Viele nachhaltige Aktien verzeichneten im Börsenjahr 2013 starke Kurszuwächse - aber längst nicht alle. / Quelle: Fotolia

08.01.14 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick sonstige nachhaltige Aktien: viele Überflieger

Für fast alle großen Aktienindices war das Börsenjahr 2013 ein gutes Jahr. Alle wichtigen Indizes in Amerika, Europa und Asien legten kräftig zu – mit Ausnahme von China, wo der Eingriff der Zentralregierung in Peking sich bremsend auswirkte und der Hang Seng in Hong Kong das Jahr mit 2,6 Prozent nur leicht im Plus beschloss. Umgekehrt pumpte die neue Regierung in Japan die Aktienmärkte künstlich auf, indem sie über die Bank of Japan in großem Stil billiges Geld in die einheimische Wirtschaft blies. Das ermöglichte dem Nikkei in 2013 einen Rekordzuwachs von 57 Prozent auf 16.291 Punkte, weckt aber starke Zweifel an der Nachhaltigkeit dieser Aufwärtsbewegung. Stabiler erscheint das der Zuwachs des US-amerikanischen Dow Jones. Der setzt sich aus den 30 der größten US-Unternehmen zusammen und verbesserte sich im vergangenen Jahr um rund 27 Prozent auf 16.576 Punkte. Damit lag er noch über dem Plus von 24 Prozent des MSCI World, dem bekanntesten Weltaktienindex. Ein ähnliches Zuwachsniveau erreichte der DAX, in dem die 30 größten deutschen Aktienwerte gelistet sind, mit einem Anstieg von 25,5 Prozent auf 9.552 Punkte.  Weit besser schnitt dagegen der deutsche Technologieaktienindex TecDax, an dem auch einige Werte aus den Umwelttechnik-Branchen notiert sind und der Ende 2013 ein Plus von 41 Prozent aufwies. Per Mausklick gelangen Sie zu den Jahresrückblicken, die über Aktien aus der  Windkraft-, der  Solar- und der  Bioenergie (Link entfernt)-Branche mit besonders starken Wertzuwächsen berichten.

Etliche nachhaltige Aktien aus anderen Branchen habe im vergangenen Jahr noch viel deutlicher an Wert gewonnen, so wie andere ihre Anleger enttäuschten. Kaum jemand aber dürfte vorausgesehen haben, welche Aktie sich zur Kursrakete des Jahres 2013 entwickelte: die auf Elektrosportwagen spezialisierte Tesla Motors aus Kalifornien. Deren Anteilsschein ist seit Juni 2010 börsennotiert und dümpelte nach einem Ausgabepreis von umgerechnet 13,9 Euro im Xetra lange bei Kursen um die 20 Euro vor sich hin. Erst im Frühjahr 2013 setzte das Wertpapier zum großen Sprung an. Dies vor allem aus zwei Gründen: zum einen veröffentlichte das Unternehmen aus Palo Alto eine Zwischenbilanz, laut der es ihm im ersten Quartal erstmals in seiner zehnjährigen Firmengeschichte gelungen war, einen Quartalsgewinn zu erzielen. Zuvor hatte der Elektroautobauer immer wieder Verzögerungen beim Ausbau der Serienproduktion bekannt geben müssen. Auf einmal trauten nicht nur immer mehr Börsianer dem Unternehmen zu, wie angestrebt einen Absatz von 500.000 Fahrzeugen zu erreichen, was angesichts der anhaltenden Probleme lange als illusorisch eingeschätzt worden war. Wie bekannt wurde, stellten auch Investoren über neue Aktien und Anleihen rund eine Milliarde Dollar frisches Kapital zur Verfügung, um das angestrebte Wachstum zu finanzieren. Daher konnte Tesla Motors einen staatlichen Kredit in Höhe von 465 Millionen Dollar an das US-Energieministerium zurückzahlen, um seine Bilanz zu entlasten. Die Mittel hatte Tesla für die Entwicklung alternativer Antriebe erhalten und hätte das Unternehmen erst in 2022 zurückgeben müssen. Im Jahresverlauf festigte Tesla Motors den positiven Eindruck aus dem Frühjahr. Dem Elektroautobauer gelang der Markteintritt in Europa, so dass er nicht mehr nur vom Absatz im Heimatmarkt abhängig ist. Zudem gelang dem Unternehmen, den Umsatz mit 431 Millionen Dollar im dritten Quartal gegenüber dem Vorjahreszeitraum fast zu verneunfachen. Von Juli bis September wurden 5.500 seiner kostspieligen Elektrolimousinen auszuliefern, davon 1.000 in Europa. Zwar fiel auch aufgrund der Anlaufkosten der Fertigung in Europa ein Nettoverlust von 38,5 Millionen Dollar an. Er lag aber weit unter dem Quartalsverlust von 110,8 Millionen Dollar im Vorjahreszeitraum. Am Ende des Jahres wurde die Aktie von Tesla Motors mit weit über 100 Euro gehandelt. In den letzten zwölf Monaten hat sie damit fast 330 Prozent zugelegt.

