08.01.10 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Windaktien: Die Branche tritt nur langsam aus dem Schatten der Finanzkrise

Auch 2009 haben die Aktien von Windkraftunternehmen nicht überzeugen können. Der Sektor litt weiter unter den Auswirkungen der Finanzkrise, die es Investoren erschwerte, Windparkprojekte umzusetzen. Allerdings brachen die Windaktien nach den massiven Wertverlusten in 2008 nicht weiter ein, einige konnten sogar wieder leicht zulegen. Denn der Markt zeigte in der zweiten Jahreshälfte erste Anzeichen einer Erholung.

Michael McNamara, Analyst von Jefferies International, sieht für die Windkraftbranche insgesamt sogar „hervorragende Wachstumsaussichten“. Zwar habe die Finanzkrise die Windturbinenbauer dazu gezwungen, ihre Preise zu senken und schwächere Margen hinzunehmen. Er geht aber davon aus, dass die Unternehmen dies durch verringerte Kosten wettmachen können. So seien die Rohstoffpreise, etwa für Stahl und Kupfer, infolge des weltweiten wirtschaftlichen Abschwungs in 2009 stark gefallen. Die Aufwendungen für Rohstoffe aber machten allein 20 Prozent der Kosten einer Windturbine aus.

Weitere Vorteile sieht McNamara vor allem für die großen Windkraftanlagenhersteller. Sie können ihm zufolge aufgrund ihrer hohen Produktionsmengen stärkere Skaleneffekte erzielen, etwa bei Zulieferern leichter Rabatte aushandeln. Insbesondere werden sie sich nach seiner Einschätzung zunehmend auf die Produktion von Anlagen mit großer Kapazität konzentrieren und das Geschäft mit kleineren Anlagen der Konkurrenz überlassen. Für große Anlagen aber werden sich laut dem Experten von Jefferies International auch in Zukunft gute Preise erzielen lassen, während der Preisdruck bei Anbietern mittlerer und kleinerer Anlagen wohl zunehmen werde. Ein weiteres Argument für eine gute Entwicklung der großen Anbieter sieht der Analyst darin, dass die Windpark-Projektierer aufgrund der erschwerten Finanzierung von den Windturbinenbauern mehr Flexibilität bei den Lieferterminen verlangen werden. Unternehmen mit hohem Betriebskapital seien da klar im Vorteil.

Der weltweit größte Windturbinenbauer, die dänische Vestas Systems, hat schon in den ersten neun Monaten von 2009 Umsatz und EBIT steigern können. So erzielte das Unternehmen im 3. Quartal einen Gewinnsprung von 97 auf 165 Millionen Euro netto und kündigte für das Gesamtjahr weitere Zuwächse bei Umsatz und EBIT-Marge an. Doch bis Ende September hatte Vestas erst Aufträge im Gesamtwert von 3,5 Milliarden Euro vorliegen. Die Börsianer bezweifelten offenbar, dass die Dänen das angestrebte Ziel von 7,2 Milliarden Euro Jahresumsatz noch erreichen. Die Aktie geriet ab Oktober verstärkt unter Druck, so dass das Papier am Jahresende nur knapp drei Prozent an Wert gewonnen hatte. Eine Flut von Aufträgen im Dezember konnte den Anteilsschein nicht stärker beflügeln.

