Alexander Koffka ist 46 Jahre alt, verheiratet und Vater zweier Kinder. Der studierte Germanist und Journalist ist Mitglied der Geschäftsleitung der ABO Wind Gruppe in Wiesbaden, die Windparks projektiert und betreibt.

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„Keine weiteren Windkraftverhinderungsgesetze beschließen“ – Alexander Koffka ABO Invest AG

Deutschland steht unmittelbar vor einer neuern Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG). Was ändert sich dadurch für die heimische Windkraftbranche und ihre Anleger? Im ECOreporter.de-Interview nimmt Alexander Koffka von der ABO Invest AG aus Wiesbaden Stellung: Wie wirken sich die Neuerungen in Deutschland und Europa auf das Geschäftsmodell der ABO Invest AG und auf die Bürgerwindaktie aus? Wie haben die Insolvenzen von Prokon und Windwärts und anderen das Geldanlagesegment Windkraft in Deutschland verändert? Und was unterscheidet die Bürgerwindaktie der ABO Invest AG von anderen Windkraft-Beteiligungen?

Die ABO Invest AG ist Aussteller und Sponsor der Messe Grünes Geld in Freiburg am kommenden Samstag, 10. Mai im Historischen Kaufhaus am Münsterplatz in der Freiburger Innenstadt. Bei freiem Eintritt können sich Neulinge wie Finanzprofis ein umfassendes Bild über Trends, Entwicklungen und aktuelle Angebote am Markt der nachhaltigen Geldanlage verschaffen. Von ethisch-ökologisch orientierten Banken über Mikrokreditunternehmen und Anbietern nachhaltiger Investmentfonds  bis hin zu Beteiligungsangeboten an Erneuerbare-Energie-Projekten, auf der Messe Grünes Geld Freiburg ist alles vertreten, was die nachhaltige Finanzwelt im deutschsprachigen Raum zu bieten hat. Abgerundet wird die Veranstaltung durch eine Podiumsdiskussion zum Thema „: Grün oder grün gewaschen? Sicher oder riskant? Wie Sie nachhaltige Geldanlagen beurteilen können“ und einem umfangreichen Vortragsprogramm rund um „grüne“ Investments. Mehr dazu erfahren Sie  hier.   

ECOreporter.de: Die Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) soll schon ab August 2014 umgesetzt sein. Wie bewerten sie den aktuellen Stand der EEG-Debatte?

Alexander Koffka:  Politisch sind die Vorschläge der großen Koalition zur Novellierung des EEG enttäuschend. Die aktuelle Politik ist davon geprägt, die Energiewende zu verlangsamen. Das geschieht offenbar aus Rücksicht auf die großen Energieversorger, die zu spät gemerkt haben, dass die Zukunft den Erneuerbaren gehört. Zwar wird der Ausstieg aus der Atomkraft (noch?) nicht in Frage gestellt. Indem Deutschland jedoch immer mehr Kohle verbrennt, um vermeintlich billigen Strom zu produzieren, wächst der Beitrag zur Klimaerwärmung. Das ist ein verheerendes Signal und passt nicht zum Nimbus einer Energiewende-Nation.

ECOreporter.de: Können Windkraftprojektierer und Ihre Anleger nach der EEG-Reform noch gute Geschäfte in Deutschland machen?

Koffka:  Die rund 3.000 ABO Invest-Aktionäre können die Gesetzesreform entspannt beobachten. An der Einspeisevergütung für bereits errichtete Windparks wird sich nichts ändern. Die Erfolgsgeschichte der Bürgerwindaktie ist nicht in Gefahr.
Auch das Geschäftsmodell des Projektentwicklers ABO Wind AG wird weiter funktionieren – jedenfalls was die Windkraft betrifft. Das Thema Biogas jedoch wird mit dieser Reform wohl bis auf weiteres beerdigt. Das ist energiepolitisch ein großer Fehler, denn Biogas bringt Stabilität in die Erzeugung und trägt dazu bei,  die Schwankungen von Wind und Sonne auszugleichen.  Für uns als Unternehmen ist das zwar ärgerlich, aber nicht bedrohlich. Biogas macht nur etwa 3 Prozent unseres Geschäftsvolumens aus. Die Windkraftentwicklung aber wird weiter gehen. Und da gibt es für ABO Wind in Deutschland sowie in vielen weiteren Ländern viel zu tun. 

ECOreporter.de: Auf Betreiben der bayrischen und der sächsischen Landesregierung sollen die Bundesländer künftig selbst entscheiden, wie groß der Abstand von Windrädern zur Wohnbebauung sein muss. Beide sind für die 10H-Regel, die einen Mindestabstand von zwei Kilometern oder mehr vorsieht.  Wie sehr gefährden diese Pläne den Ausbau der Windenergie in Deutschland?

