Die Enertrag AG aus Brandenburg hat unter anderem über Anleihen Kapital für Windkraftprojekte eingesammelt. / Foto: Unternehmen

01.12.15 Anleihen / AIF

Klimaschutz im Depot mit grünen Anleihen? Warum das Versprechen fester Zinsen für Erneuerbare-Energie-Investments kein Lockmittel sein sollte

Klimaschutz und Sicherheit: Zwei Kernthemen dieser Woche. Nicht nur politisch, auch in der Geldanlage. Anleger greifen am liebsten zu einem Produkt, das Sicherheit verspricht. Anleihen mit festen Zinsen scheinen daher eine geradezu magische Anziehungskraft auszuüben. Und Erneuerbare-Energie-Anleihen mittelständischer Firmen könnten jedes Depot dann auch noch gleich ein Stück grüner werden lassen – als Investment ohne Kohle, ohne Öl.  Aber halten die Anleihen, was sie versprechen?

Ein Kommentar von Jörg Weber, Chefredakteur ECOreporter.de

Zunächst einmal ein Blick auf das Grundsätzliche: Schon seit Jahrzehnten geben Staaten, Banken und Konzerne Anleihen heraus, seit einige Zeit auch als so genannte Green Bonds und Climate Bonds. Diese sollen hier nicht betrachtet werden, weil es in der Regel um Finanzierungen in riesigen Höhen geht, bis zu hunderten Millionen Euro. Stattdessen stehen hier die Mittelstands-Anleihen im Fokus, die sich meist auf nur einige Millionen Euro belaufen.

Anleihen sind für Mittelständler eine Alternative zur Finanzierung über Bankkredite. Es sind rechtlich so genannte Schuldverschreibungen. Anders als Aktionäre werden die Anleihe-Anleger nicht Teilhaber, sondern Gläubiger eines Unternehmens. Ob eine Anleihe an der Börse gehandelt werden soll oder nicht, legt das Unternehmen selbst fest. Es entscheidet auch, wofür es das Geld einsetzt. Die formulierten Ziele können  vage sein, zum Beispiel „Wachstum“. Oder sehr konkret, etwa „Kauf eines Windparks“.

Anleger können  heute aus mehreren Dutzend „grünen“ Unternehmensanleihen mittelständischer Firmen in Deutschland auswählen; oft beeindrucken sie mit dem Versprechen auf Zinsen von vier und mehr Prozent. Aber Vorsicht: Zins ist nicht dasselbe wie Rendite. Denn der Zins einer  Anleihe bezieht sich immer auf den so genannten Nominalwert. Der Kurswert kann höher oder niedriger sein, dann unterscheidet sich die Rendite vom Zins. Am Ende der Laufzeit erhält man den Nominalwert zurück.

Feste Zinsen, feste Rückzahlung - sind Anleihen also schlicht sicher? Nicht immer. Mit etlichen grünen Anleihen haben Anleger viel Geld verloren. Der Grund: Die Unternehmen meldeten Insolvenz an oder sie schrammten so gerade eben an einer  Pleite vorbei, zahlten aber zeitweise keine Zinsen. Verlustbringer waren beispielsweise der Windkraftprojektierer Windreich GmbH, die Biogasspezialistin BKN Biostrom AG, die SolarWorld-Anleihen und viele andere. Trotz „fester Zinsen“ sind Anleihen nicht so sicher wie Sparbücher mit Einlagensicherung der Bank. Denn das Sparbuchguthaben übersteht auch die Pleite einer Bank. Bei der Anleihe ist das Geld zumindest größtenteils - wenn nicht gar komplett - weg, wenn das Unternehmen insolvent wird. Immerhin, als Gläubiger eines Unternehmens können Anleihe-Anleger auf Geld aus dem Insolvenzverfahren hoffen, während Aktionäre in der Regel leer ausgehen. Aber die Insolvenzquoten liegen oft nur bei wenigen Prozent der Forderungen.

Bildhinweis: Solarmodule von SolarWorld im Einsatz. Der Konzern hat sich 2014 durch einen Schuldenschnitt aus einer Krise gerettet, der auch zu Lasten der Anleihe-Investoren erfolgte. / Foto: Unternehmen

In vielen Fällen gibt es von ein und demselben Unternehmen sowohl die Aktien als auch Anleihen. Geht es den Unternehmen richtig gut, dürfte die Aktie ertragreicher sein, weil der Kurs stark steigt. Läuft es bei dem Unternehmen schlecht, können Anleihe und Aktie im Wert bis auf Null zurückfallen. Vorteile bietet die Anleihe gegenüber der Aktie dann, wenn das Unternehmen kriselt, aber nicht insolvent wird: Dann sinken zwar sowohl der Aktien- als auch der Anleihenkurs, aber der Anleger kann bei der Anleihe bis zum Ende der Laufzeit abwarten und den Nominalwert zurückerhalten, also den 100-Prozent-Kurs. Und in der Zwischenzeit erhält er dazu die versprochenen Zinsen.

Nur: Ob das alles so hinkommt, weiß man erst im Nachhinein. Wahrhaft interessant sind Erneuerbare-Energie-Anleihen von mittelständischen Firmen daher dann, wenn der Anleger keine echte Wahl zwischen Aktie und Anleihe hat. Beispiel Enertrag: Der Erneuerbare-Energie-Riese aus dem Osten Deutschlands ist zwar eine AG, aber die Aktien sind nicht an der Börse notiert, sondern im Privatbesitz. Anleihen einer Enertrag-Tochtergesellschaft sind daher derzeit die einzige Möglichkeit, an einer Börse in dieses Unternehmen zu investieren.

Ein weiteres Beispiel sind die Energiekontor-Stufenzinsanleihen. Zwar gibt es von Energiekontor auch Aktien an der Börse. Aber mit den Aktien (die sich in den letzten Jahren ordentlich entwickelt haben) beteiligt man sich am ganzen Unternehmen Energiekontor. Die Energiekontor-Stufenzinsanleihen dagegen finanzieren nur einzelne Windparks. Das ist ein überschaubareres Risiko.

Fazit: Erneuerbare-Energie-Anleihen sind beispielsweise dann erste Wahl, wenn sie von soliden Unternehmen stammen, in die man sonst gar nicht investieren kann, oder wenn sie sich auf einzelne Kraftwerks-Projekte beziehen und dann guten geschlossenen Fonds bzw. Beteiligungen gleichen – im Gegensatz zu diesen aber kurzfristig an der Börse gehandelt werden können.
Nach oben scrollen
ECOreporter Journalistenpreise
Anmelden
x