Die spanische Konkurrentin Gamesa Corporación Tecnológica entwickelte sich im vergangenen Jahr deutlich schwächer als Vestas. Das spiegelt der Aktienkurs wider, der Anteilsschein verbilligte sich um rund sechs Prozent. Der Umsatz von Gamesa schrumpfte von Januar bis September von 2,6 auf 2,3 Milliarden Euro, das EBIT von 197 auf 164 Millionen Euro. Die Gewinnmarge verringerte sich von 7,5 auf 7,2 Prozent. Der Windturbinenbauer verwies zur Erklärung auf die Finanzkrise und auf Umstellungen bei der Grünstromförderung in Spanien. Diese habe die Geschäfte im wichtigen Heimatmarkt von Gamesa beeinträchtigt, weshalb das Spanien-Geschäft von einem Anteil in Höhe von 37 Prozent auf 29 Prozent geschrumpft sei.
Die Spanier bekräftigten im November die Prognose für das Gesamtjahr von 3,3 bis 3,6 Milliarden Euro Umsatz nach rund 3,7 Milliarden Euro im Vorjahr. Die Gewinnmarge soll stabil bei sechs bis sieben Prozent liegen. Die nach den ersten neun Monaten vorliegenden Aufträge decken nach Angaben des Unternehmens bereits 90 Prozent des angestrebten Umsatzes ab.
Für die Zukunft erhofft sich Gamesa das größte Wachstum in den USA, wo allmählich die verbesserten Förderbedingungen zu greifen beginnen, in China und in Indien. Die Regierung in Delhi und die indischen Provinzregierungen wollen die alternativen Energien im allgemeinen und die Windkraft im besonderen stark ausbauen. Gamesa hat in Indien, 2008 bereits der fünftgrößte Windmarkt der Welt, eine Produktionsstätte mit 200 Megawatt (MW) Leistung aufgebaut.
Der spanische Windturbinenbauer hat zudem seinen finanziellen Spielraum deutlich erweitert. Ihm stellen laut einer Vereinbarung vom Herbst 2009 rund drei Dutzend Banken bis Oktober 2012 Kreditlinien im Umfang von 1,2 Milliarden Euro zur Verfügung.

Die Aktie des deutschen Windkraftanlagenherstellers Nordex gewann 2009 über vier Prozent an Wert. Dabei ist dessen EBIT in den ersten neun Monaten des Jahres von 37,3 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 21,9 Millionen Euro eingebrochen, bei einem um vier Prozent auf 814 Millionen Euro angewachsenen Umsatz. Doch dieser Gewinnrückgang war vor allem darauf zurückzuführen, dass Nordex neue Unternehmensstrukturen in den USA und in einigen europäischen Schlüsselmärkten aufbaute und in die Erweiterung und Modernisierung seiner Werke investierte. Der Vorstand legte damit die Grundlagen für neues Wachstum und stellte für das kommende Jahr eine deutliche Umsatzsteigerung und eine nachhaltige Verbesserung der Profitabilität in Aussicht. Der Aufwärtstrend der Aktie signalisiert, dass die Börsianer davon ausgehen, dass diese Strategie aufgeht.
Vor allem für den stark belebten US-Markt scheint Nordex nun gut aufgestellt. Dort erwirtschaftete der Windturbinenbauer nach eigenen Angaben in den ersten neun Monaten deutlich höhere Umsätze als im Vorjahreszeitraum. Die amerikanische Tochtergesellschaft Nordex USA, Inc. erwirtschaftete mit 17 Prozent mittlerweile knapp ein Fünftel des Konzernumsatzes. Im Vorjahr hatte sie lediglich ein Prozent beigesteuert. Die Region Europa blieb zwar weiterhin bestimmend, doch erwirtschaftete der Konzern hier nur noch insgesamt 76 Prozent seiner Umsätze nach 89 Prozent im Vorjahr. In den USA begann Nordex mit dem Bau eines neuen Produktionswerkes. Der Windturbinenbauer kündigte an, rund 100 Millionen US-Dollar in das Werk investieren. Wie Vestas und Gamesa produzieren die Hamburger zudem bereits vor Ort für den boomenden Windmarkt in China.
Trotz der Investitionen sind die flüssigen Mittel von Nordex um 26,6 Millionen auf 138,3 Millionen Euro gestiegen. Laut dem Unternehmen profitierte es in den letzten Monaten von gesunkenen Beschaffungspreisen, die Materialkostenquote sei von 79,6 auf 77,7 Prozent gesunken. Die EBIT-Marge wurde im 3. Quartal um ein Drittel auf 4,4 Prozent erhöht.

