06.01.12 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick sonstige nachhaltige Aktien: vereinzelt starke Kurszuwächse trotz schwachem Börsenumfeld

Hätte man das Jahr 2011 nach den ersten sechs Monaten beenden können, dann wäre es ein gutes Börsenjahr geworden. Bis Ende Juni lagen fast alle wichtigen Börsenindices im Plus, mitunter deutlich. Einzige Ausnahme war der Nikkei. Der japanische Auswahlindex wurde durch die Auswirkungen der Atomkatastrophe in Fukushima nach unten gezogen. Im fatalen Wechselspiel mit einem starken Tsunami hatte diese die Wirtschaft des Inselstaates stark beeinträchtigt, auf breiter Linie zu Stromausfällen und Unterbrechungen der Verkehrsströme geführt.

Viele nachhaltige Aktien profitierten dagegen sogar von den Nachrichten über den Atomunfall – zumindest vorübergehend. Schließlich zeigte der Atomunfall auf, wie dringend notwendig nachhaltige Lösungen für ein zukunftsfähiges Wirtschaften sind. Doch in der zweiten Jahreshälfte drängte die Schuldenkrise der Industriestaaten in den Vordergrund und löste mitunter massive Kursstürze aus. Der deutsche Auswahlindex DAX zum Beispiel stürzte im dritten Quartal von rund 7.000 auf rund 5.000 Punkte ab. Denn das exportorientierte Deutschland drohte stark unter der Euro-Krise zu leiden, deren Dimensionen ab dem Sommer immer deutlicher zu Tage traten. Nachdem die Regierungen der Eurozone sich endlich zu zwingenderen Maßnahmen gegen die Euro-Krise durchrangen, erholte sich der DAX im vierten Quartal zwar wieder. Zum Jahresende notierte der aber mit 5.898 Punkten mehr als 16 Prozent unter dem Schlusskurs von 2010.

Noch ärger verlief 2011 für den Technologieindex TecDax, der viele Aktien aus dem Bereich der Umwelttechnologien enthält. Nach einem kleinen Hoch infolge von Fukushima verlor der TecDax im dritten Quartal ein Drittel an Wert und konnte die Verluste danach nicht so stark ausgleichen wie der DAX. Der Technologieindex schloss das Jahr mit 685  Punkten ab, was einem Verlust von rund 20 Prozent entsprach. Damit war seine Bilanz nur um ein Prozent besser als die des Nikkei. Dies obwohl Japan die am stärksten verschuldete Industrienation der Welt ist, sich dort zuletzt kein Regierungschef länger als ein Jahr an der Spitze halten konnte, die japanische Wirtschaft seit vielen Jahren stagniert und durch die Atomkatastrophe weiter beeinträchtigt wurde.

Wie stark die Euro-Krise durchschlug, zeigt ein Blick auf den Dow Jones. Der folgte bis zum August im Wesentlichen der Entwicklung der beiden deutschen Indices. Danach jedoch legte er so kräftig zu, dass er das Gesamtjahr mit 12.273 Punkten beendete und eine positive Jahresbilanz von sechs Prozent erreichte. Dabei sind die USA höher verschuldet als das Gros der Euro-Staaten und zeigte sich die politische Klasse übers Jahr hinweg unfähig, einen gemeinsamen Weg zur Entschuldung einzuschlagen. Gleich mehrmals stand die Zahlungsfähigkeit des Landes kurz bevor. Da aber der Kapitalmarkt von Investoren aus den USA bestimmt wird, setzten diese im Zweifel offenbar eher auf US-Aktien als auf Titel aus Europa, wo die Gemengelage komplexer und die weitere Marktentwicklung daher schwieriger vorherzusehen ist. Obendrein können die USA als einheitlicher Währungsraum über die US-Notenbank die einheimische Wirtschaft mit neu gedruckten Dollar-Milliarden stimulieren, während in Europa ein vergleichbarer Mittelzufluss kaum möglich ist und vor allem auf Sparmaßnahmen der öffentlichen Haushalte gesetzt wird. Und das dämpfte für die Börsianer die Aussichten auf gute Geschäfte von auf Europa ausgerichteten Unternehmen.