Bildhinweis: Die Aktie des Elektrosportwagenherstellers Tesla gab im vergangenen Börsenjahr Vollgas. / Quelle: Unternehmen

Damit hat dieser Anteilsschein andere Aktien aus dem Bereich der nachhaltigen Mobilität in den Schatten gestellt. So litt der Bahntechnikkonzern Vossloh AG auch in 2013 unter Verzögerungen im Projektgeschäft. Auch musste er wegen einer Schadenersatzklage Rückstellungen in zweistelliger Millionenhöhe bilden.  Daher verbuchte das Unternehmen aus Werdohl mit 971 Millionen Euro zwar in den ersten drei Quartalen neun Prozent mehr Umsatz als im Vorjahreszeitraum. Damals schlugen noch 891,5 Millionen Euro Umsatz zu Buche. Der Gewinn vor Steuern und Zinsen (EBIT) brach aber um rund 44 Prozent auf 34,4 Millionen Euro ein. Selbst der starke Auftragseingang überzeugte die Börsianer nicht. Für das erste Dreivierteljahr verbuchte Vossloh neue Aufträge im Gesamtwert von 1,17 Milliarden Euro, knapp 24 Prozent mehr als im Vergleichszeitraum 2012. Dennoch hat die Aktie auf Jahressicht fast drei Prozent an Wert verloren.

Der Anteilsschein von Vossloh schnitt denoch klar besser ab als die Aktie der Mitteldeutsche Fahrradwerke AG (MIFA). Das Unternehmen aus Sangerhausen musste kurz vor Weihnachten die Prognose für das Gesamtjahr kassieren, weil der Absatz schleppender verlief als angenommen. Dabei waren die ersten neun Monate 2013 profitabler als der Vergleichszeitraum des Vorjahres. Von Januar bis September erzielte MIFA 4,7 Millionen Euro EBIT. Gemessen am Ergebnis des Vergleichszeitraums 2012 entspricht dies einer Steigerung um 176 Prozent. Doch schon im dritten Quartal hatte das Unternehmen Absatzprobleme einräumen müssen. Das minderte das Vertrauen der Anleger. Ab dem September ging es für die MIFA-Aktie stark bergab, weshalb sie sich auf Jahressicht um fast zehn Prozent verbilligt hat.

