09.01.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick sonstige nachhaltige Aktien - Teil 2

Etliche nachhaltige Aktien haben in 2012 stark zugelegt, wie wir schon im ersten Teil dieses Jahresrückblicks erläutert haben (per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu dem Beitrag). Dazu zählt auch der Anteilsschein der UmweltBank aus Nürnberg. Sie profitierte vom seit Beginn der weltweiten Finanzkrise anhaltenden Aufwind der nachhaltige Banken. Zusätzlichen Aufwind erhielt die UmweltBank-Aktie durch starke Zahlen des Unternehmens: In den ersten sechs Monaten 2012 kletterte die Bilanzsumme auf Jahressicht um 8,7 Prozent auf rund 2,17 Milliarden Euro. Das Geschäftsvolumen erhöhte sich im ersten Halbjahr gegenüber dem Vorjahreszeitraum um rund 330 Millionen auf 2,43 Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen erhöhten sich im ersten Halbjahr um 112 Millionen Euro auf 1,45 Milliarden Euro. Mit den Einlagen seiner Kunden fördert die Bank traditionell nur ökologische Projekte. 44 Prozent aller Kredite, die die UmweltBank bis zur Jahresmitte 2012 vergeben hatte, entfielen auf Solarfinanzierungen. 29 Prozent der von den Nürnbergern vergebenen Kredite in der ersten Jahreshälfte entfielen auf den Bereich ökologisches Bauen, 22 Prozent kamen Projekten in den Bereichen Wind- und Wasserkraft sowie zu 5 Prozent auf Biogas- und Biomasseprojekte zu Gute. Weil die deutsche Einspeisevergütung für Solarstrom im Sommer des vergangenen Jahres rückwirkend gekürzt wurde, geht Horst P. Popp, Gründer und Vorstandschef der UmweltBank, davon aus, dass sich dieser Schwerpunkt in der Gesamtjahresbilanz verlagert haben wird.

Geothermische Großkraftwerke sind Grünstromlieferanten, die zumindest in Deutschland bei der Energiewende auch 2012 eine eher untergeordnete Rolle spielten. Die Daldrup & Söhne AG aus Ascheberg im Münsterland in diesem Bereich als Dienstleister aktiv. Sie führt die für geothermische Energiegewinnung notwendigen Tiefenbohrungen durch. Zur Erschließung neuer Märkte investierte Daldrup & Söhne im Sommer 2012 13,5 Millionen Euro in die Gründung eines deutsch-tschechischen Gemeinschaftsunternehmens. Die MD Drilling GmbH soll vor allem in Osteuropa als Bohrtechnikspezialistin tätig sein. Aus Nachhaltigkeitssicht bedenklich: Die MD Drillling GmbH ist ausdrücklich auch für Kunden aus der Öl- und Gasindustrie offen. Für manchen Anleger, der sein Geld nach ethisch-ökologischen Kriterien anlegen möchte, ebenso bedenklich ist die Tatsache, dass Daldrup & Söhne im Sommer einen Großauftrag von der Bundeswehr unterzeichnete, um für eine Kaserne in Baden-Württemberg in 1500 Metern Tiefe eine Quelle für Thermalwasser zu erschließen. Die jüngste veröffentlichte Bilanz des Unternehmens weist die Halbjahreszahlen 2012 aus. Demnach verbuchte die Bohrtechnikspezialistin einen EBIT-Zuwachs von 20.000 Euro in der Vorjahreshälfte auf 800.000 Euro im ersten Halbjahr 2012. Dabei war die Gesamtleistung dieses Zeitraums im Vergleich zu 2011 von 25 auf 20,6 Millionen Euro gefallen. Schwierigkeiten wie etwa Verzögerungen bei einem wichtigen deutschen Großprojekt veranlassten Daldrup & Söhne allerdings dazu, die Prognose für das Gesamtjahr 2012 nach unten zu korrigieren – von 58 auf 50 Millionen Euro Gesamtleistung. Die Daldrup-Aktie verlor im zurückliegenden Jahr insgesamt 31 Prozent an Wert.

