Während die Waldbestände der beiden Nordcapital-Fonds weiter wachsen, stockt der Zahlungsfluss an die Investoren. / Quelle: Fotolia

13.10.15 Anleihen / AIF

Kampf mit Behörden hält Waldfonds-Anleger von Nordcapital in der Warteschleife

Zum Teil seit mehreren Jahren  warten  die Anleger zweier  Waldfonds des Hamburger Emissionshauses Nordcapital auf Ausschüttungen. Ob die Fonds ihre ursprünglichen Prognosen erreichen, ist deshalb fraglich.  ECOreporter.de hörte nach, wo die Probleme der Fonds liegen und ob die Anleger in nächster Zeit auf Zahlungen hoffen können.

Nordcapital hat 2008 und 2009 zwei Waldfonds aufgelegt. Während der „Waldfonds 1“ noch bis 2020 läuft, endet die Laufzeit des „Waldfonds 2“ Ende 2021. Beide Fonds investieren in Mischwaldbestände in Rumänien. Diese bestehen unter anderem aus Buchen, Fichten und Tannen. Beide Fonds sind reine Eigenkapitalfonds. Das heißt, dass Nordcapital keine Bankkredite aufnahm, sondern bei den Investitionen des Fonds ausschließlich auf Anlegerkapital setzte. In beiden Fällen hat das Emissionshaus Nordcapital auch selbst  investiert, einmal 500.000 Euro (Waldfonds 1), einmal 300.000 Euro (Waldfonds 2).  Gegenüber den  Anlegern konnten beide Fonds bisher nicht halten, was in den Renditeprognosen zum Start vin Aussicht gestellt wurde. Grund dafür seien in erster Linie Schwierigkeiten mit den Behörden, erfuhr ECOreporter.de auf Nachfrage.

Rumänien ein schwieriges Pflaster für Waldinvestments?

Am Waldfonds 1 sind  Nordcapital zufolge 2.799 Anleger beteiligt, die 59,7 Millionen Euro angelegt haben. Das Geld floss in neun  rumänische Forstbestände mit zusammen 11.631 Hektar Fläche. Ab 2010 sollten die Anleger laut Prospekt fortlaufend „zwischen 4 und 6 Prozent“ als jährliche Ausschüttung erhalten. Dieses Ziel erreichte der Fonds bisher nur einmal: Für 2010 erhielten die Investoren 5,0 Prozent. Für das Folgejahr 2011 schüttete der Fonds noch 2,5 Prozent aus. Für die Jahre 2012, 2013 und 2014 erhielten die Investoren kein Geld.  „Die lokalen Rahmenbedingungen gestalten sich schwieriger als ursprünglich erwartet“, erklärt eine Sprecherin von Nordcapital dazu gegenüber ECOreporter.de. Der Fonds habe seine Forstflächen nicht wie gewünscht bewirtschaften können und dadurch die Bewirtschaftungsprognosen verfehlt. „Behördliche Restriktionen und erhebliche Barrieren bei Genehmigungen“  hätten Infrastrukturmaßnahmen erschwert und obendrein zusätzliche Kosten für die „notwendige umfangreiche Rechtsberatung in diesem jungen Rechtsstaat“ verursacht, so die Unternehmenssprecherin. „Diese Umstände gelten für alle forstwirtschaftlichen Investoren in Rumänien, nicht nur für die Waldfonds von Nordcapital.  

Immerhin sollen die Anleger des Waldfonds 1  für 2015  eine Ausschüttung erhalten. Wie hoch diese ausfallen wird, ist jedoch noch unklar: Das könne „naturgemäß erst zum Jahresende 2015 benannt werden“, sagt die Sprecherin des  Emissionshauses. Trotz der Ausfälle gibt sich Nordcapital für den weiteren Geschäftsverlauf des Waldfonds 1 optimistisch:  Das Fondsmanagement sei mit der Unterstützung aller Partner vor Ort in Rumänien „auf einem guten Weg, die Herausforderungen zu meistern und die Investments zum Erfolg zu führen“, sagt die Unternehmenssprecherin.