Koffka:  Wir gehen davon aus, dass außer Bayern und womöglich Sachsen kein weiteres Bundesland die Möglichkeit nutzen wird, Mindestabstände festzulegen. Die bestehenden gesetzlichen Vorschriften insbesondere zum Lärmschutz reichen auch vollkommen aus, um ein verträgliches Nebeneinander von Wohnen und Windkraft zu gewährleisten. Die bayerische Idee, wonach der Abstand einer Windkraftanlage zur Bebauung zehnmal so groß sein soll wie die Höhe der Anlage, ist willkürlich, juristisch zweifelhaft und geeignet, den Ausbau der Windkraft in Bayern weitgehend zum Erliegen zu bringen.

ECOreporter.de: Wie wird sich die 10H-Regel auf das Geschäftsmodell von ABO Invest auswirken?

Koffka:  Für das Windkraft-Portfolio der ABO Invest bedeutet das Gesetz lediglich, dass vorerst vermutlich keine weiteren Windparks in Bayern dazukommen werden. Wir betreiben ja bereits einen Windpark in Bayern – im fränkischen Repperndorf. Der genießt Bestandsschutz. Da wir ohnehin darauf achten, in möglichst vielen verschiedenen Regionen Parks zu betreiben, um das Risiko windschwacher Jahre zu minimieren, wären bayerische Standorte ohnehin nicht die erste Wahl für künftige ABO Invest-Projekte.
Für den Ausbau der Windkraft in Deutschland und damit den Erfolg der Energiewende ist es wichtig, dass möglichst keine weiteren Bundesländer solche Windkraftverhinderungsgesetze beschließen. Für Bayern könnte ich mir vorstellen, dass entweder Gerichte das Gesetz zu Fall bringen oder die Politik in wenigen Jahren erkennen wird, was sie da angerichtet hat. Dann wird vermutlich wieder zurückgerudert. Mit vernünftiger Politik hat das wenig zu tun.

ECOreporter.de: Nach dem Willen der Bundesregierung soll  Strom aus regenerativen Quellen ab 2017 verstärkt direkt vermarktet werden. Was bedeutet das generell und im speziellen für ABO Invest und Ihre Anleger?

Koffka:  Alle deutschen Windparks der ABO Invest befinden sich bereits seit mehreren Jahren in der Direktvermarktung. Für diese Bestandsparks bleibt alles beim Alten. Für Windparks, die ab dem 1. August 2014 ans Netz gehen, wird die Direktvermarktung obligatorisch. Bisher war sie freiwillig und wurde mit einer sogenannten Marktprämie gefördert. Für Bestandsparks soll die Marktprämie auch weiterhin bezahlt werden. Neue Windparks müssen die Kosten der Direktvermarktung (rund 0,3 Eurocent pro Kilowattstunde) selbst tragen. Diese Kosten werden wir beim Ankauf neuer Projekte in die Kalkulation einbeziehen.

ECOreporter.de: ABO Invest und das Schwester-Unternehmen ABO Wind sind international aufgestellt.  Legen Sie Ihren Fokus künftig noch stärker auf das Auslandsgeschäft?

Koffka:  ABO Wind entwickelt europaweit Windparks. Die wichtigsten Märkte sind neben Deutschland aktuell insbesondere Frankreich, Irland und Großbritannien. Im Mai 2014 eröffnen wir ein Büro in Helsinki. Wir haben Kooperationsvereinbarungen mit mehreren finnischen Entwicklern geschlossen und sind zuversichtlich, gemeinsam in den nächsten Jahren einige finnische Projekte ans Netz zu bringen. Unsere Niederlassung in Buenos Aires hat in den vergangenen Monaten einige Dienstleistungsaufträge in verschiedenen südamerikanischen Ländern erhalten.  Zudem werden wir uns in diesem Jahr intensiv nach weiteren Märkten umschauen. Die Internationalisierung von ABO Wind schreitet also voran. Gleichwohl wird Deutschland für uns wichtig bleiben. Auch hier sehen wir weiterhin gute Aussichten für uns.
Bildnachweis: Montage eines ABO-Invest-Windparks in Frankreich. / Quelle: Unternehmen

ECOreporter.de: Und in welchen Ländern wird sich die ABO Invest AG stärker positionieren?

Koffka:  ABO Invest betreibt ja bislang in drei Ländern Windparks, nämlich in Irland, Frankreich und Deutschland. Deutschland ist mit rund 17 Megawatt (MW) von insgesamt rund 84 MW eher unterrepräsentiert. Die jüngsten Akquisitionen waren vor allem in Frankreich. Mittelfristig wollen wir das Portfolio auf weitere Länder ausdehnen. Dank der engen Verbindung zu ABO Wind ist vor allem Finnland im Fokus. Wir sind aber zuversichtlich, auch weitere deutsche Windparks erwerben zu können.

ECOreporter.de: Die EU-Kommission hat ein Richtlinien-Paket verabschiedet, dass die Ausschreibungen von Windkraftprojekten verändert. Bedeuten diese neuen Richtlinien eine Veränderung zum Guten oder zum Schlechten für international tätige Windkraftunternehmen wie ABO Invest?