Im Vergleich dazu wesentlich besser erging es der Aktie der US-amerikanischen Geotherme-Spezialistin Ormat Technologies inc. Sie plant und baut ganze geothermische Großkraftwerke oder liefert die Technologie für einzelne Kraftwerksblöcke. In den ersten neun Monaten des laufenden Geschäftsjahres steigerte Ormat den Umsatz um 27,1 Prozent auf 398,3 Millionen Dollar. Das Nettoergebnis sprang gegenüber dem Vorjahresreitraum von 300.000 auf 16,2 Millionen Dollar. Für das dritte Quartal verzeichneten die Amerikaner auf Jahressicht einen Umsatzanstieg um 23 Prozent auf 136,1 Millionen Dollar. Weil aber eine geothermische Großanlage im Eigenbetrieb nicht so viel Strom produzierte wie prognostiziert, musste Ormat 7,3 Millionen Euro abschreiben, die eigentlich als Nettogewinn hätten verbucht werden sollen. So kam es zu 582.000 Dollar Nettoverlust in dem Quartal nach einer Millionen Dollar Gewinn im Vergleichszeitraum 2011. Rückschläge im Projektgeschäft hatten auch schon die Gesamtjahresbilanz 2011 verhagelt und Ormat 42,7 Millionen Dollar Nettoverlust beschert. Da ist es kaum verwunderlich, dass die Ormat-Aktie in 2012 sehr schwankungsanfällig war, zumal sich Misserfolge im Projektgeschäft allein schon wegen der Größenordnungen der Ormat-Vorhaben immer wieder sehr stark auf die Bilanzen auswirkten. Unterm Strich erzielte die Ormat-Aktie nach starken Ausreißern nach oben wie nach unten über das gesamte Jahr 2012 knapp 4,5 Prozent Kursgewinn.

Die Centrotec Sustainable AG aus Brilon ist auf Energie-Effizienztechnologie für Gebäude spezialisiert. Sie bietet unter anderem Lüftungssysteme und Technologie für Heizungen an. Speziell in Europa traf Centrotec Sustainable 2012 auf ein „sehr schwieriges Marktumfeld“ mit historisch niedriger Bautätigkeit, zurückhaltender Investitionsbereitschaft der Verbraucher und geringeren Etats für staatliche Anreiz-Programme für Energieeffizienzinvestitionen, wie Vorstandschef Gert-Jan Huisman erklärte. Dennoch gelang es der Centrotec-Sustainable, in den ersten neun Monaten 2012 auf Wachstumskurs zu bleiben: Der Umsatz dieser Zeit verbesserte sich gegenüber 2011 um 2,7 Prozent auf 388,4 Millionen Euro. Das operative Ergebnis (EBIT) verbesserte sich von 12,4 auf 14,9 Millionen Euro. Allerdings profitierte Centrotec hier von Sonderabschreibungen aus dem Verkauf des 26-prozentigen Anteils am Münchner Photovoltaikunternehmen Centrosolar Group AG. Dank der starken Position auf Auslandsmärkten gelang es zudem, zwischen Juni und September 2012 das beste Quartals-EBIT der Unternehmensgeschichte einzufahren. Nach 4,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum erreichte es nunmehr 14,9 Millionen Euro. Dabei war der Quartalsumsatz leicht rückläufig gewesen. Er sank von 143,8 Millionen auf 141,7 Millionen Euro. Die Centrotec-Aktie schaffte 2012 beinahe 20 Prozent Kurssteigerung und setzte so den Aufwärtstrend des Vorjahres fort.