Vor diesem Hintergrund überrascht es wenig, dass die Anteilsscheine von zwei ganz auf den US-Markt ausgerichteten Unternehmen zu den nachhaltigen Aktien zählen, die sich in 2011 am besten entwickelt haben. So gewann etwa die Aktie von Whole Foods Market im Jahresverlauf rund 40 Prozent an Wert. Der texanische Bio-Lebensmittelhändler aus Austin konnte jedes Quartal mit Zuwächsen beim Umsatz und Gewinn abschließen und schon im Sommer die Gewinnprognose für das Gesamtjahr anheben. Für das im Oktober gestartete laufende Geschäftsjahr wurde ein Gewinnanstieg um 15 bis 17 Prozent in Aussicht gestellt, der Umsatz soll um 13 bis 15 Prozent ansteigen.

Bildhinweis: Biolebensmittel von Whole Foods Market. / Quelle: Unternehmen


Das Unternehmen profitierte von dem Trend zu nachhaltigen Lebensmitteln, der auch in den USA an Dynamik gewinnt. Whole Foods Market bietet in seinen Filialen ein breites Sortiment von Bio-Lebensmitteln an, insgesamt 2.400 Produkte. Die Gesellschaft gehörte zu den Pionieren bei der Einführung von Bio-Siegeln für Lebensmittel, zum Beispiel war es beim Start des Marine Stewardship Council (MSC) für nachhaltigen Fischfang dabei und hat in den USA einen Nachhaltigkeitsstandard für Meeresfrüchte eingeführt. Laut Makiko Ashida, Nachhaltigkeitsanalystin der Bank Sarasin, sind alle Lebensmittel der Kette als natürlich oder biologisch zertifiziert und alle Eigenprodukte frei von gentechnisch veränderten Stoffen. Die Beschaffung erfolge zu 90 Prozent lokal. Zudem hat Whole Foods Market schon vor Jahren Plastiktüten aus den Filialen verbannt und gehört das Unternehmen zu den größten Einkäufern von Grünstrom in den Vereinigten Staaten.

Green Mountain Coffee Roasters aus dem US-Bundesstaat Vermont setzt ebenfalls auf Bio-Lebensmittel. Das Unternehmen aus Waterbury ist auf Biokaffee spezialisiert und zeichnet sich durch ein starkes soziales Engagement für Kleinbauern in Lateinamerika aus. Die Aktie von Green Mountain Coffee Roasters hat 2011 rund 45 Prozent an Wert gewonnen. Dabei war der Aktienkurs im Herbst massiv eingebrochen, nachdem ein in den USA prominenter Hedgefonds-Manager die weiteren Wachstumsaussichten des Unternehmens kritisch eingeschätzt hatte. In 2011 haben sich die Geschäfte von Green Mountain Coffee Roasters hervorragend entwickelt. Der Umsatz wurde auf 2,65 Milliarden Dollar fast verdoppelt, das operative Ergebnis um 166 Prozent auf 368,9 Millionen Euro verbessert, der Nettogewinn um 151 Prozent auf 199,5 Millionen Dollar. Für das Geschäftsjahr 2012 kündigte Green Mountain Coffee Roasters weiteres Wachstum an. Der Umsatz soll im ersten Quartal um 85 bis 90 Prozent zulegen, im Gesamtjahr um 60 bis 65 Prozent.

Mit 46 Prozent Wertzuwachs schnitt ein deutsches Unternehmen noch etwas besser als diese beiden US-Aktien ab. Die UmweltBank aus Nürnberg zählt nicht nur zu den Nachhaltigkeitspionieren in der Finanzbranche. Das seit 2001 börsennotierte Unternehmen befindet sich auch seit Jahren auf einem starken Wachstumskurs. Es legt seinen Fokus auf die Finanzierung von Nachhaltigkeitsprojekten und profitiert davon, dass sich immer mehr Kunden von den herkömmlichen Banken ab und alternativen Finanzinstituten wie der UmweltBank oder der nicht börsennotierten GLS Bank aus Bochum zuwenden. Die UmweltBank meldete im Frühjahr für das abgelaufene Geschäftsjahr ein zweistelliges Wachstum und konnte die Dividende um mehr als ein Drittel anheben. Der Aufwärtstrend hielt auch danach an. Im August gab das Unternehmen für das erste Halbjahr einen Ergebnissprung um 16 Prozent auf 9,1 Millionen oder 1,64 Euro je Aktie bekannt. Das Kreditvolumen war sogar um über 20 Prozent gestiegen. Mit rund 47 Prozent der Darlehen unterstütze die UmweltBank damals Solarprojekte, auf soziale und auf ökologische Bauvorhaben entfiel etwa ein Viertel der Kredite. Die übrigen Kredite wurden für Projekte in den Bereich Bioenergie, Wind- und Wasserkraft zur Verfügung gestellt sowie für ökologische Landwirtschaft.

