Produktion bei SolarWorld: Der Bonner Solarkonzern muss weitere Mitarbeiter entlassen. / Foto: Unternehmen

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Lage von SolarWorld spitzt sich zu – Aktie im freien Fall

Für die insolvente SolarWorld AG wird die Luft offenbar immer dünner. Der vorläufige Insolvenzverwalter muss weitere Stellen streichen, da die Einnahmen nicht ausreichen, und gab bekannt, dass sich ein möglicher Einstieg von Investoren deutlich verzögert.

Für die verbliebenen Mitarbeiter der SolarWorld AG hat die Woche übel begonnen. Am heutigen 17. Juli hat Rechtsanwalt Horst Piepenburg, der vorläufige Insolvenzverwalter des Solarkonzerns, ihnen gegenüber erhebliche Stellenstreichungen angekündigt. Die zum Konzern gehörenden Unternehmen unter Gläubigerschutz seien – nach dem Insolvenzgeldzeitraum als Übergangsfrist – nicht in der Lage, ab dem 1. August 2017 "die Personalkosten für die derzeit noch 1.850 Beschäftigen zu leisten", so Piepenburg.

Es sei zwar ein "Neugeschäft im niedrigen zweistelligen Millionenbereich generiert" worden. Das reiche aber nicht aus, um die Personalkosten abzudecken. SolarWorld sei daher gezwungen, "signifikant" Personalkosten einzusparen und Mitarbeiter zu entlassen. Zum Zeitpunkt des Insolvenzantrags am 11. Mai 2017 hatte SolarWorld nach eigenen Angaben noch knapp 2.200 Beschäftigte. Schon in den zwei Monaten seither gab es also bereits einen starken Abbau von Arbeitsplätzen, der aber laut Piepenburg aufgrund "hoher Produktionskosten" noch immer nicht ausreicht.

Der vorläufige Insolvenzverwalter stellte klar: "Ziel ist und bleibt es, dass die insolventen Unternehmen ab Eröffnung des Insolvenzverfahrens mit einer reduzierten Belegschaft unter den Bedingungen weiterlaufender Produktion und weiter betriebener Fertigungsstraßen im Interesse potenzieller Investoren und im Einvernehmen mit den Gläubigern fortgeführt werden können", erklärt Piepenburg.

An den Produktionsstandorten in Freiberg (Sachsen) und Arnstadt (Thüringen) produziert SolarWorld bislang im Drei-Schicht-System. Der vorläufige Insolvenzverwalter versicherte, er werde "alles dafür tun, die Produktion an den Standorten zu erhalten". Das sei "insgesamt die Basis für das weitere Bieterverfahren, für einen erfolgreichen Verkauf der Vermögenswerte im Interesse die Gläubiger und für eine Perspektive der Photovoltaik in Deutschland".

Mögliche Investoren vorsichtig, Aktienkurs stark unter Druck

Zu den Gläubigern des Solarkonzerns gehören auch Investoren, die in Anleihen von SolarWorld investiert haben. Wie die Aktionäre des Unternehmens müssen sie hoffen, dass ein Investor einsteigt und der SolarWorld AG unter die Arme greift. Doch ob es dazu kommt, bleibt wohl noch lange offen. Nach Angaben von Piepenburg prüfen derzeit "mehrere interessierte strategische Investoren" die Wirtschaftlichkeit der Unternehmen im SolarWorld-Konzern. Interessierte Investoren hätten allerdings "einen weiteren Prüfungsbedarf von bis zu vier Monaten signalisiert. Die Rechtsverhältnisse seien komplex und die Vorstellungen über diverse künftige Geschäftsszenarien müssten gründlich analysiert und kalkuliert werden", so der Rechtsanwalt dazu.

Die schlechten Nachrichten setzten den Aktienkurs von SolarWorld erneut unter Druck. Die Solar-Aktie stürzte im Xetra innerhalb kurzer Zeit um 1 Prozent auf 1,01 Euro ab (16 Uhr). Am Tag vor dem Insolvenzantrag im Mai war sie noch mit 3,6 Euro gehandelt worden, auf Jahressicht um 77 Prozent. ECOreporter.de rät schon viel länger von dem Investment ab.

SolarWorld AG: ISIN DE000A1YCMM2 / WKN A1YCMM
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