04.08.09 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Kein Vorbild mehr? – Nachhaltigkeitsperformance von BP lässt nach

Der Ölkonzern BP (British Petroleum) hatte in den letzten Jahren mit dem Slogan "BP - Beyond Petroleum" (engl. "beyond petroleum" = jenseits des Erdöls) auf sich aufmerksam gemacht. Der ehemalige Konzernchef Lord Browne wollte den Öl-Multi zum Erneuerbare-Energie-Riesen transformieren. Vor allem das Solargeschäft sollte den Umbruch bringen. Doch 2007 musste Browne seinen Hut nehmen, für seinen Nachfolger Tony Hayward haben die Erneuerbaren Energien offenbar keine Priorität.

Umorganisation in der Sparte Alternative Energy

Hayward trat zwar im Juli einem Bericht der Financial Times entgegen, wonach er bezweifelt habe, dass Solarenergie im Wettbewerb mit konventionellem Strom mithalten könne. Auch sei es „nicht wahr“, dass BP sich wieder von den alternativen Energien abwenden wolle, nachdem erst 2005 der Geschäftsbereich BP Alternative Energy gegründet worden war. Darin werden sämtliche kohlendioxidarmen Aktivitäten zusammengefasst. Doch manches nährt Zweifel an den Lippenbekenntnissen des BP-Chefs.


Vievienne Cox, die bei BP den Bereich Erneuerbare Energie leitete und unter Browne so einflussreich war, dass sie als potentielle Nachfolgerin galt, hat das Unternehmen nach über 20 Jahren Tätigkeit verlassen. In Medienberichten wurde spekuliert, dass wohl die Reduzierung ihres Verantwortungsbereichs im Zuge einer Umstrukturierung des Unternehmens der Grund dafür war. Dem trat Dr. Claudia Braun, Pressesprecherin der Deutsche BP AG entgegen. Frau Cox sei in Ruhestand gegangen.


BP Alternative Energy umfasst die Geschäfte mit Windkraft, Solarenergie, Biokraftstoffen und mit der Abscheidung von CO2. Gerüchten aus Börsenkreisen zufolge wollte BP die Sparte Alternative Energy vor kurzem an die Börse bringen, um sie zu Geld zu machen. Man habe aber Abstand von diesen Plänen genommen, da die Einnahmen daraus im aktuellen Börsenumfeld zu gering gewesen wären. Doch auch dies kann als Hinweis gelten, dass die Sparte für die Konzernführung derzeit keine zentrale Bedeutung hat.

Dem Geschäftsbericht ist jedenfalls eindeutig zu entnehmen, wo die BP–Führung unter Hayward ihre Prioritäten sieht: im Ausbau der Fördermöglichkeiten von Mineralöl. Dort erklärt das Unternehmen das Nahen von ‚peak oil’, also dem Punkt, an dem die Nachfrage für Öl die Förderkapazitäten übersteigt, zur Legende. Es gibt laut BP noch genug Ölressourcen und man werde alles versuchen, sie nutzbar zu machen.

Die Zahlen überzeugen nicht

Den Gefahren des Klimawandels, die von der Konzernführung im Geschäftsbericht deutlich angesprochen werden, dürfte er damit kaum begegnen. Über 30 Milliarden Dollar hat BP in 2008 für Investitionen aufgewendet, der Löwenanteil entfiel auf das Ölgeschäft. Die Investitionen in das Geschäft mit alternativen Energien beliefen sich auf 1,5 Milliarden, was etwa einem Prozent des Jahresumsatzes entsprach. Das lässt den Slogan „beyond petroleum“ doch arg vollmundig erscheinen. Auch wenn Claudia Braun, Sprecherin der deutschen Tochter von BP, darauf hinweist, dass der Ölkonzern mehr Mittel in regenerative Energieerzeugung pumpt als die Konkurrenz. Ihr zufolge lagen die Investitionen 2008 deutlich über dem Soll. 2005 habe BP angekündigt, bis 2015 insgesamt acht Milliarden Dollar zu investieren. Das entspreche einem Durchschnitt von etwa 800 Millionen Dollar pro Jahr, so Braun. Allerdings räumt sie ein, dass die „Investitionen in alternative Energien in 2009 geringer geworden“ sind.

Bei den Biotreibstoffen zeigt BP keine starke Präsenz auf dem Weltmarkt. In der Windkraft verfügt der Konzern über 500 Megawatt an installierter Kapazität, fokussiert auf den US-Windmarkt. Auch hier eroberte er keine führende Position. Am stärksten ist das Engagement in der Photovoltaik, auch wenn hier zuletzt Produktionsstandorte geschlossen wurden. Über die Zusammenarbeit mit Produzenten in Asien will BP Solar Kosten sparen. Die Sparte zählt weiter zu den führenden Herstellern von Solarprodukten weltweit. 2008 wurden insgesamt 162 Megawatt verkauft, trotz der Überkapazitäten im Markt soll diese Menge in 2009 verdoppelt werden. „BP Solar kam 2008 auf einen  globalen Marktanteil von rund fünf Prozent, während BP im Öl- und Gasgeschäft international einen Marktanteil von etwa drei Prozent hat“, erklärt Braun.  
Experte rät zu differenziertem Urteil

Laut Jean-Francois Meymandi von der Züricher SAM ist der Konzernführung gegenwärtig in erster Linie daran gelegen, die flüssigen Mittel zu erhöhen. Das sei auch der Anlass für die Umorganisation und dafür, dass BP in diesem Jahr weniger in den Bereich der alternativen Energien investiert. 2009 werde sich in dieser Sparte das Investitionsvolumen wohl lediglich auf 500 Millionen Euro belaufen. Für einen Ölkonzern sei das vielleicht nicht viel, aber im Vergleich mit anderen Akteuren in der Branche der Erneuerbaren Energien können sich laut Meymandi die Investitionen der BP Alternative Energy immer noch sehen lassen. Deshalb stuft Meymandi die Aktie von BP als nachhaltiges Investment ein.

Schließlich sei die ökologische Nachhaltigkeit nur ein Aspekt der Bewertung. Bei anderen Nachhaltigkeitsaspekten stehe das Unternehmen weiter recht gut da. So zeichne sich BP durch eine sehr hohe Transparenz aus, überzeuge auch im Umgang mit den Stakeholdern. Die derzeitigen Schwächen im Umweltbereich seien vor allem der ungewöhnlichen und schwierigen wirtschaftlichen Situation geschuldet. BP habe weiter das Potential, hier wieder zuzulegen. Im Vergleich zu anderen Ölfirmen zählt BP nach Einschätzung von SAM weiter zu den Nachhaltigkeitsbesten.

Die Aktie von BP gehört weiter zu den Unternehmen im prominenten Nachhaltigkeitsindex DJSI, den SAM zusammen mit Dow Jones aufgelegt hat. Weiter ist die Aktie in etlichen Nachhaltigkeitsfonds als eine der größten Positionen enthalten. Dazu zählen einige SAM-Fonds, aber auch Produkte von Dexia, HSBC, UBS und anderen. Den Status als Pionier hat der Ölkonzern aber offenbar verloren. 2005 war BP noch auf dem Weltwirtschaftstreffen zu einer der Top 3 der weltweiten Nachhaltigkeitsaktien gekürt worden. Die Nachhaltigkeitsspezialisten von Innovest und dem Corporate Knights Magazine, einem kanadischen Fachmagazin für Nachhaltigkeit, hatten die Auswahl getroffen. Seit 2007 ist BP nicht einmal mehr in deren Liste der 100 nachhaltigsten Unternehmen weltweit enthalten.
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