04.01.11 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Jahresrückblick Windaktien: schwächelnder US-Markt belastete Absatz der Windturbinenbauer



Dieser Rückgang ist vor allem eine Folge des Markteinbruchs in den Vereinigten Staaten, von der Gesamtleistung her bislang der weltweit größte Windmarkt. Dort wirkten sich 2010 zum einen  immer noch die Folge der Finanzkrise belastend aus, weshalb viele Investoren weiter Schwierigkeiten haben, Windparks zu finanzieren. Zum anderen hat sich das Marktumfeld in den USA für Windkraftprojekte deutlich verschlechtert. Angesichts der geringen Preise für herkömmliche erzeugte Energie, insbesondere aus Gaskraftwerken, ist die Attraktivität von Windparks für Investoren deutlich gesunken. Zudem führte der Machtzuwachs der Republikaner zu einem verstärkt negativen politischen Umfeld für Grünstromprojekte in den Vereinigten Staaten. Das hat ebenfalls die Bereitschaft verringert, etwa in Windparks zu investieren und dafür Windräder zu bestellen. Der Ausbau der US-Kapazitäten könnte nach Schätzungen von Bloomberg New Energy Finance im Gesamtjahr 2010 um fast 40 Prozent unter dem Vorjahreswert liegen.

Laut dem US-Windkraftverband, der American Wind Energy Association (AWEA), war nach den ersten neun Monaten 2010 erst eine neue Gesamtkapazität von 1,6 GW errichtet worden. Zwar wird die meiste neue Windkraftleistung immer erst im letzten Quartal eines Jahres aufgestellt. Doch der Wert für die ersten neun Monate lag fast drei Viertel unter dem des Vorjahres, erreichte nur die Hälfte des Zubaus in Europa und lediglich ein Drittel des Wachstums in China. Das zeigt die diesjährige Schwäche des US-amerikanischen Windmarktes. Er konnte 2010 deutlich weniger neu produzierte Windkraftanlagen aufnehmen als erwartet.

Windkraftanlagenhersteller rangen mit Absatzproblemen

Unter dieser Schwäche litten alle westlichen Hersteller von Windkraftanlagen. Allerdings hatte die deutsche Nordex AG besonders große Hoffnungen auf den US-Markt gesetzt und dort stark in die Produktion vor Ort investiert. Diese Hoffnungen wurden trotz etlicher Aufträge aus den Vereinigten Staaten insgesamt enttäuscht. Bezogen auf die ersten drei Quartale 2010 schrumpften die Erlöse von 814 Millionen auf 614,2 Millionen Euro. Für das Geschäftsjahr 2010 geht der Nordex-Vorstand entgegen seiner bisherigen Prognose nicht mehr von einer leichten Umsatzsteigerung aus. Vielmehr erwartet er einen Umsatzrückgang gegenüber den 1,183 Milliarden Euro im Vorjahr auf rund eine Milliarde Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) für Januar bis September verringerte sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 21,9 Millionen Euro auf 17,3 Millionen Euro. Nordex kündigte immerhin an, das Gesamtjahr profitabel abzuschließen. Die EBIT-Marge soll von 3,5 auf 4 Prozent klettern, Effekte des Kostensenkungsprogramms die Schwächen bei der Auslastung ausgleichen. Die Börsianer verloren den Glauben an eine schnelle Erholung, im Jahresverlauf verlor die Nordex-Aktie in Frankfurt rund 45 Prozent an Wert.


Dagegen hat sich dagegen die Aktie der ebenfalls in Hamburg ansässigen REpower Systems AG im vergangenen Jahr stabil entwickelt. Sie notierte zum Jahresende nahezu auf dem Niveau des letzten Handelstages in 2009. Der Umsatz von REpower entwickelte sich bis Ende September ebenfalls rückläufig, in den ersten sechs Monaten des bis März 2011 reichenden Geschäftsjahres fiel er im Vorjahresvergleich um 18,2 Prozent auf 499 Millionen Euro. Das Betriebsergebnis (EBIT) konnte REpower aber dennoch steigern, um 9,6 Prozent auf 34,3 Millionen Euro. Zudem lag der Auftragsbestand Ende September mit 2,6 Milliarden Euro um mehr als 60 Prozent über dem Vorjahreswert. Allerdings liefen die Geschäfte für REpower im vierten Quartal dann schlechter als erwartet. Kurz vor Weihnachten kappte das Unternehmen seine Prognose für das laufende Geschäftsjahr. Die Erwartung für die Gesamtleistung wurde von 1,5 bis 1,6 Milliarden auf 1,25 bis 1,35 Milliarden Euro reduziert und nur noch eine Marge von 5 bis 7 Prozent in Aussicht gestellt. Aufgrund fehlender Zusagen für Finanzierungen sei es zunehmend zu Projektverschiebungen gekommen, hieß es zur Begründung. Um die Kosten zu verringern kündigte REpower an, fortan in Indien und China Komponenten einzukaufen und ab 2011 Windenergieanlagen in Asien zu produzieren. Die dort gefertigten Turbinen sollen nach Australien, Neuseeland und in die USA verkauft werden.


