Finanzdienstleister, Fonds / ETF

"Kerngeschäft ist die Kreditvergabe für soziale Projekte." - ECOreporter.de-Interview mit dem Kirchenbanker Ekkehard Thiesler




ECOreporter.de: In welchem Umfang bietet Ihre Bank nachhaltige Geldanlagen an?

Ekkehard Thiesler: Alle Kunden, die Spar- oder Termineinlagen bei der KD-Bank unterhalten, profitieren automatisch vom Nachhaltigkeitsfilter der Bank. Sie können sich sicher sein, dass die KD-Bank ihre Geldanlangen, bestmöglich unter der Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien anlegt. Darüber hinaus bieten wir nachhaltige Wertpapierfonds verschiedener namhafter  Investmentgesellschaften an, die eigene Konzepte zur Umsetzung nachhaltiger Aspekte verfolgen. Hierzu zählen beispielsweise der Ökovision, die KCD-Nachhaltig Fonds der Union Investment, die wir zusammen mit den anderen Kirchenbanken aufgelegt haben, und der Sarasin Fair Invest. Außerdem bieten wir unseren Kunden die Möglichkeit, den Nachhaltigkeitsfilter zur Einschätzung des Wertpapierdepots und für Spezialfonds sowie Vermögensverwaltungsmandate zu nutzen.

ECOreporter.de: In welchem Umfang investiert Ihre Bank selbst nachhaltig?

Thiesler: Unser Kerngeschäft ist es, Kirche und Diakonie mit Finanzierungsmitteln auszustatten, d.h. Kredite für soziale Projekte wie Krankenhäuser, Altenheime, Einrichtungen für Behinderte und Kindergärten zu vergeben. Daneben vergeben wir auch Kredite für die private Immobilienfinanzierung. Diese Mittelverwendung, die knapp ein Drittel ausmacht, ist als nachhaltig anzusehen.

Die restlichen Gelder legen wir am Kapitalmarkt an. Die Auswahl der Wertpapiere, die die KD-Bank in ihre eigenen Bestände kauft und ein Volumen von rund 2,9 Mrd. Euro umfassen, erfolgt seit 2008 in einem zweistufigen Verfahren. Die erste Stufe bildet die vom Ratingpartner oekom research vorgenommene Ratingeinschätzung. Die unabhängige Ratingagentur erhebt in einem systematischen Prozess Daten zum ökologischen und sozialen Verhalten von ca. 1.100 Unternehmen und 50 Ländern. Die Auswahl erfolgt nach dem so genannten Best-in-class-Prinzip, das heißt, die KD-Bank investiert in die Unternehmen, die sich vorbildlich verhalten. Zusätzlich hat die KD-Bank unabhängig von der Best-in-class-Einschätzung Ausschlusskriterien definiert.

In der zweiten Stufe wird dann die eigentliche Anlageentscheidung der Bank getroffen. Nur Wertpapiere, die in der ersten Stufe positiv beurteilt wurden, kommen in die Auswahl und werden in die Eigenbestände der KD-Bank gekauft.
Derzeit entsprechen 91 % unserer Eigenanlagen dem definierten Filter, bei
 4 % der Wertpapiere liegt kein Rating vor, nur 5 % der Anlagen sind nicht filterkonform. Mit diesem Ansatz, der nachhaltige Kriterien neben den klassischen Zielen der Geldanlage Rentabilität, Liquidität und Sicherheit berücksichtigt, erreichen wir, dass aktuell knapp 93 % unserer gesamten Mittelverwendung nachhaltig investiert sind.

ECOreporter.de: Inwiefern wird nachgehalten, was die nachhaltigen Investments bewirken, die Ihre Bank an Kunden verkauft bzw. die Ihre Bank selber tätigt?


Thiesler: Nach unserer Einschätzung entsteht durch die gezielte Investition ein qualitativer Vorteil, der nur sehr schwer zu isolieren und demnach auch nicht zu quantifizieren ist. Der von uns eingesetzte Filter ist ein dynamisches Konzept, d.h. die Unternehmen bzw. Länder, in die wir investieren, werden von uns laufend beobachtet und im Falle eines Verstoßes gegen Ausschlusskriterien ziehen wir entsprechende Konsequenzen.

ECOreporter.de: Bitte ein konkretes Beispiel: 100 Kunden legen 10.000 Euro bei Ihnen nachhaltig an. Was bewirkt das in der Realität „draußen“?

Thiesler: Die Kunden ermöglichen mit ihrem Geld, dass wir kirchliche und diakonische Projekte unserer Kunden finanzieren können. Zurzeit werden ca. 35 % unserer Kundeneinlagen als Kredite herausgelegt. Darüber hinaus investieren wir die Gelder unserer Kunden am Kapitalmarkt und setzen dabei als erste Evangelische Kirchenbank den beschriebenen Nachhaltigkeitsfilter ein.

