03.09.08

Jetzt einsteigen? - Das DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikat

Holz braucht die Welt: Nach Angaben der UN-Welternährungsorganisation FAO hat sich der Weltholzverbrauch seit 1960 mehr als verdreifacht, er dürfte bis 2050 noch um rund 50 Prozent zunehmen. Insbesondere der zunehmende Holzbedarf für Wohnen und Heizen in bevölkerungsreichen Schwellenländern wie China und Indien treibt den Nachfrageboom. Zugleich schreitet der Abbau von Waldflächen weiter voran. Angebot und Nachfrage klaffen folglich immer weiter auseinander.

All diese Faktoren sprechen dafür, dass sich das Investment in Holzwirtschaft lohnen kann. Jedoch sind die Möglichkeiten, in Holz (engl. „timber“) zu investieren, vielfältig und die Auswahl der aussichtsreichsten börsennotierten Unternehmen aus dieser Branche für den Laien schwierig. Eine Möglichkeit ist es daher, auf eine Auswahl von Holzaktien zu setzen und so das Anlagerisiko zu streuen.

Der Ansatz
Das DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikat bietet die Beteiligung an der Wertentwicklung von insgesamt elf Aktien aus der Holzwirtschaft an. Die  Deutsche Bank-Tochter DWS hatte das Wertpapier im Oktober 2007 zum Emissionspreis von 50 Euro auf den Markt gebracht. Es hat eine unbegrenzte Laufzeit und wird an den Börsen Frankfurt und Stuttgart gehandelt. Zum Zeitpunkt der Emission enthielt der DWS GO Global Forest and Timber TR Index, auf dem das Zertifikat basiert, noch 14 Titel. Wie Andreas Kuhn, Produktspezialist der DWS, gegenüber ECOreporter.de erläuterte, kommen für das Zertifikat lediglich etwa zwei Dutzend Holzaktien in Frage. Daher habe man den Index zurechtgestutzt.

Aus der ursprünglichen Auswahl heraus gefallen sind die brasilianische Aracruz Cellulose Brasilien, die kanadische West Fraser Timber, Gunns Ltd. aus Australien und die in Spanien und den USA aktive Ence Grupo Empresarial. Neu aufgenommen wurde seit der Emission die schwedische SCA - Svenska Cellulosa AB. Neben dieser enthält der Index folgende Werte:

•    Plum Creek Timber Co.
•    Timberwest Timber Trust
•    Potlatch Corp.
•    Rayonier Inc.
•    Sino-Forest Corporation
•    Holmen AB - B Shares
•    Weyerhaeuser Corp.
•    Deltic Timber
•    SCA - Svenska Cellulosa AB - B Shares
•    Timbercorp Limited
•    Great Southern Limited

Diese Unternehmen kommen aus Europa, Nordamerika, Australien und Asien. Dabei ist etwa Sino-Forest zwar ein kanadisches Unternehmen, es betreibt aber ausschließlich Holzplantagen in China. Die Firmenzentrale befindet sich in Hong Kong. Sino-Forest hat im Süden und Nordosten von China im großen Umfang Wälder erworben oder langfristig gepachtet. Das Unternehmen ist binnen weniger Jahre zum größten ausländischen Holzproduzenten Chinas aufgestiegen und gehört dort zu den führenden Anbietern von Holzfasern. Wir habe es im vergangenen Sommer ausführlich vorgestellt, per Mausklick gelangen Sie zu dem Bericht.
Von der Gewichtung her wird der Index von keinem der ausgewählten Titel dominiert. Laut dem letzten Monatsbericht der DWS für den DWS GO Global Forest and Timber TR Index trägt Plum Creek Timber mit 16 Prozent am stärksten zur Wertentwicklung bei. Das Unternehmen mit Firmensitz in Seattle ist der größte private Landeigentümer in den Vereinigten Staaten.

Auswahlkriterien
Im Gespräch mit ECOreporter.de wies Andreas Kuhn darauf hin, dass für den Index nur Wertpapiere von Unternehmen in Frage kommen, die wichtige Akteure in der Forstwirtschaft und in der Holzindustrie sind. Der Fokus liegt auf Unternehmen mit Waldbesitz. Sie müssen eine Marktkapitalisierung von mindestens 100 Millionen US-Dollar aufweisen. Laut Kuhn erfolgt die qualitative Bewertung der Titel durch die DWS. Wie er ausführte, wird die Nachhaltigkeit der Unternehmen nicht überprüft.


Kosten
Die jährliche Managementgebühr für das DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikat beträgt 1,65 Prozent. Das Kapital wird nach Angaben von Kuhn zu 100 Prozent in den Aktienkorb mit den Titeln aus dem Index investiert.

Transparenz
Im Internet informiert die DWS frei verfügbar in monatlichen Berichten über die Entwicklung des Zertifikats.
Innovation
Bei diesem Produkt handelt es sich um ein standardisiertes Index-Zertifikat. Die Dividenden der Unternehmen werden unter Abzug der anfallenden Steuern und Kosten reinvestiert (dafür steht auch das TR=Total Return im Namen des Index). Das stärkt die Performance.