Einen schweren Kursverlust erlitt hingegen die Aktie der Brennstoffzellen-Spezialistin Ballard Power Systems Inc. Sie verbilligte sich über das Jahr um satte 63 Prozent. Ohnedies hatten die Aktionäre 2012 wenig Freude an dem Anteilsschein: Weil er an der Nasdaq schon lange als Pennystock notiert, droht der Ausschluss aus dem derzeitigen Aktiensegment. Ballard Power hat noch bis April 2013 Zeit, die Aktie mit Gegenmaßnahmen zurück in die Erfolgsspur zu bringen. Das Unternehmen aus Burnaby in der kanadischen Provinz British Columbia verharrte 2012 einmal mehr in der Verlustzone, wenngleich es gelang, das Nettodefizit der ersten neun Monate auf Jahressicht um acht Prozent auf 24 Millionen Dollar zu senken. Zugleich jedoch war auch der Umsatz dieses Zeitraums um 31 Prozent von 55 auf 38 Millionen Dollar gefallen. Der Umsatz im dritten Quartal 2012 war ebenfalls um 31 Prozent eingebrochen. Nach 20,6 Millionen Dollar im Vorjahresquartal wies Ballard Power nun 14,2 Millionen Dollar aus. Zugleich kletterte der Nettoquartalsverlust auf Jahressicht um 28 Prozent von 7 auf 9 Millionen Dollar. Ein Lichtblick war der deutlich verbesserte Auftragsbestand zum Bilanzstichtag 30. September. Er wuchs von 31,9 auf 50,2 Millionen Dollar.

Aktien von init und MIFA legten besonders stark zu

Eine starke Kursentwicklung nahm die Aktie der Verkehrstelematik-Spezialistin init innovation in traffic AG. Sie verteuerte sich in den zwölf Monaten seit Anfang Januar 2012 um satte 63,5 Prozent. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2012 hatte init den Umsatz um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 64,4 Millionen Euro steigern können. Allerdings blieb der Umsatz mit 22,4 Millionen Euro um 1,3 Millionen Euro unter dem Vorjahreswert. init erklärte dies mit technischen Projektverzögerungen. Daher sank das EBIT der ersten neun Monate von 11,4 Millionen Euro in 2011 auf 10,7 Millionen Euro. Hinzu kamen verschiedene Großaufträge, die init innovation noch zum Jahressende bekannt gab. Unter anderem in Luxemburg und in Großbritannien Busse und Straßenbahnen mit hochmodernen Ticketautomaten ausstatten. Auch deshalb bleib der Unternehmensvorstand optimistisch, das angestrebte Wachstumsziel für das Gesamtjahr 2012 mit einem Umsatz von rund 95 Millionen Euro bei einem gut 19 Millionen Euro EBIT erreicht zu haben, wie es Anfang November 2012 hieß.

Geradezu bilderbuchhaft entwickelte sich die Aktie der MIFA Mitteldeutsche Fahrradwerke AG. Ihr Wert hat sich 2012 beinahe verdoppelt. Exakt verbuchte sie 96,7 Prozent Kurswachstum. Den Großteil des Jahres verbrachte die MIFA auf der der wirtschaftlichen Überholspur. Zum einen zog das Unternehmen aus Sangershausen im September die Kaufoption zur Komplettübernahme des E-Bike-Herstellers Grace GmbH & Co. KG aus Berlin und integrierte den insolventen Münchner Mittbewerber Steppenwolf in der neuen Tochter Steppenwolf Bavaria GmbH. Zum anderen war MIFA bereits im Mai zusammen mit nextbike aus Leipzig der Einstieg in den kommunalen Radverleih gelungen. Die beiden Partner erhielten den Auftrag 125 Radleihstationen in Warschau zu realisieren. Zudem steigerte MIFA ihren Umsatz in den ersten neun Monaten 2012 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 4,5 Prozent auf 97,6 Millionen Euro. Besonders der stark erhöhte Absatz von E-Bikes habe diese Entwicklung ermöglicht, hieß es. Die massiven Investitionen in das Unternehmenswachstum drückten allerdings das EBIT, das mit 4,9 Millionen Euro nicht mehr das Niveau des ersten Dreivierteljahres 2011 erreichte. Auf der Basis des deutlich verbreiterten Geschäftsmodells gab der Vorstand im November 2012 das Ziel aus, den Umsatz „in den kommenden vier bis sechs Jahren zu verdoppeln.“
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x