Waldverkauf am Ende soll Renditeausfälle kompensieren

Der Waldfonds 1 soll frühestens 2020 auslaufen. Im Fondsprospekt von 2008 stellte Nordcapital für das Laufzeitende 2020 mindestens 180 Prozent als Gesamtausschüttung in Aussicht. Das heißt, die Anleger sollen zuzüglich zum  zurückerstatteten Kapital mindestens 80 Prozent Ertrag erhalten. Dabei nicht eingerechnet ist der Ausgabeaufschlag in Höhe von 5 Prozent, den die Investoren beim Einstieg entrichtet haben. Erreicht werden soll die Gesamtausschüttungsquote vor allem durch den Verkauf der neun Forstflächen des Fonds. „Der Verkaufserlös hat einen erheblichen Einfluss auf die zu erzielende Rendite“, erklärt die Sprecherin von Nordcapital. Beide Waldfonds von Nordcapital setzen ihr zufolge darauf, dass die ökologisch nachhaltige Bewirtschaftung und die Investitionen in die Infrastruktur - beispielsweise in Wegenetze - den Wert der Waldflächen steigern und die Gesamtausschüttungsprognosen damit nach wie vor erreichbar bleiben.

Kein Geld für 2014 und 2015: Anleger des Waldfonds 2 ebenfalls in der Warteschleife

Anders als der Waldfonds 1 hat der Waldfonds 2 seine Bewirtschaftungsprognosen bis einschließlich 2014 erreicht. Dennoch liegen die Ausschüttungen an die Anleger bis auf weiteres auf Eis. Weder für 2014 noch für 2015 werden die Anleger dieses Fonds eine Ausschüttung erhalten. Das erklärte Nordcapital auf unsere Nachfrage. Für 2013 hatte der Fonds noch 6,6 Prozent ausgeschüttet. Ursache für den Stopp der Ausschüttungen ist ein Rechtsstreit mit der rumänischen Forstbehörde (ECOreporter.de  berichtete). Der Fonds investiert in zwei Mischwaldflächen, die zusammen auf knapp 6.000 Hektar kommen. Der Streit könnte im ungünstigsten Fall dazu führen, dass die größere dieser Flächen (sie umfasst Nordcapital zufolge knapp 5053 Hektar) zurückgeben müsste. Grund dafür ist, dass einer der Vorbesitzer des strittigen Waldbestands unter Verdacht steht, beim Kauf Beamten bestochen und Urkunden gefälscht zu haben. Der Fonds hatte das Waldgrundstück über einen Makler von dem mittlerweile Angeklagten Geschäftsmann gekauft. Die Ermittlungen der rumänischen Staatsanwaltschaft hätten zwischenzeitlich bestätigt, dass der Waldfonds 2 selbst nicht in „klagegegenständliche Handlungen involviert“ gewesen sei. Die Ermittlungen konzentrierten sich Nordcapital zufolge alle auf die Zeit, bevor der Fonds das Grundstück kaufte.

Streit mit Forstbehörde um riesiges Waldgrundstück dauert an – Ausgang offen

Der Streit mit der Forstbehörde ist dennoch noch nicht beigelegt. Damit ist die mögliche Rückforderung des Waldgrundstücks ebenfalls nicht vom Tisch. Strittig bleibt, ob der Waldfonds 2 rechtmäßiger Besitzer des rund 5050 Hektar großen Waldstücks „Gura Thegli“ ist. Nordcapital sieht den Waldfonds 2 dabei nach wie vor als rechtmäßigen Besitzer. Der Fonds habe den Wald gutgläubig erworben. Diese Ansicht sieht das Emissionshaus durch ein Urteil in einem Referenzfall von Mai 2015 bestätigt und durch das rumänische Landwesengesetz gedeckt. Selbst wenn das Geschäft des Vorbesitzers der Waldfläche mit der Forstbehörde wegen Korruption und Urkundenfälschung annulliert würde, bleibe der Kauf  des Grundstücks durch den Waldfonds 2 davon laut Gesetz unangetastet, erklärt die Nordcapital-Sprecherin.
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