Photovoltaikprojekt von Canadian Solar. Der Konzern baut zwar sein Projektgeschäft aus. Wann er wesentliche Einnahmen daraus verbuchen wird, ist aber unklar. Ist die Solaraktie deshalb zu riskant oder hat sie dennoch Kurspotential? / Foto: Unternehmen

11.03.16 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Kursabsturz von Canadian Solar – Finger weg von der Solaraktie oder jetzt zugreifen?

Canadian Solar hat 2015 einen Rekordumsatz erwirtschaftet und die Jahresprognose übertroffen. Dennoch brach der Aktienkurs ein. Was hat die Börsianer verschreckt und welche Aussichten hat die Solaraktie jetzt?

Seit ECOreporter.de im November 2015 einen  Aktientipp mit einer Kaufempfehlung  für die Aktie von Canadian Solar  veröffentlicht hat, ging es für deren Kurs auf und ab. Nach einem starken Wertzuwachs im Dezember folgte im Januar im Zuge des allgemeinen Negativtrends an den Börsen ein Kursverfall, ehe im Februar eine neue Kurserholung einsetzte und die Aktie wieder so viel kostete wie vor drei Monaten. Nun hat Canadian Solar die Bilanz für das vierte Quartal und das Gesamtjahr veröffentlicht. Kurz darauf brach der Aktienkurs an der Nasdaq um über 13 Prozent auf 18,9 Dollar erneut ein. Sie notiert damit wieder auf dem Niveau vom November.

Dabei sind die Zahlen zum Teil sehr gut ausgefallen. Schon vor vier Wochen hatte Shawn Qu, Chairman und Chief Executive Officer (CEO) von Canadian Solar, angekündigt, dass die erst im November erhöhte Jahresprognose wohl noch übertroffen wurde. Nun gab er bekannt, dass Canadian Solar in 2015 Solarmodule mit einer Gesamtkapazität von 4,7 Gigawatt (GW) ausgeliefert hat, von denen 4,4 GW in die Bilanz für das Gesamtjahr eingeflossen seien. Im November hatte er 4,2 GW in Aussicht gestellt. 2014 hatte Canadian 2,8 GW ausgeliefert. Der Jahresumsatz des Solarkonzerns erreichte mit 3,5 Milliarden Dollar einen neuen Rekordwert nach knapp drei Milliarden Dollar im Vorjahr. Shawn Qu hatte im November die Umsatzprognose für 2015 von bis zu 3,0 Milliarden Dollar auf bis zu 3,3 Milliarden Dollar angehoben.

Starker Rückgang beim Jahresgewinn

Aber dennoch erlitt der Solarkonzern einen Gewinneinbruch. Der Nettogewinn lag mit 171,9 Millionen Dollar oder 2,93 Dollar je Aktie klar unter dem Vorjahreswert von 239,5 Millionen Dollar oder 4,11 Dollar je Aktie. Das dürfte viele Börsianer enttäuscht haben. Shawn Qu erklärte die schwache Gewinnentwicklung damit, dass Canadian Solar in 2015 viele umgesetzte Solarparks nicht an Investoren verkauft, sondern im Besitz behalten habe. Das hatte das Unternehmen auch im ersten Halbjahr 2015 angekündigt und war damit mit einem Kurseinbruch der Aktie abgestraft worden. Damals wie auch jetzt argumentierte der CEO, dass sich der Solarkonzern die Option offen halten wolle, diese Photovoltaikprojekte in eine Betreibergesellschaft einzubringen, eine so genannte YieldCo. Diese könne Canadian Solar an die Börse bringen und Einnahmen aus der Aktienemission für weitere Investitionen nutzen. Laut Shawn Qu betreibt der Konzern derzeit Solarparks mit einer Gesamtkapazität von knapp 0,4 GW. Die Projektpipeline umfasse über zehn GW, von denen mehr als ein GW in 2016 in Betrieb gehen sollen. Der Großteil dieser Solarfarmen werde in den USA errichtet, so der CEO.

Neben dem Gewinneinbruch hat offenbar auch die Unsicherheit über die Einnahmen im laufenden Jahr viele Börsianer verschreckt. Shawn Qu stellte für 2016 nur 2,9 Millionen bis 3,1 Millionen Dollar Umsatz in Aussicht. Dabei sollen die Auslieferungen weiter steigen, auf 5,4 bis 5,5 GW. Der CEO erklärte dies damit, dass er noch nicht vorhersagen könne, in welchem Umfang Canadian Solar Einnahmen über den Verkauf von Solarparks erzielen werde. Schließlich sei es möglich, dass sich die Unternehmensführung dazu entschließe, sie überwiegend in eine YieldCo einzubringen. Würden Canadian Solar fertig gestellte Projekte dagegen verkaufen, könne der Jahresumsatz deutlich höher ausfallen. Möglich seien 3,6 Milliarden Dollar und damit mehr als in 2015. Eine Gewinnprognose gibt Canadian Solar nie heraus.

Was für die Aktie von Canadian Solar spricht

In den letzten Jahren hat sich der Solarkonzern mit Hauptsitz in der kanadischen Provinz Ontario durch konservative Prognosen ausgezeichnet. Stets stapelte die Unternehmensführung tief und hat am Ende bessere Jahreszahlen vorgelegt als angekündigt. Daher erscheint der Kurseinbruch von Canadian Solar an der US-Börse übertrieben. Zumal der CEO bei der Präsentation der Bilanz ankündigte, dass der Konzern seine Produktion weiter ausbauen und die Kosten weiter verringern will. Die Modulkapazitäten sollen von 4,3 GW zum Jahresende 2015 bis zum Abschluss dieses Jahresende auf 5,7 GW anwachsen. 4,1 GW der Kapazitäten sollen auf Fabriken in China entfallen, 0,5 GW auf Standorte Kanada, 0,3 GW auf eine Fabrik in Brasilien und der Rest auf Produktionsstätten in weiteren asiatischen Ländern wie Vietnam. Damit positioniert sich Canadian Solar aussichtsreich in Regionen mit besonders wachstumsträchtigen Photovoltaikmärkten. Der Konzern zählt zu den größten Solarherstellern der Welt, ist im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten solide finanziert und kann daher in weiteres Wachstum investieren. Vieles spricht dafür, dass Canadian Solar auch das Projektgeschäft erfolgreich gestalten wird. Die Aussichten auf langfristiges Wachstum sind daher sehr gut. 2016 könnten die Einnahmen aber noch deutlich schwanken und entsprechend auch der Aktienkurs des Konzerns. Für Anleger mit längerem Anlagehorizont bietet sich aber eine günstige Gelegenheit zum Einstieg in die Solaraktie. Im deutschen Handelssegment Tradegate hat sie heute Morgen wieder zugelegt. Sie verteuerte sich bis 11 Uhr um ein Prozent auf 17,1 Euro.
 
Canadian Solar Inc.: ISIN CA1366351098 / WKN A0LCUY
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