Nur sehr indirekt ist die erfolgreichste deutsche Nachhaltigkeitsaktie des vergangenen Jahres mit dem Mobilitätssektor verbunden: die Delignit AG. Das Unternehmen aus Bloomberg erwirtschaftet rund zwei Drittel der Erlöse mit Kunden aus der Automobilindustrie. Die Delignit AG stellt im Kerngeschäft Transportböden aus Laubholz für leichte Nutzfahrzeuge her. Die Spezialistin für ökologische Holzwerkstoffe meldete im Februar für das abgelaufene Geschäftsjahr 2012 einen Umsatzsprung um 11,5 Prozent auf 34,1 Millionen Euro. Zugleich wuchs das EBIT gegenüber dem Vorjahr um 72 Prozent auf 2,2 Millionen Euro. Auf diese Erfolgsmeldung reagierte die Aktie bereits mit einem Kurssprung um über 30 Prozent. Im Jahresverlauf kletterte der Kurs um satte 111 Prozent. Dabei konnte das Unternehmen den Trend des Vorjahres nicht fortsetzen. Im August meldete es für das erste Halbjahr einen um zwei Prozent auf 17,7 Millionen Euro geschrumpften Umsatz und einen EBIT-Rückgang um 2,5 Prozent auf knapp 1,07 Millionen Euro, wobei allerdings der Gewinn je Aktie dennoch stabil bei 0,8 Euro blieb. Für das Jahr 2013 stellte der Vorstand der Delignit AG auch nur eine gegenüber dem Vorjahr stabile Entwicklung in Aussicht. Allerdings investiert das Unternehmen nach eigenen Angaben stark in Investitionen zur Erweiterung und Modernisierung der Kapazitäten. Ein Großteil des Investitionsvolumens von rund 1,5 Millionen Euro im laufenden Jahr entfiel dabei auf eine neue Hochleistungspresse. Auch setzte die Delignit AG verstärkt auf Robotertechnik. Damit will sie die Grundlagen für ein deutliches Wachstum in 2014 schaffen. Dazu soll unter anderem die im kommenden Jahr startende zusätzliche Serienbelieferung mit Transporterböden „für einen namhaften Hersteller von leichten Nutzfahrzeugen“ beitragen, den sie bislang nicht öffentlich machte. Doch die Aussicht darauf nährte die Kursfantasien der Börsianer und münzten die Enttäuschung über die schwache Entwicklung in 2013 offenbar in große Hoffnungen auf ein starkes Wachstum im kommenden Jahr um. Seit Bekanntgabe der Investitionen ging es für die Aktie von Delignit steil aufwärts.

Bildhinweis: Transportboden der Delignit AG für die Ladefläche eines Ford Costom. / Quelle: Unternehmen

Kursgewinne mit alternativer Energie und Energieeffizienz

Die Aktie der kanadischen Ballard Power Systems zählt mit einem Wertzuwachs von 134 Prozent ebenfalls zu den Gewinnern des Jahres 2013. Dabei schreibt der Brennstoffzellenhersteller aus Burnaby in der Provinz British Columbia seit Jahren rote Zahlen. In diesem Jahr weckte er erstmals seit langem Hoffnungen auf eine Trendumkehr. In den ersten neun Monaten  konnte der nicht nur den Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 61 Prozent auf 43,9 Millionen Dollar steigern. Es gelang ihm auch, den Nettoverlust deutlich zu verringern, um 25,3 Prozent auf 17,7 Millionen Dollar. Im dritten Quartal verringerte sich der Nettoverlust sogar um die Hälfte auf 4,6 Millionen Dollar. Dabei verzeichnete Ballard Power speziell in den Bereichen Energiedienstleistungen, Materialvertrieb und Marktentwicklung ein starkes Wachstum. Der Auftragsbestand kletterte bis Ende September 2013 auf 43,3 Millionen Dollar nach 39,2 Millionen Dollar zum  gleichen Zeitpunkt des Vorjahres.

Auf alternative Energieversorgung – wen auch in weitaus größerem Maßstab – setzt das US-Unternehmen Ormat Technologies. Das Unternehmen aus Reno im US-Bundesstaat Nevada ist auf geothermische Großkraftwerke spezialisiert. Dessen Anteilsschein verteuerte sich 2013 um 37 Prozent. Er reflektierte damit eine Reihe von Projekterfolgen, die Ormat im In- und Ausland erreichte, und das Wachstum des Unternehmens. Die Geothermie-Spezialistin betreibt Kraftwerke in den USA, aber auch in lateinamerika, in Afrika und in der Region Asien-Pazifik. Sie steigerte den Umsatz im dritten Quartal um knapp 15 Prozent auf 89 Millionen Dollar und das EBIT sprang auf knapp 30 Millionen Dollar nach 12,1 Millionen Dollar im dritten Quartal des Vorjahres.

