03.01.13 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Windaktien: nur Windkraftprojektierer trotzen dem Negativtrend

In 2012 hat der weltweite Ausbau der Windkraft in 2012 an Dynamik verloren. Mehrere Faktoren haben dazu geführt, dass der Zubau in der ersten Jahreshälfte schwächer ausfiel als im Vorjahr und daher im Gesamtjahr den Zubau von 2011 wohl nicht erreicht haben wird. Der Weltwindkraftverband, die WWEA (World Wind Energy Association), erwartet für 2012 einen globalen Ausbau der Windkraft um 35.546 Megawatt (MW) nach 40.535 MW im Vorjahr.
 
Der Windkraftverband stellt für Europa fest, dass die Eurokrise die Windmärkte von Spanien und Portugal fast zum Erliegen gebracht hat. Auch in Italien sei es deutlich schwerer geworden, Windkraftprojekte zu finanzieren. Vor allem den Ausfall Spaniens, bis dato der viertgrößte Windmarkt der Welt und nach Deutschland mit 21,7 GW Gesamtkapazität Ende 2011 die Nummer 2 in Europa, könne der weiter starke deutsche Markt nicht ausgleichen.

Wohl noch gravierender wirkte sich die schwache Entwicklung in China aus, auch wenn die Volksrepublik weiter der größte Windmarkt der Welt ist. Dort wuchs die Windkraftkapazität im ersten Halbjahr laut der WWEA  zwar um 5.400 MW oder 5,4 Gigawatt (GW). Im ersten Halbjahr 2011 waren aber noch acht GW erreicht worden. Es gelingt der Volksrepublik nicht, beim Ausbau der Netzkapazitäten mit dem Ausbau der Windkraftkapazitäten Schritt zu halten. Schon heute sind zwar viele Windräder in China aufgestellt, doch ohne Netzanschluss. Das bremst die ehrgeizigen Zubaupläne der chinesischen Politik.

In Indien wiederum, Ende 2011 mit einer Gesamtkapazität von 16,1 GW der fünftgrößte Windmarkt der Welt, stagniert der Windmarkt, weil wichtige Förderinstrumente nicht eingesetzt oder ausgesetzt wurden und in einigen Teilen des riesigen Landes zugesagte Zahlungen an Windstromproduzenten nicht erfolgten.

Und in den USA, dem nach China zweitgrößten Windmarkt der Welt, führte die anstehende Verschlechterung der Förderbedingungen zwar in 2012 zu einem Windkraftboom. Die neu installierte Kapazität lag mit fast fünf GW nach den ersten neun Monaten um rund 40 Prozent über dem Vorjahreswert. Es drohte jedoch ein Einbruch des US-Windmarktes, weil Steuernachlässe für Windenergie-Investments Ende auslaufen. Hierbei handelt es sich um den so genannten Production Tax Credit (PTC), eine Steuergutschrift für Betreiber von Windkraftanlagen in Höhe von 2,2 US-Cent pro produzierter Kilowattstunde Windstrom, der sogar schon Ende 2012 auslaufen sollte. Erst bei den dramatischen Haushaltsverhandlungen im US-Kongress zur Jahreswende wurde sie um ein Jahr verlängert. Neben dem PTC macht auch der Investment Tax Credit (ITC) Windkraftprojekte für Betreiber und Investoren attraktiv. Der ITC ermöglicht üppige Steuernachlässe, deren Umfang sich nach der Größe des Investments in ein Windkraftprojekt richtet. Diese Fördermaßnahme läuft noch bis 2016. Doch weil die Gaspreise in den USA stark eingebrochen sind, reicht dies nicht aus, um die Stellung der Windkraft in den Vereinigten Staaten nachhaltig zu stärken. Die dänische Vestas, der weltweit größte Hersteller von Windkraftanlagen, und die spanische Iberdrola, weltweit der größte Betreiber von Windparks, haben ihre Ausbaupläne für das US-Geschäft bereits eingefroren.

Steigender Preisdruck belastet Windturbinen-Hersteller

Eine Folge dieser Entwicklungen war ein starker Kursverfall vieler Windaktien im Gesamtjahr 2012. Das betraf in erster Linie Windturbinen-Hersteller wie den Marktführer Vestas Wind Systems, die aufgrund des wachsendem Konkurrenz- und Preisdrucks schrumpfende Margen hinnehmen mussten. Das führte bei Vestas dazu, dass die Dänen die ersten neun Monate 2012 mit deutlich höherem Verlust vor Zinsen und Steuern (EBIT) als im Vorjahreszeitraum abgeschlossen haben. Allein im dritten Quartals stieg ihr EBIT-Verlust von 92 auf 140 Millionen Euro an. Als Reaktion auf die weiter verschlechterte Marktlage kündigte Vestas-CEO Ditlev Engel an, das begonnene Sparprogramm weiter zu verschärfen und die Entlassung von insgesamt 6.700 Mitarbeitern an. Viele Experten äußerten Zweifel, ob es dem Windturbinenbauer aus Randers gelingt, das Geschäftsjahr wie angekündigt mit einem leichten Plus abzuschließen. Denn der Auftragseingang ist seit dem ersten Quartal rückläufig. Auch die Börsianer zeigen sich skeptisch. Die Vestas-Aktie verlor im Jahresverlauf 45 Prozent an Wert.

