16.02.13 Erneuerbare Energie

Klimaforscher brieft den UN-Sicherheitsrat

Der UN Sicherheitsrat hat sich in New York über die potentielle Bedrohungen von Frieden und Sicherheit durch Folgen des Klimawandels informiert. Diskutiert wurden unter anderem Auswirkungen des Klimawandels auf die Ernährungssicherheit, das Management der Wasserversorgung angesichts von verringerten Abflüssen aus geschrumpften Gletschern und mögliche große Migrationsbewegungen von Menschen über Grenzen hinweg. Auf gemeinsame Einladung von Pakistan und Großbritannien hat Hans Joachim Schellnhuber vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK) den UN Sicherheitsrat bei der Zusammenkunft gebrieft.

Laut Schellnhuber wird der Klimawandel auf höchster internationaler Ebene zunehmend als Sicherheitsrisiko erkannt.  „Wenn der Ausstoß von Treibhausgasen nicht verringert wird, begibt sich die Menschheit auf den Weg in eine ungewisse Zukunft – sie wagt sich in eine Welt, die viel heißer ist als je zuvor in ihrer Geschichte“, sagt der  Direktor des PIK und Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirats globale Umweltveränderungen der deutschen Bundesregierung. „Aus der Sicht des Wissenschaftlers ist der Klimawandel deshalb ein Multplikator für Risiken, sie nehmen um ein Vielfaches zu.“ Wie Schellnhuber ausführt, könnten viele Millionen Menschen von den Folgen des Klimawandels betroffen sein. Diese reichten vom Anstieg des Meeresspiegels, der die Häufigkeit schwerer Überflutungen erhöht, bis zu Veränderungen der Luftströmungen in der Atmosphäre, die beispielsweise Störungen des Monsuns auslösen könnten.

Wenn die internationale Staatengemeinschaft es zulasse, dass die globale Mitteltemperatur deutlich über die Zwei-Grad-Grenze hinausgeht, könnten wichtige Kipp-Punkte in Natur und Umwelt überschritten werden, warnt Schellnhuber und erklärt. „Das Erdsystem reagiert nicht linear auf den Ausstoß von Treibhausgasen – Elemente wie der Regenwald des Amazonas könnten recht drastisch ihren Zustand ändern, wenn bestimmte Schwellenwerte der Erwärmung überschritten werden. Dies könnte wiederum Kipp-Prozesse in den internationalen Beziehungen auslösen, die in der Krise zunächst etwas mehr Kooperation zeigen, bei einer Zuspitzung dann aber im scharfen Wettbewerb um natürliche Ressourcen stehen, etwa um Nahrungsmittel“, so der Klimaforscher. „Allerdings ist auch eine andere Form gesellschaftlicher Kipp-Dynamik vorstellbar – mit Staaten und Völkern, die sich der bevorstehenden Gefahren bewusst werden, und die große Transformation zur Nachhaltigkeit beginnen.“

Schellnhuber war der einzige Wissenschaftler, der zu dem UN-Treffen eingeladen wurde. Die anderen Gastredner waren Tony DeBrum, Regierungsmitglied auf den vom ansteigenden Meeresspiegel bedrohten Marshall-Inseln, Rachel Kyte, Vize-Präsidentin für nachhaltige Entwicklung bei der Weltbank, und Gyan Acharya, Untergeneralsekretär und Hoher Repräsentant der am wenigsten entwickelten Länder.
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