Ein Offshore-Windrad aus der Produktion von Senvion: Immer mehr Windparks auf See wollen völlig ohne Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz auskommen. / Foto: Unternehmen.

03.01.18 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Wind-Aktien-Rückblick 2017: Hersteller mit Problemen

2017 war für die Windenergiebranche ein teilweise schwieriges Jahr. Die Windanlagenhersteller litten unter den Unsicherheiten, welche die Ankündigungen von US-Präsident Donald Trump mit sich brachten - er verkündete, die Kohleindustrie stützen zu wollen, statt auf Erneuerbare Energie zu setzen. Viele Regionen in den USA lassen sich aber von der Energiewende nicht abbringen und investieren weiter in die Windenergie.


Probleme ergeben sich für die Anlagenhersteller auch daraus, dass neue Windprojekte mehr und mehr im Auktionsverfahren vergeben werden: Wer verspricht, Windstrom für die niedrigsten Preise zu liefern, erhält Genehmigungen. Das verursacht Kostendruck für die Windradhersteller.

Der boomende chinesische Windmarkt ist auch kein Selbstläufer; hier sind die heimischen Unternehmen stark, für Importeure sinken die Margen. Bei den Windunternehmen, die keine Anlagen herstellen, sondern sich auf Planung und/oder Betrieb von Windkraftwerken spezialisiert haben, war 2017 teilweise problematisch, weil die Windgeschwindigkeiten in Deutschland im Mittel bis in den Herbst hinein unter den üblichen Jahresergebnissen lagen.

Und bei den Projektierern wirkt sich die Umstellung auf die Auktionsverfahren aus. Bemerkenswert: Das höchste Gebot für den Strompreis, das noch einen Zuschlag erhielt, lag im Offshore-Bereich bei 6 Cent pro Kilowattstunde (ct/kWh) und entfällt auf den Windpark "Gode Wind 3". Bei drei weiteren Projekten lag der Gebotswert gar bei 0 Cent pro Kilowattstunde. Diese Windparks kommen demnach völlig ohne Vergütung nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG-Vergütung) aus.

Die Einspeisevergütung lag zuvor für Offshore-Windkraftanlagen bei 18,4 Cent pro Kilowattstunde. Das lässt allerdings zwei Schlüsse zu. Entweder wird deutscher Offshore-Windstrom künftig sehr günstig zu erzeugen sein und trotzdem rentabel bleiben - oder die großen beantragten Projekte werden gar nicht verwirklicht werden.

Windkraftanlagenhersteller Nordex: Spekulanten tummeln sich - Umsatzziele nicht erreicht

Der deutsche Windradbauer Nordex hatte bereits im November 2017 angekündigt, seine eigene Umsatzerwartung zu verfehlen. Weniger als 3,1 Milliarden Euro sollten es 2017 werden; angepeilt waren zuvor zwischen 3,1 und 3,3 Milliarden Euro - nach knapp 3,4 Milliarden Euro in 2016. Die operative Umsatzrendite (EBITDA-Marge) sollte nach Angaben aus dem November 2017 unverändert 7,8 bis 8,2 Prozent erreichen.

Im Februar 2017 hatte Nordex bereits die Gewinnprognose gekürzt. Der Auftragseingang hatte sich von Januar bis September auf 1,1 Milliarden Euro halbiert. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres 2017 hatte Nordex einen Umsatz von rund 2,32 Milliarden Euro erzielt (2016: 2,34 Milliarden). Das sei "im Rahmen der Erwartungen" gewesen, teilten die Hamburger mit.

Ein kleiner Lichtblick war der margenstarke Bereich Service: Hier wuchs der Quartalsumsatz um 21 Prozent auf 227,5 Millionen Euro und "trug damit wesentlich zum Geschäftsvolumen bei", hieß es.

Die Nordex-Aktie war mit 20,44 Euro in das Jahr 2017 gestartet und lag am Jahresende bei 8,9 Euro. Die hohe Anzahl der gehandelten Nordex-Aktien ließ den Schluss zu, dass Spekulanten sich die Aktie als Ziel auserkoren hatten.

