Wertbeständig, aber leider nicht ökologisch: Konventionell gefördertes Gold taucht auch in einigen nachhaltigen Fonds auf. / Foto: Pixabay

01.02.17 Fonds / ETF , Faires Gold

Krisensicher, aber umweltschädlich: Wieso setzen auch nachhaltige Fonds auf Gold?

"Krisenwährung", "verlässliche Rendite", "unentbehrlich für jedes Depot": Mit diesen Attributen wird Gold immer wieder als Anlage empfohlen. Nachhaltig orientierte Anleger sollten dabei aber bedenken: Unter dem Goldabbau leidet nicht nur die Umwelt. Auch die Arbeitsbedingungen in den Minen stehen immer wieder in der Kritik. "Der Abbau von Rohstoffen im Allgemeinen und von Gold im Speziellen geht mit etlichen Risiken einher", sagt Patrick Weltin, ESG Analyst Fixed Income bei der imug Beratungsagentur in Hannover, die Nachhaltigkeitsratings erstellt.

Beim Goldabbau kommen toxische Stoffe wie Quecksilber und Zyanid zum Einsatz, die unter anderem das Grundwasser vergiften. Im vergangenen Jahr musste etwa Perus Regierung wegen einer Quecksilber-Verschmutzung durch den Goldabbau den Notstand ausrufen. Ein 85.000 Quadratkilometer großes Gebiet im Regenwald wurde verseucht. Kein Einzelfall. Zum Teil werden international anerkannte Arbeitsstandards (International Labour Standards, kurz ILO) verletzt: Das Kinderhilfswerk Unicef berichtet zum Beispiel über Kinderarbeit in westafrikanischen Goldminen. Auch hat die Förderung häufig negative Folgen für die Anwohner der Minen, insbesondere für betroffene indigene Völker.

Schmutziger Goldabbau: Nachhaltigkeitsresearch pickt die weniger schwarzen Schafe heraus

Gemeinsam mit ihrem Research- und Vertriebspartner Vigeo Eiris bildet imug die Kontroversen rund ums Gold in einer Datenbank ab. "Sie werden für jedes Unternehmen erhoben, welches im Bergbau tätig ist", so Weltin. Außerdem werden diese kontroversen Vorfälle einem Schweregrad zugeordnet und die Reaktionen der Unternehmen auf die Vorwürfe erfasst. Bewertet wird ebenfalls, ob das Unternehmen nachweislich etwas dagegen unternimmt, etwa die Arbeitsbedingungen verbessert. Dies fließt dann in die Gesamtnote ein und kann zu einem besseren oder schlechteren Rating des Unternehmens führen.

Nutzer der Datenbanken können Unternehmen danach filtern, ob sie bestimmte Regeln einhalten oder verletzen. "Somit wäre es möglich, Förderunternehmen zu identifizieren, die keine oder nur wenige Standards verletzen. Bei einem kurzen Blick in den Benchmark-Vergleich wird auch deutlich, dass solche Unternehmen die Ausnahme sind", erklärt Weltin. 

Nachhaltige Fonds: Gibt es wirklich keine Alternativen zu Gold im Portfolio?

Dennoch investieren auch manche nachhaltige Fonds wie der Mischfonds BKC Treuhand Portfolio Fonds der Bank für Kirche und Caritas (BKC) in Goldaktien und ETFs. Etwa sechs Prozent des Fondsvolumens entfallen auf Gold und Silber. Der Anteil sei allerdings variabel und stehe durchaus in der Diskussion, sagt Helge Wulsdorf, Leiter Nachhaltige Geldanlagen der BKC. „Natürlich sehen wir den Goldabbau in den Minen und die sozialökologischen Folgen kritisch“, so der Experte.

Allerdings bemühten sich die Fondsmanager, keine Aktien von Goldunternehmen zu erwerben, die "Menschenrechte mit Füßen treten", so Wulsdorf. Dazu beziehen das BKC-Nachhaltigkeitsresearch und die Fondsmanager Informationen aus den bereits erwähnten Datenbanken. Ganz auf Goldaktien und -ETFs könne der Fonds jedoch aufgrund der angespannten Marktsituation nicht verzichten: Das Edelmetall gilt als krisensicher und ist ein Schutz gegen die Geldentwertung durch die Zentralbanken, welche die Märkte mit billigem Geld fluten.

Auch einige nachhaltige Fonds investieren in Gold –  aus Mangel an Alternativen, wie die Fondsmanager sagen. / Foto: Fotolia/tom


BN & P - Good Growth Fonds B: Gold als Krisenwährung gegen das Unerwartete

Ähnlich sieht es beim nachhaltigen Fonds BN & P - Good Growth Fonds B aus: Dieser Fonds investiert zeitweise in physisches Gold. "Wir sehen im Gold eine (Krisen-)Ersatzwährung und allokieren Gold in der Höhe zwischen 0 Prozent bis zu 10 Prozent des Fondsvolumens", erklärt Andreas W. Korth vom Good Growth Institut für globale Vermögensentwicklung in Sankt Augustin bei Bonn. "Wenn es Möglichkeiten gäbe, in faires Gold mit den ‚normalen‘ Anforderungen an Liquidität und Preisfindung zu investieren, dann würden wir das bevorzugen. Aktuell kenne ich aber keine entsprechenden Wertpapiere", so Korth.

Seit Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten habe man den Anteil in Gold abgebaut. "Es bleibt noch eine kleine Restposition, weil wir nicht ausschließen, dass Trump es nicht gelingt, ein umfassendes Investitionsprogramm aufzulegen und damit die Zinsen – anders als aktuell erwartet –  in den USA niedriger bleiben", erklärt Korth. "Insofern zählen wir aktuell nicht zu den 'Gold-Bullen', sondern sehen die Restposition eher als Diversifikation und Restabsicherung gegen das 'Unerwartete'."

imug: Gold mit Fairtrade-Standards wird nur in geringen Mengen gefördert

Eine Alternative wäre aus Sicht der imug nach Fairtrade-Standards gefördertes Gold: "Diese Standards stecken jedoch noch teilweise in der Pilotphase, dementsprechend gering ist das Volumen des verfügbaren Gold aus diesen Quellen. Eine Investition in Gold von großen Minen bzw. Unternehmen stellt also immer ein Abwägen dar", erläutert Weltin. "Mittel- bis langfristig sollten nachhaltige Investoren die Investition in zertifizierte Goldanlagemöglichkeiten dem konventionellen Gold vorziehen." Für die BKC-Fonds sei nachhaltiges Gold deswegen leider derzeit noch keine Alternative, erklärt Helge Wulsdorf von der Bank für Kirche und Caritas: "Die am Markt verfügbare Menge reicht aktuell nicht aus."

Noch gibt es offenbar zu wenig Fairtrade-Gold am Markt – und der Preisunterschied zum konventionellen Gold ist auch hoch. / Foto: Fotolia/Peter Franzmann

Und es könnte auch eine Kostenfrage sein: Der Preisunterschied zwischem konventionellem Gold und dem günstigsten Fairtrade-Produkt beträgt aktuell etwa 18 Prozent.


Worauf Anleger bei der Herkunft und beim Preis von Gold achten sollten, erklärt Rohstoff-Experte Martin Siegel im Interview. 
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