Solarpark des US-Konzerns SunEdison, der auf Großprojekte in Nord- und Südamerika setzt. / Quelle: Unternehmen

07.01.15 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Solaraktien, Teil 2: Gewinner des Jahres

Westliche Solarkonzerne konnten sich dem Abwärtsstrudel nicht entziehen, den in 2014 der Kursverfall der Solaraktien aus China auslöste. Die meisten Solaraktien aus Nordamerika verloren 2014 ebenfalls deutlich an Wert, wenn auch nicht so stark. Zu der negativen Entwicklung trug auch bei, dass der Ölpreis verfiel und an der Börse die Annahme umging, dass damit Erneuerbare Energie an Attraktivität verlieren könnte. Dabei dient Photovoltaik der Stromproduktion, während Öl vor allem zum Heizen und als Treibstoff eingesetzt wird.

Hinzu kam, dass die großen westlichen Solarhersteller immer stärker auf das Geschäft der Projektierung von Solarparks setzen. Das aber belastete in 2014 die Einnahmen von US-Firmen wie First Solar und SunPower. Sie investierten stark in den Auf- oder Ausbau dieses Projektgeschäftes, trotz des Risikos, dass Großprojekte häufig später ans Netz gebrachte werden können als geplant. Das führt dann auch zu Verschiebungen bei Einnahmen, damit zu negativen Überraschungen bei Zwischenergebnissen, worauf viele Börsianer in der Regel verschreckt reagieren.

SunPower und First Solar sind schon jetzt die bislang größten Solarprojektierer der USA, die auch als große Solarmodulhersteller agieren. Mit dem verstärkten Projektgeschäft verringern sie einerseits ihre Abhängigkeit von den Preisen für Solartechnik und sichern sie andererseits die Auslastung ihrer Modulproduktion zumindest zum Teil besser ab. Doch Verzögerungen bei wichtigen Großprojekten führte bei First Solar dazu, dass auch die Produktion schwächer ausgelastet wurde und die Einnahmen schwächer ausfielen als angekündigt. Das setzte die Aktie des Solarkonzerns aus Tempe in Arizona unter Druck. Sie gab im Jahresverlauf rund elf Prozent nach. Ähnlich lief es für die kalifornische SunPower, deren Aktie sich um rund zehn Prozent verbilligte, weil die Einnahmen durch Projektverzögerungen und erhöhe Investitionen geringer ausfielen als erhofft.

Mit SunEdison entwickelte sich eine weitere Solaraktie aus den USA dagegen zum Gewinner des Jahres. Das Unternehmen aus St. Peters in Missouri setzt in erster Linie auf das Geschäft mit großen Solarparks und hat hier in 2014 etliche Vertriebserfolge errungen, die ihm große Wachstumsmöglichkeiten eröffnen. Vor allem in Lateinamerika, wo die Regierungen verstärkt auf Erneuerbare Energien im Allgemeinen und auf Photovoltaik im Besonderen setzen, kam SunEdisun in 2014 zum Zug. Zudem haben Investoren dem Unternehmen viele Millionen zur Verfügung gestellt, um neue Projekte umzusetzen und so Wachstum zu generieren. Dies beflügelte die Aktie, die im Jahresverlauf um 59 Prozent zulegte, mehr als jede andere Solaraktie. Dies obwohl die aggressive Wachstumsstrategie die Einnahmen des Jahres 2014 stark belastete, zuletzt im dritten Quartal einen Anstieg des Nettoverlustes auf 283,4 Millionen Dollar bewirkte, nachdem er im Vorjahreszeitraum noch bei 108 Millionen Dollar gelegen hatte. Aber die Börsianer sehen SunEdison auf der Überholspur und rechnen offenbar für die nahe Zukunft mit weitaus besseren Geschäftszahlen des US-Konzerns.