Mit einem Wertverlust von 41 Prozent hat auch die Aktie der spanische Gamesa Corp. Tecnologia aus Zamudio die Anleger enttäuscht. Das Unternehmen hat in den ersten neun Monaten 2012 einen Nettoverlust in Höhe von 49 Millionen Euro erwirtschaftet. Der operative Verlust (EBIT) belief sich auf fünf Millionen Euro, wobei Restrukturierungskosten in Höhe von 18 Millionen Euro nicht eingerechnet sind. Im Vorjahreszeitraum war beim EBIT noch ein Gewinn von 83 Millionen Euro erreicht worden. Auch die Spanier erklärten die Verluste vor allem mit dem starken Preisdruck infolge von Überkapazitäten im Markt für Windkraftanlagen und kündigten einen harten Sparkurs an. Unter anderem will die Unternehmensspitze die Belegschaft um 20 Prozent reduzieren.

Bildhinweis: Windpark mit Anlagen von Gamesa. Der spanische Windturbinenbauer leidet unter anderem unter dem Einbruch des heimischen Windmarktes. / Quelle: Unternehmen


Chinesische Windradhersteller konzentrieren sich bislang vor allem auf den Heimatmarkt, in dem ausländische Konkurrenz aufgrund vieler staatlicher Hindernisse nur sehr eingeschränkt zum Zug kommt. Dennoch leiden auch hier die großen börsennotierten Hersteller wie Sinovel oder Ming Yang Wind Power über Überkapazitäten im Markt. Ihre Aktien verloren in 2012 jeweils rund 30 Prozent an Wert. Sinovel meldete für die ersten neun Monate einen Rückgang des operativen Gewinns um 57 Prozent, im dritten Quartal war er gar um 82 Prozent eingebrochen. Bei der China Ming Yang Wind Power Group aus der Provinz Guangdong gingen Umsatz und Ergebnis ebenfalls stark zurück.

Dagegen gelang es dem Hamburger Windradhersteller Nordex SE, für die ersten neun Monate 2012 schwarze Zahlen zu schreiben. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) der ersten drei Quartal 2012 erreichte 2,3 Millionen Euro. Allerdings war es im Vorjahreszeitraum mit elf Millionen Euro noch beinahe fünf Mal so hoch ausgefallen. Auch beliefen sich die fest finanzierten Aufträge für Nordex Ende September nur auf 640 Millionen Euro, zehn Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Insgesamt lag der Auftragsbestand mit 735,1 Millionen Euro aber um 43 Prozent über dem Vorjahresvolumen. Diese Perspektive und die Ankündigung einer leicht positiven EBIT-Marge im Gesamtjahr bremste den Wertverlust der Nordex-Aktie. Er fiel 2012 mit rund 23 Prozent deutlich geringer aus als bei den übrigen börsennotierten Windturbinenbauern.

Auch Windkraftzulieferer unter Druck

Die Krise der Hersteller von Windrädern belastet auch die Geschäfte ihrer Zulieferer. Schließlich versuchen sie, den Preisdruck an diese weiterzugeben. Zoltek Companies aus St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ist ein wichtiger Lieferant von Karbonfibern für Windradrotoren. Doch in 2012 profitierte das Unternehmen stark vom Windkraftboom, der den US-Markt zumindest in der ersten Jahreshälfte prägte. Das Geschäftsjahr von Zoltek endete am 30. September. Bis dahin steigerte der Windkraftzulieferer den Gesamtjahresumsatz im Vergleich zu 2011 um 22,8 Prozent auf 186,3 Millionen Dollar. Und nach 3,6 Millionen Dollar Nettoverlust im Vorjahr erwirtschaftete Zoltek 22,8 Millionen Dollar Nettogewinn. Sowohl in Sachen Umsatz als auch Gewinn handele es sich um das bislang beste Gesamtjahresergebnis der Unternehmensgeschichte. Allerdings bahnte sich im vierten Quartal 2012 eine neue Schwächeperiode an. Hier blieb der Nettogewinn mit 4,2 Millionen Dollar um 300.000 Dollar unter dem Vorjahresniveau. Die Furcht der Windturbinenbauer vor einem Nachfrageinbruch in den USA in 2013 schlug sich hier bereits belastend nieder. Das drückt auch auf die Aktie, deren Kurs daher zum Jahresende um rund vier Prozent niedriger notierte als zum Jahresbeginn.

