04.07.01

L: Die steuerliche Lage bei Windfonds

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Kommanditisten, und das sind die meisten Anleger bei Windfonds, sind aus der Sicht des Finanzamtes "Mitunternehmer". Das kann für sie einen großen steuerlichen Vorteil bedeuten: Sie haben durch diese Einstufung Einkünfte aus Gewerbebetrieb und können ihre Verluste steuerlich geltend machen - wiederum bis zur Höhe ihrer Beteiligung. Voraussetzung dafür ist, daß die Gesellschaft in ihren ersten ein oder zwei Jahren Verluste einfährt, etwa wenn zunächst kaum Einnahmen erzielt werden. Ein Beispiel: Ein Anleger hält einen 10.000-Marks-Anteil. Die Gesellschaft fährt im ersten Jahr rein rechnerisch Verluste ein, weil die Anlage in diesem Jahr errichtet wird. Die Verlustzuweisung beträgt 10.000 Mark. Diese 10.000 Mark Verlustzuweisung kann der Anleger von seinem sonstigen Einkommen abziehen, das er versteuern muß. Das ist besonders dann vorteilhaft, wenn der Anleger dadurch eine Stufe in der Steuerprogression niedriger rutscht. Eine "hundertprozentige Verlustzuweisung" bedeutet allerdings nicht, daß man mit einem Anteil von 10.000 Mark dieselbe Summe Steuern spart: Wer beispielsweise 80.000 Mark im Jahr verdient und durch die Verlustzuweisung auf 70.000 Mark kommt, zahlt für diese 10.000 Mark weniger Steuern - bei einem Steuersatz von 25 Prozent 2.500 Mark.

Mit dem Steuerentlastungsgesetzes 1999/2000/2002 haben sich allerdings einige steuerliche Vorzeichen von Beteiligungen an Windkraftfonds geändert, wie bei anderen geschlossenen Fonds auch. Bis zur Neuregelung konnten negative Einkünfte aus unternehmerischen Beteiligungen im selben Jahr mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden. In der Praxis heißt das, dass man sein Einkommen mit Verlusten aus unternehmerischer Beteiligung verrechnen konnte. Mehr als 100 Prozent Verlustzuweisung waren keine Seltenheit und mit ein Grund für den Boom der Windenergie.

Durch das Steuerentlastungsgesetzes 1999/2000/2002 sind Windkraftfonds insbesondere von den neu geschaffenen ßß 2b und 2 III EstG betroffen. Mit ß 2 III EStG wird die Verlustverrechnung generell begrenzt: 100.000 für Ledige; 200.000 bei zusammen veranlagten Verheirateten. Ziel des ß 2b EStG ist es, den Ausgleich von Verlusten zwischen verschiedenen Einkunftsarten auszuschließen, sofern sie aus der Beteiligung an sogenannten Verlustzuweisungsgesellschaften resultieren. Verluste sollen dann nur noch mit zukünftigen Gewinnen aus der gleichen Beteiligung oder mit Gewinnen aus weiteren Beteiligungen dieser Art verrechnet werden dürfen - aber nicht mehr zwischen den verschiedenen Einkunftsarten.

Verlustzuweisungsgesellschaften sind laut ß 2b EStG Beteiligungsmodelle, bei denen "die Erzielung steuerlicher Vorteile im Vordergrund steht". Dies ist nach dem Gesetz dann gegeben, wenn die Rendite auf das eingesetzte Kapital nach Steuern mehr als das Doppelte der Rendite vor Steuern beträgt. Da der zugrundeliegende Paragraph jedoch sehr schwammig formuliert ist, bleibt abzuwarten, welche Beteiligungen die Finanzrichter als reine "Steuer-Spar-Beteiligungen" ansehen werden.
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