Die meisten nachhaltigen Aktien haben jedoch in 2011 bei weitem nicht eine derart gute Wertentwicklung gezeigt. Das Gros schloss das Jahr im Minus ab. Leichte Zuwächse, wie sie etwa der bayrische Küchenausrüsters Rational AG mit einem Plus von vier Prozent erzielte, können angesichts des schwachen Börsenumfeldes schon als Erfolg gelten. Der norwegische Hersteller von Rücknahmeautomaten Tomra Systems konnte seinen Aktienkurs dank einer guten Geschäftsentwicklung um sechs Prozent steigern. Der Anteilsschein der Bau-Dämmstoff-Spezialistin Sto AG aus Stühlingen verteuerte sich bis zum Jahresende um sieben Prozent, nachdem Umsatz und Ergebnis in den ersten neun Monaten gesteigert wurden und das Unternehmen dies auch für das Gesamtjahr in Aussicht stellte.

Der Dämmstoffhersteller Steico AG litt 2011 darunter, dass er sich mit einer zunehmenden Konkurrenz auseinander setzen muss und die Euro-Krise sich belastend auf die Nachfrage auswirkte. Das Unternehmen aus Feldkirch kappte nach einer schwachen Neunmonatsbilanz seine Umsatzprognose das Gesamtjahr um rund fünf Prozent auf 140 bis 150 Millionen Euro und die Prognose für den Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) gar von bis zu 12 Millionen auf maximal 8,5 Millionen Euro. Für die ersten neun Monate hatte die Dämmstoffspezialistin einen Gewinnrückgang um rund elf Prozent auf 7,2 Millionen Euro verbucht. Die Aktie hielt sich bis zum Sommer noch stabil. Dann aber ging es mit ihr steil abwärts, so dass sie sich im Jahresverlauf um rund 50 Prozent verbilligte.

Mit Teak Holz International aus Österreich erzielte eine Holzaktie ein deutliches Plus. Das Unternehmen setzt auf nachhaltige Teakholz-Plantagen in Mittelamerika. Ihm gelang im dritten Quartal mit einem Ergebnissprung die Rückkehr in die Gewinnzone. Die Aktie gewann von Anfang Januar bis Ende Dezember rund acht Prozent an Wert.

Doch nicht alle Holzaktien entwickelten sich positiv. Dabei hatte auch der Holzwerkstoff-Hersteller Delignit AG aus Blomberg es im ersten Halbjahr zurück in die Gewinnzone geschaffte und obendrein für das Gesamtjahr eine weitere Verbesserung der Profitabilität in Aussicht gestellt. Dennoch verlor die Aktie im Jahresverlauf über zehn Prozent an Wert. Ganz schlecht entwickelte sich der Aktienkurs der Precious Woods Holding AG. Die schweizerische Tropenholzspezialistin schrieb aufgrund von umfangreichen Wertbereinigungen tiefrote Zahlen und musste ihre Mehrheit an der Konzerntochter Precious Woods Central America verkaufen, um die drohende Pleite zu vermeiden. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf der Anteile an zwei ihrer Großaktionäre konnte Precious Woods ihre Bankschulden tilgen und ein 2012 fällig werdendes Wandeldarlehen vorzeitig zurückzahlen. Auch nach der Rettung legte die Aktie nicht zu, sondern verlor weiter an Wert. Im Jahresverlauf verbilligte sie sich um 55 Prozent.