ECOreporter.de: Inwiefern spricht Ihre Bank mit Fonds, in die sie investiert, auf ihre soziale und ökologische Zielsetzungen oder Kriterien an?

Thiesler: Wir stehen in engem Kontakt zu vielen Fondsgesellschaft und begleiten unsere Kunden bei der Umsetzung nachhaltiger Konzepte für Spezial- und Publikumsfonds. Beispiele sind die KCD-Fonds der Union Investment.

ECOreporter.de: Inwiefern spricht Ihre Bank direkt mit Unternehmen über deren Nachhaltigkeit?

Thiesler: Aktuell haben wir die Studie von IMUG und Südwind zum Thema „Aktives Aktionärstum“ finanziell unterstützt und im Rahmen einer großen Kundenveranstaltung unseren institutionellen Investoren vorgestellt (ECOreporter.de Opens external link in new windowberichtete über die Studie). Wir arbeiten an einem Konzept, wie wir die Interessen und die Stimmrechte aus dem kirchlichen Bereich bündeln können und uns so mehr Gehör bei Unternehmen verschaffen können.

ECOreporter.de: Wie wird nachgehalten, ob sich solche Gespräche bei den Unternehmen auswirken?

Thiesler: Dieses Konzept beinhaltet auch einen Kontrollmechanismus, der den Erfolg unseres Engagements erfassen und dokumentieren soll.

ECOreporter.de: Nutzen Sie ihre Stimmrechte, um etwa auf Hauptversammlungen zur sozialen und ökologischen Verantwortung der investierten Unternehmen Stellung zu nehmen?

Thiesler: Die Ausnutzung der Stimmrechte ist nach unserer ersten Einschätzung von eher untergeordneter Bedeutung, da es um eine qualitative Entwicklung geht, die wir bei den Unternehmen erreichen wollen. Hier halten wir die direkte, persönliche Ansprache des Top-Managements mit dem Hinweis auf das Mandat kirchlicher Anleger für wesentlich erfolgversprechender.

ECOreporter.de: Gibt es ein Nachhaltigkeitsmanagement? Wer ist für die Nachhaltigkeit Ihrer Bank zuständig?

Thiesler: Die Verantwortung für die Unternehmenspolitik liegt in unseren Wurzeln begründet, als Bank für Kirche und Diakonie treten wir für die Ziele unserer Kunden ein. Das Nachhaltigkeitsmanagement liegt in der Verantwortung des Vorstands. Der Leiter des Vorstandsstabes, Christian Müller, hat das Projekt zur Einführung des Filters verantwortet, als Umweltbeauftragter agiert Jochen Krause, der Personalleiter der KD-Bank.

ECOreporter.de: Inwiefern wird die soziale und ökologische Performance Ihrer Bank kontrolliert und dokumentiert? Erfolgt dies intern oder extern, nach welchen Vorgaben?

Thiesler: Durch die Einführung eines Umweltmanagementsystems und die feste Verankerung der Prozesse in der Bank. Das Umweltmanagementsystem der Bank entspricht dem EMAS II Standard und wird regelmäßig extern überprüft. 
Die Einhaltung des Nachhaltigkeitsfilters wird jährlich durch eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft geprüft und testiert.

ECOreporter.de: Werden die Ergebnisse veröffentlicht?

Thiesler: Ja, regelmäßig im Geschäftsbericht und im Opens external link in new windowInternetauftritt der KD-Bank.

ECOreporter.de: Wie wollen Sie die soziale und ökologische Performance Ihrer Bank verbessern?

Thiesler: Mit unseren Aktivitäten haben wir seit der Fusion der KD-Bank in 2003 einen Prozess in Gang gebracht, den wir aktiv weiter verfolgen wollen, um unsere Kompetenz im Bereich des verantwortungsvollen Umgangs mit Geld weiter aufzubauen und als Differenzierungsmerkmal in einem zunehmend härteren Wettbewerb zu manifestieren. Wir wollen einen aktiven Beitrag leisten und mit unseren Mitgliedern und Kunden aus dem kirchlich, diakonischen Bereich gemeinsam handeln und Gutes bewirken.

ECOreporter.de: Herr Thiesler, wir danken Ihnen für das Gespräch.

Per Opens external link in new windowMausklick gelangen Sie zu einem ECOreporter.de-Interview vom 10. März, in dem Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas eG aus Paderborn erläuterte, wie seine Kirchenbank auf Nachhaltigkeit setzt.
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