08.09.08 Nachhaltige Aktien , Meldungen

Korrektur mit vielen Fragezeichen - Zusammensetzung des Nachhaltigkeitsindex DJSI World wurde überarbeitet

Der 1999 von der Züricher Sustainable Asset Management (SAM) und Dow Jones aufgelegte DJSI World ist wohl der bekannteste Nachhaltigkeitsindex. Er enthält den Initiatoren zufolge Aktien aus dem Anlageuniversum von Dow Jones, die laut der Analysen von Sam zu den Nachhaltigkeitsbesten ihrer Branche zählen. Die zuständige SAM Indexes GmbH hat nun zum nunmehr zehnten Mal dessen Zusammensetzung überholt. Wie das Unternehmen bekannt gab, wurden bei der alljährlichen Aktualisierung 25 Unternehmen aus dem Index entfernt und im Gegenzug 33 Firmen neu aufgenommen. Die Anzahl der Titel im DJSI World kletterte damit auf 320.

Ausgeschlossen wurden aus dem Weltindex unter anderem Firmen wie der von Umweltschützern für sein Staudamm-Projekt auf Island stark kritisierte Aluminiumkonzern Alcoa, Procter & Gamble aus den USA, die japanische Mitsubishi Corporation und der Elektrotechnikkonzern ABB. Neu aufgenommen wurden etwa der Holzkonzern Plum Creek, der Schweizer Industriekonzern Sulzer AG und die griechische Tochter des Coca Cola Konzerns. Auffallend ist, dass erneut die Anzahl der ausgeschlossenen Unternehmen gesunken ist. 2005 waren noch 54 Werte aus dem DJSI World entfernt worden, 36 in 2006 und 33 in 2007. Die rückläufige Entwicklung bei den Ausschlüssen dürfte damit zusammenhängen, dass nach Angaben von SAM branchenspezifische Kriterien eine zunehmende Bedeutung für die Beurteilung der Nachhaltigkeitsleistung der Unternehmen haben. Deren Gewicht habe man von 30 Prozent in 1999 auf nunmehr 57 Prozent erhöht, weil man der Auffassung sei, dass sie auf lange Sicht besonders große Auswirkungen haben.

Diese Gewichtsverlagerung von allgemeinen zu branchenspezifischen Nachhaltigkeitskriterien mag – neben anderem - erklären, warum etliche Titel in dem Weltindex enthalten sind, deren Einstufung als Nachhaltigkeitsprimus überrascht. So wird etwa die deutsche Wirtschaft in dem Index unter anderem durch folgende Unternehmen als Nachhaltigkeitsbeste ihrer Branche vertreten: die Deutsche Bank, die Deutsche Lufthansa, die Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen, die zu den größten Treibhausgasemittenten Europas zählenden Energiekonzerne RWE und E.on. Auch die Skandalnudel Siemens gehört dazu. Die Liste der insgesamt 22 deutschen Unternehmen im DJSI World bleibt nach der diesjährigen Aktualisierung, die am 22. September in Kraft tritt, unverändert. Ferner zählen dazu Adidas, Allianz, BASF, Bayer, Deutsche Börse, Deutsche Telekom, Fraport, Henkel, Hochtief, Metro, Münchener Rück, Puma, SAP und TUI.

Laut SAM werden die Unternehmen im Weltindex nach wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Kriterien beurteilt. Dazu zählen etwa die Arbeitsbedingungen und die sozialen Standards der Zulieferer, die Transparenz der Unternehmen und deren Umgang mit Klimarisiken. Nach Einschätzung von Alexander Barkawi, Managing Director bei der SAM Indexes GmbH, haben Nachhaltigkeitsaspekte Eingang in das Kerngeschäft der weltweit führenden Unternehmen gefunden. Allerdings gebe es weiterhin großen Spielraum für Verbesserungen. Dies mag insbesondere für weitere umstrittene Unternehmen gelten, die Trotz der Kritik an ihren Umwelt- und Sozialstandards Eingang in den DJSI World fanden. Dazu gehören etwa der der Ölmulti Shell, der Nestle-Konzern und die koreanische Samsung – laut dem Reputational Risk Index (RRI) gehören diese drei zu den kontroversesten Unternehmen weltweit (wir berichteten) – und fanden dennoch Eingang in diesen Nachhaltigkeitsindex.

Weiter gab SAM die Aktualisierungen in dem Europaindex Dow Jones Stoxx Sustainability Index (DJSI Stoxx) und dem DJSI North America bekannt. Auch bei ihnen überstieg die Anzahl der Neuaufnahmen die der Ausschlüsse deutlich. Nach Unternehmensangaben haben Vermögensverwalter aus insgesamt 16 Ländern die Nachhaltigkeitsindices von SAM und Dow Jones lizensiert. Das an ihrer Titelauswahl angelehnte Anlagevermögen summiere sich auf sechs Milliarden Dollar.

Bildhinweis: Gehören die Lufthansa oder die Atomkraftwerke betreibende RWE AG wirklich zu den Überfliegern in Sachen Nachhaltigkeit? / Quelle: Unternehmen
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