KTG Agrar ist pleite. Noch kurz vor dem Insolvenzantrag weckte Vorstandschef Siegfried Hofreiter Hoffnungen auf gute Ernteeinnahmen. Doch die gab es allenfalls in der Vergangenheit. / Foto: Unternehmen

19.10.16 Nachhaltige Aktien , Meldungen , Anleihen / AIF

KTG Agrar SE: Hinweise auf Vetternwirtschaft

Wo sind bei der KTG Agrar SE die vielen Millionen Euro geblieben, die Anleger in den Agrarkonzern investiert haben? Dieser Frage gehen nicht nur Juristen nach. Recherchen des Wirtschaftsmagazins 'Capital' legen nahe, dass mehrere Unternehmen von Aufträgen der KTG Agrar SE profitiert haben, bei denen Vertraute von Vorstandschef Siegfried Hofreiter Eigentümer sind.

Unter Berufung auf Einträge im Handelsregister und auf Aussagen von Firmeninsidern erläutert das Magazin, dass zum Beispiel Tochterfirmen des Agrarkonzerns für Erntearbeiten regelmäßig einen Dienstleister auf Usedom beauftragten, der Hofreiters langjähriger Lebensgefährtin und KTG-Großaktionärin Beatrice Ams gehöre. Dafür habe dieser Dienstleister Preise weit über dem marktüblichen Niveau kassiert. Eine Agrarfirma wiederum, an der Ams' und Hofreiters gemeinsamer Sohn beteiligt sei, habe von einer Biogas-Tochter des Konzerns einen über 15 Jahre laufenden Vertrag für Substratlieferungen in einem Gesamtvolumen von mehreren Millionen Euro erhalten.

ECOreporter.de hatte bereits über finanzielle Ungereimtheiten bei der KTG Agrar SE berichtet und über Chancen von Anlegern auf Schadensersatzansprüche. Unter anderem informierten wir über Mängel bei der Kostenkontrolle und darüber, dass sich die Vorstandsgehälter bei der KTG Agrar SE auf „phantastischem Niveau“ bewegt haben sollen.

Der seit Anfang Juli 2016 insolvente Agrarkonzern hatte über Anleihen bei Investoren insgesamt rund 342 Millionen Euro eingesammelt. Laut dem im Sommer neu eingesetzten Sanierungsvorstand Jan Ockelmann verfügte die KTG Agrar SE zum Zeitpunkt des Insolvenzantrages im Juli über weniger als zehn Millionen Euro Liquidität. Die Insolvenzquote für die Gläubiger dürfte laut Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus äußerst gering ausfallen. Auf seinen Vorschlag hin hat die Gläubigerversammlung des Agrarkonzerns beschlossen, die KTG Agrar SE abzuwickeln.  Zuvor hatte die Gustav Zech Stiftung deren Agrar-Aktivitäten übernommen. Die Aktie, die zum Jahresbeginn noch mit über 13 Euro gehandelt wurde, ist an der Börse nur noch drei Eurocent wert.

KTG Agrar SE: ISIN DE000A0DN1J4 / WKN A0DN1J
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