Deutscher Solarmarkt ausgebremst

Weitaus düsterer sind die Perspektiven im deutschen Solarmarkt. In Deutschland kommen immer weniger neue Solaranlagen ans Netz. In den ersten zehn Monaten 2014 lag die Kapazität der neuen Photovoltaikanlagen nur bei knapp 1.700 Megawatt (MW). Das hat die Bundesnetzagentur ermittelt. Der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW Solar) geht davon aus, dass 2014 maximal 2.000 MW Photovoltaikleistung neu installiert wurden. Damit würde der Vorjahreswert von 3.300 MW um satte 40 Prozent unterschritten. In den Jahren 2010 bis 2012 waren in Deutschland noch jeweils rund 7.500 MW pro Jahr neu ans Netz gekommen. Seit in 2008 knapp 2.000 MW neue Solarstromleistung installiert wurde, ist der Neubau bei den deutschen Solarkraftwerken nicht mehr so schwach ausgefallen wie in diesem Jahr. Dieser Einbruch wurde durch die starken Einschnitte bei den Solarstromtarifen ausgelöst, die im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegt sind. Bei der jüngsten EEG-Reform, die die zum 1. August 2014 in Kraft trat, kamen zwar nicht mehr so starke Einschnitte hinzu. Doch dafür läutete die Bundesregierung den Ausstieg aus den festen Einspeisetarifen für Solarstrom ein. Der soll zwar erst 2017 erfolgen, aber schon vorher erprobt werden. Geplant ist, dass über Auktionen Solarprojekte vergeben werden und dabei den Zuschlag erhält, wer sich mit der geringsten Vergütung des Sonnenstromes begnügt.

Krise der deutschen Solarprojektierer

Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass deutsche Solarprojektierer ihr Heil im Ausland suchen, wie etwa Phoenix Solar aus Sulzemoos bei München. Das Unternehmen ist ein Solarpionier der ersten Stunde gewesen, kämpft aber inzwischen ums wirtschaftliche Überleben und richtet sich immer stärker auf die Solarmärkte in Asien und Nordamerika aus. Ob das gelingt, ist noch offen. Das europäische Servicegeschäft hat Phoenix Solar 2014 an die SMA Solar Technology AG verkauft. In den ersten neun Monaten 2014 hat das Unternehmen einen deutlichen Umsatzeinbruch erlitten und ist wieder tiefer in die Verlustzone geraten. Der Vorstandschef musste seinen Hut nehmen. Immerhin haben die Banken die Finanzierung des Solarunternehmens bis zum 30. September 2016 verlängert. Dennoch gehört dessen Aktie mit einem Verlust von 67 Prozent zu den Verlierern des Jahres.

Das gilt aber in noch größerem Ausmaß für die S.A.G. Solarstrom AG aus Freiburg. Die ist insolvent und wird demnächst vom Kurszettel verschwinden. Ein besonderer Einschnitt, denn die S.A.G. Solarstrom AG war im April 1999 das erste deutsche Solarunternehmen gewesen, das an die Börse ging. Im Jahresverlauf 2014 verlor die Aktie rund 97 Prozent an Wert. Mit dem Antrag auf Widerruf der Börsenzulassung sollen Kosten gespart werden, teilte das Unternehmen mit. Es wurde im Jahresverlauf von der chinesischen Shunfeng-Gruppe übernommen. Kurzfristig geplatzte Großaufträge und Verzögerungen von Einnahmen aus Auslandsprojekten hatten die S.A.G. Solarstrom AG zum Insolvenzantrag gezwungen.

Bildhinweis: Aufbauarbeiten an einem Photovoltaikprojekt der S.A.G. Solarstrom AG. / Quelle: Unternehmen

Deutsche Solarhersteller leiden unter niedrigen Preisen

Aus der einstmals stolzen Riege der börsennotierten Solarhersteller aus Deutschland sind nur noch die Solar-Fabrik aus Freiburg und die SolarWorld AG aus Bonn am Markt. Auch deren Aktien haben in 2014 stark an Wert verloren. Der Anteilsschein der Solar-Fabrik verbilligte sich im vergangenen Jahr um 60 Prozent. Das Unternehmen schrieb weiter rote Zahlen, auch wenn der Verlust beim operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) nach neun Monaten deutlich geringer ausfiel als der EBIT-Verlust von 4,6 Millionen Euro, den die Solar-Fabrik nach den ersten drei Quartalen des Vorjahres verbucht hatte. Doch damit ist es bereits drei Jahre her, dass der Solarhersteller nach neun Monaten mit einem operativen Gewinn aufwarten konnte.

Die SolarWorld AG hatte die Pleite nur durch einen harten Kapitalschnitt verhindern können, der vor allem zu Lasten der Altaktionäre ging und im Februar 2014 in Kraft trat. Seither ist es dem Flaggschiff der deutschen Solarbranche zwar gelungen, seine Zahlen zu verbessern. SolarWorld schaffte dank des starken US-Geschäfts im dritten Quartal erstmals seit langem die Rückkehr in die Gewinnzone. Für die ersten neun Monate verbuchte das Unternehmen 77 Millionen Euro Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) nach 95 Millionen Euro EBIT-Verlust im Vergleichszeitraum 2013. Doch es bleibt fraglich, ob es sich auf Dauer gegen die Konkurrenz behaupten kann. Die Aktie verbilligte sich im Jahresverlauf um über 80 Prozent, was ein überaus schwaches Vertrauen der Börsianer in den deutschen Solarkonzern signalisiert. Dem dürfte es weiter schwer fallen, den Preisvorsprung der chinesischen Konkurrenz aufzuholen und sich in wachstumsträchtigen Solarmärkten aussichtsreich zu positionieren.

