Deutschland ist für den finanziell angeschlagenen Biogasanlögenbauer MT-Energie GmbH aus Zeven ein wichtiger. Markt. Die Marktaussichten sind jedoch düster. / Foto: Unternehmen

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Keine Entwarnung für Anleihe-Anleger von MT Energie

Die finanziell angeschlagene MT-Energie GmbH hofft weiter auf eine Trendwende in 2014. Doch es könnte eng werden: Die Aussichten für Biogasanlagenbauer in Deutschland sind zunehmend düster. Die Ausgangsposition für die laufenden Gespräche mit Kreditgebern ist damit alles andere als ideal. Was bedeutet das für die Anleihe-Anleger, die 13,6 Millionen Euro bei der Spezialistin für Biogasanlagenbau aus Zeven investiert haben?

Die brancheneigenen Prognosen für 2014 sind alarmierend:  Der Fachverband Biogas rechnet damit, das deutschlandweit nur 37 Megawatt (MW) Biogasleistung neu in Betrieb gehen werden (mehr dazu lesen Sie  hier). Das wäre  81 Prozent weniger als 2013, ein historischer Tiefststand seit Einführung des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und nach Ansicht des Branchenverbandes nicht weniger als der Kollaps des Anlagebaumarktes in Deutschland.


Diese seit 2012 anhaltende Markkrise trifft die MT-Energie GmbH hart. Das Unternehmen hat laut einer bislang noch untestierten Bilanz 2013 deutlich mehr Verlust eingefahren als erwartet. Das Eigenkapital ist nahezu aufgezehrt. Die Eigenkapitalquote lag den ungeprüften Zahlen zufolge bei 11,4 Prozent (ECOreporter.de  berichtete). Dennoch gibt sich MT-Energie optimistisch, das die Kreditgebenden Banken den Geldhahn nicht zudrehen werden: „Die Prognose des Fachverbands Biogas beeinflusst die Verhandlungen zum Thema Finanzierung nur in geringem Maße, da das EEG 2014 zwar von der Politik übereilt verabschiedet wurde, aber auch nicht über Nacht über die Biogasbranche gekommen ist“, teilt das Unternehmen auf Nachfrage von ECOreporter.de mit. Dass die Förderung für Biogasanlagen deutlich reduziert werden würde, habe sich Monate zuvor schon abgezeichnet. Alle Gesprächspartner hätten somit „hinreichend Gelegenheit gehabt“, sich darauf einzustellen, heißt es. Die Gespräche seien „konstruktiv“ und sollen „in den nächsten Wochen“ angeschlossen werden, erklärt ein Unternehmenssprecher.


Planzahlen für 2014 kaum erreichbar

Allerdings – so räumt er ein, werde die MT Energie GmbH die Planzahlen aus dem Sanierungskonzept von Dezember 2013 wohl auch 2014 nicht erreichen:  „Als das Sanierungskonzept 2013 erarbeitet wurde, war noch nicht abzusehen, wie stark die Einschnitte durch die neue EEG-Novelle werden würden. Mittlerweile scheint klar, dass 2014 mit Anlagebau in Deutschland nicht mehr so viel Umsatz erzielt werden kann, wie die gesamte Branche gehofft hatte“, erklärt der Unternehmenssprecher. Das Sanierungskonzept müsse dennoch „nur in geringem Maße angepasst werden“, fährt er fort. Dies habe zwei Gründe: Zum einen betreue die MT-Energie GmbH mehr als 1.000 Biogasanlagenbetreiber als Servicedienstleister und betätige sich zunehmend bei der Sanierung und Modernisierung von Bestandsanlagen. Zum anderen werde es auch unter den Bedingungen des neuen EEG weiter neuer Biogasanlagen geben. „Die 75-kW-Biogasanlage auf Güllebasis ist für landwirtschaftliche Tierproduzenten interessant. Uns liegen bereits Anfragen vor und wir gehen davon aus, dass die Nachfrage nach diesen Anlagen noch stark ansteigen wird“, erklärt der Sprecher des Unternehmens.

Allerdings können die Prognosen im Bereich Sanierung und Modernisierung, also Biogas-Repowering – ähnlich wie die beim Anlagebau – unter den Branchenunternehmen keine Goldgräberstimmung entfachen, denn der Fachverband Biogas schätzt das 2014 erreichbare Potenzial für ganz Deutschland auf 90 MW. Hoffnungen setzt die MT-Energie GmbH deshalb weiter auf das Auslandsgeschäft: „Aktuell errichten wir diverse Biogasanlagen in Großbritannien und Frankreich. Auch auf dem griechischen Markt gibt es günstige Entwicklungen. Nicht zuletzt sehen wir auch beim Thema Gasaufbereitung eine zunehmende Internationalisierung. Konkrete Projekte haben wir in Großbritannien, Frankreich und der Schweiz“, so das Unternehmen.


Müssen die Anleger weitere Opfer bringen?

Die Anleihe-Anleger hatten bereits im Mai 2014 zugestimmt, unter anderem auf Kündigungsrechte zu verzichten, wenn sich die finanzielle Lage zuspitzt. Damit hatte die MT-Energie GmbH Spielraum für die Sanierung erhalten (ECOreporter.de  berichtete). Aktuell sei trotz der düsteren Marktaussichten zurzeit nicht angedacht, die Investoren um weiterte Zugeständnisse zu bitten, erklärt das Unternehmen.
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