Aufbau eines Offshore-Windparks. / Quelle: Siemens

20.11.13 Erneuerbare Energie

Leere Auftragsbücher für deutsche Offshore-Windkraftfirmen

Mehr Planungs- und Investitionssicherheit ist für den weiteren Ausbau der deutschen Windkraft auf See unerlässlich. Darauf haben Vertreter der deutschen Offshore-Branche hingewiesen. Sie reagierten damit auf die Feststellung von Bundesumweltminister Peter Altmaier bei den Verhandlungen von Union und SPD über eine große Koalition, dass die Ausbauziele für die Offshore-Windkraft gesenkt werden müssten. Um das Ziel zu erreichen, bis 2020 in den deutschen Gewässern zehn Gigawatt (GW) Windstromleistung am Netz zu haben, waren im EEG hohe Einspeisetarife für Offshore-Windstrom festgelegt worden. Nun peilt Altmaier bei der Offshore-Windkraft bis 2020 nur 6,5 GW an. Bis 2030 sollen es nur noch 15 GW statt wie bisher geplant 25 GW sein.

Laut Thorsten Herdan, Vizepräsident der Stiftung Offshore-Windenergie und Geschäftsführer VDMA Power Systems, muss es aber schon kurzfristig klare Rahmenbedingungen für Investitionsentscheidungen für Offshore-Windparks geben. Nur dann sei wenigstens das Ziel von 6,5 GW Offshore-Windkraftleistung bis 2020 zu erreichen. „In ganz Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren eine vorwiegend mittelständisch geprägte Offshore-Industrie mit etwa 18.000 Arbeitsplätzen und einem Umsatz von insgesamt rund sechs Milliarden Euro entwickelt. Momentan steht die Branche allerdings vor leeren Auftragsbüchern, weil die fehlende Klarheit über die zukünftigen politischen Rahmenbedingungen Investitionsentscheidungen derzeit nahezu unmöglich macht“, ergänzt Norbert Giese, Vizepräsident Offshore Development REpower und stellvertretender Vorsitzender der Windenergie Agentur Bremerhaven.

Marktbeobachtern zufolge kostet ein Windpark mit 400 Megawatt (MW) Leistungskapazität rund 1,5 Milliarden Euro und benötigt fünf Jahre oder länger um realisiert zu werden. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Finanzierung solcher Großprojekte. Das ist neben Problemen beim Netzanschluss ein wesentlicher Grund dafür, warum in deutschen Gewässern in der ersten Jahreshälfte 2013 nur Windräder mit insgesamt 105 MW installiert wurden. Ende Juni verfügte Deutschland damit lediglich über 385 MW Offshore-Windkraft-Kapazität.  

Um bereits eingetretene Verzögerungen beim Ausbau der Offshore-Windenergie aufholen zu können, fordert Georg Friedrichs, Vattenfall Vice President Offshore Wind Developement schnellstmöglich klare gesetzliche Grundlagen. „Die EEG-Vergütung sollte den Betreibern von Offshore-Parks zeitgleich mit der verbindlichen Zuweisung ihrer Anbindungskapazität zugesichert werden. Dadurch erhalten Investoren Klarheit darüber, dass sie bei der Inbetriebnahme des Windparks jene Vergütung erhalten, auf der die langjährigen Planungs- und Realisierungsphasen beruhen. Nur so ist es möglich, dass das in den Koalitionsverhandlungen derzeit diskutierte Ziel von 6,5 Gigawatt auch tatsächlich erreicht werden kann“, so Friedrichs.
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