Dass die Preise für Solarmodule nach vorübergehender Stabilisierung wieder gesunken sind, erschwert die Lage für die deutschen Hersteller. Im Durchschnitt haben sich deutsche Solarmodule in den ersten zehn Monaten 2014 um 13 Prozent verbilligt. Das ist eine Folge der weiter abflauenden Nachfrage in Deutschland und in Europa. Und nichts spricht dafür, dass die Preise in Europa bald wieder anziehen werden. Solarhersteller mit Absatzschwerpunkt Europa, zu denen SolarWorld gehört, bleibt daher nichts anderes übrig, als weiter auf die Kostenbremse zu drücken. Die Bonner hoffen zwar auf ein anziehendes Neugeschäft im Nahen Osten, haben den Aufbau einer Großproduktion in Katar angekündigt. Nennenswerte Impulse hat das der Aktie von SolarWorld aber nicht gegeben.

Solarausrüster und –zulieferer weiter im Krisenmodus

Auf Wachstumsimpulse aus der Solarbranche haben in 2014 auch die Solarausrüster vergeblich gewartet. Sie leiden weiter darunter, dass weltweit nur wenig in neue Anlagen zur Produktion von Solartechnik investiert wird, nachdem aufgrund der Überproduktion und anschließenden Marktbereinigung der letzten Jahre viele Anlagen günstig aus Insolvenzen erworben werden konnten. Alle börsennotierten Solarausrüster aus dem deutschsprachigen Raum erlitten in 2014 zweistellige Kursverluste. Gleiches gilt für SMA Solar, die Wechselrichter für Solaranlagen herstellt, also zwar nicht Solarhersteller beliefert, doch stark abhängt vom Zubau neuer Photovoltaikprojekte. Und der ist in Deutschland und in Europa so schwach ausgefallen, dass das Unternehmen aus Hessen tiefrote Zahlen schreibt. Laut einer Anfang Dezember abermals gesenkten Jahresprognose geht der SMA-Vorstand davon aus, dass das Unternehmen das Jahr 2014 mit einem EBIT-Verlust von bis zu 115 Millionen Euro abgeschlossen hat. Zuvor hatte die Unternehmensführung 45 Millionen Euro EBIT-Verlust prognostiziert. Zum Vergleich: 2013 hatte SMA Solar 89,1 Millionen Euro EBIT-Verlust verbucht. Die SMA-Aktie verbilligte sich in 2014 um rund 33 Prozent.

Zwei deutsche Solaraktien trotzen dem Negativtrend

Nur zwei Solaraktien aus Deutschland konnten sich gegen diesen Negativtrend stemmen. Zum einen die Wacker Chemie AG aus München, die Solarsilizium produziert und damit den wichtigsten Rohstoff für die Produktion von Solarmodulen. Hier zählt sie zu den größten Herstellern weltweit. Sie profitierte von stabilen Preisen bei zugleich global weiter steigender Solarproduktion, konnte daher Umsatz und Gewinn deutlich steigern. Die Aktie der Wacker Chemie AG legte im Jahresverlauf über 30 Prozent zu.

Zum anderen profitierte die Hamburger Capital Stage AG von den Trends, die den deutschen Solarherstellern, -ausrüstern und –projektierern zu schaffen machen. Das Unternehmen betreibt in Deutschland und Europa Photovoltaikprojekte, die es zunehmend günstig einkaufen kann, weil sich Solartechnik verbilligt hat und die schwache Entwicklung des europäischen Solarmarktes viele Besitzer von Projekten zum Verkauf zwingt. Über Kapitalerhöhungen und zuletzt über eine große Finanzspritze der Gothaer Versicherungen hat es in 2014 seine Kassen dafür auffüllen und mit dem frischen Kapital seinen Projektbestand massiv ausbauen können. Daher konnte die Capital Stage AG in 2014 starke Steigerungen von Umsatz und Gewinn melden und  auch für die Zukunft in Aussicht stellen. Die Börsianer honorierten das: die Aktie verbesserte sich in 2014 ebenfalls um über 30 Prozent.

Hier (Link entfernt)  gelangen Sie zum ersten Teil unseres Jahresrückblicks Solaraktien.
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