Ökologische Wirkung
Die Holzbranche steht seit Jahren in der Kritik von Naturschützern und anderen Nicht-Regierungsorganisationen. Zum Beispiel soll die australische Gunns laut der niederländischen "Milieudefensie Amstelveen" an der Zerstörung der tasmanischen "Old-Growth Forrests" beteiligt sein. Uralte Wälder würden zu Holzschnitzel verarbeitet. Über die brasilianische Aracruz ist zu erfahren, dass indigene Bevölkerungsgruppen immer wieder mit ihr in Auseinandersetzungen um Landeigentumsrechte geraten. Beide Unternehmen waren zu Beginn im Index enthalten. Sie sind zwar inzwischen daraus entfernt worden, aber nicht aufgrund von Nachhaltigkeitsproblemen. Vielmehr genügten sie nicht mehr den quantitativen Kriterien. Nur wenn ausschließlich Aktien von Unternehmen Aufnahme in den Index fänden, die etwa Zertifikate für nachhaltige Holzwirtschaft wie das FSC-Siegel besitzen, könnte das Zertifikat eine ökologische Wirkung beanspruchen. Dies ist jedoch nicht der Fall.

Chancen/Risiken
Investments in Holzwirtschaft werden von Experten zur Beimischung für Anlegerportfolios auch mit dem Argument empfohlen, dass deren Wertentwicklung unabhängig von der der Aktien- und Anleihenmärkte sei. Dennoch hat sich die Performance des DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikats seit dem Start im Oktober 2007 ähnlich negativ entwickelt wie die großen Aktienindices, die infolge der Immobilienkrise in den USA und der Erschütterung der Finanzmärkte starke Einbußen erlitten haben. Auch andere Holzzertifikate zeigten eine vergleichbare Performance.

Das Holzzertifikat der DWS hat sich von der Emission bis zum Sommer 2008 von 50 auf unter 40 Euro verbilligt. Erst seit Mitte Juli ist wieder ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Gestern ging das Wertpapier mit einem Geldkurs von 43,19 Euro und einem Briefkurs von 43,60 Euro aus dem Handel. Der Spread betrug knapp 1 Prozent. Hinzu kommt das Währungsrisiko, denn der Index notiert in Dollar.

Diesen Risiken stehen die grundsätzlich sehr guten wirtschaftlichen Aussichten der Holzbranche gegenüber. Langfristig ist für die im Index enthaltenen Aktien mit Wertsteigerungen zu rechnen, da die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage weiter zunehmen und sich damit deren Gewinnsituation weiter verbessern dürfte.

Fazit
Aus rein wirtschaftlicher Perspektive erscheint die Gelegenheit zum Einstieg in das DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikat günstig. Vieles spricht für einen Wertzuwachs auf lange Sicht. Dieser könnte aber durch das Währungsrisiko getrübt werden. Negativ ist der Verzicht auf Nachhaltigkeitskriterien zu bewerten. Zu gravierend sind in dieser Branche die sozialen Nachhaltigkeitsaspekte wie etwa Menschenrechte und faire Entlohnung der Mitarbeiter und die ökologischen Risiken. Als nachhaltiges Investment können wir daher dieses Holzzertifikat nicht empfehlen.

DWS GO Global Forest and Timber TR Index Zertifikat
WKN: DWS0H4
ISIN: DE000DWS0H49
Laufzeit: unbegrenzt
Börsennotiz: Frankfurt, Stuttgart

Sicherheitshinweis für das Investment in Zertifikate
Zertifikate sind Inhaberschuldverschreibungen der Bank, die das Wertpapier emittiert. Das bedeutet, dass der Anleger sein eingesetztes Kapital verliert, sollte die Emittentin in Konkurs gehen. Das unterscheidet Zertifikate etwa von Fonds. Diese sind Sondervermögen der Banken und werden nur von ihnen verwaltet. Auch bei einer Insolvenz bleiben die Fondsanteile Eigentum der Anleger.
Daher ist die Bonität der Emittentin ein wichtiger Faktor beim Kauf eines Zertifikats. So sollten Anleger solche Wertpapiere nicht nur von einer einzigen Bank erwerben, sondern das Risiko streuen. Wie schnell aus dem potentiellen ein reales Risiko werden kann, zeigte im Frühjahr 2008 der Fall der US-amerikanischen Großbank Bear Stearns. Das traditionsreiche Unternehmen geriet im Zuge der Finanzkrise in den USA binnen kurzer Zeit in wirtschaftliche Not und setzte den Handel seiner Zertifikate vorübergehend aus. Nur mit Not konnte die Bank die Pleite abwenden.
Ein weiterer Schwachpunkt von Zertifikaten ist die Preisbildung. Der Preis orientiert sich hier nicht unbedingt am Basiswert, zum Beispiel dem zu Grunde liegenden Index. Vielmehr ist die Bonität der Emittentin für die Wertbestimmung der Papiere im Markt mitentscheidend. Wenn die emittierende Bank ins Trudeln gerät, stellt sie keine Preise mehr. Die Anleger können dann ihre Zertifikate nicht verkaufen, selbst dann nicht, wenn die Papiere über Börsen handelbar sind.


Bildhinweis: Nachhaltige Holzwirtschaft in Brasilien. / Quelle: Precious Woods AG
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