Um rund 37 Prozent verteuerte sich im vergangenen Jahr auch die Aktie der deutschen Centrotec Sustainable AG. Die Spezialistin für Energieeffizienztechnologie in Gebäuden schwächelte zwar im ersten Halbjahr, drehte aber dann aber wieder auf Wachstumskurs, worauf der Anteilsschein kräftig zulegte. Das Unternehmen aus Brilon litt zunächst unter Auswirkungen des langen und harten Winters auf die deutsche Baubranche. Hinzu kam eine Absatzschwäche in wichtigen Auslandsmärkten. Das führte zu einem Rückgang beim Halbjahres-EBIT um 23,2 Prozent und dazu, dass auch nach den ersten neun Monaten bei dieser Bilanzposition das Ergebnis unter dem Vorjahreswert lag. Von Januar bis September sank das EBIT um sieben Prozent 22,2 Millionen Euro, während der Umsatz um 1,4 Prozent auf 383 Millionen Euro schrumpfte. Aber die Zahlen der einzelnen drei Quartale zeigten einen Aufwärtstrend: War das erste Quartal noch deutlich schwächer als 2012 gewesen, so verzeichnete das zweite Quartal auf Jahressicht schon eine Steigerung, die im dritten Quartal weitergeführt werden konnte: Zwischen Juli und September 2013 erzielte Centrotec Sustainable 147 Millionen Euro Umsatz und 15,2 Millionen Euro EBIT.  Gemessen am Vorjahresquartal entsprach dies einem Umsatzzuwachs um 3,8 Prozent und einer EBIT-Steigerung um 2,6 Prozent. Das Unternehmen kündigte im November für das Gesamtjahr im Vergleich zum Vorjahr Steigerungen sowohl beim Umsatz als auch beim EBIT an. Darauf gewann die Aktie der Centrotec Sustainable AG sehr schnell sehr stark an Wert.

Zu den besten Aktien des vergangenen Jahres zählt mit einem Wertzuwachs von 52 Prozent die Steico SE. Dieses Unternehmen ist ebenso wie Centrotec darauf spezialisiert, Gebäude energieeffizienter zu machen. Die Dämmstoffspezialistin aus Feldkirchen machte damit in 2013 gute Geschäfte. In den ersten neun Monaten kletterte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um knapp fünf Prozent auf 118,1 Millionen Euro. Das EBIT wurde von 6,7 Millionen auf 8,6 Millionen Euro verbessert, obwohl erhöhte Abschreibungen in Folge von Investitionen das Ergebnis belastet haben. Mit 42,7 Millionen Euro hat Steico dabei im dritten Quartal 2013 einen Rekordumsatz erzielt. Es profitierte nach eigenen Angaben davon, dass die Nachfrage nach ökologischen Bauprodukten kontinuierlich ansteigt. Für das Gesamtjahr und auch für 2014 stellte der Steico-Vorstand im Oktober „ein solides Umsatzwachstum und eine Steigerung der Ergebnisse“ in Aussicht.

Bildhinweis: Dämmmaterial von Steico im Einsatz. / Quelle: Unternehmen

Die Aktie der Sto AG aus dem Ort Stühlingen im Naturpark Südschwarzwald hat 2013 um 23 Prozent zugelegt. Das Unternehmen hat eine starke Position im Geschäft mit der so genannten Gebäudehülle. Denn die Wände eines Hauses haben heute ähnliche Funktionen wie die Haut eines Menschen: Es geht darum, Wärme zu bewahren, wenn das nötig ist, und Feuchtigkeit auszuschwitzen. Die Sto AG hat Produkte entwickelt, die Wärme zurückhalten, aber zugleich genügend Luftaustausch gestatten, damit sich an den Wänden kein Schimmel bildet. Zu ihrem Kernsortiment gehören auch Putze und Farben, die diese Aufgaben unterstützen. Damit leistet die Sto AG einen Beitrag zum Klimaschutz im Gebäudebereich. Und sie hilft, die Nebenkosten zu senken. Allerdings litt das Unternehmen im ersten Quartal unter Absatzproblemen infolge des langen Winters. Hinzu kamen steigende Kosten etwa in den Bereichen Personal und Marketing sowie höheren Abschreibungen. Noch für das erste Halbjahr verzeichnete die Sto AG daher einen Gewinneinbruch. Erst danach kehrte sie zurück auf die Erfolgsspur und ging es auch für den Aktienkurs aufwärts. Im November erhöhte sie Prognose für das Gesamtjahr. Demnach rechnet der Sto-Vorstand entgegen seiner bisherigen Erwartung damit, in 2013 Umsatz und Ergebnis gegenüber dem Vorjahr zu verbessern. Bereits die Zwischenbilanz für die den ersten neun Monate weise einen leichten Zuwachs beim Umsatz, beim EBIT und beim Nettoergebnis auf, hieß es ferner. Das Unternehmen veröffentlichte hierzu jedoch keine konkreten Zahlen.

Morgen veröffentlichen wir die Fortsetzung dieses Jahresrückblicks.
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