Auch die dänische Vestas Wind Systems, Marktführer unter den Windturbinebauern weltweit, kündigte in der zweiten Jahreshälfte ein Kosteneinsparungsprogramm an. Das Unternehmen ringt ebenfalls mit dem Preisdruck, der vor allem aus der Abnahmeschwäche des US-Marktes entstand. Dabei verkaufte Vestas auch 2010 ihre Windkraftanlagen in so viele Länder wie kein anderer Anbieter, profitierte etwa von der zunehmenden Nachfrage aus aufstrebenden Windmärkten wie Indien oder Lateinamerika. Dennoch verzeichnete das Unternehmen aus Randers nach den ersten neun Monaten einen Verlust in Höhe von 59 Millionen Euro. Mit 3,4 Milliarden Euro lag der Umsatz Ende September um 646 Millionen Euro unter dem Wert des Vorjahres. Für 2010 prognostizierte Vestas zwar im November einen Umsatzanstieg auf 6,8 Milliarden und ein EBIT zwischen 140 und 160 Millionen Euro. Doch hierbei profitiert das Unternehmen von einer Umstellung der Bilanzierung, durch die der Jahresumsatz um 800 Millionen Euro höher ausfällt. Die Aktie von Vestas verbilligte sich im Jahresverlauf um rund 43 Prozent.


Noch stärker wurde der spanische Windturbinenbauer Gamesa an der Börse abgestraft. Dessen Anteilsschein verlor 2010 in Franfurt um die Hälfte an Wert. Das Unternehmen aus dem Baskenland litt nicht nur unter dem schwachen Markt in Nordamerika, den es durch ein verstärktes Engagement in Lateinamerika auszugleichen versucht. Hinzu kam 2010 die Schwäche des Heimatmarktes Spanien. Die Wirtschaftskrise des Landes bremst auch den Ausbau der Windkraft und Gamesa erwirtschaftete in den vergangenen Jahren immer einen Großteil des Umsatzes im Heimatmarkt. Gamesa steigerte stattdessen den Absatz in Asien besonders stark. Dort aber sind die einheimische Konkurrenz und der Preisdruck besonders groß. Von Januar bis September schrumpfte der Umsatz der Spanier im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 28 Prozent auf 1,786 Milliarden Euro. Das EBIT brach um 46 Prozent auf 75 Millionen Euro ein, der Nettogewinn gar um 71 Prozent auf 25 Millionen Euro. Dabei wurden nach Unternehmensangaben noch rund 100 Millionen Euro durch Kostenreduzierungen eingespart.


Somit konnte Gamesa kaum vom Windboom in China profitieren, das die USA nun wohl als weltweit größten Windmarkt abgelöst hat. Bloomberg New Energy Finance prognostiziert für China in 2010 einen Zubau von 18.000 MW oder 14 GW und damit ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 29 Prozent. Das bedeute, dass 2010 voraussichtlich fast jede zweite neue Windkraftanlage weltweit in China errichtet wurde. Dort unterstützt die Zentralregierung in Peking mit einer Fülle von Maßnahmen den Ausbau der Windkraftleistung und beschränkt zugleich die Entfaltungsmöglichkeiten westlicher Hersteller. Zudem wetteifern die Provinzregierungen um die stärksten Zubauraten. Binnen weniger Jahre ist eine florierende einheimische Windkraftbranche entstanden, gleich mehrere einheimische Hersteller rangieren mittlerweile unter den zehn größten Windturbinenbauern weltweit.

Harter Winter bremste die deutsche Windkraft

Unterdessen ist Deutschland mit einer installierten Gesamtleistung von über 26 GW (Stand: 30.6.2010) weiterhin der größte Windmarkt in Europa. Laut der Zahlen des Deutschen Windenergie Instituts (DEWI) für das erste Halbjahr verlief der Zubau der deutschen Windkraftleistung aber langsamer als in 2009. Mit rund 660 MW waren zur Jahresmitte etwa zehn Prozent weniger neue Kapazität in Deutschland errichtet worden als im Vorjahr. Hier wirkte sich der harte Winter belastend aus, gefrorene Böden und schlechte Straßenverhältnisse behinderten die Umsetzung von Windkraftprojekten. Es ist eher fraglich, ob es in der zweiten Jahreshälfte gelang, diese Rückstände aufzuholen. Auch bei der deutschen Offshore-Windkraft, also der Windenergieerzeugung auf See, kam es 2010 zu Verzögerungen. Allerdings sind im Frühjahr 2010 vor den ostfriesischen Inseln circa 45 km vor Borkum auf dem Testfeld Alpha Ventus die ersten Offshore-Anlagen offiziell in Betrieb genommen worden.