Senvion hat Anpassungsprobleme - Servicegeschäft wächst

Einbußen gab es auch beim Windanlagenhersteller Senvion. Er erzielte in den ersten neun Monaten 2017 einen Umsatz von 1,3 Milliarden Euro, etwa 10 Prozent geringer als erwartet. Als Grund gab das Unternehmen die "allgemeine Verlangsamung in den etablierten Märkten wie Deutschland" an. Immerhin verzeichnete Senvion wachsende Auftragseingänge, etwa aus Chile.

Der Auftragsbestand von Senvion lag im Herbst bei 5,3 Milliarden Euro. Das Servicegeschäft wächst und verzeichnet Durchschnittslaufzeiten für die Serviceverträge von über 11 Jahren. Senvion-Chef Jürgen Geißinger sagte im Herbst 2017, die Windindustrie benötige nicht nur verbesserte Produkte, sondern auch schnellere Kostenanpassungen, um die niedrigeren Stromerzeugungskosten verarbeiten zu können.

Senvion entwickelt, produziert und vertreibt Windenergieanlagen für verschiedene Standorte. Trotz rund 4.500 Mitarbeitern weltweit ist Senvion kein Branchenriese.  Die operative Tochtergesellschaft Senvion GmbH hat ihren Hauptsitz in Hamburg.

Die Senvion S.A. ist im Prime Standard an der Frankfurter Börse notiert. Am Jahresanfang 2017 lag der Kurs bei 12,30 Euro. Der Jahresverlauf zeigte ein Auf und Ab; Mitte Juni lag der Kurs bei über 14 Euro. Zum Jahresende war er auf 10,19 Euro gefallen.


Siemens Gamesa: Verluste trotz hoher Umsätze, Sparprogramm läuft

Siemens Gamesa Renewable Energy entstand im April 2017 aus dem Zusammenschluss der spanischen Gamesa Corporación Tecnológica und der Siemens Wind Power AG. 1995 hatte Gamesa mit Windtechnologie begonnen, wurde wenige Jahre später größter Windanlagenhersteller Spaniens und erschloss dann schnell Märkte in den USA, China, Indien und Brasilien.

Siemens Wind Power geht vor allem zurück auf den 2004 von Siemens übernommenen dänischen Windanlagenhersteller Bonus Energy, der seit 1980 in der Windenergie tätig war und beispielsweise 1991 die Turbinen für den ersten dänischen Offshore-Windpark "Vindeby" lieferte. 
Hinter Siemens Gamesa Renewable Energy liegt ein schwieriges Geschäftsjahr 2016/2017 (das Geschäftsjahr entspricht hier nicht dem Kalenderjahr): Trotz steigender Umsätze musste das Unternehmen einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen; der Sparkurs soll verschärft werden. Das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sank im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr um 18 Prozent auf 774 Millionen Euro. Der Umsatz stieg zwar gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent auf knapp 11 Milliarden Euro. Jedoch fiel das zweite Halbjahr 2017 deutlich schlechter aus als das erste.

Bildhinweis: Das Nordlicht scheint auf ein Windrad von Siemens Gamesa. / Foto: Unternehmen

Unter dem Strich rutschte das Unternehmen in die roten Zahlen und verbuchte im zweiten (Geschäfts-) Halbjahr einen Nettoverlust von 135 Millionen Euro. Der Grund: Siemens Gamesa leidet unter einem schwierigen Marktumfeld und einem steigenden Preisdruck für Windkraftanlagen an Land.

Im laufenden Restrukturierungsprogramm will der Konzern in drei Jahren bis zu 6.000 Stellen in 24 Ländern abbauen. Außerdem soll das Produktangebot für Onshore-Windkraftanlagen um 65 Prozent ausgedünnt werden.

Die Aktie war 2017 mit einem Kurs von 19,60 in das Jahr gestartet, hatte ihren Höchstkurs Anfang April bei 22,22 Euro erreicht und lag zum Jahresende bei nur 11,40 Euro.