Weitaus schwächer entwickelte sich der Anteilsschein des ebenfalls US-amerikanischen Windkraftzulieferers American Superconductor (AMSC). Er gab 2012 um rund 33 Prozent nach. Das Unternehmen aus Devens im US-Bundesstaat Massachusetts litt weiter darunter, mit der chinesischen Sinovel ihre lange Zeit wichtigste Kundin verloren zu haben. Mit ihr streitet sie seit 2010 vor Gericht über ausstehende Rechnungen für geleistete Lieferungen von Elektronikkomponenten und Know how für Windräder sowie über den Diebstahl geistigen Eigentums. AMSC sieht sich um mehrere Hundert Millionen Dollar geschädigt und hat seither acht Mal in Folge ein Quartal mit Verlusten abgeschlossen. Die Unternehmensführung geht davon aus, dass die flüssigen Mittel zum Jahresende 2012 auf 48 Millionen Dollar schrumpfen werden. Sie versuchte, mit starken Stellenkürzungen die Kosten zu senken, bemühte sich aber bislang vergeblich, den Ausfall der chinesischen Großkundin durch neue Aufträge aufzufangen.

Windkraftprojektierer wecken Kursfantasien

Gegen diesen Negativtrend haben die Aktien deutscher Windkraftprojektier in 2012 deutlich an Wert gewonnen. Der Anteilsschein der Energiekontor AG aus Bremen verteuerte sich im Jahresverlauf um rund zwölf Prozent. Sie erlangte unter anderem mit der im April veröffentlichten starken Bilanz für das Geschäftsjahr 2011 das Vertrauen der Börsianer. Demnach hat Energiekontor den Umsatz mit 63,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr (2010: 32,1 Millionen Euro) fast verdoppelt. Das EBIT belief sich im abgelaufenen Geschäftsjahr 2011 auf 20,4 Millionen Euro nach rund 5,3 Millionen Euro im Jahr zuvor. Zu dem positiven Ergebnisverlauf trug unter anderem der Verkauf der Projektrechte an dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund bei. Dass die Anteilseigner eine Dividende für 2011 in Höhe von 0,30 Euro je Aktie erhielten, dürfte das Interesse an der Energiekontor-Aktie weiter gestärkt haben. Im ersten Halbjahr 2012 gelang es der Energiekontor AG dann, das EBIT gegenüber dem Vorjahreszeitraum auf 3,4 Millionen Euro mehr als zu verdoppeln, während der Halbjahresumsatz von 16,8 auf 19,1 Millionen Euro anstieg. Auch für das Gesamtjahr geht der Energiekontor-Vorstand von einer „positiven Entwicklung“ aus.

Bildhinweis: Aufbau einer Offshore-Windkraftanlage. / Quelle: REpower


Windkraftprojektierer wie Energiekontor profitieren vom Preisverfall bei Windkraftanlagen und von stabilen Windstromtarifen, wie sie Deutschland und viele andere europäische Staaten bieten. Hinzu kommen Aussichten auf Geschäfte mit der Offshore-Windkraft, die allerdings mit großen Unsicherheiten behaftet ist. Bislang hängt hier der Zubau weit hinter den Erwartungen insbesondere der deutschen Politik zurück. Die Energiekontor AG aber hat ihre Projektrechte an dem Offshore-Windpark Borkum Riffgrund West verkaufen und hohe Gewinne verbuchen können.

Die PNE Wind AG aus Cuxhaven blickt ebenfalls auf ein erfolgreiches Kalenderjahr 2012 zurück. Wie Energiekontor ist die PNE Wind lange am Markt und in der Lage, Windparks effizient umzusetzen. Beide verfügen über gute Netzwerke, was unter anderem den Umgang mit den Behörden erleichtert, die Projekte genehmigen. Doch erst das Offshore-Geschäft weckt bei den Börsianern Fantasien stark steigender Aktienkurse. Dies wirkte sich in 2012 insbesondere auf die Aktie der PNE Wind belebend aus. Ihr Verkauf der Offshore-Projekte "Gode Wind" I bis III an DONG Energy im dritten Quartal 2012 sowie die Zahlung einer ersten Rate für die Anteile an den Projektgesellschaften "Gode Wind" I und II von Dong Energy führten nicht nur zu einer guten Ertragslage des Unternehmens. Der Windkraftprojektierer konnte auch für die kommenden zwei bis drei Jahre weitere solcher Zahlungen im Gesamtwert rund 100 Millionen Euro in Aussicht stellen. Das beflügelte die Aktie, die im Jahresverlauf satte 28 Prozent zulegte. PNE Wind erzielte in den ersten drei Quartalen 2012 deutlich mehr als doppelt so viel Umsatz als im Vorjahreszeitraum 2011. Er klettere von 33,1 Millionen auf 80,9 Millionen Euro. Zugleich gelang dem Windkraftprojektierer die Rückkehr in die Gewinnzone. Das EBIT sprang auf 24,9 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum hatte 700.000 Euro EBIT-Verlust zu Buche geschlagen.
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