27.08.10 Erneuerbare Energie , Anleihen / AIF

Kappt Frankreich die Solarstromvergütung im Eiltempo?



Gerade nach den drastischen Kürzungen in Deutschland, Italien und Spanien galt Frankreich vor allem für Solarfondsinitiatoren und Anleger als einer der Zukunftsmärkte schlechthin: Das Land bietet sonnenreiche Regionen, einen im europäischen Vergleich großen Nachholbedarf an Erneuerbaren Energien und bis jetzt auch noch die europaweit mit Abstand attraktivsten Vergütungssätze für Strom aus Sonnenenergie. Kommt es so, wie die französische Ministerien für Wirtschaft und Umwelt jetzt in einer gemeinsamen Erklärung ankündigten, wird dem Boom auf dem seit 2009 sehr schnell wachsenden Markt bereits zum 1. September ein gehöriger Dämpfer versetzt.

Betroffen sind vor allem Großprojekte

Die drastische Kappung der regional gestaffelten Einspeisetarife, die die Ministerien per Erlass am 1. September einführen wollen, soll vor allem große gewerbliche Solarparks treffen. Kleinere Anlagen mit bis zu 30 Quadratmetern Fläche bleiben unangetastet. Den Ankündigungen zufolge würde die Vergütung für große Freiflächenphotovoltaikprojekte im Norden des Landes von knapp 38 Cent pro Kilowattstunde auf rund 33 Cent pro Kilowattstunde (kWh) sinken. Im Süden des Landes fiele der Einspeisepreis von knapp 31 auf rund 28 Cent pro kWh. Der Tarif für Solarparks in den Überseegebieten und auf Korsika würde von aktuell 40 auf rund 35 Cent pro kW/h reduziert.

Inkrafttreten soll die Neuregelung laut der Presseerklärung der Ministerien im vierten Quartal, also zum 1. Oktober. Zugleich kündigten die Ministerien an, das Tarifsystem in Zusammenarbeit mit verschiedenen Verbänden und Organisationen ab Herbst zu überarbeiten. Laut der Zeitung Le Figaro hieß es aus Regierungskreisen, man wolle Kosten sparen und Spekulationen vorbeugen. Das langfristige Ziel, den Gesamtenergieverbrauch des Landes im Jahr 2020 zu 23 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu speisen, sei nicht gefährdet. Die Tarife seien weiterhin komfortabel und die Entwicklung der Branche weit fortgeschritten, zitiert das Blatt Wirtschafts– und Finanzministerin Christine Lagarde. Bis Ende des laufenden  Jahres soll die in Frankreich installierte Photovoltaik-Leistung nach dem Willen des  Wirtschaftsministeriums bei 850 MW liegen. Zudem seien aktuell Anlagen mit insgesamt 3000 MW in Planung.

Bestandsschutz für Netzanschlussanwärter

Der geschlossene Solarfonds Leonidas IV mit Investitionsfokus Frankreich befindet sich derzeit mitten in der Zeichnungsphase. Die Initiatorin Leonidas Associates aus Eckental in Mittelfranken macht sich aber weder um die Renditeprognosen noch um die Anlagen im Portfolio sorgen. „Für Anlagen, deren Netzeinspeisung genehmigt wurden, existiert Bestandsschutz“, erklärt Leonidas-Associates-Geschäftsführer Max-Robert Hug auf Nachfrage von ECOreporter.de. Dies treffe auch auf alle Anlagen zu, die sich der Fonds bisher gesichert habe. Es gebe zudem noch genug weitere mit vollständigen Netzeinspeiseanträgen am Markt, so Hug weiter. Der gewährte Bestandsschutz gebe Rechtssicherheit und sei „ein Zeichen des fairen Umgangs mit allen Marktakteuren und Investoren.“

Kürzungen bisher  nur eine Absichtserklärung

Ein offizieller Gesetzentwurf, der über die Angaben in der Absichtserklärung hinausgeht, wurde noch nicht vorgestellt. Ob der französischen Regierung die Neuregelung  der Solarstromtarife im Eiltempo tatsächlich gelingt, ist auch aus Sicht von Leonidas noch offen. Es werde sich in den kommenden Wochen zeigen, welchen Einfluss die Solarlobby auf die Pläne noch werde nehmen können, so das Unternehmen.
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