16.06.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Kein Übernahmekandidat? - ECOreporter.de befragte Solon-Sprecherin zu Übernahmegerüchten und aussichtsreichen Solarmärkten

Nach der Übernahme der ersol Solar Energy AG durch den Bosch-Konzern rechnen Experten mit weiteren Übernahmen in der deutschen Solarbranche. Als heißer Kandidat gilt manchen etwa die Berliner Solon AG für Solartechnik. Wie ein Analyst gegenüber ECOreporter.de erklärte, wäre diese insbesondere aufgrund ihres starken Vertriebsarmes für größere Hersteller von Solarprodukten aus dem Ausland sehr attraktiv. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis für 2008 in Höhe von rund 18 sei die Aktie auch noch nicht zu teuer. Der Kurs von aktuell rund 53 Euro sei auch weit vom Rekordwert von rund 90 Euro entfernt, den die Solon-Aktie im vergangenen Herbst erreicht hatte.

Unternehmenssprecherin Therese Raatz sieht die Solon AG dagegen keineswegs als Übernahmekandidat. Wie sie während der Intersolar im Gespräch mit ECOreporter.de erklärte, betrachtet die Ströher-Familie als Großinvestor des Unternehmens ihre Beteiligung als langfristiges Investment. Da diese nicht verkaufen wolle, würde sich eine Übernahme schwierig gestalten, so Raatz. Solon strebe auch keinesfalls an, von einem kapitalkräftigen Investoren gekauft zu werden, um so die Wachstumschancen zu verbessern. „Wir wollen aus eigener Kraft wachsen“, stellte die Firmensprecherin klar.

ECOreporter.de befragte Raatz auch zu den Auswirkungen der beschlossenen EEG-Novelle für das Berliner Solarunternehmen. Diese sieht für die Energieerzeugung aus Solarenergie in Deutschland ab 2009 sinkende Vergütungen vor. Nach Ansicht der Solon-Sprecherin wird Deutschland aber dennoch „ein interessanter Solarmarkt bleiben“. Zwar stelle die angekündigte Degression der Solarvergütung eine „große Herausforderung“ dar und sei zu erwarten, dass der deutsche Solarmarkt fortan nur noch einstellig wächst. „Das Schlimmste“ sei aber immerhin an der Branche vorüber gegangen, meinte Raatz in Anspielung auf Forderungen, die Solarstromvergütung um 30 Prozent zu senken. Die Auswirkungen auf die Geschäfte ihres Unternehmens schätzt sie gering ein, weil das Deutschlandgeschäft der Berliner sich ohnehin nur noch auf 25 Prozent belaufe und weiter sinken werde. Stark sei man auf Spanien ausgerichtet, wo im Herbst wohl ebenfalls die Vergütung von Solarstrom umgestaltet werde. Raatz erwartet davon aber keine negativen Auswirkungen auf das Geschäft von Solon.

Zudem hofft das Unternehmen auf ein starkes Wachstum in Italien. Dort haben die Berliner den Modulhersteller S.E. Project und jüngst auch das Silizium-Startup Estelux übernommen. Laut Raatz wird das mittlerweile eingeführte Gesetz zur Förderung der Erneuerbaren Energien nach dem Vorbild des deutschen EEG den Solarmarkt des Landes beflügeln. „Wir rechnen mit einem Marktvolumen von 400 Megawatt (MW) in 2008“, so die Unternehmenssprecherin. Wie sie auf Nachfrage einräumte, gibt es zwar in Italien weiterhin erhebliche Probleme mit der Bürokratie. Die seien in Spanien anfangs aber noch größer gewesen. Daher sei zu erwarten, dass der italienische Markt reifen und sich die Schwierigkeiten mit der Bürokratie verringern werden.

Weniger optimistisch beurteilte Raatz gegenüber ECOreporter.de in dieser Hinsicht Griechenland. Auch dort will die Solon AG wachsen. Im April hatte das Unternehmen von der dort ansässigen Hypervolt Renewable Energy S.A. einen Auftrag für die Lieferung von Solarmodulen im Gesamtumfang von 10 MW erhalten. Insgesamt sei man für den griechischen Solarmarkt aber nur verhalten optimistisch, so die Firmensprecherin. Denn dort gebe es eine wirklich „starke Bürokratie“.

Als einen weiteren aussichtsreichen Solarmarkt stufte Raatz auf Nachfrage Frankreich ein. Dort werde in Zukunft insbesondere die gebäudeintegrierte Photovoltaik eine „eine große Rolle spielen“. Anderes als in den übrigen romanischen Ländern verfüge Solon in Frankreich noch  über keinen Partner vor Ort. Dazu werde es kommen, wenn der Solarmarkt dort anzieht, was aber aufgrund der verbesserten Förderbedingungen zu erwarten sei. Raatz verwies ferner auf die Attraktivität von Solarprojekten in den außereuropäischen Regionen Frankreichs, etwa in Martinique oder Guyana. Dort gebe es für Solarprojekte eine Sonderförderung.

Solon AG für Solartechnik: ISIN DE0007471195 / WKN 747119

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