Im Offshore-Geschäft engagieren sich auch die beiden börsennotierten Windkraftprojektierer PNE Wind und Energiekontor AG. Der Bremer Energiekontor AG feierte in 2010 ihr 20-jähriges Jubiläum und zählt damit zu den Windkraftpionieren der ersten Stunde. Die Energiekontor Gruppe hat bislang 74 Windparks mit über 450 Anlagen und einer Gesamtleistung von rund 500 MW errichtet. Die Investitionssumme, die dahinter steht, beträgt insgesamt mehr als 720 Millionen Euro. Der Schwerpunkt der Aktivitäten von Energiekontor liegt auf dem deutschen Markt. Es wurden aber auch etliche Projekte im europäischen Ausland umgesetzt, 2010 in Großbritannien weitere vorangetrieben. In den nächsten Jahren plant die Energiekontor nach eigenen Angaben das Repowering vorhandener Windparks und die Realisierung neuer Windparkflächen in einer Größenordnung von rund 300 MW. 2010 hat Energiekontor Windkraftprojekte mit zusammen 18 MW in Betrieb genommen, für rund 100 MW wurden Standorte gesichert.


Das Unternehmen trieb im vergangenen Jahr seine beiden Offshore-Projekte (an den Nordsee-Standorten Nordergründe und Borkum Riffgrund West voran. Am Standort Borkum Riffgrund West sollen 80 Windkraftanlagen ab dem Jahr 2013aufgestellt werden. Im Juli 2010 wurde mit Areva Wind eine Absichtserklärung für die Lieferung von 40 Windkraftanlagen sowie eine Option auf die Lieferung weiterer 40 Anlagen unterzeichnet.


Mit dem Bau des Offshore-Windparks Nordergründe mit insgesamt 18 Windrädern in der Deutschen Bucht konnte Energiekontor entgegen den Planungen 2010 noch nicht beginnen. Zwar wurde das Klageverfahren der Inselgemeinde Wangerooge gegen das Projekt im September endgültig zugunsten des Windprojektierers abgeschlossen. Der Rechtsstreit mit dem BUND Landesverbandes Niedersachsen über den so genannten Naturausgleich für den küstennahen Windpark zog sich dagegen über das ganze Jahr hin. Weil die Vergleichsverhandlungen andauerten, erklärte Energiekontor im Dezember, dass dieser Offshore-Windpark frühestens im Jahr 2012 gebaut werde. Die Auswirkungen auf das Geschäftsjahr sind noch offen. Im November rechnete der Vorstand noch mit einem gegenüber dem Vorjahr verbesserten Jahresergebnis und betonte die guten Aussichten auf einen „insgesamt positiven Geschäftsverlauf“. An der Frankfurter Börse wird die nahe Zukunft des Unternehmens zuversichtlich eingeschätzt. Dort gewann die Aktie der Energiekontor 2010 ein Drittel an Wert.


Dagegen ist der Aktienkurs der PNE Wind AG im Jahresverlauf um 15 Prozent gesunken. Der Grünstromprojektierer aus Cuxhaven hatte über die ersten neun Monate einen Umsatzeinbruch von 102,6 auf 56,1 Millionen Euro erlitten. Das unverwässerten Ergebnis je Aktie wurde von 0,03 Euro nach 0,09 Euro verbessert, was aber bei den Börsianern offenbar keinen Eindruck machte. Das mag mit dem großen Anteil der Offshore-Aktivitäten am Gesamtgeschäft der PNE Wind zu begründen sein und dem dadurch erhöhten Risiko von Projektverschiebungen. Schließlich haben bislang sämtliche deutschen Offshore-Projekte ihre ursprünglichen Zeitpläne verfehlt, meist sehr deutlich. Im Geschäft mit Windparks an Land verbuchte das Unternehmen 2010 mehrere Erfolge. So wurden vier Projekte an den Energiekonzern ENBW übergeben. Darüber hinaus wurde nur mit dem Bau eines weiteren Projektes begonnen.


Neben der Geschäftstätigkeit im deutschen Heimatmarkt expandiert die PNE Wind in ausländische Wachstumsmärkte und ist über Joint Ventures und Tochtergesellschaften etwa in Ungarn, Bulgarien, Türkei, Großbritannien, Rumänien, USA und Kanada vertreten. Insgesamt bearbeitet das Unternehmen nach eigenen Angaben gegenwärtig Windpark-Projekte an Land mit einer Nennleistung von über 4.200 MW, davon mehr als 800 MW in Deutschland. Ob und wann sie ans Netz gehen, ist jedoch offen. Seit seiner Gründung in 1997 hat die PNE Wind Projekte mit.
Bildnachweise: Windkraftanlagen der Nordex, von Vestas Wind Syatems und der PNE Wind AG. / Quelle: jeweils Unternehmen
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