufenden Jahr hatte die S.A.G. Solarstrom AG bereits den Geschäftsbereich Partnervertrieb aufgeben müssen, weil er sich nicht mehr lohnte. Die Insolvenz des Gesamtkonzerns wurde dann unausweichlich, als Gespräche mit Banken, Finanzdienstleistern und weiteren Gläubigern über die Überbrückung eines akuten finanziellen Engpasses scheiterten. Denn ein bereits für November 2013 erwarteter „Mittelzufluss im mittleren einstelligen Millionenbereich“ - wie es hieß - verschob sich in das kommende Jahr werde. Denn eine rechtliche Auseinandersetzung mit dem Netzbetreiber verhinderte, dass die Freiburger wie geplant ein italienisches Anlagenportfolio verkaufen konnten. Obendrein verzögerten sich nach Informationen der S.A.G. Solarstrom Zahlungen ebenfalls „im mittleren einstelligen Millionenbereich“ aus einem Darlehen, das einer italienischen Projektgesellschaft gewährt worden war. Die Zahlung könne „aufgrund formaler Rechtsgründe“ frühestens zum Ende des ersten Quartals 2014 erfolgen. Ferner hätten sich Mittelzuflüsse aus Anlagenverkäufen in Deutschland verzögert, aufgrund von Insolvenzen eines Modullieferanten und einiger Dienstleister. Dieser Ausfall von fest eingeplanten Einnahmen im Umfang von insgesamt über 20 Millionen Euro habe Liquiditätslücken gerissen, „die durch die Refinanzierungsgespräche nicht geschlossen werden konnten.“ Die S.A.G. Solarstrom AG sei damit zahlungsunfähig, obwohl "bilanziell keine Überschuldung" vorliege. Man wolle nun bis März 2014 einen Restrukturierungsplan erarbeiten. Im Laufe dieser Kette von Negativnachrichten stürzte die Aktie des Solarunternehmens tief in den Kurskeller. Sie verlor im Jahresverlauf 77 Prozent an Wert.
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