In gewisser Weise kann auch der Anteilsschein von Asian Bamboo aus Hamburg als Holzaktie gelten. Das Unternehmen betreibt Bambusplantagen in China, verkauft Bambusstämme und als Bio-Lebensmittel zertifizierte Bambussprossen. 2010 hatte sich der Anteilsschein des Unternehmens um über 70 Prozent verteuert. Ein Großteil dieses Kursgewinns ging in 2011 wieder verloren. Die Aktie gab im Jahresverlauf um 64 Prozent nach. Dabei zeigte das Unternehmen auch in 2011 eine gute Geschäftsentwicklung, wenngleich es weniger stark wuchs als im Jahr zuvor. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres kletterte der Umsatz um 28 Prozent auf 71,4 Millionen Euro. Das Nettoergebnis stieg um 23 Prozent auf 27,6 Millionen Euro, bei einer Nettoergebnis-Marge von 39 Prozent. Doch Asian Bamboo musste die Prognose für das Gesamtjahr deutlich reduzieren, da die Nachfrage für Bambus aus der chinesischen Bau- und Papierbranche schwächer war als erwartet. Das kam bei den Aktionären schlecht an, darüber half offenbar auch die mit 0,40 Euro je Aktie durchaus beachtliche Dividende für das Geschäftsjahr nicht hinweg.

Bildhinweis: Bambusplantage von Asian Bamboo. Bambus stellt in Asien eine umweltschonende Alternative zu Tropenholz dar. / Quelle: Unternehmen.


Zudem verschreckten Vorwürfe, es habe bei der Bambusspezialistin Unregelmäßigkeiten in der Bilanzführung gegeben, viele Börsianer. Die Asian Bamboo AG hatte für das dritte Quartal 2010 tatsächlich fehlerhaft bilanziert, dies jedoch korrigiert. Die Gesellschaft trat Spekulationen über weitere Unregelmäßigkeiten entgegen und verwies darauf, dass ihre Bilanzen regelmäßig von renommierten unabhängigen Wirtschaftsprüfern wie Deloitte durchleuchtet und bestätigt würden. Die für die chinesischen Plantagen geltenden Besitzverhältnisse sind laut verschiedener Experten eine Hauptfehlerquelle für Bilanzen von Holz-Unternehmen aus China. Mit dem Wert des Landes und der Plantagen steige oder falle der Gesamtwert des jeweiligen Börsenunternehmens. Die Komplexität vieler Eigentumsverhältnisse in China lasse große Spielräume für bilanzielle Interpretationen und führe demnach entsprechend leichter zu Fehlern in der Bilanz.

Auch die US-amerikanische Geothermie-Spezialistin Ormat Technologies verlor im Jahresverlauf an den Börsen an Vertrauen, ihr Aktienkurs sank um 26 Prozent. Die Gesellschaft aus Reno in Nevada erlitt im ersten und dritten Quartal einen Gewinneinbruch, was die Aktie stark unter Druck setzte. Da half es auch nicht, dass dem Unternehmen im vierten Quartal ein erster Vertriebserfolg im Bereich Photovoltaik gelang und es sein Geschäft nun breiter aufgestellt hat.

Ebenfalls auf Geothermie ist die Daldrup & Söhne AG aus dem Münsterland ausgerichtet, wenn auch mit einem anderen Geschäftsmodell als Ormat. Als Bohrtechnikspezialistin ist sie vor allem als Dienstleister für Geothermieprojekte tätig. Mit dem Bau eines geothermischen Großkraftwerks im bayrischen Taufkirchen will sich das Unternehmen allerdings auch zu einem mittelständischen Energieversorger entwickeln, der ab Erlöse aus dem Strom- und Wärmeverkauf erzielt. Von dieser Aussicht ließen sich die Börsianer 2011 weniger beeindrucken als vom Gewinneinbruch, den das Unternehmen im August für das erste Halbjahr bekannt gab. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hatte im Vorjahreszeitraum noch drei Millionen Euro betragen. Aufgrund hoher Abschreibungen war nun ein Minus von 552.600 Euro angefallen. Auch der Umsatz war rückläufig. Er schrumpfte von 12,5 auf 10,8 Millionen Euro. Die Aktie verlor im Jahresverlauf 25 Prozent an Wert, nachdem sie im März nach dem Atomunfall in Japan noch kräftig zugelegt hatte.