Volles Auftragsbuch bei Windanlagenhersteller Vestas, Aktie trotzdem schwach

Der dänische Windanlagenhersteller Vestas meldete im November, dass er seine angepeilten Ziele für 2017 teilweise erreichen werde:  Der Umsatz soll zwischen 9,5 und 10,25 Milliarden Euro liegen (2016: 10,24 Milliarden Euro). Die EBIT-Marge soll aber bei 12 bis 13 Prozent landen statt 12 bis 14 Prozent. Im dritten Quartal 2017 waren die Auftragsbestände  gewachsen.

Als Vestas im November verkündet hatte, dass der Umsatz zwischen Juli und September 2017 um 6 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf rund 2,7 Milliarden Euro gesunken war und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT)um 18 Prozent, sank der Aktienkurs dramatisch - im Lauf des Novembers stürzte die Aktie von 75 auf unter 50 Euro. Mit 64 Euro war es für die Aktie 2017 losgegangen. Ende 2017 notierte sie bei 56,90 Euro.

Vestas steht seit einiger Zeit unter anderem wegen der Pläne von US-Präsident Donald Trump unter Druck: Trump will die Steuererleichterungen für Hersteller im Bereich der Erneuerbaren Energien stark kürzen. Der US-Markt ist ein wichtiges Standbein des dänischen Konzerns. Allerdings ist der Windkraft-Spezialist auch zunehmend in Südamerika aktiv.

Die Dänen sind zudem in anderen Absatzmärkten gut positioniert, etwa in Schweden, Argentinien, Deutschland und China. Zudem weisen sie hohe Auftragsbestände auf. Und das Servicegeschäft liefert immer höhere Beiträge zum Unternehmensergebnis.



Windprojektierer ABO Wind AG: Gewinn bleibt hoch, Internationalisierung schreitet voran

2016 lag der Gewinn von  ABO Wind bei 16,5 Millionen Euro; für 2017 dürfte er ähnlich hoch ausfallen. Allerdings erwartet der Vorstand Dr. Jochen Ahn für die folgenden Jahre nicht ganz so hohe Gewinne wie in den Rekordjahren 2016 und 2017. "Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von weniger als sechs spiegelt die Börsenbewertung die Stärke unseres Unternehmens nicht adäquat wider", sagte Dr. Ahn im Dezember 2017 und folgerte, die Platzierung neuer Aktien sei daher weniger attraktiv.

Daher plant ABO Wind die Ausgabe einer Wandelanleihe. Der entsprechende Beschluss sollte kurz vor Weihnachten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung gefasst werden.  Das Ergebnis der Beschlussfassung lag bei Redaktionsschluss noch nicht vor. Mehr als andere Windkraft-Projektentwickler hat ABO Wind  frühzeitig seine internationalen Aktivitäten ausgebaut, um den sich abzeichnenden Umsatz- und Margenrückgängen auf dem deutschen Windmarkt entgegenzuwirken. Dabei liegt der Fokus neben Finnland insbesondere auf außereuropäischen Märkten wie zum Beispiel Argentinien.

Bildhinweis: Ein Windpark von ABO Wind. / Foto: Unternehmen


Bis 2016 trug das internationale Geschäft rund ein Drittel zum Umsatz von ABO Wind bei. Nach Angaben des Unternehmens steigt der Anteil 2017 auf die Hälfte; mittelfristig soll er voraussichtlich auf zwei Drittel emporklettern. Zudem ist ABO Wind inzwischen auch in verschiedenen Solarmärkten tätig, etwa in Frankreich, Spanien, Argentinien, Iran, Kanada, Tansania, Tunesien und  Griechenland.

Die ABO Wind Aktie startete bei nur 7,55 Euro Anfang 2017, hatte ihren Höchstkurs Anfang August mit etwas über 14 Euro, sank dann allerdings wieder ab. Es gab zahlreiche Verkäufe mit kleinen Stückzahlen, die den Kurs zu begrenzen schienen. Fast am Jahresende (28.12.) erreichte der Kurs knapp 12 Euro.

