Photovoltaikprojekt mit Modulen von Trina Solar. Deren Aktie war mit einem Plus von 750 Prozent die erfolgreichste Solaraktie des vergangenen Jahres. / Quelle: Unternehmen

14.01.14 Aktientipps , Nachhaltige Aktien , Meldungen

Kursraketen - Experten sehen Solaraktien weiter im Aufwind

Viele Solaraktien haben im vergangenen Jahr zweistellige Wertzuwächse erzielt, einige Solarwerte wie etwa Canadian Solar konnten sogar dreistellig zulegen. In den letzten Wochen ging es dann für etliche dieser Anteilsschein wieder abwärts: Investoren stießen im großen Umfang Solaraktien ab, um die Kursgewinne zu Geld zu machen, worauf die Anteilsscheine an Wert verloren. Nach Einschätzung mancher Experten versäumen sie damit aber die Gelegenheit, von neuen Kurszuwächsen zu profitieren. Sie raten dazu, die Chance vergleichsweise günstiger Kurse zu nutzen und Aktien aussichtsreicher Solarkonzerne einzukaufen.

Zu diesen Optimisten zählt zum Beispiel Vishal Shah, der die Entwicklung des Solarmarktes für die Deutsche Bank beobachtet. Der Analyst  empfiehlt, die Aktien von von Yingli Green Energy und Trina Solar aus China zu kaufen und die Anteilsscheine von SunPower und First Solar aus den USA zumindest zu halten. Die Aktie von First Solar hatte sich in 2013 um 80 Prozent verteuert, die von SunPower sogar um 437 Prozent. Der Anteilsschein von Yingli legte im vergangenen Jahr 95 Prozent zu und der von Trina Solar um 84 Prozent.
Vishal Shah verweist darauf, dass im vergangenen Jahr vor allem das Engagement eher kurszfristig ausgerichteter Investoren die starken Kurszuwächse von Solaraktien angetrieben habe. Viele von diesen hätten sich zuletzt mit Gewinn verabschiedet oder zumindest ihr Engagement verringert. Doch nun seien Solaraktien für längerfristig ausgerichtete Investoren wieder zunehmend interessant geworden. Die habe zwischenzeitlich der Markteinbruch bei den Solarherstellern mitsamt deren massiven Kurseinbrüchen verschreckt. Doch die Marktbereinigung sei nun weitgehend abgeschlossen und es sei absehbar, dass sich die Solarbranche zumindest bis 2015 eindeutig auf einem starken Wachstumskurs befinde.

Das werde sich wahrscheinlich bereits im ersten Quartal 2014 zeigen, vermutet der Experte der Deutschen Bank. Das erste Vierteljahr sei infolge der ungünstigen Witterungsbedingungen in vielen Solarmärkten üblicherweise von einer abgeschwächten Nachfrage für Solartechnik geprägt. Laut dem Analysten spricht aber vieles dafür, dass im ersten Quartal 2014 die Nachfrage vor allem in China, dem derzeit wachstumsstärksten Solarmarkt der Welt, ungewöhnlich hoch ausfallen wird. Doch nicht nur dieser werde in den ersten Monaten des neuen Jahres seine Dynamik behalten, auch für Japan und Großbritannien sei bereits für das erste Quartal mit einer hohen Nachfrage zu rechnen. Das sei der Auftrakt zu einem wahren „Goldrausch“, den Vishal Shah für die Solarkonzerne kommen sieht.

Nach einem globalen Zubau von 30 Gigawatt (GW) in 2012 gingen nach Berechnungen vieler Experten im vergangenen Jahr insgesamt rund 35 GW neue Soalrstromkapazität ans Netz. In 2014 dürfte der Zubau den Prognosen zufolge weit über 40 GW liegen. Vishal Shah sagt für dieses Jahr einen Zubau von 46 GW und für das kommende Jahr sogar 56 GW voraus. Diese Entwicklung werde Solarherstellern zu Gute kommen, da die Nachfrage stärker steige als das Angebot an Solarkomponenten. Der Analyst erwartet Engpässe etwa bei Polysilizium, Wafern und Zellen und hält in diesen Segmenten einen Preisanstieg zwischen 10 und 20 Prozent für möglich. Das werde zu steigenden Gewinnen der Solarhersteller und zu Kurszuwächsen ihrer Aktien führen. Vishal Shah hät es sogar für denkbar, dass die Hersteller ähnliche Kapazitätssprünge wie zwischen 2005 und 2007 hinlegen werden, der bisherigen Blütezeit für Solaraktien.

Dies erklärt der Experte der Deutschen Bank unter anderem damit, dass sich Solarkomponenten so stark verbilligt haben, dass Solarstrom in immer mehr Regionen der Welt mindestens so günstig produziert werden kann wie herkömmlicher Strom, immer öfter sogar noch billiger. Zumal er dezentral erzeugt werden kann, also keine umfassendes Netz vorn Stromleitungen bedarf. Deshalb und weil immer mehr Regierungen vor allem in Schwellenländern auf regenerative Energie setzen und deren Ausbau fördern, wird die Nachfrage für Solartechnik laut Vishal Shah weltweit immer weiter anwachsen.

Sehr zuversichtlich ist auch Christofer Rathke von Arcane Capital Advisors Private Limited aus Singapur, die mit dem Luxembourg Selection Asian Solar&Wind A1 den mit Abstand erfolgreichsten Erneuerbare-Energien-Aktienfonds des vergangenen Jahres betreut (mehr darüber erfahren Sie in unserer Analyse der Wertentwicklung der Erneuerbare-Energien-Aktienfonds im Dezember und im Gesamtjahr 2013). Rathke sieht in den letzten Kursabschwüngen ebenfalls eine „gute Kaufgelegenheit“ für die Aktien, in die dieser Fonds stark investiert ist. Dazu zählen die chinesischen Solarhersteller JA Solar, Trina Solar und Renesola, aber auch Canadian Solar, die ihren Hauptsitz in Kanada hat, aber zum großen Teil in chinesischen Fabriken fertigen lässt.

Für diese Werte „rechnen wir im Schnitt mit etwa 40 bis 50 Prozent weiterem Aufwärtspotential“, so Rathke. Das Wachstum dieser Unternehmen werde insbesondere von dem enormen Nachfrageschub in China getrieben, wo die Regierung das Ziel ausgerufen hat, bis 2015 eine installierte Solarstromkapazität von 35 Gigawatt (GW) zu erreichen. Zum Vergleich: Deutschland, der weltweit größte Solarmarkt, hat mehr als ein Jahrzehnt gebraucht, um eine solche Gesamtkapazität zu erreichen. China würde dies innerhalb von vier Jahren gelingen, wenn der Plan der Regierung aufgeht. Mit acht GW hat die Volksrepublik in 2013 so viel neue Solarstromkapazität installiert, wie es bislang noch in keinem Markt oder Jahr gelungen ist. Um das angestrebte Ziel zu erreichen, müsste dieser Rekord in 2014 übertroffen werden. Die chinesische Energiebehörde hat jetzt angekündigt, dass allein im kommenden Jahr Photovoltaikprojekte mit einer Gesamtleistung von zwölf GW neu installiert werden. Aufgrund der hohen Eintrittshürden für westliche Solarhersteller profitieren davon fast ausschließlich die Solarkonzerne aus China. „Diejenigen, die außerdem auch Projektegeschäfte betreiben, partizipieren doppelt von diesem Boom“, stellt Rathke dazu fest.
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