"Eine Stilllegung von Kohlekraftwerken könnte die Versorgungssicherheit sogar steigern", heißt es in einer gemeinsamen Expertise des derzeit noch SPD-geführten Bundeswirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur. Der Großteil der Kohlekraftwerke habe eine belastende Wirkung auf das Netz. / Foto: chris74, Fotolia

16.11.17 Erneuerbare Energie

Kohlekraftwerke belasten Umwelt, Stromnetze und FDP-Wähler

Kohlekraftwerke stoßen viel CO2 aus und verursachen hohe volkswirtschaftliche Kosten. Das war bereits bekannt. Sie belasten aber nicht nur die Umwelt und Gesundheit der Bürger, sondern auch die Stromnetze in Deutschland. "Der Großteil der Kohlekraftwerke hat heute eine belastende Wirkung auf das Netz", zitiert die Nachrichtenagentur dpa aus einem gemeinsamen Papier des Bundeswirtschaftsministeriums und der Bundesnetzagentur.

Weiter heißt es: Die Versorgungssicherheit könnte steigen, wenn Kohlekraftwerke abgeschaltet würden. Kohlekraftwerke mit einer Kapazität von mindestens 7 Gigawatt könnten stillgelegt werden. Damit wäre die Versorgung nicht gefährdet, auch nicht an Tagen, an denen Wind- und Solarenergieanlagen nur sehr wenig Strom produzieren.

Einfluss auf Sondierungsgespräche?

Das Bekanntwerden von diesem Papier in der Endphase der Sondierungsgespräche der möglichen Jamaika-Koalitionäre ist durchaus heikel und könnte noch eine Wendung ergeben. Zumindest stützt es die Position der Grünen. Dagegen steht FDP-Chef Christian Lindner mit seiner vor einigen Tagen getätigten Aussage - "Es ist nichts gewonnen, wenn wir Kohlekraftwerke in Deutschland abschalten, um anschließend Kohlestrom aus Polen zu importieren…" - sachlich noch weiter im Abseits.

Auch bei seinen Wähler findet Lindner offenbar damit keine Unterstützung. Das legt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid nahe, von der die Wochenzeitung "Zeit" gestern berichtet hat. Demnach sind nicht nur 99 Prozent der Grünen-Wähler, sondern auch 70 Prozent der FDP-Wähler dafür, dass "die nächste Bundesregierung einen schrittweisen Kohleausstieg beschließt, um die nationalen Klimaziele noch zu erreichen".

Deutschland ist derzeit von dem Ziel, die Treibhausgase bis 2020 um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, noch um einiges entfernt. Das hat auch Bundeskanzlerin Angela Merkel gestern (15.11.) auf der Weltklimakonferenz in Bonn eingeräumt. Die Stilllegung von mehreren Kohlekraftwerken, die für die Versorgung und Netzstabilität in Deutschland offenbar überflüssig sind, könnte helfen, das Ziel doch noch zu erreichen.
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