ABO Invest AG:  Angestrebte Wertsteigerung 2017 nicht ganz erreicht

ABO Wind hat 2011 die Bürgerwindaktiengesellschaft ABO Invest gegründet. ABO Wind gibt kontinuierlich über die Börse Aktien der ABO Invest ab. Bei der Festsetzung des Limits zum Verkauf der Aktien orientiert sich ABO Wind nach eigenen Angaben daran, eine Wertsteigerung von jährlich etwa 6 Prozent zu erzielen. Das hängt damit zusammen, dass die ABO Invest AG den Windpark-Bestand immer weiter ausbaut. Mit der Anzahl der Windräder wächst der Wert des Unternehmens. Die Verteilung der Windkraftwerke auf viele unterschiedliche Standorte dient der Risikostreuung.

In das Jahr 2017 startete die Bürgerwindaktie mit 1,56 Euro, erreichte den Jahreshöchstkurs Ende Oktober mit 1,62 Euro und notierte zum Jahresende bei 1,60 Euro. Die angestrebten 6 Prozent Wertsteigerung ergaben sich 2017 also nicht.

Energiekontor:  Neue Windprojekte in Deutschland, künftig auch Solarprojekte im Ausland

Die Energiekontor AG hat 2017 Windkraftanlagen in Deutschland errichtet,  mit Schwerpunkt in Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Brandenburg. Im Bereich Solar ist ein Projekt in Deutschland mit rund 10 Megawattpeak (MWp) Leistung in der Bauphase. In  Großbritannien hat Energiekontor im August die Genehmigung für ein zugekauftes Projekt mit einer Gesamtkapazität von ungefähr 8 MW erwirkt und sich weitere Flächen in Schottland vertraglich gesichert.

In den USA hat Energiekontor nach eigenen Angaben gute Fortschritte bei den Verhandlungen mit den Landbesitzern über die Flächennutzungsrechte für mehrere 100 MW gemacht. Auch in Frankreich sollen Gespräche vorangehen. In beiden Ländern konzentriert sich Energiekontor nach eigenen Angaben zunächst auf die Entwicklung von Solarprojekten. Die Erträge der deutschen Windparks im Eigenbestand von Energiekontor waren zumindest in den ersten neun Monaten von 2017 unterdurchschnittlich; in Schottlandverliefen sie prognosegemäß.

Für das erste Halbjahr 2017 hatte Energiekontor einen Umsatz von 41,4 Millionen Euro angegeben, nach 43,4 Millionen für das erste Halbjahr 2016. Die Energiekontor-Aktie startete mit 15,27 Euro in 2017, erreichte Anfang Mai 2017 ihren Jahreshöchstkurs von 19,25 Euro und pendelte sich zum Jahresende bei 14,30 Euro ein.

PNE Wind AG: 2017 mit besseren Zahlen

Die PNE Wind AG erhöhte im November bei der Vorstellung der Ergebnisse der ersten neun Monaten 2017 ihre Jahresprognose für das Konzernergebnis in  2017 auf eine Spanne von 17 bis 23 Millionen Euro. Durch den Verkauf des französischen Windparkprojekts "Longeves" zum Jahresschluss wird voraussichtlich der obere Bereich erreicht. Das Unternehmen baut ein eigenes Windparkportfolio in Europa auf und hat dabei nach eigenen Angaben die Erwartungen für 2017 übertroffen.

Außerdem hat PNE Wind in Schweden und den USA Projektrechte für Windparks mit insgesamt 105,2 Megawatt zu errichtender Nennleistung veräußert. Im dritten Quartal 2017 erhielt PNE Wind eine nachträgliche Kaufpreiszahlung von rund 21,4 Millionen Euro, die mit einem Ende 2016 verkauften Windpark-Portfolio zusammenhing. "Wir befinden uns zurzeit in einer Übergangsphase", sagte Markus Lesser, Vorstandsvorsitzender der PNE WIND AG .

"Die Windenergiebranche wandelt sich, und auch die Rahmenbedingungen verändern sich erheblich. Dagegen setzen wir ein strategisches Konzept. Das sehr gute wirtschaftliche Ergebnis nach neun Monaten gibt uns den nötigen Spielraum für die Umsetzung dieser Strategie", so Lesser. Dabei soll es vor allem darum gehen, die Wertschöpfungskette besser auszunutzen. Die Aktie der PNE Wind war mit 2,15 Euro in das Jahr 2017 gestartet. Am Jahresende lag sie bei 2,80 Euro.

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