Ein klassisches Umwelttechnologieunternehmen ist die kanadische Ballard Power Systems. Die Brennstoffzellenspezialistin aus Vancouver verharrte aber auch 2011 in der Verlustzone. Nach neun Monaten stand trotz Restrukturierung und steigender Umsätze ein Nettoverlust von 26,7 Millionen Dollar zu Buche, 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Aktie verlor 2011 17 Prozent an Wert und befindet sich damit seit 2003 fortwährend auf Talfahrt.

Dagegen war die schwache Kursentwicklung der Vossloh AG eine Überraschung. Die Aktie des Bahntechnikkonzerns aus dem sauerländischen Werdohl hatte sich in den letzten Jahren sehr gut entwickelt und zum Beispiel in 2010 33 Prozent an Wert gewonnen. In 2011 verhagelten jedoch Projektverzögerungen die Geschäfte der Gesellschaft, die ihre Jahresprognose gleich mehrfach absenken musste. In den ersten neun Monaten brach das operative Ergebnis des Bahntechnikkonzerns um über 44 Prozent auf 67,9 Millionen Euro ein und sank der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um mehr als 14 Prozent auf 863,8 Millionen Euro. Die Auslieferungen für die Ausrüstung chinesischer Hochgeschwindigkeitsstrecken mussten aufgeschoben werden, weil dort nach dem Wechsel an der Spitze des chinesischen Eisenbahnministeriums Projekte nicht wie geplant in Angriff genommen wurden. Zudem verzögerten sich in Russland die Bestellungen von Schienenbefestigungen infolge von technischen Problemen anderer Projektbeteiligter, wie Vossloh betonte. Allerdings konnte das Unternehmen weitere Verzögerungen nicht ausschließen. Vossloh droht zudem zumindest langfristig Ungemach durch die Euro-Krise, da diese viele europäische Staaten zwingt, Investitionen in ihre Eisenbahnnetze zu verringern oder gar ganz aufzugeben. Die gute Auftragslage für 2012 und 2013 reichte nicht aus, das Vertrauen der Börsianer in die Aktie von Vossloh zu stärken. Sie verlor im vergangenen Jahr 22 Prozent an Wert.

Bildhinweis: Montage eines Weichensystems von Vossloh. / Quelle: Unternehmen

Der Anteilsschein der Centrotec Sustainable AG aus Brilon hatte bis zur Jahresmitte über 20 Prozent an Wert gewonnen und konnte damit lange ihren Wachstumskurs fortsetzen. Die Spezialistin für Energiesparsysteme in Gebäuden hatte ihren Umsatz und Gewinn in den letzten Jahren vervielfacht und profitierte von dem Trend zur nachhaltigen Versorgung von Gebäuden mit Energie und Wärme. Doch sie ist auch Großaktionärin der Centrosolar AG aus München. Diese Gesellschaft ist stark auf Solaranlagen auf Dächern ausgerichtet und daher für Centrotec von Bedeutung, die ja Gebäude mit Systemen zur regenerativen Energieversorgung ausstattet. Doch als ein Hersteller von Solarmodulen geriet Centrosolar 2011 in den Abwärtsstrudel der Photovoltaikbranche. Das wiederum zwang Centrotec zu hohen Abschreibungen auf die Beteiligung an dem Solarunternehmen. In der Folge verbuchte Centrotec für die ersten neun Monate eine Halbierung des operativen Gewinns auf 12,4 Millionen Euro. Die Gesellschaft musste zudem die Prognose für das Gesamtjahr kassieren und einen Gewinneinbruch um 25 bis 35 Prozent ankündigen.

Daraufhin stürzte ihre Aktie so stark ab, dass sie im Jahresverlauf fast ein Drittel ihres Wertes von Ende 2010 einbüßte. Auch 2012 dürfte die Beteiligung an Centrosolar die Bilanz von Centrotec belasten. Experten rechnen damit, dass das Unternehmen erst 2013 wieder deutliche Zuwächse beim Umsatz und Nettogewinn erwirtschaften wird. Dann aber sei wieder mit starkem Wachstum zu rechnen, vor allem weil die Politik großes Interesse daran habe, die Klimabelastung durch das Heizen und Belüften von Gebäuden zu verringern. Und Centrotec biete hierfür Lösungen an.
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