Der ebenfalls in Hamburg ansässige Windkraftanlagenhersteller REpower Systems AG hat im November bekannt gegeben, das er im ersten Halbjahr seines Geschäftsjahres den Umsatz von 529,8 Millionen Euro auf 609,7 Millionen Euro erhöht hat. Das EBIT kletterte von 22,7 Millionen auf 31,3 Millionen Euro. Die Aktie des Unternehmens verteuerte sich 2009 um 14 Prozent. Beflügelt wurde sie insbesondere durch Meldungen aus dem zweiten Halbjahr über Aufträge aus Nordamerika.
In den USA wurde die Windkraftförderung deutlich verbessert, doch deren Umsetzung verzögerte sich aufgrund von bürokratischen Hemmnissen ins die zweite Jahreshälfte. Weil Investoren die Einführung abwarteten, geriet das Wachstum des US-Windmarktes, 2008 bei den Neuinstallationen der größte weltweit, in der ersten Jahreshälfte ins Stocken, zog danach aber wieder an.
Doch die Aktie von REpower könnte schon bald vom Kurszettel verschwinden. Denn die Mehrheitsaktionärin des Unternehmens, der indische Windturbinenbauer Suzlon Energy, plant die vollständige Übernahme. Suzlon hält bereits rund 90 Prozent der REpower-Anteile, der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz und ist etwa 100 Millionen Euro wert. Suzlon ist derzeit der fünftgrößte Windanlagenproduzent der Welt. Bei einer Übernahme von REpower würden die Inder auf Platz drei hinter Vestas und General Electric vorrücken. Suzlon hatte 2009 zwischenzeitlich mit Verlusten zu kämpfen und sich schwer getan, für eine vollständige Übernahme von REpower die Mittel zusammen zu bekommen. In den letzten Wochen des Jahres gelang es den Indern jedoch, die Liquiditätslage deutlich zu verbessern.

Die Plambeck Neue Energien AG, einer der führenden Windparkentwickler in Deutschland, wurde 2009 in PNE Wind AG umgetauft. Dem Cuxhavener Unternehmen ist es im vergangenen Jahr gelungen, mit seinen Offshore-Aktivitäten Kasse zu machen. An den dänischen Energiekonzern Dong Energy verkaufte er seine seine Anteile an den Offshore-Windpark-Projekten Borkum Riffgrund I und II. Zuvor waren beide Unternehmen zu jeweils 50 Prozent an diesen Projekten beteiligt. Aufgrund dieses Abschlusses klettert das EBIT der PNE Wind AG für 2009 laut deren Prognose auf voraussichtlich 13 bis 15 Millionen Euro. Mit Dong Energy wurde vereinbart, dass die PNE Wind AG auch weiterhin an der Entwicklung der beiden Offshore-Windpark-Projekte in der Nordsee mitarbeiten und dabei als Dienstleistungsunternehmen für den Energiekonzern tätig sein wird.
Vor diesem Verkauf hatte der Windparkentwickler in den ersten neun Monaten einen Gewinnrückgang auf 5,1 Millionen Euro verzeichnet, zudem hatte PNE Wind Anfang Mai noch ein Jahres-EBIT von 29 bis 33 Millionen Euro in Aussicht gestellt. Doch Probleme des insolventen Partners Econcern hatten dem Unternehmen einen Strich durch die Rechnung gemacht. 2009 verlor die Aktie der PNE Wind um über vier Prozent an Wert.

Noch ärger traf es die Aktionäre des anderen börsennotierten deutschen Windkraftprojektierers, der Energiekontor AG. Das Unternehmen aus Bremen errichtet und betreibt europaweit Windparks, in Zukunft will die Gesellschaft auch Offshore-Windparks umsetzen. Wie Energiekontor im April bekannt gab, war das Geschäftsjahr 2008 für sie überaus erfolgreich. Die Umsatzerlöse wurden auf rund 66,6 Millionen Euro verdoppelt. Das EBIT verbesserte das Unternehmen von rund 6,5 Millionen auf rund 12,7 Millionen Euro. Nach einem Verlust von rund 600.000 Euro im Vorjahr wurde nun ein positives Konzernergebnis von mehr als 2,1 Millionen Euro erreicht. Der Aktienkurs spiegelte diese Entwicklung nicht wieder. Nach der Lehman-Pleite im Herbst 2008 und dem dadurch ausgelösten Börseneinbruch stürzte die Aktie von Energiekontor bis zum Frühjahr 2009 auf drei Euro ab. Sie hat sich bis zum Jahresende nur auf 3,3 Euro erholt und damit 2009 um 21 Prozent verbilligt.

Bild: Gondel einer Nordex N90-Windkraftanlage / Quelle: Unternehmen
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