Laut der KTG Agrar wird der operative Betrieb trotz der Insolvenz fortgeführt und die Ernte eingebracht. Zur Deckung der Löhne und Gehälter werde eine Insolvenzgeldvorfinanzierung in die Wege geleitet. Ziel des Insolvenzverfahrens sei es, die KTG-Gruppe „langfristig zu erhalten“. Im Bild Erntearbeiten des Agrarkonzerns, der nach eigener Darstellung 45.000 Hektar besitzt. / Foto: Unternehmen

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KTG Agrar ist insolvent – welche Folgen hat das für die KTG Energie AG?

Die KTG Agrar hat einen Insolvenzantrag gestellt. Wie der Agrarkonzern am Nachmittag bekannt gab, hat das zuständige Amtsgericht Hamburg seinen Antrag auf die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung angenommen. Die Aktie von KTG Agrar verbilligte sich innerhalb weniger Minuten nach der Nachricht um 54 Prozent auf nur noch 0,37 Euro. Zuvor war der Aktienkurs innerhalb eines Monats um über 90 Prozent abgestürzt.

Die Nachricht schafft aber endlich mehr Klarheit über die Situation des Unternehmens. Die KTG Agrar hatte am 6. Juni 2016 die Zinszahlung für ihre Anleihe KTG Biowertpapier II nicht leisten können. An dem morgigen 7. Juli wäre die Zahlungsfrist dafür endgültig abgelaufen und hätten die Investoren das Recht gehabt, ihr Kapital komplett zurückzufordern. Die KTG Agrar hatte über diese Anleihe aus 2011 insgesamt 250 Millionen Euro eingesammelt. Sie hat eine Laufzeit bis Juni 2017. Der Börsenkurs ist nun auf 0,1 Euro abgestürzt. Die andere Unternehmensanleihe des Agrarkonzerns mit Laufzeit bis 2019 ist an der Börse noch zehn Euro wert. Beide haben einen Nominalwert von 100 Euro, was bedeutet, dass ein Rückzahlungsanspruch an die KTG Agrar zum Ende der Laufzeit in Höhe von 100 Euro je Stück besteht.

Die SdK Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger weist darauf hin, dass die Anleger, die in die Anleihen der KTG Agrar SE investiert haben, zunächst keine weiteren Zinszahlungen mehr erhalten werden. Sie müssen nach Einschätzung der SdK "damit rechnen, nur einen Bruchteil des ursprünglichen Nennwertes der Anleihen zurückzuerhalten".

Der KTG-Vorstand hat bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung weiter viel Einfluss

Die dem Agrarkonzern vom Amtsgericht gewährte Insolvenz in Eigenverwaltung unterscheidet sich von der Regelinsolvenz durch die Verteilung der Verantwortlichkeiten. Bei einer Regelinsolvenz übernimmt ein vom Gericht bestellter Insolvenzverwalter die Geschäfte und trifft alle wesentlichen Entscheidungen. Bei der Insolvenz in Eigenregie behält die Unternehmensführung ihren Handlungsspielraum weitestgehend. Vom Gericht wird dann noch ein Sachwalter bestellt, der die Führung berät und begleitet. Fachlich besteht kein Unterschied zwischen einem Insolvenzverwalter und einem Sachwalter.

Laut der KTG Agrar hat das Amtsgericht Hamburg den Rechtsanwalt Stefan Denkhaus, einen Sanierungsexperten von der Sozietät BRL Boege Rohde Luebbehuesen, zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Ziel des eingeschlagenen Verfahrens sei eine „zukunftsfähige Restrukturierung zur Fortführung der Unternehmensgruppe“. Hierbei würden „die Gläubiger eng eingebunden werden“. Die Unternehmensführung wolle in den nächsten Monaten einen Restrukturierungsplan erarbeiten. „Hierfür wird der Aufsichtsrat einen Chief Restructuring Officer (CRO) in Person von Herrn Rechtsanwalt Jan Ockelmann aus der Sozietät Johlke Rechtsanwälte in den Vorstand der KTG Agrar SE berufen“, teilte der Agrarkonzern ferner mit.

Keine Auswirkungen der Insolvenz auf die KTG Energie AG?

Das Unternehmen betonte, dass die Tochtergesellschaften der KTG Agrar SE von dem Insolvenzantrag nicht betroffen seien. Da ist eine gute Nachricht für die Aktionäre der KTG Energie AG. Deren Aktie sprang kurz nach der Mitteilung vom Nachmittag um über 73 Prozent auf 2,6 Euro. Der Börsenkurs iher Anleihe aus 2012 schnellte ebenfalls nach oben, ist aber mit 39 Euro noch immer weit vom Nominalkurs 100 Euro entfernt, der beim Rückzahlungstermin in 2018 fällig würde. Die Betreiberin von Biogasanlagen ist eigenständig an der Börse notiert, gehört aber mehrheitlich dem Mutterkonzern KTG Agrar. Dessen Agrarbetriebe sind allerdings die Hauptlieferanten für die Rohstoffe, mit der die Biostromproduzentin ihre Anlagen betreibt.

Für KTG Agrar sei es nur von Vorteil, wenn die Lieferungen fortgesetzt würden, da sie dafür Zahlungen durch die KTG Energie AG erhalte, stellte dazu am Nachmittag Dr. Thomas Berger fest, CEO der KTG Energie AG. "Sämtliche Biogas-Anlagen laufen auf Voll-Last und generieren unverändert langfristig gesicherte Erträge. Das Unternehmen ist substanziell profitabel und erwirtschaftet auch im laufenden Geschäftsjahr freie Cashflows", betonte Berger. Die KTG Energie AG führe aber Gespräche mit Lieferanten, Kreditversicherern und Banken, um ein unabhängiges Fortbestehen zu gewährleisten.

Doch auch auf anderer Ebene könnte sich die Insolvenz des Mutterkonzerns auf die Betreiberin von Biogasanlagen auswirken. Die KTG Agrar SE hat für die KTG Energie AG Bürgschaften für die Finanzierung von rund einem Drittel der Biogasanlagen gegenüber Banken abgegeben. Die KTG Energie AG bemühe sich darum, diese Finanzierungen unabhängig von der Unternehmenssituation der KTG Agrar SE zu sichern, sagte Berger dazu. Das Biogasanlagen-Portfolio der KTG Energie AG sei „mit rund 190 Millionen Euro in der Bilanz aktiviert und lediglich mit 100 Millionen Euro besichert. Somit bietet das bestehende Portfolio ausreichend Sicherheit, die zusätzlich gewährt werden kann“, so der CEO. Aber die KTG Agrar SE hat der KTG Energie AG auch einen Kredit zur Verfügung gestellt. Dessen Volumen bezifferte Berger mit rund 33 Mio Millionen Euro und hob hervor, dass dieser Kredit langfristig gewährt sei und frühestens 2021 fällig werde.

KTG Agrar SE: ISIN DE000A0DN1J4 / WKN A0DN1J
KTG Energie AG: ISIN DE000A0HNG53 / WKN A0HNG5
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