Koffka:  Auf einen Betreiber wie ABO Invest werden sich die Ausschreibungen voraussichtlich nicht auswirken. Auf einen Projektentwickler wie ABO Wind aber sehr wohl. Unter anderem in Großbritannien haben wir bereits Erfahrungen mit Ausschreibungen gesammelt. Wir fürchten uns daher nicht vor veränderten Bedingungen, sondern sind zuversichtlich, dass wir damit werden umgehen können. Solange keine Details bekannt sind, ist es schwierig, die Auswirkungen zu bewerten. Allerdings bin ich eher skeptisch, dass Ausschreibungsmodelle dazu beitragen können, die volkswirtschaftlichen Kosten des Ausbaus der Erneuerbaren zu senken. Die Erfahrungen in anderen Ländern lassen eher das Gegenteil erwarten. Insofern warnen wir davor, Ausschreibungen als marktwirtschaftliches Allheilmittel zu betrachten.

ECOreporter.de: Wie hat die spektakuläre Pleite von Prokon auf das Tagesgeschäft von ABO Invest ausgewirkt? Sind die Anleger jetzt misstrauischer gegenüber der Windkraft als Geldanlage?

Koffka:  Unsere Anleger wissen, dass es zwischen Prokon-Genussrechten und ABO Invest-Aktien kaum Gemeinsamkeiten gibt. Unser Geschäftsmodell ist solide und transparent. Natürlich gab es bei einigen Anlegern verstärkten Gesprächsbedarf. Ansonsten gab es keine Auswirkungen. Ich fürchte allerdings, dass es künftig auch für uns schwieriger wird, neue Anleger zu gewinnen. Bei vielen wird im Hinterkopf hängenbleiben, dass Erneuerbare irgendwie riskant sind. Vorurteile ersetzen leider oft eine gründlichere Beschäftigung mit Unternehmen, denen man Geld anvertraut.

ECOreporter.de: Wie unterscheidet sich das Geschäftsmodell von ABO Invest von dem von Prokon, wo es um Genussrechte ging?

Koffka:
  Aktionäre sind Mitinhaber des Unternehmens, profitieren in vollem Umfang von der erreichten Wertschöpfung und haben weitreichende Mitsprache- und Informationsrechte. Genussrechtsinhaber sind Gläubiger und erhalten – wenn alles gut geht – Zinsen. Sie haben jedoch keinen Anspruch auf Mitsprache oder Informationen. Die Aktionäre der ABO Invest sind Miteigentümer von Windparks, die gut laufen und deren Stromerträge tagesaktuell  im Internet abrufbar sind. Die hohe Rendite erreichen wir auch dadurch, dass wir mit Banken zusammenarbeiten und günstige KfW-Konditionen nutzen. Die Kreditprüfung der Bankinstitute verbessert zudem die Kontrolle. Zu allen unseren Windparks werden Ertragsgutachten eingeholt – solche Branchenstandards sind bei Prokon offenbar nicht eingehalten worden. Deren Windparks waren zum Teil extrem ertragsschwach und sollten dennoch hohe Renditen abwerfen. Das konnte auf Dauer nicht gutgehen. Einen ausführlicheren Vergleich haben wir auf unserer  Internetseite  veröffentlicht.

ECOreporter.de: Wie hat sich die Bürgerwindaktie 2013 und im ersten Quartal 2014 entwickelt, wo wird sie gehandelt  und wie können sich Anleger beteiligen?

Koffka:  Die Windparks laufen in Summe planmäßig und der Ausbau des Portfolios schreitet voran. Mittlerweile sind 40 Anlagen mit rund 84 Megawatt Leistung am Netz. In den nächsten Wochen werden wir einige weitere Projekte erwerben, so dass das Portfolio kurzfristig auf mehr als 100 Megawatt wächst. Im Vorjahr haben wir bereits 180 Millionen Kilowattstunden klimafreundlichen Strom produziert – das entspricht dem Stromverbrauch von 50.000 Haushalten mit 150.000 Menschen. In diesem Jahr wird die Produktion voraussichtlich die 200 Millionen-Marke übertreffen. So erfreulich und gleichmäßig  wie das Unternehmen entwickelt sich auch der Börsenkurs. Die über jede Bank erhältliche ABO Invest-Aktie (WKN: A1EWXA) ist Jahr für Jahr um rund 8 Prozent gestiegen. Der Kurs hat sich unabhängig vom allgemeinen Aktienmarkt entwickelt und unterlag kaum Schwankungen. ABO Invest ist also keine typische Aktie, die für Spekulanten interessant wäre. Das liegt am eher langweiligen Geschäftsmodell, dem langfristigen Betrieb von Windparks. Die breite regionale Streuung vermindert das unternehmerische Risiko zusätzlich. Der Vorteil der Aktie ist zudem die Handelbarkeit. Anleger müssen sich nicht für viele Jahre festlegen.


ECOreporter.de: Herzlichen Dank für das Gespräch Herr Koffka.

Näheres zur ABO Wind Gruppe lesen Sie in diesem  Kurzportrait (Link entfernt).
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